Sterben

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Sterben ist der Übergang vom Leben in den Tod. Das Ende dieses Übergangs kann zeitlich mit dem Todeszeitpunkt eingegrenzt werden, der Beginn des Sterbens kann dagegen nicht eindeutig bestimmt werden.

Das Sterben eines Individuums vollzieht sich auf mehreren Ebenen, wobei die körperliche Dimension die entscheidende darstellt: Sie ist gekennzeichnet vom langsamen Erlöschen oder plötzlichem Ausfall vitaler Funktionen. In Abhängigkeit von der Geschwindigkeit des "biologischen" Sterbens kommen die weiteren Ebenen zum Tragen: Die seelische, soziale und spirituelle Dimension, die oft nicht nur den Sterbenden selbst betreffen, sondern sich ebenso auf sein Umfeld auswirken können.

Angehörige, Pflegende und Ärzte und nicht zuletzt der Schwerkranke selbst können den Vorgang des Sterbens zu einem gewissen Teil beeinflussen. Medizinische Verfahren können inzwischen zwar in vielen Fällen das Leben zumindest begrenzt verlängern, was manchmal aber mit erheblichen Einbußen an Lebensqualität einhergeht oder eher wie ein Verlängern des Sterbens erscheint. Das führt dazu, dass heutzutage während eines längeren Sterbeprozesses verschiedene Entscheidungen getroffen werden müssen, beispielsweise ob und wie Behandlungen weitergeführt werden.

Sterben - ein psychischer Vorgang[Bearbeiten]

Ein Sterbender ist oft traurig, was allzu verständlich ist angesichts der Tatsache, dass sein Leben bald enden wird. Der Abschied vom Leben geht nicht ohne Leiden einher, selbst wenn keine körperliche Beschwerden vorhanden sind. Ein Sterbender interpretiert die Realität meistens richtig, deshalb ist eine Etikettierung als depressiv im psychiatrischen Sinn nicht angemessen. Eine medikamentöse Behandlung des Stimmungstiefs ist daher nicht sinnvoll, es sei denn, dass eine manifeste Depression diagnostiziert wurde. Da entprechende Medikamente aber eine lange Anlaufzeit haben, bevor eine spürbare Wirkung eintritt, ist eine Intervention gründlich zu überdenken. In erster Linie profitieren Sterbende von echter Zuwendung.

Oft geht das Schwinden der Körperkraft und des "Funktionierens" einher mit der Abnahme der geistigen Fähigkeiten. Daraus kann ein Rückzug des Kranken entstehen, wenn er den Sinn seines Lebens bisher an seiner "Nützlichkeit" festgemacht hat. Er fühlt sich womöglich "überflüssig", isoliert sich, hat kein Interesse mehr an seinem Umfeld. Hilfe anzunehmen kostet ihn Überwindung, oft versucht der Kranke weiter alles allein zu bewältigen, was manchmal zu weiteren Problemen führt (z.B. Verletzungen durch einen Sturz). Hier sind die Pflegenden gefordert, dem Sterbenden Wertschätzung zu vermitteln, die sein Sein betont.

Es gibt auch den umgekehrten Fall, daß der Sterbende unfreiwillig in die Isolation gerät, d.h. er wird nicht mehr besucht, weil er sich vielleicht nicht mehr (adäquat) äußern kann, weil Freunde und Familie nicht wissen, was sie sagen sollen oder weil krankheitsbedingt Entstellungen oder Gerüche abschrecken. Pflegende können die Ursache ergründen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, z.B. die Angehörigenbetreuung verstärken oder geruchsintensive Wunden speziell behandeln.

Sterben - eine biologische Kettenreaktion[Bearbeiten]

Je nach Ursache versagen im Sterbeprozess die Organfunktionen allmählich (z.B. Niereninsuffizienz) oder fallen akut aus (Z.B. Nierenversagen). Dabei können verschiedene Symptome auftreten, die zum größten Teil gut zu behandeln sind oder aber vom Sterbenden selbst nicht als Beeinträchtigung empfunden werden.

