Sterbephasen nach Kübler Ross

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Sterbephasen

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Das Phasenmodell nach Elisabeth Kübler-Ross

Viele Sterbeforscher haben bereits versucht, das Sterben, den Weg in den Tod, in Phasen einzuteilen. Sie haben versucht nachzuvollziehen, wie das Sterben abläuft; ein Grundmuster zu erstellen. Das seit einigen Jahrzehnten bekannteste Modell ist das der amerikanischen Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, die die psychischen Vorgänge im Zusammenhang mit dem nahenden Tod in fünf Sterbephasen zusammenfasst. Sie hat an ihrem Arbeitsplatz mit über 200 sterbenden Patienten gesprochen. Daraus hat sie ihr Konzept entwickelt. Doch auch das Fünf-Phasenmodell ist nur eine "Richtlinie", denn letztendlich stirbt jeder Mensch auf seinem eigenen individuellen Weg. Dieser Prozess kann sich über Jahre hinweg hinziehen oder auch nur innerhalb weniger Minuten geschehen. Es können auch Phasen wegfallen, bzw. mehrere Male durchlebt werden. Auch die Angehörigen durchleben diese Phasen eines Begleitens, der aber auch Züge der vorweggenommen Trauer enthalten kann. Im Grunde unterscheiden sich diese nicht grundlegend von denen, die ein sterbender Mensch durchlebt.

Das Grundgefühl in allen Phasen ist Angst und Panik (Wahrnehmung des unaufhaltsamen Endes, einer grundlegend veränderten Situation, in der die betroffene Person kaum Steuerungsöglichkeiten besitzt.) Aber in allen Phasen schwingt die Hoffnung mit, es könnte doch noch ein Wunder geschehen.

Das Modell wurde vor allem im englischsprachigen Raum bekannt, daher sind (leider) oft auch nur die englischen Ausdrücke gebräuchlich, weshalb sie hier auch erwähnt werden müssen.

Sterbephasen nach Elisabeth Kübler Ross

[Bearbeiten] 1. Phase: Nicht-wahrhaben-wollen und Isolierung

(engl.: Denial)

(Der englischsprachige Origninaltitel lautet: Denial, auch übersetzbar mit Verleugnung, dem Abstreiten einer Tatsache)

Der Betroffene will die Diagnose des bevorstehenden Todes nicht wahrhaben. Er verdrängt sie und erlebt einen Schock. Er glaubt an Verwechslungen und Irrtümer, schiebt alles auf die Unfähigkeit der Ärzte und Pfleger. Oft sucht er andere Ärzte auf, die ihm eine "bessere" Diagnose liefern können. In dieser Phase werden auch noch Zukunftspläne geschmiedet und er legt besonderen Wert auf seine äußere Erscheinung, wie Kleidung und Frisur. Trotzdem kreisen seine Gedanken ständig um das Todesproblem. Angehörige und Pfleger versuchen oft diese Todesgefahr zu verbergen, um einen Schock zu vermeiden und der eigenen Betroffenheit zu entgehen. Doch dieses Verbergen und Verschweigen des Zustandes kann den Betroffenen in eine noch größere Krise stürzen. Er ahnt seine Todesnähe und spürt, dass er von seiner Umwelt angelogen wird. Und gerade dieses Schweigen signalisiert ihm, dass er über seine Ängste nicht reden darf. Viele Sterbende fordern daher, ihnen die Wahrheit zu sagen, schonungslose Wahrheit könnte die Auseinandersetzung mit dem Tod lähmen, statt sie zu fördern. Wir, also die Pflegenden, sollten statt dessen stets zu einem Gespräch bereit sein, der Sterbende sollte offen darüber reden können und so schrittweise begreifen können, dass es schlecht um seine Gesundheit steht. Doch neben diesen ernsten Gesprächen sollten auch andere Gespräche geführt werden, die den Kranken ablenken und ihn dazu ermutigen, das Leben noch intensiv auszukosten.

[Bearbeiten] 2. Phase: Zorn und Ärger

(engl.: Anger)

In der zweiten Phase folgt auf das Nichtwahrhabenwollen meist Zorn, Groll, Wut, Neid. Denn der Betroffene stellt sich die Frage: "Warum denn gerade ich?" Der Sterbende richtet seinen Zorn gegen diejenigen, die leben dürfen, also Angehörige, Pflegepersonal usw., da er den Tod nicht direkt angreifen kann. Wir sollten uns von den Anschuldigungen und Beschimpfungen nicht persönlich angesprochen fühlen und nicht selbst aggressiv reagieren. Vielmehr sollten wir uns in die Lage des Kranken hineinversetzen und ihm die Möglichkeit geben, über seine Probleme und Ängste offen reden zu können. Denn wenn der Betroffene sich verstanden fühlt und wir ihm Hilfe zusichern, werden die begründeten sowie die unbegründeten Aggressionen am schnellsten wieder abgebaut.

