Wahrnehmung und Beobachtung in der Pflege

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Ein Darstellung der Theorie aus der Gestalt-Psychologie

Welche Schritte führen von der Wahrnehmung zum Handeln[Bearbeiten]

Unter Wahrnehmung in der Gestalt-Therapie ist der komplette Vorgang der Aufnahme von Sinneseindrücken und die integrative Verarbeitung von Umwelt- und Körperreizen zu verstehen.

Beobachtung in der Pflege bedeutet eine gezielte Aufnahme von Informationen.


Informations-Input[Bearbeiten]

Die Wahrnehmung läßt sich nach Stevens (1993) in drei Zonen gliedern

Wahrnehmung der äußeren Welt[Bearbeiten]

Hier ist der aktuelle sensorische Kontakt mit Gegenständen und Abläufen des gegenwärtigen Augenblicks gemeint. Kontakt mit dem, was ich jetzt gerade sehe, höre, rieche, schmecke oder berühre.

  • Was sehen Sie in diesem Augenblick ?!

Wahrnehmung der inneren Welt[Bearbeiten]

Hier ist der aktuelle sensorische Kontakt mit gegenwärtigen inneren Vorgängen gemeint: Das, was ich im Augenblick umseits meiner Haut fühle:

  • Stechen, Muskelspannungen, Bewegungen
  • körperliche Manifestationen von Gefühlen (Unbehangen, Wohlgefühl) usw..
    • Was fühlen Sie in diesem Augenblick ?!

Zusatz:
Diese beiden Arten von Wahrnehmung umfassen alles, was ich von der gegenwärtigen Realität wissen kann, so, wie ich sie erlebe. Dies ist der solide Unterbau meiner Erfahrungen; dies sind die Tatsachen meiner Existenz.

Wahrnehmung, die sich auf Phantasie gründet[Bearbeiten]

Hierzu gehört jede mentale Aktivität jenseits der Wahrnehmung gegenwärtiger Erlebnisse: alles Erklären, sich Vorstellen, Interpretieren, Vermuten, nachdenken,überarbeiten, langweilen, Vergleichen, Planen, jede Erinnerung an Vergangenes, jedes Vornehmen der Zukunft

Bedeutung der drei Zonen für die Pflege[Bearbeiten]

Jede dieser drei Zonen hat bezüglich Wahrnehmung und Beobachtung in der Pflege ihre Bedeutung.

Die äußere Welt[Bearbeiten]

Alle fünf Sinne (Hören, Sehen, Tasten, Riechen, Schmecken) werden eingesetzt und dienen der ganzheitlichen Erfassung der Bewohners in seiner individuellen Situation.

  1. Ich höre was er mir sagt und erzählt (Biographie, Probleme, Ressourcen). Ich höre was seine Angehörigen sagen. Ich höre Körpergeräusche (Seufzen), Schmerzäußerungen (Jammern, Schreien, Stöhnen, Klagen...)
  2. Ich rieche Gerüche, die die Bewohner "mitbringen", und die zu ihrer Person gehören. Ich kann unter Umständen aber auch die Krankheit riechen (Ausdünstungen, Ausscheidungen, Sekrete)
  3. Ich sehe und
  4. ertaste Gesundes und Krankes

Die innere Welt[Bearbeiten]

Um Informationen meiner inneren Welt benutzen zu können benötige ich Einstellungen/Haltungen wie Achtsamkeit, Wachsamkeit und Offenheit. Wo dies gelingt können ganz neue und zusätzliche Informationen erfaßt werden. Es kann sich dabei um Botschaften handeln, die verschlüsselt oder verdeckt ausgesendet werden, und die von mir über meine Gefühle, meine Intuition (unmittelbare Anschauung) oder meine Körperreaktionen wahrgenommen werden können.


phantastische Welt[Bearbeiten]

Die Aktivität der Phantasie hat vor allem dort ihren Platz, wo wir im Nachdenken (Pflegegespräch) Zeichen und Aussagen besser zu verstehen und einzuordnen suchen. Letztlich setzen wir diese Fähigkeit auf allen Stufen des Pflegeprozeß ein.

Ganzheitliches Wahrnehmen und Beobachten setzt alle Fähigkeiten in Aktion. Vor allem aber bedarf es einer wachsamen achtsamen Einstellung.


Wahrnehmungsbereiche in der Pflege[Bearbeiten]

  • Einflußfaktoren in allen Lebensbereichen : seelische oder soziale Einflüsse
  • Beobachtungen von gesunden und kranken Lebenssäußerungen

Literatur[Bearbeiten]

  • John O. Stevens: Die Kunst der Wahrnehmung. Übungen der Gestalt-Therapie.