Wundmanagement

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Das Wundmanagement umfasst: Wundanamnese, Physiologie der Wundheilung mit den Wundheilungsphasen, Wundbehandlung, Schmerzmanagement, Wunddokumentation

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Wundheilung beeinflussende Faktoren

- Bei Kachexie durch Mangelernährung sind wichtige "Zellbausteine" nicht oder nicht ausreichend vorhanden
- Bei AVK z.B. erst Revaskularisierung, dann Wundbehandlung.
- Bei Adipositas neigen Wunden zu sekundärer Wundheilung, da das Fettgewebe sich nur langsam wieder verschließt und Operationsnähte schlechter halten aufgrund der höheren Infektionsanfälligkeit der Wunde, daher wird vor manchen planbaren Operationen vom Patienten eine Gewichtsreduktion verlangt.

[Bearbeiten] Wundanamnese

[Bearbeiten] Entstehungsursachen

- Schnittwunden
- Schürfwunden
- Stichwunden
- Schusswunden
- Bisswunden
- Amputation
- Risswunde
- Kratzwunde
- Quetschwunde
- Platzwunde
- Ablederungswunden
- Operationen
- Pfählungsverletzungen
- Blasen
- Verbrennung
- Erfrierung
- Stromverletzungen
- Verätzung mit Laugen
- Verätzung mit Säuren
  • Strahlenbedingte Wunden
- Ultraviolett- Strahlung (Sonne)
- Ionisierende Strahlung (Röntgenstrahlen, Bestrahlung nach Chemo)
  • Chronische Grunderkrankung
- Venöses Unterschenkelgeschwür (Ulcus crusis venosum)
- Arterielles Unterschenkelgeschwür (Ulcus crusis arteriosum)
- Diabetisches Fußsyndrom (DFS) bei Diabetes mellitus
- Decubitus (=Druckgeschwür) bei Immobilität
- Ulzerierte Tumoren
  • latrogene Ursachen(vom Arzt verursacht)
- Inzisionen
- Punktionen
- Laserbehandlungen
- Spalthautentnahmen
- Amputationen
- Zahnextraktionen

[Bearbeiten] Wundbeobachtung

Die Wundbeobachtung erfolgt in Hinblick auf:

- Durchmesser
- Tiefe
- Taschen- oder Fistelbildung
- Menge
- Farbe
- Geruch
- Beschaffenheit/Konsistenz
- der Wundränder
- des Wundgrundes
- der Wundumgebung


Die Dokumentation sollte lückenlos über diese Punkte Auskunft geben.

[Bearbeiten] Physiologie der Wundheilung

Unser Organismus besitzt die Fähigkeit Hautdefekte selbständig zu schließen. Ziel ist es dabei, Form und Funktion des geschädigten Gewebes wieder herzustellen. Anders als z.B. beim Regenwurm gibt es keinen vollwertigen Ersatz (echte Regeneration) von Körperteilen und Organen. Ein gewebespezifischer Ersatz, ganz ohne Narbenbildung und mit voller Funktionsfähigkeit, können wir Menschen jedoch an wenigen speziellen Körperzellen (Leber-, Blutzellen) und auf oberflächlichen Verletzungen (nur Epidermis und Schleimhäute) erreichen. Diese Wundheilung nennt man auch epitheliale Wundheilung und oder auch regenerative Heilung.

Bei vielen Wunden sind jedoch auch tiefere Gewebeschädigungen betroffen. Eine Wiederherstellung kann dann nur noch im Sinne einer "Reparation" erfolgen. Dann wird der Gewebssdefekt durch unspezifische Elemente des Binde- und Stützgewebes ersetzt:

Die Wundheilung erfolgt über mehrere Phasen. In den ersten Stunden tritt in der exsudativen Phase eine Art Selbstreinigung der Wunde ein, denn mit der Wundflüssigkeit wird auch ein Teil von Schmutzpartikeln und Krankheitserregern ausgeschwemmt. Während der resorptiven Phase werden u.a. die durch die Zellzerstörung freigewordenen Proteine aufgelöst, was etwa ein bis drei Tage dauert. Im Anschluss erfolgt die Proliferationsphase für etwa vier bis sieben Tage, in der Kollagen neugebildet wird. Das Granulationsgewebe wird während der Reparationsphase in eine Narbe umgewandelt. Dabei fehlen im Narbenbereich Melanozyten und Hautanhangsgebilde wie Talg- und Schweißdrüsen sowie Haarfollikel. Es kommt zu einer Depigmentierung (Asmussen 1993, N.N. 1989).