Im Rahmen einer chronischen Erkrankung, die zum Tode führt, verläuft der Sterbeprozess eher langsam, so dass der Finalphase die sogenannte Terminalphase vorausgeht, während das Sterben durch eine schwere Unfallverletzung oder einen Herzinfarkt sehr schnell und daher kaum als Prozess wahrnehmbar abläuft.
Die meisten Menschen (95 %) sterben an den Folgen chronischer Krankheiten, was sich über Wochen, Monate und sogar Jahre hinziehen kann.[1]

Zeichen des bevorstehenden Todes[Bearbeiten]

Wenige Tage bis Stunden vor dem Tod (Finalphase) kündet sich das Ende häufig mit folgenden Zeichen an:

Es besteht möglicherweise ein wiederholter Drang zum Aufstehen, Nesteln, Umhergreifen, Entkleiden oder das Wegschieben der Bettdecke (Unruhe); oder aber vermehrte Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit Apathie sowie zunehmende Somnolenz. Die Reaktionen auf Reize werden geringer sowie die Orientierung in Zeit, Raum und Situation. Die Wahrnehmung der Außenwelt scheint abzunehmen, geht aber wohl nicht ganz verloren. Schlafphasen verlängern sich, eventuell bis hin zum Koma.

Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verringert sich zunehmend bis hin zum vollständigen Verzicht. Die Ausscheidung von Urin ist reduziert, die Kontrolle darüber geht eventuell verloren (Inkontinenz), oder es kommt in selteneren Fällen zu schmerzhaftem Harnverhalt.

Die Extremitäten (Füße, Arme, Hände) werden aufgrund nachlassender Durchblutung kalt, bei manchmal gleichzeitigem Auftreten von starkem Schwitzen. Der Blutkreislauf zieht sich auf die wichtigen Organe zurück. Die Körperunterseite kann sich livide verfärben, insbesondere die Beine erscheinen "marmoriert". Die Haut erscheint fahlgrau oder bleich, der Gesichtsausdruck wird zunehmend "wächsern" mit einem manchmal ausgeprägten bleichen "Mund-Nasen-Dreieck". Der Puls ist an den Handgelenken kaum zu spüren, wird wie der Blutdruck immer schwächer und die Pulsfrequenz schneller. Oft ist der Puls nur noch an der Halsschlagader tastbar.

Es kommt zu einem veränderten Atemrhythmus (Cheyne-Stoke'sche Atmung, die in den letzten Minuten in Schnappatmung, also wenige einzelne Atemzüge zwischen langen Atempausen übergeht) und in vielen Fällen auch zu Atemgeräuschen wie dem präfinalen Rasseln. [2]

Eintreten des Todes[Bearbeiten]

Wenn alle Lebensfunktionen eines Organismus endgültig still stehen, ist der Tod eingetreten. Nach medizinischen Kriterien ist dies ein Vorgang, der in mehreren Stufen abläuft: Der klinische Tod tritt ein, wenn Herzschlag und Atmung aussetzen. In dieser Phase kann der Mensch zum Beispiel durch Herzmassage und Beatmung wiederbelebt werden. Schlägt diese Reanimation fehl, erleidet zuerst das Gehirn durch die fehlende Versorgung mit Sauerstoff Blut irreparable Schäden. Sein besonders aktiver Stoffwechsel und seine geringe Kapazität, Energie zu speichern, machen dieses Organ stark anfällig für jegliche Unterbrechung der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr.

Der Hirntod gilt heute juristisch als Todeszeitpunkt. Mit ihm versiegt auch die elektrische Aktivität des Gehirns - Wahrnehmung, Bewußtsein und die zentralnervöse Steuerung elementarer Lebensfunktionen fallen für immer aus. Eine besondere Bedeutung hat dabei der Hirnstamm, der aus dem Mittelhirn, der Brücke und dem verlängerten Mark besteht. Selbst wenn andere Bereiche des Gehirns bereits zerstört sind, können die Zentren des Hirnstammes den Patienten in einem vegetativen Zustand am Leben erhalten: Er kann atmen und schlucken oder bei Schmerzen das Gesicht verziehen, aber seine Wahrnehmungen wahrscheinlich nicht mehr verarbeiten.

Der Hirntod leitet den biologischen Tod zumeist ein, da nun in allen Geweben und Organen der Stoffwechsel endgültig zum Erliegen kommt. In der Haut entstehen etwa eine halbe Stunde später erste Totenflecke, da das Blut in die tiefer gelegenen Teile der Leiche absackt. Die Körpertemperatur sinkt ab. Nach etwa zwei Stunden setzt die Leichenstarre ein, da sich Stoffwechselprodukte wie zum Beispiel Milchsäure in den Muskelzellen anhäufen und Eiweiße, die sonst während der Muskelbewegung an einander vorbeigleiten, ein starres Netz bilden (Sehr abhängig von der Außentemperatur).

