Stationäres Hospiz

Aus PflegeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein stationäres Hospiz ist eine Einrichtung zur palliativmedizinischen Pflege und sozialen sowie geistig-seelischen Begleitung Schwerstkranker und Sterbender, deren verbleibende Lebenszeit absehbar ist (ca. 3 bis 6 Monate) und die aus verschiedenen Gründen nicht in ihrer häuslichen Umgebung versorgt werden können. Die Versorgung im Hospiz orientiert sich an der Lebensqualität des sterbenden Menschen und seiner ihm eigenen Würde. Wie bei einer Palliativstation kann das Ziel die Entlassung in die Häuslichkeit sein. Die meisten Menschen aber, die im stationären Hospiz aufgenommen werden, bleiben dort bis zu ihrem Lebensende.

Das stationäre Hospiz ist weder einem Krankenhaus noch einer Pflegeinrichtung angeschlossen, sondern eine selbstständige Einrichtung mit separatem Personal und Konzept. Es stellt eine Kompromisslösung zwischen häuslicher und klinischer Versorgung dar.
Stationäre Hospize unterliegen dem jeweiligen Landesheimrecht.[1] Der Deutsche Hospiz-und PalliativVerband e.V. (ehemals Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz) ist stetig um Verbesserungen bemüht.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf ein stationäres Hospiz in Niedersachsen als Beispiel.

Aufnahmevoraussetzungen[Bearbeiten]

Aufgenommen werden Menschen, die an einer unheilbaren, in absehbarer Zeit zum Tode führenden Krankheit leiden, bei der eine Heilung ausgeschlossen und eine palliativmedizinische und -pflegerische Versorgung notwendig oder von dem Patienten erwünscht ist, eine Krankenhausbehandlung nicht erforderlich ist und eine ambulante Versorgung im Haushalt oder in der Familie nicht ausreicht. Diese Einschränkungen sind notwendig, da die gesetzlichen Krankenkassen einen großen Teil des tagesbezogenen Bedarfssatzes finanzieren. Eine Erkrankung gilt als nicht heilbar, wenn nach dem allgemein anerkannten Stand der Medizin Behandlungsmaßnahmen nicht zur Beseitigung dieser Erkrankung führen können. Sie ist fortschreitend, wenn ihrem Verlauf trotz medizinischer Maßnahmen nach dem allgemein anerkannten Stand der Medizin nicht nachhaltig entgegengewirkt werden kann.[2]
Die Hospizpflege muss von einem Arzt verordnet werden, unter Angabe der Diagnose und weiterer Details zur Begründung (zum Beispiel belastende Symptome wie Luftnot und Angst oder exulzerierende Tumore). Diese Ärztliche Bescheinigung zur Feststellung der Notwendigkeit vollstationärer Hospizversorgung nach § 39a Abs. 1 SGB V wird benötigt, damit das Hospiz den entsprechenden Antrag zur Kostenübernahme an die Krankenkasse stellen kann (Antrag auf vollstationäre Hospiz- und Pflegeleistungen nach § 39 a Abs. 1 SGB V und § 43 SGB XI).[3] Die Verordnung und die entsprechende Antragsbewilligung gelten für zunächst 28 Tage und werden vor Ablauf dieser Frist ggf. verlängert, wenn die Voraussetzungen weiter gegeben sind.
Privatversicherten wird empfohlen, eine Kostenzusage ihrer Kasse vor der Aufnahme im stationären Hospiz einzuholen, da nicht jede Versicherung die in Rechnung gestellten Kosten übernimmt.

Die Patienten kommen entweder aus der Klinik oder aus der ambulanten Versorgung, manche hatten bislang keine (pflegerische) Unterstützung. Allen ist gemeinsam, dass eine adäquate Versorung zuhause oder in einem Pflegeheim nicht gewährleistet ist, aber ein erneuter oder weiterer Klinikaufenthalt vermieden werden soll.