[Bearbeiten] Wundbehandlung

Die moderne Wundbehandlung ist phasengerecht, individuell und problemorientiert. Zur Auswahl der geeigneten Wundauflage ist eine gute Anamnese und Beurteilung der Wunde sehr wichtig. Viele Wunden heilen unter feuchtwarmer Okklusion (Folien/ Hydroaktiv-Verbände) erheblich schneller und besser als an der Luft: "Zellen fliegen nicht, sie schwimmen!" Auf Lokaltherapeutika kann weitgehend verzichtet werden, lediglich infizierte (eitrige Wunden mit hoher Keimdichte und allen Infektionszeichen) müssen ständig desinfiziert werden.

Der Wundtherapeut sollte sich folgende Fragen stellen, bevor er die Wunde behandelt:

[Bearbeiten] Provisorische Wundbehandlung

Unter einer provisorischen Wundbehandlung versteht man Maßnahmen, die der vorläufigen Versorgung traumatischer Wunden im Rahmen der Ersten Hilfe dienen. Dazu zählen die Blutstillung sowie ein steriles/ keimarmes Abdecken der Wunde. In den Körper eingedrungene Fremdkörper müssen unbedingt belassen werden, da nicht abgeschätzt werden kann, inwiefern Gefäße oder innere Organe durch sie verletzt wurden und ob durch das Entfernen u.U. nicht beherrschbare Situationen (z.B. starke Blutungen) ausgelöst werden.

Um Positionsänderungen des Fremdkörpers durch den Transport zu verhindern, wird dieser fixiert.

Desweiteren gehört zur provisorischen Wundbehandlung auch eine adäquate Schmerzbehandlung.

[Bearbeiten] Wundreinigung

Wunden können mittels Spülung von grober Verschmutzung gereinigt werden. Welche Spüllösung dazu besonders geeignet ist, konnte bisher noch nicht mittels Studien belegt werden. In der Regel werden zur Spülung sterile NaCl 0,9%- oder Ringerlösung verwendet. Leitungswasser wird wegen seiner (im Vergleich zu Kochsalz- und Ringerlösung) nachgewiesenen zytotoxischen Wirkung nicht empfohlen.[1]

Wundantiseptika werden nur bei Notwendigkeit eingesetzt, da sie unter Umständen die Wundheilung verzögern können.

In der Konsensusempfehlung einer Expertengruppe zur Wundantiseptik 2004 wurde Polihexanid als Mittel der 1. Wahl empfohlen:

"Auf Grund der guten Gewebeverträglichkeit ... und der klinisch offensichtlichen Wundheilungsförderung ist Polihexanid als Mittel der 1. Wahl für schlecht heilende chronische bzw. für sehr empfindliche Wunden (z.B. Verbrennungswunden 2. Grades) sowie für Lavagen einzuordnen.[2]

In der Empfehlung von 2008 wird je nach Anwendungsbereich differenziert. Weitere gebräuchliche Wundantiseptika sind neben Polihexanid

[Bearbeiten] Wundverschluss

Naht

Klammern

Klammerpflaster werden v.a. bei Kindern verwendet oder nach dem Entfernen einzelner Metallklammern zur Nahtstabilisierung, sie können schmerzfrei appliziert und entfernt werden.

Gewebekleber

[Bearbeiten] Wundabdeckung

[Bearbeiten] Verbandwechsel

Die Häufigkeit, mit der ein Verbandwechsel (Abkürzung: VW) vorgenommen wird, richtet sich nach der ärztlichen Anordnung, sollte aber so selten wie möglich erfolgen. Abweichend davon muss ein Verband erneuert werden, sollte er sich vor dem Wechselintervall gelöst haben oder verschmutzt bzw. durchnässt sein (von Blut oder anderem Exsudat). Beim Verbandwechsel ist auf die geltenden Hygieneregeln zu achten.

