Wach sein und schlafen

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Wach sein wird oft mit Bewusstsein und Intelligenz gleichgesetzt – jedoch kennen Pflegende einige Krankheitsbilder oder Behinderungen, bei denen diese Begriffe bereits eine Unterabteilung von „Wach-Sein“ darstellen und sie eben nicht vollständig umfassen:

  • eine ausgeprägte Demenz lässt eine Person auch ohne messbare Intelligenz eindeutig als „wach“ gelten.
  • Vielleicht ist Selbstbewusstsein das Gegenteil von Schlaf – jedoch in der Physiologie des Schlafs würde dieses Gegensatzpaar nicht weiter tragen.

Gestörter Schlaf und gestörtes Wach-Sein sind anerkanntermaßen eine Herausforderung an die Pflege. Lässt sich dieser Zustand bei einer Person ohne ärztliches Eingreifen bessern oder nicht? Die folgenden Antworten werden nicht so eindeutig wie die Frage an die Pflegenden sein, aber zeigen, dass Pflege viel zu einer Besserung beitragen kann.

Einleitung:[Bearbeiten]

Wer schläft, sündigt nicht, sagt der Volksmund. Ist umgekehrt an der Sünde überprüfbar, ob jemand wach ist? In der Pflege gelten jedenfalls andere Kriterien für „Wach sein“ und „Schlafen“. Allerdings wird uns allen oft erst durch eine Störung die Wichtigkeit von beiden klar. Im ATL/AEDL–Konzept wird bei beiden gefragt, ob die zu pflegende Person dabei auf Hilfe angewiesen ist oder beides total selbständig steuert.

Die Problematik für pflegerische Berufe liegt darin, dass der gesunde Zustand interindividuell über eine beachtlich weite Bandbreite als normal gilt. Ein Hilfebedarf kann deshalb leicht unter- oder überschätzt werden. Wo soll Pflege aktiv werden, wenn die/der KundIN, PatientIn es nicht selbst wünscht/wünschen kann?

Schlecht geschlafen hat fast jeder schon einmal. Für etwa 20 % aller Menschen geht die Schlafstörung nicht vorüber, sondern beeinträchtigt ihr Befinden und ihre Leistungsfähigkeit am Tage. Ältere Menschen, insbesondere Frauen, leiden im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung vermehrt unter Schlafstörungen.

Schlaf - Pfleg. Aufgaben und Krankenbeobachtung[Bearbeiten]

Primäres pflegerisches Interesse[Bearbeiten]

Das pflegerische Interesse ist, dass für die pflegebedürftige Person genug Ruhe- und Traumphasen zur Erholung von Psyche und Körper im Tag-Nacht-Wechsel zustande kommen. Das subjektive Empfinden kann dabei als Beobachtungskriterium evtl. entfallen. Objektive Kriterien sind die Anzahl und Qualität der Wachphasen, die geistige und die körperliche Leistungsfähigkeit im Vergleich mit dem Zustand vor der Erkrankung. (Da Schlaf ohne neurologische Diagnostikverfahren nicht messbar ist, muss in der Pflege als Beobachtungskriterium das Gegenteil von Schlaf genutzt werden.)

Der Begriff Schlafhygiene fasst die Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen zusammen, die einen gesunden Schlaf fördern oder stören können.

Beobachtungsaufgaben, Krankenbeobachtung zum „Schlafen“[Bearbeiten]

sind dabei insbesondere:

  • Bei bekannter Krankheit oder Lebenssituation mit dem Symptom einer gestörten Nachtruhe - handeln entsprechend der Grunderkrankung.
  • Schlaflosigkeit ? normal mit aktuellem Grund oder ständig?

Die Müdigkeit liegt wie eine schwere Decke über den Gliedern, über jeder Bewegung und über jedem Gedanken. Und nur noch ein Gedanke kreist im Kopf: schlafen, schlafen, schlafen, schlafen,… In der BRD kennen rund 1,5 Mio Menschen dieses bleierne Gefühl. Chronisches Müdigkeitssyndrom (abgek. CSF = Chronique fatigue syndrom; siehe wikipedia.de unter Chronisches Müdigkeitssyndrom ); davon sind weltweit ca. 1,5% der gesamten Bevölkerung betroffen.

Pflegerische Ziele[Bearbeiten]

sind je nach der Ausgangssituation

  • a) eine eindeutige Beschreibung der Probleme und deren mögl. Ursachen bzw.
  • b) die Verringerung der Störung oder noch besser der störungsfreie Schlaf.

Pflegerische Hilfeleistung, Leistungen[Bearbeiten]

Zunächst ist es wichtig, zu wissen, dass "normal" sehr verschieden sein kann. Die übliche Schlafdauer, wenn nicht ein Wecker oder die Erfordernisse der Arbeitswelt uns stören (z.B. nächtliche Bereitschaftsdienste o.ä.), liegt zwischen 6 und 9 1/2 Stunden oder nach einigen Angaben enger zwischen 7 und 9 Stunden. Das individuelle Schlafbedürfnis wird wahrscheinlich durch Erbfaktoren beeinflusst. Es wird von einer Variationsbreite von 4/5 bis 10/12 Stunden berichtet, ohne dass es zu Schlafstörungen gekommen wäre. Im Laufe des Lebens ändert sich das Schlafbedürfnis. Je älter wir werden, desto weniger Schlaf benötigen wir ("Senile Bettflucht").