Das heißt, dass es bei fast jedem einzelnen Organ einen Zeitraum gibt, in dem bei nachlassender Funktionsfähigkeit ein Weiterleben möglich wäre, wenn die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff fortgeführt wird. Irgendwann - bei jedem Organ anders - kommt dann ein Zeitraum, wo dies nicht mehr gelingen würde. Von außen ist das unter Umständen nicht feststellbar (oder nur sehr aufwändig). Man könnte sagen, dass dies der Todeszeitpunkt (oder Zeitraum, in dem der Tod eintritt) des einzelnen Organs ist.

Erst die Anhäufung solcher Ausfälle führt zum klinischen Tod (s. o.). Die Reihenfolge des Ausfalls der Organe ist nach Krankheit oder Unfallgeschehen unterschiedlich.

Medikation bei Sterbenden[Bearbeiten]

Grundsätzlich muß überdacht werden, welche Medikation noch sinnvoll ist oder ob sie den Sterbenden zusätzlich belastet (z.B. führen voluminöse Infusionen selbst in Kombination mit Diuretika zu Hyperhydratation mit belastenden Ödemen, die die Atmung und die Beweglichkeit erschweren. Auch die Applikationsart muss oft wegen zunehmender Schluckschwierigkeiten und Bewusstseinsstörungen geändert werden. Einige oral zu verabreichende Medikamente müssen daher abgesetzt werden, wenn sie nicht auch in einer anderen Darreichungsform ( wie Tropfen, Zäpfchen, Injektionslösung) verfügbar sind.

Obwohl keine gesicherten Erkenntnisse bezüglich der Schmerzempfindung in der Terminalphase vorliegen, sollte eine bestehende Schmerzmedikation fortgeführt werden, ebenso bei Hirndrucksymptomatik die Verabreichung von Dexamethason, was dann aber meistens langsam reduziert wird.

Bei einem Sterbenden können TTS (Transdermale therapeutische Systeme) wie z. B. Fentanyl- oder Buprenorphin-Pflaster unter Beobachtung der Wirkung verwendet werden. Ein transdermales Pflaster gibt eine kontinuierliche Dosis eines hochpotenten Wirkstoffes (z.B. Fentanyl) über die Haut in den Kreislauf ab, was bei guter Symptomkontrolle und Fehlen von Zeichen einer Überdosierung problemlos auf der Haut des Patienten belassen werden kann. Da bei einem sterbenden Patienten das Symptom Schmerz aber sehr dynamisch auftreten kann, der Sterbende oftmals nur reduziert kommunikationsfähig ist und die Hautdurchblutung abnimmt, sollte bei Einsatz von TTS-Systemen eine sorgfältige Beobachtung in Hinblick auf eventuelle Schmerzäußerungen stattfinden.

Wenn der Sterbende sich nicht mehr zu seinen Schmerzen äußern kann, gibt es nonverbale Zeichen für Schmerzempfinden, wie z.B. Grimassieren, ein erhöhter Muskeltonus oder Tachypnoe. Hilfreich bei der Einschätzung kann die BESD-Skala zur Beurteilung des Schmerzes bei Demenz[3] sein. Bei Anzeichen einer insuffizienten Analgesie ist es oft effektiver, die Applikation von Schmerzmedikamenten, z.B. Morphin, mit subcutanen Injektionen oder über eine Spritzenpumpe zu regulieren. Mit dem Einsatz einer Spritzenpumpe kann schnell auf Veränderungen in der Symptomkontrolle reagiert werden. Besteht der Eindruck, dass der Patient unter Schmerzen leidet, kann bei Spritzenpumpeneinsatz ein Bolus gegeben werden, bei Injektionen eine Bedarfsdosis. Die kontinuierliche Laufgeschwindigkeit oder Tagesdosis sollte erhöht werden, wenn innerhalb von 24 Stunden dreimal ein Bolus bzw. eine Bedarfsdosis gegeben werden musste. Andererseits ist es ebenso möglich, die Laufgeschwingigkeit zu reduzieren, wenn der Patient Zeichen einer Überdosierung aufweisen sollte (Annäherung an optimale Dosis = Titration).