Vorbereitung der Aufnahme[Bearbeiten]

Im Idealfall hat vor der Aufnahme ein Haus- oder Klinikbesuch seitens eines Hospiz-Mitarbeiters stattgefunden, um den Kranken auf die Verlegung vorzubereiten. Ohne Information und Einverständnis sollte niemand in ein Hospiz verlegt werden. In der Praxis wird dies nicht immer umgesetzt, vor allem bei Patienten, die sich selbst nicht mehr äußern können. Aber auch diese Menschen müssen informiert werden, selbst wenn sie den Eindruck erwecken, dass sie "nichts mehr mitbekommen", denn niemand kann mit Sicherheit von der Richtigkeit dieser Annahme ausgehen (siehe auch: Wahrheit am Krankenbett).

Die Verlegung in ein stationäres Hospiz wird oft als Krise empfunden, als ein weiterer Schritt in eine beängstigende Zukunft. Hier sind alle Begleitenden aufgefordert, diesen Schritt gut vorzubereiten. Auch die Angehörigen können ihrerseits im Vorfeld das stationäre Hospiz besichtigen und ein Beratungsgespräch mit einem Mitarbeiter führen. Manchmal führt so eine Palliativ-Beratung dazu, dass der Patient doch wieder nach Haus entlassen wird bzw. dort verbleibt, weil die Angehörigen zur häuslichen Pflege ermutigt werden konnten und ihnen Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt wurden.

Vor der Verlegung kann das Zimmer schon gestaltet werden, z.B. mit eigenen (kleinen) Möbeln und Teppichen, Bildern, Pflanzen, Fotos, Geschirr, eigener Bettgarnitur und -wäsche (wird ansonsten auch gestellt, aber manch einer bevorzugt seine eigene Daunendecke). Kleine Tiere dürfen auch mit einziehen oder zu Besuch kommen.

Einschränkung des Hospizaufenthaltes[Bearbeiten]

Die meisten Hospizpatienten sterben an den Folgen ihrer Erkrankung im Hospiz. Hat sich der Gesundheitszustand eines Hospizpatienten allerdings sehr stabilisiert oder sogar verbessert, sind die Bedingungen für die spezielle Hospizpflege nicht mehr erfüllt.

Eine Verlängerung der Verordnung von Hospizpflege kann in einem solchen Fall nicht mehr beantragt werden und damit endet auch die Kostenübernahme durch die Krankenkasse, was dann eine Verlegung nach Haus oder in ein Pflegeheim notwendig macht. Allerdings kann Hospiezpflege bei Ärztlicher Indikation auch bis zu einem Jahr und länger dauern.
Dieser Umstand löst bei manchen Patienten oder ihren Angehörigen Unverständnis aus, auch, dass es nicht möglich ist, sich den Pflegeplatz im Hospiz privat zu "kaufen". Dies wäre aber nicht im Sinne des Hospizgedankens und würde dazu führen, dass alle Hospizplätze bald von Langzeitpflege-Patienten blockiert sind und eine schnelle Aufnahme von akut Sterbenden nicht mehr möglich ist.

Ehrenamtliche Mitarbeiter[Bearbeiten]

Zum Team eines stationären Hospizes gehören immer auch Ehrenamtliche. Diese haben vor ihrem Einsatz einen Begleitungskurs absolviert, damit sie nicht unvorbereitet oder mit falschen Vorstellungen ihre freiwillige Tätigkeit aufnehmen. Außerdem wird in dem Seminar auch die "hospizliche Haltung" vermittelt, um einen gewissen Konsens aller Begleiter herzustellen.
Im Beispiel-Hospiz ist an fast jedem Wochentag eine Ehrenamtliche vormittags anwesend. Sie bereitet z.B. das gemeinsame Frühstück vor und begleitet dies, führt Gespräche mit Bewohnern und/oder dessen Angehörigen, unternimmt mit ihnen kleine Ausflüge oder erledigt Einkäufe. Manche mögen lieber im Hintergrund tätig sein und unterstützen das Hospiz mit einfachen Büroarbeiten oder dem Organisieren von Informationsständen, einige setzen ihre handwerklichen oder floristischen Fähigkeiten ein. Da die Ehrenamtlichen nicht dem "pflegerischen Alltag" unterliegen, bringen sie immer auch neue Impulse ins Team.
Manchmal hat die ehrenamtliche Begleitung eines Sterbende schon vor der stationären Aufnahme begonnen, dann kommen die Ambulantes Hospiz|Ambulanten Hospizhelfer in der Regel weiterhin zu "ihrem" Patienten.