[Bearbeiten] Wundheilungsphasen

Welche Anforderungen muß ein Verband in welcher Wundheilungsphase erfüllen?

[Bearbeiten] Trockene Wundversorgung

Im Rahmen der Ersten Hilfe werden Wunden zumeist trocken verbunden, ebenso primär heilende, mit Naht verschlossene Wunden (Operationswunden) und Wunden, die durch Zugänge und Ableitungen (z.B. PEG, Port, ZVK) entstanden sind. Der trockene Wundverband dient der Aufnahme von Sickerblutungen, als Schutz vor Infektionen und als Polster gegen mechanische Irritationen.


[Bearbeiten] Feuchte Wundversorgung

Bei mazerationsgefährdeter Wundumgebung ist zusätzlicher Hautschutz zum Auftragen empfehlenswert (z.B. Cavilon®-Spray oder -Stick, Barrier-Creme).

[Bearbeiten] Wundkissen mit Superabsorber aus Polyacrylat

Diese Wundverbände eignen sich für alle Wunden, die sehr viel Exsudat bilden und bei denen die Granulation gefördert werden soll. Bei tumorösen exulcerierenden Wunden soll zwar nicht die Granulation erzielt werden, aber der palliative Einsatz von Superabsorbern kann indiziert sein, da kaum ein anderes Verbandsmaterial eine so starke Saugkraft hat und somit für Patienten mit solchen Wunden entlastend ist, wenn der Verband nicht mehr mehrfach am Tag durchnässt und unangenehm riecht. Einzusetzen ist er zur Behandlung von chronischen, infizierten und nicht infizierten Wunden (immer vorausgesetzt, es ist viel Sekret vorhanden).

Die Wunde kann unter Umständen aber zu sehr austrocknen, daher sollten solche Wundkissen nur dann verwendet werden, wenn die Wunde sich noch überwiegend in der Reinigungsphase befindet (in der viel Exsudat entsteht, welches aufgenommen werden muß) und die Granulation gerade beginnt, z.B. erst am Rand sichtbar ist.

Wenn nicht genügend Exsudationsmenge vorhanden ist, muss das Wundkissen vor dem Auflegen mit wenig Ringerlösung angefeuchtet werden, damit die Wunde nicht austrocknet. In diesem Fall aber wäre es wirtschaftlicher, auf eine weniger stark saugende Wundauflage zu wechseln.

Wenn Superabsorber richtig eingesetzt werden, fördern sie die Granulation und binden Exsudat, ohne dass die Wunde austrocknet. Zum Feuchthalten von Nekrosen sind sie nicht geeignet.

[Bearbeiten] Alginat-Kompressen (zum Tamponieren)

Der Rohstoff, aus dem Alginate hergestellt werden, sind Seealgen, vor allem Braunalgen. Je nach Hersteller unterscheiden sich die Zusammensetzungen der Alginate: z.B. Algisite M besteht aus Calciumalginat, Comfeel Alginat/Tamponade besteht aus Calcium-Natriumalginat, Natriumcaboxymethylcellulose. Bei Kontakt mit Natriumsalzen (im Exsudat vorhanden) quellen die Fasern zu einer eierschalenförmigen Form auf und verwandeln sich in ein Gel, das der Wunde Feuchtigkeit spendet. Es gilt: je mehr Exsudat, umso schneller entsteht ein Gel mit relativ niedriger Viskosität. Die Calciumionen sorgen dafür, dass die Alginate sich nicht auflösen. Ist zu wenig Exsudat vorhanden, sollte man Alginate anfeuchten (mit Ringerlösung oder NaCl 0,9%).

Die Wunde wird mit einem Hydrokolloidverband (z.B.Comfeel, Tegaderm Hydrocolloid) oder Polyurethanschaumverband verschlossen (z.B. Biatain, Allevyn, Tegaderm Foam); bei weniger Sekretion sollte man Hydrokolloidverbände als Abdeckung nehmen, bei stärkeren Sekretionen unbedingt Schaumverbände nehmen, da diese eine stärkere Absorptionskraft haben und Hydrokolloide in diesem Falle unwirtschaftlich wären. Meistens sind Schaumverbände geeignet, da Alginate insbesondere bei tiefen, unterminierten Wunden in der Inflammationsphase verwendet werden.