Wird ein TTS-Pflaster entfernt, um die Schmerzmedikation auf Injektionen oder Spritzenpumpe umzustellen, ist darauf zu achten, daß die Wirkung eines transdermalen Pflasters nur langsam abnimmt. Es muss mit einem langsamen Abfluten der Wirkstoffkonzentrationen gerechnet werden, da aus dem Depot unter der Haut das Medikament noch ca. 12 bis 24 Stunden in den Blutkreislauf abgegeben wird. Die Umrechnung von Fentanyl oder Buprenorphin TTS analog zu parenteralen Medikamenten kann mit Zuhilfenahme von Opioid-Umrechnungstabellen vorgenommen werden.

Die spirituelle Dimension des Sterbens[Bearbeiten]

Die meisten Menschen fragen sich irgendwann nach dem Sinn ihres Daseins. Zum Lebensende hin werden die Fragen dringlicher, auch im Zusammenhang mit einer Art Lebensbilanz.

Religion und Glaube können ein Ausdruck von Spiritualität sein, aber auch nicht-religiöse Menschen haben zumeist weltanschauliche und ethische Überzeugungen, an denen sie ihr Leben ausrichten.

Lebensbilanz im Sterben[Bearbeiten]

Die australische Krankenschwester Bronnie Ware hat viele Jahre in der Palliative Care gearbeitet und sterbende Patienten in deren letzten drei bis zwölf Lebenswochen begleitet. Dabei ist ihr aufgefallen, dass Sterbende häufig die gleichen Versäumnisse in ihrem Leben bereuen. Diese unerfüllbaren Wünsche an die Vergangenheit hat sie in einem Buch gesammelt und die fünf häufigsten ermittelt (Top Five Regrets Of The Dying):[4] englisch, abgerufen am 29. Februar 2012

  1. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, ein Leben getreu mir selbst zu führen – anstatt eines, das andere von mir erwarteten.
  2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  3. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, meine Gefühle zu zeigen.
  4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.
  5. Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen.

Bekannt geworden ist die Last Lecture (Letzte Vorlesung) des an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Informatikprofessors Randy Pausch im September 2007 an der Carnegie Mellon University (USA), ein knappes Jahr vor seinem Tod im Juli 2008. Von der Diagnosestellung im September 2006 bis kurz vor seinem Tod führte er ein öffentliches Tagebuch, das das Fortschreiten seiner Erkrankung dokumentiert. Sein Fazit: „Auf unserem Sterbebett werden wir nicht die Dinge bereuen, die wir getan haben – sondern die Dinge, die wir nicht getan haben.“

Ähnlich äußerte sich auch der im Oktober 2011 verstorbene US-amerikanische Unternehmer Steve Jobs: „Verliert nicht den Glauben. Was mich motiviert hat, immer weiter zu machen? Ich liebte, was ich tat – und das ist das einzig Wichtige. Ihr müsst die eine Sache finden, die ihr liebt – sowohl im Beruf als auch im Privatleben.“

Sterben als religiös bedeutender Vorgang[Bearbeiten]

Es sollte rechtzeitig geklärt werden, im Idealfall mit dem Patienten selbst, ob und welcher Religion er angehört, sowie die Frage, inwiefern dies berücksichtigt werden soll. Ansonsten ist Zurückhaltung angezeigt. Pflegende müssen auch nicht sämtliche Rituale und Gebete beherrschen (denn nur, wenn man selbst dem entsprechenden Glauben angehört, kann man es authentisch anwenden), sie sollten aber Raum und Möglichkeiten zur Durchführung schaffen und ggf. die entsprechende Gemeinde um Hilfe bitten.