In jedem Halbjahr wird den Angehörigen der Verstorbenen ein Gedenkgottesdienst angeboten, der gemeinsam von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen ausgerichtet wird.

Das hauptamtliche Personal[Bearbeiten]

Die hauptamtlichen Mitarbeiter sind überwiegend examinierte Kranken- und Altenpflegekräfte, die zum einen über eine längere Berufserfahrung verfügen und zum Teil die Fortbildung Palliative Care oder die Fachweiterbildung Palliativ- und Hospizpflege absolviert haben oder sich in der Weiterbildung befinden. Voraussetzung für die Mitarbeit sind bestimmte Grundhaltungen im Umgang mit Menschen, dazu gehört z.B. die Achtung der Würde des Einzelnen; die Aktive Sterbehilfe muss abgelehnt werden, damit eine Basis des Vertrauens erhalten bleibt. Die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft ist nicht nötig, es wird aber diesbezüglich Offenheit und Toleranz erwartet. Kenntnisse und Erfahrungen in Bezug auf die Versorgung von Patienten mit z.B. Port-Systemen, exulcerierenden Wunden, Angst-, Panik- und Unruhezuständen werden in in- und externen Fortbildungen vertieft und aktualisiert.

Einige Mitarbeiter haben spezielle Kenntnisse (z.B. "Rhythmische Einreibung", Kinästhetik), die sie in die Arbeit einfließen lassen und die Kollegen darin anleiten. Außerdem engagieren sich die Mitarbeiter über ihre pflegerischen Tätigkeiten hinaus auch in anderen Bereichen wie der Öffentlichkeitsarbeit, die eine tragende Säule nicht nur der Hospizbewegung ist (s.u. Finanzierung).

Hinzu kommen regelmäßig Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege, die das stationäre Hospiz als Außeneinsatzort gewählt haben. Die Schüler bringen ihrerseits aktuelles pflegerisches Grundwissen mit und nehmen "hospizliches Gedankengut" und palliatives Fachwissen in ihre Stammhäuser. Zur Schülerbegleitung sind im Team Mitarbeiter mit Mentorenausbildung, denn das Hospizteam pflegt nicht nur seine Bewohner, sondern bemüht sich um guten Kontakt zu allen, die ins Haus kommen. Auch die Selbstpflege hat ihren Stellenwert, darum ist Teilnahme an der regelmäßig stattfindenden Supervision verpflichtend für die pflegenden Stamm-Mitarbeiter.

Für Verwaltungsaufgaben ist eine entsprechende Fachkraft angestellt; sie steht in direktem Kontakt mit der Hausleitung und nimmt nur unregelmäßig an Dienstbesprechungen teil. Manchmal arbeitet auch ein Bundesfreiwilliger ("Bufdi") oder ein Helfer im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) anstelle des früheren Zivildienstleistenden im stationären Hospiz. Auch er nimmt an allen Veranstaltungen wie Dienstbesprechungen und internen Fortbildungen teil.

Ein Tagesablauf[Bearbeiten]

Grob strukturiert ist der Tag ähnlich wie zuhause durch das Aufwachen und die Körperpflege am Morgen, durch die Mahlzeiten und die abendliche Versorgung vor dem "Zubettgehen".

Das Pflegepersonal arbeitet wie in der Klinik im 3-Schichten-System und beginnt frühmorgens mit der Übergabe vom Nachtdienst. In der Früh- wie auch in der Spätschicht versorgen jeweils zwei examinierte Pflegekräfte die acht Bewohner; es wird vorher geklärt, wer für welche Bewohner erstrangig verantwortlich ist. Dann wird nachgeschaut, wer von den Bewohnern schon wach ist und versorgt werden möchte. Manchmal wurde für den Tag auch schon etwas verabredet, z.B. ein Vollbad zu einer bestimmten Uhrzeit, weil anschließend wichtiger Besuch erwartet wird. Medikamente müssen verabreicht werden, besonders bei der Schmerztherapie werden die Zeiten möglichst genau eingehalten (Bedarfsgaben sind immer möglich). Die Symptomkontrolle ist ein wichtiger Bestandteil der täglichen Pflegearbeit und wird auch besonders dokumentiert. Im Gegensatz dazu spielt die Vitalzeichenkontrolle nur noch eine untergeordnete Rolle, was für Patienten ungewohnt ist, die gerade einen Klinikaufenthalt hinter sich haben und dort täglich diversen Untersuchungen ausgesetzt waren.

