Sturzprophylaxe

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siehe auch Expertenstandard Sturzprophylaxe
Gestürzter Mann

Die Sturzprophylaxe umfasst alle pflegerischen Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen. Pflegekräfte sollen in der Lage sein, Sturzrisiken zu erkennen und diese durch Beratung, Anleitung und geeignete Anpassungen zu minimieren.

Maßnahmen zur Sturzprävention[Bearbeiten]

Die möglichen Risiken werden möglichst gemeinsam mit der betroffenen Person (und ggf. mit dessen Angehörigen) ermittelt und im Sturzrisikoerfassungsbogen dokumentiert. Entsprechende Maßnahmen werden ebenso gemeinsam geplant und bis zur Evaluation begleitet.

Allgemeine Maßnahmen[Bearbeiten]

Anpassung des Umfeldes[Bearbeiten]

  • umgebungsbedingte Sturzgefahren beseitigen bzw. kennzeichnen
  • für geeignete Beleuchtungsverhältnisse sorgen (Blendeffekte vermeiden, Lichtschalter gut erreichbar anbringen)
  • Hindernisse und Stolperfallen beseitigen (Teppiche, Kabel, Möbel, Türschwellen; Warnschilder beim Wischen benutzen, auf glänzende Böden verzichten)
  • Haltegriffe in Bad, Toilette und Flur anbringen
  • geeignete Hilfsmittel bereitstellen
  • nur individuell angepasste und regelmäßig gewartete Gehhilfen (z.B. Gehstock, Rollator, orthopädisches Schuhwerk) verwenden
  • Hüftprotektoren anbieten, ggf. Dusch- und Badewannenstühle, (Treppen-)Lifter als Transferhilfe und individuell angepasste Toilettenerhöhungen benutzen
  • Bettalarmsystem einrichten (Klingelsystem, "Babyphon")

Grundsätzlich: keine Fixierung[Bearbeiten]

Nur im Einzelfall ist eine Fixierung angezeigt, aber nur mit richterlichem Beschluss oder auf persönlichen Wunsch des Patienten/Bewohners. Die Rechtsprechung geht mittlerweile nicht mehr davon aus, dass jedes gesundheitliche Risiko zu vermeiden ist. So wurde beispielsweise die Entscheidung einer Pflegefachkraft als fachlich richtig gewürdigt, bei einem Patienten mit einem hirnorganischen Psychosyndrom kein Bettgitter und keine Sitzwache einzusetzen, da sie dies damit begründete, das Sturzrisiko bewusst in Kauf genommen zu haben, um andere Pflegeziele zu erreichen, wie die Förderung der Mobilität und der Lebensqualität.[1]

Außerdem können insbesondere durchgehend angebrachte Bettgitter zu einer noch riskanteren Fallhöhe führen. Bei ständiger Aufstehtendenz und erheblicher Sturzgefahr kann kurzfristig eher erwogen werden, die Matratze auf den Boden legen und auf Dauer ein höhenverstellbares Pflegebett anzuschaffen, dass sich bodennah absenken lässt (Niedrigbett).

Medikation[Bearbeiten]

Der behandelnde Arzt kann eventuell eine medikamentöse Neueinstellung vornehmen. In einigen Fällen liegt beispielsweise deshalb eine Polypharmazie vor, weil es an der Kommunikation zwischen den behandlungsbeteiligten Fachärzten mangelt.

Außerdem kann zum Beispiel bei Anwendung von Diuretika vermieden werden, dass der verstärkte Harndrang den Patienten/Bewohner zum nächtlichen Aufstehen drängt, wenn das Medikament frühzeitig eingenommen wird (spätestens mittags). In Kombination mit üblicherweise zur Nacht verabreichten Hypnotika und Sedativa steigert dies die Sturzgefahr immens.

Weiterbildung[Bearbeiten]

Verschiedene Bildungseinrichtungen bieten bundesweit Fort- und Weiterbildungslehrgänge zum Thema Sturzprävention an. Diese können in Vollzeit sowie berufsbegleitend zwischen vier Wochen und sechs Monaten absolviert werden.

Im Rahmen der AOk-Sturzprävention in Mecklenburg-Vorpommern wurde das erste Konzept für eine wissensbasierte Qualifizierung 2006 vom BIGS Stralsund gestaltet. Aufgeschlüsselt in "Fachkraft Sturzprävention" und die weiterführende Qualifizierung "TrainerIn Sturzprävention" bietet sie dem Praktiker eine umsetzbare Konzeption im Rahmen der Sturzprävention.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jutta König: 100 Fehler bei Stürzen im Heim und was Sie dagegen tun können. Hannover, Schlütersche, 2008, ISBN 978-3-89993-465-6
  • Markus Mai: Das Sturzrisiko von Patienten im Krankenhaus. Verlag Dr. Hut, 2010. ISBN 978-3-86853-596-9
  • Markus Mai: Analyse und Bewertung von Methoden und Instrumenten zur Sturzrisikoerhebung. Verlag DR. MÜLLER, 2008. ISBN 3-639-07328-2
  • Adriano Pierobon, Manfred Funk: Sturzprävention bei älteren Menschen. Thieme Verlag, Stuttgart; ISBN 978-3-13-143761-7
  • Rein Tideiksaar (Hrsg.): Stürze und Sturzprävention. Assessment - Prävention - Management. 2008, ISBN 3-456-83269-9

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesgericht Heidelberg, Urteil vom 15.11.1996, AZ 4 O 129/93