  • Christentum: Die Seele wird (wie in den meisten Religionen) als unsterblich angesehen. Vergebung der Sünden durch den Opfertod Jesu, leibliche Auferstehung nach dem Tode, Paradiesvorstellung, Rückkehr in das nach dem Sündenfall verlorene Paradies. Für den Sterbenden könnte die Beichte und der Besuch eines Geistlichen von besonderer Bedeutung sein. Verschiedene Konfessionen haben unterschiedliche Vorschriften und Rituale, die man bei Bedarf einsetzen (lassen) kann.
  • Buddhismus: Der Mensch ist eingebunden in einen Kreislauf aus Werden, Sein und Vergehen. "Leben heißt Leiden" (Buddha). Dem Kreislauf der ewigen Wiederkehr (Wiedergeburt) kann nur entfliehen, wer nicht dem Leben und der Materie verhaftet ist. In sofern gewinnt der Tod eine ganz eigene Bedeutung. Je nach buddhistischer Tradition können Gebete und Rezitations-Meditationen (Puja) oder Sutra-Lektüre (Buddhistische Unterweisungen, entfernt mit der Bibel vergleichbar) erwünscht sein. Angehörige sind sicher gern bereit, dem Pflegepersonal mit diesbezüglichen Texten behilflich zu sein.
  • Hinduismus: ähnliche Sichtweise, Leben, Sterben, Wiedergeburt als Kreislauf, Symbol des Rades. Loslassen der Begierden und Bindungen kann nach hinduistischer Vorstellung die Erlösung aus dieser Verkettung aus Tod und Wiedergeburt bewirken (Moksha). Die Ansammlung von gutem oder schlechtem Karma ist hierbei von Bedeutung. Der Hinduismus teilt sich in diverse Richtungen mit unterschiedlichen Formen der Sterbebegleitung und auch Bestattungskultur.
  • Judentum: Die Seele ist auch im jüdischen Glauben unsterblich und die Toten werden auferstehen, "wenn es dem Schöpfer wohlgefällig erscheint" (Maimonides, 13. Glaubenssatz]. Wird ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde aufgenommen, so empfiehlt sich die Information dieser Gemeinde; diese kümmert sich in der Regel um alle religiösen Belange des Sterbenden und fühlt sich nach dem Tod auch für alle Maßnahmen einschließlich der (zügigen) Bestattung verantwortlich.
  • Islam: Es gilt als 'gutes Werk', sich an einem Sterbebett zu versammeln und die letzten Stunden zu begleiten. Der Tod ist Teil des Lebens und des Heilsplanes, den Allah mit den Menschen hat. Er ist notwendiger Übergang. Fromme Moslems hoffen nach Tod und 'Gericht' im Paradies, nah bei Gott leben zu dürfen.

Statistik[Bearbeiten]

In der BRD sterben pro Jahr etwa 900 000 Menschen (1993). Damit ist die Sterbehäufigkeit im Vergleich zu 1910 deutlich zurückgegangen, von 1,5% auf 1,0 Prozent (1000 Todesfälle auf 100 000 Einwohner).

Im Jahr 1996 verstarben z. B. in Baden-Württemberg 98 908 Menschen. Über zwei Drittel dieser Sterbefälle wurden durch Krankheiten des Kreislaufsystems (44 239) und durch bösartige Neubildungen (23 943) verursacht.

Sterbeorte[Bearbeiten]

Ein Gutachten von 2004 kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland etwa 42 bis 43 % aller Todesfälle im Krankenhaus stattfinden.[5] Das Sterben verlagert sich oft aufgrund falscher Vorstellungen über die medizinischen Möglichkeiten in die Akutabteilungen der Krankenhäuser.[6] Obwohl sich Sterbende und ihre Angehörigen im Krankenhaus in dieser Situation insbesondere ärztlichen Beistand erhoffen, werden sie überwiegend von Pflegekräften begleitet, während sich Ärzte eher zurückziehen.[7] Manche Patienten erwarten bei Aufnahme in ein Krankenhaus weitere Therapie zur Wiederherstellung verlorengegangener Funktionen und Rettung in aussichtsloser Situation. Sie und ihre Angehörigen vertrauen dabei auch auf die sogenannte Apparatemedizin, die zwar ihre Berechtigung im Einsatz bei abwendbaren lebensbedrohlichen Zuständen hat, am unvermeidbaren Lebensende aber zu einer ungewollten Lebens- oder sogar Leidensverlängerung führen kann.