Faktoren, die den Schlaf beeinflussen:

  • psychische Einflussfaktoren
 * Angst
 * Stress
 * Trauer
 * schlechtes Gewissen
  • physiologische Einflussfaktoren
 * Alter
 * Krankheit
 * Schmerz
 * Aktivität
 * Essen und Trinken
  • umweltbedingte Einflussfaktoren
 * Bett (zu hoch, zu weich oder hart)
 * Licht
 * Lärm 
 * Mitpatienten
 * Kontrollgang der Pflegekraft
 * Temperatur

Was fördert das Einschlafen: Um das Einschlafen zu erleichtern, sollten Schlafrituale angewendet werden, z.B. etwas Vorlesen, ein "Betthupferl", Musik, Entspannungsübungen. Es sollten auch die oben genannten Einflussfaktoren berücksichtigt werden, d.h. bei Schmerzen eine geeignete Therapie. Bei älteren Menschen sollte darauf geachtet werden, dass Bewegungsmangel Schlafstörungen auslösen kann.

In der Stationären Pflege sollte darauf geachtet werden, dass bei den Kontrollgängen die Bewohner nicht aufgeweckt werden. Licht vom Gang oder Taschenlampe nützen, leise das Zimmer betreten und verlassen.

  • Kein Mittagsschläfchen
  • Kein Nachmittagskaffee
  • Körperliche Betätigung
  • Leichtes Abendessen
  • Frühzeitiges Aufstehen (z.B. regelmäßig 1 Std. früher als bisher)
  • warmes Bad am Abend - kühles Schlafzimmer (entspricht dem circadianem Rhythmus der Körpertemperatur)
  • Freundliche und ruhige Umgebung
  • Vorsicht Alkohol - lässt zwar leichter einschlafen, produziert aber bei den meisten Menschen Durchschlafstörungen!
  • dem entsprechend sollte auf diese Punkte geachtet werden

in zweiter Linie:

  • Überwachung der Einnahme von Medikamenten (Beratung dabei ...)
  • Dokumentation der Schlafphasen (objektiv) und Dokumentation der pfleg. Maßnahmen mitsamt dem Erfolg

Elemente aktivierender Pflege[Bearbeiten]

Darunter verstehen wir in dieser ATL / AEDL vor allem dass die betroffene Person in die Lage versetzt werden soll, ihr Schlafbedürfnis selbst zu erkennen und zu steuern. Dazu dienen ...

  • Beratung über Schlafvorbereitung, Schlafrituale, Hilfsmitteleinsatz
  • Organisation des Hilfsmitteleinsatzes

dazu auch: Anforderungen an ein Bett

Liegefläche: mind. 10 cm länger, als die Person groß ist. Seine Sitzhöhe zwischen 42-53 cm – besser etwas höher als die Kniehöhe – dadurch wird das Aufstehen erleichtert. Breite mind. 80-90 cm. Die Polsterung soll eher fester sein. Lange Gewöhnung kann allerdings dazu eine Kontraindikation darstellen. Wenn der Schlaf gut ist, sollte am Bett nichts verändert werden.

Polster in der Kopf-/Halspartie: Keine besonderen Erkenntnisse außer der individuellen Gewohnheit: also 25x25 (oft Kosenamen wie Fritzchen) oder 60x60 cm (flach oder straff gefüllt). In anderen Regionen der Welt gibt es viele von unseren Normen abweichende Gewohnheiten, ohne dass es dort zu Schlaflosigkeit geführt hätte. Die hohe Position von Schultergürtelpartie und Rückenpartie wird oft als Atmungserleichterung bevorzugt. Dann kann eine leicht verstellbare Rücken-Lehne sinnvoll sein.

Pflegerische Arbeitsorganisation[Bearbeiten]

erfordert dabei insbesondere …

Mitwirken bei ärztlicher Diagnostik und Therapie[Bearbeiten]

besteht dabei insbesondere aus …

Querverweis / Verbindung zu anderen ATL / AEDL[Bearbeiten]

dabei sollte insbesondere berücksichtigt werden, dass …

Biographe, Gewohnheiten, Architektur (wie war die eigene Wohnung ausgestattet, Ausrichtung zum Tageslicht und ... )

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • American Psychiatric Association (Hrsg. 1987): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen (DSM-III-R). Deutsche Bearbeitung und Einführung von Wittchen HK, Saß H, Zaudig M, Köhler K. Beltz, Weinheim. Bzw. neuere Auflage. ISBN
  • American Sleep Disorders Association(Hrsg. 1990) : The International Classification of sleep disorders: diagnostic and coding manual. Thorpy MC (chairman). Diagnostic steering committee. Rochester, Minnesota.
  • M Berger (Hrsg. 1992) : Handbuch des normalen und gestörten Schlafes. Springer, Berlin Heidelberg New York.
  • Besselmann Klaus, Sowinski Christine, u. a. (KDA, Hrsg., 1997): Qualitätshandbuch Wohnen im Heim - Wege zu einem selbstbestimmten und selbständigen Leben im Heim - Ein Handbuch zur internen Qualitätsentwicklung in den AEDL-Bereichen. Köln, Kuratorium deutsche Altershilfe. Empfohlen wird die Lektüre des Abschnitts VIII zur ATL Ruhen, schlafen und sich entspannen können.
  • Alexander Borbély: Das Geheimnis des Schlafs, Neue Wege und Erkenntnisse der Forschung, Internet-Ausgabe 1988. 1987) Druckausgabe - Das Geheimnis des Schlafes. dtv, München. ISBN
  • Schulz H (1988): Schlafforschung. In: Kisker K, Lauter H, Meyer JE, Müller C, Strömgren E (Hrsg.) Psychiatrie der Gegenwart, Band 6. Springer, Berlin Heidelberg New York, S. 402-442.
  • Volk Stephan (1995): Schlafstörungen. Sachbuchreihe Springer V., Berlin u. a. O.
  • Dieter E. Zimmer . 2004: Wie man in Deutschland schläft und träumt. DIE ZEIT 11/2004 v. 4. 3. 04

Weblinks[Bearbeiten]