An die morgendliche Versorgung schließt sich das gemeinsame Frühstück von Bewohnern, Angehörigen und Personal an, was als Angebot zu verstehen ist; ein Bewohner darf sein Essen auch in seinem Zimmer einnehmen. Umgekehrt nehmen auch Bewohner am gemeinsamen Frühstück teil, die nicht mehr essen und/oder trinken wollen oder können, die aber die Gesellschaft genießen. Mancher kommt in seinem Bett dazu, das er nicht mehr verlassen kann. Zu beobachten ist oft, daß einige Bewohner ihre Kräfte für diesen Tageshöhepunkt sammeln und anschließend völlig erschöpft sind, aber am nächsten Tag unbedingt wieder dabei sein wollen. Mittags bzw. am frühen Nachmittag, manchmal auch erst abends, finden Visiten statt; es kommt vor, dass mehrere Ärzte gleichzeitig erscheinen, da sie als niedergelassene Ärzte nur außerhalb der Sprechzeiten zu Hausbesuchen kommen können. Um diese Zeit ist dann auch gerade Übergabe, die etwa eine Stunde dauert, was bei "nur" acht Bewohnern lang erscheint, sich aber als notwendig erwiesen hat, da Entscheidungen für pflegerisches Vorgehen immer im Team unter Einbeziehung aller Aspekte (damit ist vor allem das Interesse des Bewohners gemeint) getroffen werden.

Neben den direkten Pflegemaßnahmen fallen diverse administrative Tätigkeiten für die Mitarbeiter an, zum Beispiel das Anfordern von Rezepten in den verschiedenen Arztpraxen, um die verordneten Arzneimittel und Verbandmaterial in der Apotheke bestellen zu können. Außerdem erkundigen sich einige besorgte Angehörige gleich frühmorgens telefonisch danach, wie es "ihrem" Kranken geht; der MDK kommt zum Begutachtungstermin, Visiten müssen ausgearbeitet und veränderte Anordnungen umgesetzt werden. Nachfragen der Krankenkassen sowie Anfragen für einen Hospizplatz von den Sozialer Dienst|Sozialdiensten der umliegenden Krankenhäuser werden aufgenommen und bearbeitet.
Oft kommen verzweifelte Menschen auch spontan ins Haus, um nach einem Hospizplatz für ihren Angehörigen zu fragen, der schwerkrank kurzfristig aus der Klinik entlassen werden soll, dessen weitere Versorgung aber gar nicht gesichert ist. Diese Menschen müssen emotional auch dann sofort aufgefangen werden, selbst wenn es im Haus vielleicht gerade besonders "trubelig" zugeht. Das gilt ebenso für die Menschen, deren Angehöriger gerade gestorben ist, und die darum besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung benötigen. Darüberhinaus müssen in diesem Fall bestimmte organisatorische Maßnahmen in die Wege geleitet werden.

Obwohl es im stationären Hospiz keine festen Besuchszeiten gibt, erscheinen die meisten Angehörigen am Nachmittag. Diese Tageszeit ist also mehr von Angehörigenbetreuung geprägt. Teilweise sind sie in die Pflege integriert, zumal einige von ihnen den Bewohner vor dem Hospizaufenthalt zuhause versorgt haben und das in gewissem Rahmen mit Unterstützung beibehalten möchten.
Manchmal bleiben Angehörige durchgehend beim Bewohner oder übernachten in einem der Gästezimmer. Ihnen wird angeboten,bei der Versorgung des Kranken mitzuwirken und wie die Bewohner am Hospizleben teilzunehmen, zum Beispiel an den gemeinsamen Mahlzeiten, besonderen Feiern oder den öffentlichen Veranstaltungen im Haus (z.B. Grillen im Sommer, musikalische Darbietungen, "Märchenstunde"). Einige Angehörige bieten von sich aus Mithilfe im Hospiz-Haushalt an, z.B. beim Küchendienst oder Blumengießen, was etwas Normalität in die manchmal angespannte Situation bringt und zumindest für kurze Zeit ablenkt.

