Venenverweilkanüle

Aus PflegeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Venenverweilkanüle

Eine Venenverweilkanüle (CLiP ported®, Viggo®, Braunüle®, Flexüle®, Venflon® etc.; oft auch Venüle) ist wie der deutsche Name sagt eine Kanüle (oder ein kleiner Katheter) die in der Vene verbleiben kann und soll (siehe auch: venöser Zugang). Sie ermöglicht über längere Zeit die Zufuhr von Infusionen oder Medikamentenapplikationen in den venösen Teil des Blutkreislaufs. Da sie die Gefäßwandungen weniger reizt als eine Metallkanüle, ist sie gefäßschonender und neigt weniger zu Thrombophlepiditen.

Eine Venenverweilkanüle besteht aus einer Metallkanüle (im Sprachgebrauch auch "Mandrin") und einer transparenten Ummantelung am hinteren Ende und einem darübergeschobenen Kunststoffschläuchlein (-katheter). Nach der Punktion der Vene wird der Kunststoffkatheter in die Vene vorgeschoben und dort belassen, die Metallkanüle wird entfernt, damit die Flüssigkeiten die Röhre passieren können.

Der kleine Kunststoffkatheter hat an seinem hinteren Ende eine Art Flügel (je nach Produkt unterschiedlich geformt) mit denen man ihn sicher mit Heftpflaster oder industriell vorgefertigten Fixierplatten auf der Haut befestigen kann. Der Anschluss von Infusionen erfolgt über einen genormten Luer-Lock-Konnektor. Manche Modelle haben noch ein Zuspritzventil, über welches man zusätzlich zur laufenden Infusion ein Medikament injizieren kann, ohne einen 3-Wege-Hahn zu benötigen.

Geeignete Punktionsstellen für eine Venenverweilkanüle (Quelle: Fortbildung Blutentnahme und Venenverweilkanüle, A. Eggerer, Charité Berlin) sind:

  • Venen auf der nicht dominanten Seite (bei Linkshändern rechts, Rechtshändern links)
  • Distale vor proximalen Venen (Handrücken und Unterarm)
  • leicht tastbare Venen mit guter Blutfüllung
  • Venen auf der Körperseite gegenüber dem OP-Gebiet
  • Venen mit dem größeren Durchmesser

Ungeeignete Punktionsstellen:

  • An Gelenken
  • In entzündetem Gebiet
  • Shuntarm
  • Gebiete, in denen der Lymphabfluß behindert ist (z. B. nach Mamma-OP)
  • Oberarm
  • untere Extremitäten (abhängig von der Lagerung)
  • Hals (Luftemboliegefahr bei Diskonnektion!)
  • Knotige Venen
  • Bei Paresen
  • bei Niereninsuffizienten werden die Unteramvenen geschont, da diese eventuell für einen Shunt benötigt werden.
  • bei "traumatologischen Patienten" werden die Handvenen vermieden, weil es weh tut mit einer Venenverweilkanüle in der Hand Gehhilfen beim Laufen zu benutzen.
  • in den Ellenbeugen - weil dort die Gefahr der Punktion einer Arterie erhöht ist



Praxisbezug[Bearbeiten]

  • Die Venenverweilkanüle wird oft nach bekannten Produkten als "Abbocath" (kurz "Abbo"), "Flexüle", "Viggo", "Braunüle", (venöser) Zugang oder "Nadel" bezeichnet.
  • Seit der Novellierung der TRBA 250 (Technische Richtlinie für biologische Arbeitsmittel) sind Sicherheitskanülen in vielen Bereichen vorgeschrieben. Sicherheitskanülen werden nach dem Entfernen aus der Venenverweilkanüle automatisch gesichert, sodass eine Nadelstichverletzung verhindert wird.
  • Der Verbandswechsel sollte nicht routinemäßig erfolgen sondern nur bei Bedarf, also wenn der Verband durchfeuchtet oder verschmutzt ist, wenn der Verband sich ablöst, oder die Punktionsstelle Zeichen einer Infektion aufweisen ( vergl. Bundesgesundheitsblatt 2002)
  • Die Venenverweilkanüle kann bis zu 96 Stunden liegen bleiben, dann sollte sie entfernt werden.
  • Nach jeder Medikamentengabe muss die Venenverweilkanüle gespült werden. Werden keine Infusionen oder Medikamente gegeben sollte die Venenverweilkanüle mindestens zweimal täglich gespült werden (vergl. Bundesgesundheitsblatt 2002).
  • Aus der Metallkanüle wird in Notfallsituationen oft ein Tropfen Blut für eine Blutzuckerbestimmung genommen. Hierbei besteht Verletzungsgefahr.
  • Das Herausziehen und wieder hineinschieben der Metallkanüle während der Punktion sollte unterlassen werden. Hierbei kann man ein Stück des Kunststoffkatheters abscheren und eine Fremdkörperembolie verursachen.
  • Venenverweilkanülen (sowie viele andere medizinische Materialien) werden in verschiedenen genormten Grössen (die Grössenbezeichnung lautet Gauge ausgesprochen etwa "Gäidsch", kurz G) mit ensprechender Farbe angeboten. Bei dieser Einteilung bedeutet eine größere Zahl eine dünnere Nadel.


Farbkodierung von Verweilkanülen
Größe in Gauge 24 22 20 18 17 16 14
Farbe Gelb Blau Rosa Grün
Grün/Weiß
Weiß Grau Orange-braun
Außendurchmesser
(mm)
0,7 0,9 1,1 1,3 1,5 1,7 2,2
Innendurchmesser
(mm)
0,4 0,6 0,8 1,0 1,1 1,3 1,7
Durchfluss
(ml/min)
13 36 61 103/96 128 196 343
Durchfluss
(l/h)
0,78 2,16 3,66 5,76 7,68 11,76 20,58
Stichlänge
(mm)
19 25 33 33/45 45 50 50

Daher ergibt sich, dass für eine Volumentherapie (beispielsweise nach Trauma, ...) lediglich Braunülen der Größe 16 Gauge und 14 Gauge eignen. Mit diesen ist eine ausreichende Durchflussmenge gegeben.


Siehe auch[Bearbeiten]