Stroke Unit

Aus PflegeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Stroke Unit (Abkürzung: SU) ist eine spezielle Organisationseinheit innerhalb eines Krankenhauses zur Erstbehandlung von Schlaganfallpatienten. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Schlag(anfall)station.

In Deutschland wurde eine solche Spezialstation 1990 erstmals in München-Harlaching am Städtischen Klinikum eingerichtet.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die schnellstmögliche intensivmedizinische und interdisziplinäre Akutbehandlung von Menschen mit einem Schlaganfall ist für den weiteren Verlauf von großer Bedeutung. Ein Schlaganfall ist ein Notfall, deshalb ist beim Verdacht auf einen solchen keine Zeit zu verlieren. Bis spätestens 4,5 Stunden nach dem Ereignis kann der Thrombus durch eine Lysetherapie aufgelöst werden. Die Entscheidung zur Lyse setzt allerdings noch einige Untersuchungen voraus, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um einen ischämischen Schlaganfall handelt. Ein Drittel aller Schlaganfälle endet tödlich. Der Schlaganfall ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich ereignen sich in Deutschland ca. 250.000 Schlaganfälle. Der Schlaganfall verursacht mit Abstand die häufigsten bleibenden Behinderungen im Erwachsenenalter. Schnelleinsetzende Diagnostik, Therapie und Frührehabilitation können diese Risiken verringern oder sogar vermeiden.

Die Überwachung und Basistherapie auf einer Stroke Unit[Bearbeiten]

Im Rahmen einer intensivierten Überwachung werden Schlaganfallpatienten in Hinblick auf Atmung, Herz-Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt, Blutzucker und Temperatur engmaschig überwacht. Abweichungen von den Normwerten werden schnell erkannt und behandelt. Es erfolgt eine optimale Einstellung von Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und Atmung: Ein erhöhter Blutzuckerspiegel wird gesenkt, um die gefürchtete Schadenskaskade in dem lädierten Nervengewebe zu verhindern. Ein zu hoher Blutdruck (> 200/110 mmHg) wird langsam gesenkt, dagegen ein zu niedriger Blutdruck auf einen systolischen Wert von etwa 140 mmHg gehoben (beispielsweise durch den Einsatz von Katecholaminen). Schon eine leicht erhöhte Körpertemperatur wird umgehend gesenkt, weil sie den Notstand im Gehirn durch erhöhte Stoffwechselaktivität verschlimmern würde.

Die Patienten erhalten eine umfassende Diagnostik. Ärzte verschiedener Fachrichtungen (Neurologen, Internisten, Radiologen) arbeiten auf einer Stroke Unit zusammen, hier werden auf möglichst kurzem Wege die nötigen Untersuchungen veranlasst und durchgeführt. Die Lysetherapie wird nur bei entsprechender Indikation angesetzt, so wie auch weitere Maßnahmen individuell auf den Zustand des Patienten abgestimmt werden, wie beispielsweise eine Voll-Heparinisierung oder die Behandlung eines Hirnödems.

In jedem Fall gehört zur Basistherapie die intensive Frührehabilitation. Hier sind es Pflegekräfte und Physiotherapeuten, die in der täglichen Versorgung die Schlaganfallpatienten nach entsprechenden Konzepten mobilisieren, anleiten und fördern. Bei Bedarf werden zusätzliche Fachkräfte aus der Logopädie und Ergotherapie hinzugezogen.

Meist werden Schlaganfallpatienten nur drei bis fünf Tage auf einer Stroke Unit behandelt, bevor sie auf eine "normale" Station der Neurologie oder Inneren Medizin verlegt werden.

Ausstattung und Strukturen einer Stroke Unit[Bearbeiten]

Nach den Zertifizierungskriterien (Stand 2012) für Stroke Units wird zwischen regional und überregional tätigen Einheiten unterschieden. So muss beispielsweise eine regionale SU über eine Kapazität von mindestens vier, eine überregionale SU über mindestens sechs Monitorbetten verfügen. Für beide Arten der SU gilt die Verpflichtung, diese Plätze das ganze Jahr rund um die Uhr vorzuhalten, eine Abmeldung ist nur kurzfristig in begründeten Fällen möglich.

Fachärzte verschiedener Disziplinen (Neurologie, Kardiologie, Neuroradiologie, Neuro- und Gefäßchirurgie) müssen entweder anwesend sein oder kurzfristig zur Verfügung stehen. Es muss jederzeit auf eine Intensivstation zurückgegriffen werden können sowie auf Funktionsbereiche wie ein Notfalllabor, das Ergebnisse in weniger als einer Stunde liefert, sowie Computertomographie (CT), CT-Angiographie, MRT, MR-Angiographie, Doppler- und Farbduplexsonographie, Zerebrale Katheter-Angiographie, EKG und Echokardiographie. Daneben erfolgen je nach Indikation tägliche Behandlungen des Schlaganfallpatienten durch Ergo-, Logo- und Physiotherapie. Der Personalschlüssel für die Pflegekräfte entspricht bei acht Betten 1,5 Vollzeitkräften auf einer regionalen SU (überregionale SU: 2 VK), bei höherer Belegung ist eine degressive Quote vorgesehen.

Die Stroke Unit erfasst sämtliche Patienten mit akutem Schlaganfall und stellt die Daten dem Schlaganfallregister zur Verfügung, auch um damit die Qualität zu sichern. Es werden Schlaganfall-Skalen wie unter anderen die NIH-SS und der Barthel-Index angewendet.[1]

Bedeutung der Stroke Units[Bearbeiten]

Im Vergleich werden auf einer SU behandelte Patienten deutlich schneller entlassen als solche, die die früher allgemein übliche Routineversorgung erhielten. Wie eine dänische Studie ergab, verdoppelte sich durch eine solche Akut-Therapie die Zahl der Patienten, die statt in ein Pflegeheim nach Hause zurückkehren konnten. Die Zahl der Schlaganfalltoten sank um 50 Prozent. Ziel sollte es sein, Deutschland mit einem Netz von Stroke Units zu überziehen, deren Kosten sich volkswirtschaftlich "rechnen".

Bereits mit den derzeit verfügbaren Therapien ließen sich mehr Schlaganfall-Kranke retten als bisher, wenn alle dieser Patienten schnell eine Akut-Behandlung in einer "Stroke Unit" erhielten. Derzeit (2012) verfügen über 200 Krankenhäuser über eine solche Spezialstation.

Literatur[Bearbeiten]

  • Empfehlungen der European Stroke Organisation (ESO)
  • Leitlinien der DGN 2008

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktualisierte Zertifizierungskriterien 2012 auf www.dsg-info.de, abgerufen am 25. Mai 2012

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Chest-Pain-Unit (auch Chest Pain Unit, kurz CPU; Spezialstationen für Patienten mit akuten Brustschmerzen)