Zentralvenenkatheter

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Ein Zentraler VenenKatheter (auch Zentraler Weg, abgekürzt ZVK) ist ein in die Vena cava superior oder inferior vorgeschobener Katheter, dessen Spitze vor dem rechten Vorhof ( also zentral) liegt. ZVK sind auf Intensivstationen, in den Intermediate Care Bereichen und innerhalb der Notfallversorgung Routine und ein Arbeitsmittel dessen sich Intensivmedizin und Intensivpflege gleichermaßen bedienen. In Deutschland werden jährlich etwa 1,5 Millionen zentralvenöse Katheter gelegt und gehören somit zu den häufigsten eingesetzten Medizinprodukten. Vorzugsweise werden Mehrlumenkatheter eingesetzt.

dreilumiger ZVK in der v. subclavia, Patient mit Pflasterallergie

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Indikationen

[Bearbeiten] Kontraindikationen

Wenn geübte Ärzte mit professioneller Assistenz durch eine Pflegefachkraft punktieren, sind normalerweise für die Anlage eines ZVK keinerlei Kontraindikationen gegeben. Innerhalb folgender Situationen trifft diese generelle Aussage allerdings nicht zu:

  1. Hautveränderungen an der Punktionsstelle
  2. Massive Gerinnungsstörungen
  3. Lungenemphysem (keine Punktion der V. subclavia!)
  4. Versorgung des Patienten auf „Normalstationen“, auf denen dieses Verfahren nicht „gängig“ ist bzw. die Mitarbeiter nicht speziell eingewiesen wurden
  5. Gerinnungsstörungen, z.B. hoher INR unter Antikoagulation
  6. Prinzipiell sollten alle Venen eines potentiellen Dialysepatienten geschont werden - also ab Niereninsuffizienz Stadium III und mit zusätzlichen Progressionsfaktoren (Hypertonie, Proteinurie, sonographisch erkennbar verkleinerten Nieren), rät Professor Dr. Markus Hollenbeck (Bottrop) in seinem Beitrag zum aktuellen Jahrbuch der "Akademie Niere". [1]

[Bearbeiten] Punktionsorte

Die Wahl des Punktionsortes erfolgt grundsätzlich als individuelle Entscheidung auf der Grundlage der Situation des Patienten durch den punktierenden Arzt. Meist wird der ZVK durch die Seldinger-Technik gelegt. Aus intensivpflegerischer Sicht ist auch der Erhalt des Selbstfürsorgeprinzips des wachen Patienten zu berücksichtigen (Vermeidung einer nicht nötigen Immobilität).

[Bearbeiten] Übersicht: Zusammenfassung möglicher Komplikationen

v. basilica/cephalica: Hohe Rate von Thrombophlebitiden, Herzrhythmusstörungen durch Vorrutschen des Katheters, Herzwandperforation.

v. femoralis: Grosse Infektionsgefahr wegen benachbarter Areale. Bein muss absolut ruhig gestellt werden.

v. jugularis externa: Perforation des Gefässes mit starker Blutung, selten Pneumothorax, geringere Bewegungseinschränkung.

v. jugularis interna: Pneumothorax (nur bei Verwendung zu langer Kanüle), Hämatothorax, durch Perforation eines unteren Segmentes der Vene, Luftembolie, Chylothorax: nur bei linker Jugularvene durch Punktion des Ductus thoracicus, Infusionsthorax bei unbemerkter Perforation, grössere Blutung und Luftembolie bei Diskonnektion.

v. subclavia: Hauptsächlich Pneumothorax, Hämathothorax durch Perforation der A. subclavia, Luftembolie, Infusionsthorax, Verletzung des Plexus brachialis.

[Bearbeiten] Vorgehen bei der Punktion

  1. Inspektion der Punktionsregion eventuell auch mit dem Ultraschall (Übersicht schaffen)
  2. Bei der Vena jugularis Kopftieflagerung (bessere Füllung der Vene)
  3. Örtliche Betäubung beim wachen Patienten
  4. Punktion in steriler Technik ( blind, unter Tastung der Halsschlagader, unter Ultraschallsicht)
  5. Fixierung und Spülung des Katheters
  6. Lagekontrolle (eventuell Röntgenaufnahme zum Ausschluß eines Pneumothorax)
  7. ZVK müssen, wegen der Gefahr einer Myokardirritation durch die Katheterspitze (Tachykardien, Flimmern) unter EKG-Kontrolle gelegt werden. In der Anästhesie möglichst nach der Narkoseeinleitung, um reflektorische Störungen zu vermeiden.