Zur Nacht hin, wenn es im Haus ruhiger und draußen dunkel wird, kommen bei manchem Bewohner Ängste und Unruhe auf. Hier ist der Nachtdienst besonders gefordert, um Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Hilfreich dabei ist, mögliche Krisensituationen schon im Vorfeld mit dem Team und dem behandelnden Arzt besprochen zu haben, um sie dann adäquat bewältigen zu können. Denn allein mit Hand halten ist es oft nicht getan, wie manchmal angenommen wird, und es wird (auch im Sinne des zu Betreuenden) auf das Hinzuziehen eines Notarztes verzichtet, der womöglich aus eigener Unsicherheit den Kranken wieder in die Klinik verlegen will.

Unterschiede zum Krankenhaus[Bearbeiten]

Ein stationäres Hospiz ist eine eigenständige Einrichtung. Durch die eventuelle räumliche Nähe zu einem Krankenhaus können vertragliche Vereinbarungen bestehen, die zum Beispiel die entgeltliche Versorgung mit Lebensmitteln und Speisen, Wäsche etc. durch das Krankenhaus sicherstellen. Ärztliches Personal und Pflegekräfte können aber bei Engpässen oder Notfällen nicht vom Krankenhaus angefordert werden. Manche stationären Hospize kooperieren mit Krankenpflegeschulen, die so ihren Auszubildenden unter anderen einen mehrwöchigen Einsatz im Hospizbereich anbieten können.

Bewohnerstatus[Bearbeiten]

Hospizpatienten werden als Bewohner (oder Gäste) bezeichnet, um damit zu unterstreichen, dass sie sich wie zuhause fühlen und benehmen dürfen. Sie können das Haus jederzeit verlassen, beispielsweise für einen Ausflug oder einen kurzen "Probe"aufenthalt zuhause, auch über Nacht. Vor einer geplanten Entlassung nach Haus können so alle Beteiligten testen, ob sie der Situation gewachsen sind; mit der Sicherheit, jederzeit ins Hospiz zurückkehren zu können.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Kosten des stationären Hospizes liegen meist deutlich unter denen einer Klinik (im Beispiel-Hospiz waren es 2008 240 €/Tag). 10% dieser Summe müssen vom Hospiz selbst aufgebracht werden, deshalb ist es immer auf Spenden und ehrenamtliche Arbeit angewiesen. Eine volle gesetzliche Finanzierung wird von der Hospizbewegung bewusst nicht gefordert, um Hospizgründungen aus rein wirtschaftlichen Interessen zu verhindern.[4] Früher zahlten den größten Teil der verbleibenden 90% die Krankenkassen, ein weiterer Anteil (je nach Pflegestufe) ging zu Lasten der Pflegekasse. Es verblieb ein geringer Betrag, der als Eigenanteil in Rechnung gestellt wurde.

Seit Dezember 2015 übernehmen nach § 39a SGB V die Krankenkassen die gesamten 95% des Pflegesatzes stationärer Hospize sowie bei Kinderhospizen. ref>Regelung zur Finanzierung stationärer Hospize auf: www.dhpv.de, abgerufen am 20. April 2012</ref> Von gesetzlich Krankenversicherten dürfen Eigenanteile weder gefordert noch angenommen werden; der nicht zuschussfähige Anteil des Bedarfssatzes darf dem Patienten weder ganz noch teilweise in Rechnung gestellt werden.[5] Die auch sonst im häuslichen Bereich üblichen Zuzahlungen, wie zum Beispiel für Arzneimittel, müssen die Patienten jedoch tragen, wenn sie nicht von den Zuzahlungen befreit sind.
Bei Nicht-Versicherten (z.B. Obdachlose) werden sämtliche Kosten über den Spendenfonds ausgeglichen. In der pflegerischen Versorgung und der räumlichen Ausstattung werden keine Unterschiede zwischen Privat-, gesetzlich oder Nicht-Versicherten gemacht.