[Bearbeiten] Hydrozellulärer Gelverband oder Tubengel
[Bearbeiten] Hydrogel

Hydrogel wird eingesetzt

Es kann in Kombination mit Schaumverbänden, eingeschränkt auch mit Folien oder Hydrokolloidverbänden angewandt werden (Herstelleranweisungen beachten).


Ein Hydrogel wirkt nicht kühlend (nicht jedes Gel wirkt gleich kühlend, nur weil es ein Gel ist). Eine Kühlung soll auch nicht erzielt werden. Alle Produkte, die in die Wunde kommen, sollten Körpertemperatur haben, da eine Temperatur unter 28° Celsius die Wundheilung hemmt. Also nicht das Gel vorher in den Kühlschrank legen.

Es wirkt bedingt schmerzlindernd: Wenn eine Wunde vorher trocken verbunden wurde und dann mit dem Gel behandelt wird, ist die nächste Verbandsabnahme mit weniger Schmerz verbunden.

Anwendung: Das Gel ca. 0,3-0,5cm dick auf Nekrosen, bzw. Wundgrund auftragen; nicht auf intakte Haut aufbringen (Mazerationsgefahr!)


Je nach Hersteller enthalten die Gele sehr unterschiedliche Inhaltsstoffe.

[Bearbeiten] Wundbehandlung mit Maden

Ein Biopack mit Maden ist eine Alternative zur Nekrosenabtragung. Dabei ernähren sich die Maden vom abgestorbenen Gewebe und sondern ein wundheilungsförderndes Sekret ab. Es muss aber dafür gesorgt sein, dass die Maden noch Luft bekommen und nicht durch einen festen Verband an ihrer Atmung gehindert werden. Gut geeignet sind moderne Wundabdeckungen, die luftdurchlässig sind, aber gleichzeitig die Wunde vor Krankheitserregern schützen.

[Bearbeiten] Hydrokolloid-Verband

Ein Hydrokolloidverband wird in der Reinigungs-, Granulations- und Epithelisierungsphase eingesetzt. Er besteht aus Hydrokolloiden, die saug- und quellfähig sind; die semipermeable (halbdurchlässige) Polyurethanfolie lässt Feuchtigkeit nach außen verdunsten, ist dabei aber undurchlässig für Nässe von außen (duschen ist damit also möglich). Die Hydrokolloide nehmen das Sekret auf, gehen in ein Gel über und legen sich auf die Wunde und halten diese feucht. Ist das Hydrokolloid gesättigt, entsteht von außen sichtbar eine Blase und der Verband löst sich. Beim VW verbleibt eine Gelschicht auf der Wunde, sie darf nicht mit Eiter verwechselt werden. Sie kann mit Ringerlösung abgespült werden.

[Bearbeiten] Schaumstoffe / Hydropolymere (PU/Polyurethan)
[Bearbeiten] Offenporige Schaumstoffe
[Bearbeiten] Antibakterielle / Geruchsbindende Wundauflagen
[Bearbeiten] Kontinuierliche Wunddrainagetherapie mittels Vakuum

[Bearbeiten] Wunddokumentation

[Bearbeiten] Wundbehandlungsfehler und falsche Annahmen in der Pflege

[Bearbeiten] Wundevaluation

Evaluation einer Wunde bedeutet Wundbewertung bzw. Überprüfung in Hinblick auf das Ziel der Wundtherapie (siehe unter Wundbeobachtung). Die Wundbewertung richtet sich nach den einzelnen Wundphasen, ob Infektionszeichen und Exsudat vorhanden sind und ob es sich um eine primäre Wundheilung oder sekundäre Wundheilung handelt. Je nach dem, wie die Wundbewertung ausfällt, wird die bisherige Therapie weiter angewendet oder umgestellt bzw. beendet. Für die Therapie ist der Arzt verantwortlich, Wundexperten können jedoch Vorschläge unterbreiten. Das Pflegepersonal muß sich nach den Anweisungen des Arztes richten, ist aber in der Durchführungsverantwortung.


[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. [1] Konsensusempfehlung Antiseptik 2008, S.32
  2. Konsensusempfehlung zur Wundantiseptik April 2004
  3. Konsensusempfehlung Antiseptik 2008 S.27
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