In Heimeinrichtungen wie Betreutes Wohnen, Alten- und Pflegeheimen, die manche ihrer Bewohner durchaus als ihr Zuhause betrachten, geschehen etwa 15 bis 25 % aller Todesfälle.[8]. Stationäre Hospize sind als pflegerische Einrichtungen auf Todkranke spezialisiert, deren Pflege in der häuslichen Umgebung oder im Pflegeheim aufgrund schwerwiegender Beschwerden nicht ausreichend gewährleistet ist und bei denen Krankenhausbehandlung nicht (mehr) erforderlich ist. Hier finden etwa 1 bis 2 % der Gesamttodesfälle statt.[9] Stationäre Hospize werden heute in erster Linie durch Kranken- und Pflegekassen finanziert. 10 % der Kosten eines Hospizes muss allerdings der Träger (z. B. durch Einwerbung von Spenden und ehrenamtliches Engagement) aufbringen.

In manchen Krankenhäusern wurden inzwischen spezielle Abteilungen für unheilbar Schwerkranke eingerichtet, die in Deutschland Palliativstationen genannt werden. Deren Grundfinanzierung erfolgt über die Krankenkassen, die etwas wohnlichere Ausstattung dieser Stationen ist aber auch meist Spendern zu verdanken.

Sterbebegleitung[Bearbeiten]

siehe dazu auch den ausführlichen Artikel Sterbebegleitung

Die Konfrontation mit dem eigenen Tod wird möglichst lange hinausgeschoben, selbst bei Personengruppen, die aus beruflichen Gründen mit dem Sterben und dem Tod anderer in Berührung kommen. Es ist oft leichter, die Aufgabe der Sterbebegleitung zu zweit zu übernehmen, was sicher daran liegt, dass Sterben und Tod etwas mit dem Gefühl der Einsamkeit, des Verlassenseins zu tun haben - Gefühle, die leichter in der Nähe eines anderen ertragen werden. Allerdings wird die Personalbesetzung einer solchen Vorgehensweise häufig entgegenstehen. Der Tod hat wie alles, was wir nicht greifen, fassen und beeinflussen können, etwas Unheimliches, Angstmachendes an sich. Die private Form der Sterbebegleitung im Terminalstadium durch Angehörige hat vor allem mit Abschiednehmen zu tun und unterscheidet sich von der beruflichen, z.B. durch Pflegekräfte. Hier steht im Vordergrund, besonders bei alleinstehenden Patienten, das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht alleine sind, alleine sterben müssen. Teilweise kann es reichen, die Hand zu halten, manchmal sind auch noch Gespräche oder ggf. Gebete möglich, wenn dies gewünscht wird. Können die Schwerkranken noch Nahrung zu sich nehmen, so bekommen sie in vielen Häusern eine Wunschkost. Auch eine angemessene Schmerztherapie nach Arztverordnung gehört zur Sterbebegleitung.

Ein besonderes Problem ist das Sterben bei Demenz. Die Tagung "Demenz und Sterbebegleitung - Was gibt es Neues?" des Kuratoriums Deutsche Altershilfe hat 2011 neue Impulse zur Palliativversorgung von Menschen mit Demenz gegeben: Ein würdevolles Ende des Lebens sei auch mit Demenz möglich.

Literatur[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Ernst Engelke: Die Wahrheit über das Sterben. Wie wir besser damit umgehen. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, ISBN 978-3-499-62938-9
  • Gian Domenico Borasio: Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. C. H. Beck, München 2011 ISBN 978-3-406-61708-9
  • Reimer Gronemeyer: Sterben in Deutschland. Wie wir dem Tod wieder einen Platz in unserem Leben einräumen können. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2008. ISBN 978-3-596-18151-3
  • Beate Lakotta, Walter Schels: Noch mal leben vor dem Tod. Wenn Menschen sterben. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2004, 224 Seiten mit 71 Duotone-Abbildungen - von Lebenden und diesen Personen nach dem Tod. ISBN 3-421-05837-7 (Bildband)
  • Reinhard Lay: Ethik in der Pflege. Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2004. ISBN 3-89993-115-7, (Rezensionen' unter [2])
  • Sherwin B. Nuland, 1994: Wie wir sterben. Ein Ende in Würde? Übers. Enrico Heinemann, Reinhard Tiffert; Kindler, München: 352 S. 352 S. ISBN 3-463-40211-4. Amerikan. Original: How We Die. ISBN 0-606-32556-5.
Taschenbuch / 1996 ISBN ??? / Preis: Euro ca 10. (Das Buch erklärt sieben sehr häufige Todesarten in einer literarischen Sprache biologisch und medizinisch korrekt.)
  • Robert F. Schmidt , Gerhard Thews. 1995, 26. A: Physiologie des Menschen. Lehrbuch. Springer, Berlin u. a. O. 28. Aufl. 2000. ISBN 3-540-66733-4. S. 574
  • Christoph Student: Sterben, Tod und Trauer – Handbuch für Begleitende. 2. Auflage, Herder, Freiburg 2006
  • C. Tesch-Römer (2004): Sterben und Tod im mittleren und höheren Erwachsenenalter. In: S.-H. Filipp und U.M. Staudinger (Hrsg.): Entwicklungspsychologie des mittleren und höheren Erwachsenenalters. Enzyklopädie der Psychologie. Serie Entwicklungspsychologie, Band C/V/6 (S. 829-854)