[Bearbeiten] Infektionswege der katheterassoziierten Infektion

Zu den häufigsten Komplikationen der Venenkatheter gehören lokale Infektionen und katheterbedingte Septikämien. Nach aktuellen Zahlen des KISS-Systems liegt die Rate dieser Septikämien in Deutschland bei 1,2 Promille. Trotzdem gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken hinsichtlich des Auftretens von ZVK-assoziierten Septikämien, was für die unterschiedliche Einhaltung der Hygiene- und Präventionsmaßnahmen spricht. Auch besteht weiterhin ein aktueller Bedarf an gezielten Infektionskontrollprogrammen und Schulungen für das medizinische Personal.

[Bearbeiten] Hygienische Grundregeln:

Einfache Regeln vermeiden zwei Drittel aller katheterassoziierten Bakteriämien:

Anlage des Katheters:

Prophylaxen

  1. Vermeidung des femoralen Zugangs (wenn möglich Subclavia-Zugang)
  2. Konsequente Entfernung von „unnötigen Kathetern“.
  3. Regelmäßige Verbandkontrollen, am besten mit einem transparenten Folienverband (siehe auch ZVK Verbandwechsel). Dieser hat den Vorteil bis zu 7 Tage belassen werden zu können, da die Einstichstelle optimal beobachtet werden kann. Beachte:Hygienische Händedesinfektion
  4. Der Katheter sollte nach Möglichkeit dauerhaft "befahren" werden, das heißt, es sollten möglichst kontinuierlich Infusionen über einen Schenkel laufen (zur Vermeidung von Koagelbildung).
  5. Die Diskonnektierung von Infusionssystemen sollte auf ein Minimum reduziert werden. Ein Infusionssystem, über das keine Fettlösung läuft, kann bis zu 72 Stunden belassen werden, fetthaltige Infusionen nur 12 Stunden (hierzu zählen auch Propofol und Etomidat, die Sojaöl als Trägerlösung haben). Nicht jede leere Flasche abhängen, sondern nur am System zudrehen und so lange angeschlossen lassen, bis die nächste Flasche angehängt wird.
  6. Ein "Strukturiertes Training“ in Medizin und Pflege kann die Infektionsrate um die Hälfte reduzieren und auf tiefem Niveau halten. Allerdings macht sich eine periodische Überprüfung bezüglich der Einhaltung der Hygienevorschriften notwendig.
  7. Die heutigen Richtlinien empfehlen durchweg, den Katheter zu belassen, solange keine Hinweise auf Infektionen oder andere Komplikationen vorliegen..." (Dettenkofer).
  8. Zur langfristigen Infusionstherapie (länger als 3 Wochen, z. B. bei Chemotherapie oder dauerhafter parenteraler Ernährung) dienen z. B. der Hickman-Katheter oder der i.v.-Port.

[Bearbeiten] Antimikrobielle Venenkatheter

Durch Imprägnierungen oder Beschichtungen können Venenkatheter antimikrobiell ausgerüstet werden. Diese Verfahrensweisen führen zu deutlich weniger Septikämien bei Intensivpatienten. Verwendet werden Beschichtungen aus Silber, Chlorhexidin-Silbersulfadiazin oder Antibiotika. Für die routinemäßige Anwendung wird der Chlorhexidin-Silbersulfadiazin-Katheter (CHSS) empfohlen. Er zeichnet sich durch eine hohe Anwendungssicherheit und breite antimikrobielle Wirkung aus. Mit Antibiotika oder mit Antimykotika beschichtete Katheter bergen das Risiko der Resistenzbildung und sind daher nur unter strengster Risikoabwägung akzeptabel.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Anaesthesie-Intensivmedizin.com, 17.02.2012

[Bearbeiten] Weblinks

  1. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Zentraler_Venenkatheter
  2. Bilder: http://www.google.de/search?q=Zentralvenenkatheter&hl=de&client=firefox-a&hs=EQe&rls=org.mozilla:de:official&channel=np&prmd=ivns&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=mmnBTevKIM2QswaQhcnCBQ&ved=0CEAQsAQ&biw=1010&bih=594
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