[Bearbeiten] 3. Phase: Verhandeln

(engl.: Bargaining)

In der, meist kurzen, dritten Phase erkennt der Betroffene den bevorstehenden Tod an, dennoch versucht er zu verhandeln. Er "verhandelt" mit den Ärzten und dem Pflegepersonal. Er besucht regelmäßig die Kirche, legt Gelübde und Versprechen ab (z.B: Das will ich auch ändern, wenn ich weiterleben darf), nimmt regelmäßig an den Therapien teil und stimmt neuen Therapien zu. Auch mit Gott und dem Schicksal wird verhandelt: es wird um Aufschub gebeten, z.B. bis zur Geburt des ersten Enkels oder Urenkels. Wir als Pflegepersonal sollten versuchen, die Hoffnungen auf einen realistischen Hintergrund zurückzuführen und keine falschen Hoffnungen zu wecken, da diese den Betroffenen erst recht schädigen würden.

[Bearbeiten] 4. Phase: Depressive Phase

(engl.: Depression)

In dieser Phase kommt es zu extremen Schwankungen zwischen Depressionen und Hoffnungen. Die Depression ist vor allem durch eine hoffnungslose innere Leere, durch Sinnlosigkeitsgefühle und Lebensüberdruss gekennzeichnet. Der Sterbende trauert um das, was er mit seinem Tod verlieren wird, um das, was ihm wichtig war (Partner, Kinder, Freunde und Angehörige). Er bereut vielleicht zurückliegende Versäumnisse, erinnert sich an frühere Ereignisse und Probleme, die er jetzt nicht mehr lösen kann. Das kann in ihm Kummer und Schuldgefühle erwecken. Es ist ihm aber auch möglich geworden, sich mit der Realität des Todes auseinanderzusetzen und zum Beispiel sein Testament zu erstellen oder ein Geschäft zum Abschluss zu bringen. Doch auch in dieser Phase gibt der Sterbende die Hoffnung nicht auf. Er hofft immer noch auf eine Genesung oder zumindestens auf einen Stillstand seiner Krankheit. Wenn diese, meist unrealistischen, Hoffnungen nicht eintreffen, hofft er wenigstens auf ein gutes, möglichst schmerzfreies Sterben und auf ein besseres Leben nach dem Tod. Gerade diese Hoffnung auf ein schmerzfreies Sterben können wir als Pflegepersonal mit einer guten Sterbebegleitung erfüllen. Weiterhin sollten wir ihn bei wichtigen Erledigungen, wie Testament erstellen und Versöhnungen mit Angehörigen und Freunden, unterstützen. Denn viele Menschen können einfach nicht sterben, bevor sie nicht noch ein letztes Mal ihre Angehörigen gesehen haben. Wir sollten ihm ermöglichen, seine Trauer auszudrücken und für ihn da zu sein, wenn er das Gespräch sucht. Doch auch wir sollten dabei nicht vergessen, unsere Trauer auszuleben. Auch wir dürfen Weinen und uns zur Unterstützung Hilfe durch Gespräche holen.

[Bearbeiten] 5. Phase: Zustimmung

(engl.: Acceptance)

In dieser letzten fünften Phase nimmt der Betroffene sein Schicksal an und willigt darin ein. Es geht darum Traurigkeit und Trauer über sich selbst und die Angehörigen zuzulassen. Es bestehen zwar immer noch schwache Hoffnungen, nicht sterben zu müssen, doch ansonsten ist diese Phase frei von solchen starken Gefühlen, wie sie in den vorangegangenen Phasen auf den sterbenden eingestürmt sind. Er ist jetzt körperlich und geistig erschöpft, schläft viel und möchte häufig nicht gestört werden. Meist kann er sich nur noch mit wenigen Worten und Gesten verständigen.

Er beginnt, sich von seiner Umwelt abzunabeln; er isoliert sich. Dennoch entwickelt er eine besondere Sensibilität gegenüber seiner Umgebung. Er registriert bereits kleine Veränderungen im Verhalten des Pflegepersonals oder der Angehörigen. Deshalb ist es hier so wichtig, mit den Angehörigen zusammenzuarbeiten. Wir müssen sie darauf aufmerksam machen, dass der Sterbende, der nun besonders sensibel ist, alle Gefühle und Gedanken, die ausgedrückt werden, aufnimmt. Deswegen müssen die Angehörigen darauf hingewiesen werden, auf ihre Äußerungen zu achten und nicht die Würde des Sterbenden durch rücksichtsloses Verhalten, z.B. ungesteuertes Heulen, gefühllose Bemerkungen, zu verletzen. Denn gerade jetzt ist ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen gefragt. Der Sterbende darf vor allem nicht das Gefühl bekommen, allein zu sein. Wir müssen weiterhin für ihn da sein, ihm Hautkontakt bieten. Ein Streicheln über die Wange sagt oft mehr als tausend Worte, auch bei Sterbenden.

[Bearbeiten] Literatur

  • Elisabeth Kübler-Ross: Interviews mit Sterbenden. Droemer Knaur. ?? Auflage Erscheinungsdatum: Februar 2001. ISBN 3426870711
  • Elisabeth Kübler-Ross: Über den Tod und das Leben danach. Silberschnur . Erscheinungsdatum: 2002. ISBN 3923781024
  • Elisabeth Kübler-Ross: Erfülltes Leben, würdiges Sterben. Gütersloher Verlagshaus Erscheinungsdatum: Januar 2004 ISBN 3579009907

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] siehe auch

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