Zeitungen, Zeitschriften[Bearbeiten]

  • KDA-Zeitschrift Pro Alter 2 / 2005 Sterben und Tod in Einrichtungen der Altenhilfe

In: Ausgabe 2 / 05 der KDA-Zeitschrift Pro Alter

Inhalt:
  • „Konfrontation mit dem Tod: immer häufiger und immer früher“ Wie sich Heime auf die Zunahme der Sterbefälle einstellen (sollten). Auch Fragen zur Qualität der Versorgung, Literaturhinweise.
  • Die letzten Lebenstage gestalten. Mit einer Kopiervorlage „Notfallplan: Verfügungen – Ärztlicher Bericht“ (Planung bereits im Vorfeld)
  • Tiere bei der Begleitung Sterbender sensibel einsetzen „Ich will Paula noch mal streicheln“ (Abschied nehmen und geben!)
  • „Sterben ist harte Arbeit.“ Hospizgruppen helfen Sterbenden bei ihrem letzten Schritt
  • Das Pro Alter-Interview mit Karin Wilkening: „Würdige Sterbebegleitung im Heim ist keine Kür, sondern eine gesetzlich verankerte Pflicht“
  • Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung: Vorsorge für den Notfall. Begriffserklärungen, Links.

Als e-Paper beim KDA downloaden,

Medien[Bearbeiten]

  • Letzte Reise. Doku-Soap, Deutschland 2005. Regie: Mechthild Gaßner. Kurztext der Redaktion: "Letzte Reise" begleitet Menschen mit der Kamera, denen die ärztliche Diagnose gestellt wurde, nicht mehr lange leben zu dürfen. Aber auch die Versuche der Angehörigen, dem Schicksal ihrer Nächsten ins Auge zu blicken, und die Arbeit professioneller Helfer, Menschen, die bereit sind, Sterbende zu begleiten, werden thematisiert. Dennoch dreht sich "Letzte Reise" nicht nur um Trauer und Tod, sondern es geht auch um Treue und Freundschaft, um Liebe und Hingabe - um das Leben. Die einzelnen Episoden dauern jeweils 30 Minuten und können bei Veranstaltungen oder Unterricht zum Thema verwendet werden.
  • Sigrid Faltin : Letzte Saison - Wenn es Zeit ist zu sterben, TV-Dokumentation, Deutschland, Erstsendung 12.7. 2011.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Friedrich: Sterben in Deutschland. Göttingen 2006, S. 11
  2. M. Kern, F. Nauck: Letzte Lebensphase. in: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (Hrsg.): Handreichung Palliative Care und Hospizarbeit. Stand 11/2006
  3. Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS): Beurteilung des Schmerzes bei Demenz.
  4. [1]
  5. Birgit Jaspers, Thomas Schindler: Stand der Palliativmedizin und Hospizarbeit in Deutschland und im Vergleich zu ausgewählten Staaten. 2004, S. 23., abgerufen am 27. Februar 2014.
  6. G. Fasselt: Sterbebeistand/Sterbebegleitung. In: W. Korff, L. Beck, P. Mikat (Hrsg.): Lexikon der Bioethik. Band 3, Gütersloh 2000, S. 440–444.
  7. Gutachten Jaspers und Schindler, S. 24.
  8. Gutachten Jaspers und Schindler 2004, S. 23.
  9. Gutachten Jaspers und Schindler 2004, S. 19.
  10. spiegel.de: Rezension, Bilder

Siehe auch[Bearbeiten]