Das "Erkaufen" eines Hospizpflegeplatzes ist durch die Aufnahmebedingungen ausgeschlossen, um Hospizplätze freizuhalten für diejenigen, die der speziellen Versorgung bedürfen.

Ausstattung[Bearbeiten]

  • Personell: "Nur" ausgebildete Pflegekräfte sind rund um die Uhr im Haus. Niedergelassene Ärzte kommen regelmäßig oder bei Bedarf zu Visiten in das stationäre Hospiz. Verbindlich vereinbart wird aber in der Regel eine Erstvisite möglichst noch am Aufnahmetag, und dass der jeweilige Arzt oder sein Vertreter telefonisch immer erreichbar ist.
    Ein Hausmeister ist nur stundenweise vorhanden, daher muß das Pflegepersonal bereit und in der Lage sein, bestimmte anfallende Tätigkeiten sicher durchzuführen (z.B. das Befreien von Personen aus dem feststeckenden Fahrstuhl, das Auffüllen der Heizungsanlage und das Durchführen kleinerer Reparaturen, Schnee räumen, Einkäufe, (Sperr)Müll entsorgen). Auch für die Einstellung von Verwaltungsmitarbeitern ist das Budget limitiert. Dadurch relativiert sich auch der Stellenschlüssel für das Pflegepersonal von ca. 1:1,1 (pro Bewohner ca. 1,1 Vollzeitstelle).
  • Sachlich: Hilfsmittel (wie Rollstühle) und medizinische Geräte (z.B. Spritzenpumpen, Absauggeräte) müssen in begrenzter Anzahl vorgehalten werden. Sind mehr oder besondere Hilfsmittel nötig, müssen sie bei der jeweiligen Krankenkasse beantragt werden. Aus rechtlichen Gründen (da nicht rund um die Uhr ein Arzt im Haus ist) ist der Medikamentenvorrat allerdings streng an den Bewohner gebunden, es gibt keine zentrale Apothekenversorgung. Jeder Bewohner erhält per Rezept seines Arztes die entsprechenden Arzneien über seine Apotheke (das können bei 8 Bewohnern 8 verschiedene Ärzte und 8 verschiedene Apotheken sein, die alle womöglich eine unterschiedliche eigene Organisationsstruktur haben). Dies führt manchmal zu schwierigen Engpässen, daher muss insbesondere vor dem Wochenende eine gut kalkulierte Medikamentenbestellung über die Arztpraxen und Apotheken erfolgen. Das gilt ebenso für die Beschaffung von Inkontinenzmaterial, das je nach Krankenkasse von unterschiedlichen Firmen erst nach Rezeptvorlage geliefert wird.
  • Nicht vorhanden sind Bauchgurte u.ä. zur körperlichen Fixierung des Kranken. Solche Maßnahmen werden komplett abgelehnt. Eher wird die Matratze auf den Fußboden gelegt, um einem Sturz vorzubeugen, falls ein Patient ständig aus dem Bett aufsteht, ohne sich vorher zu melden. Das hat manchmal sogar den Vorteil, dass der Kranke für besuchende Kleinkinder (Enkel, eigene Kinder) leichter erreichbar ist, so dass diese Kinder aus eigener Initiative zum Kranken gelangen und auch wieder "weg" können.

Sonstiges[Bearbeiten]

Um in das Haus zu kommen, muss am Eingang geklingelt werden. Die Tür steht also nur symbolisch offen. Dies dient aber zum einen der Sicherheit der Bewohner (die sich z.T. weder melden noch wehren können; auch ist nicht unbedingt jeder Besucher erwünscht), zum anderen muss oft ein vorbereitendes Gespräch mit den Angehörigen geführt werden, bevor diese das Zimmer betreten. Besuch wird dem Bewohner angemeldet, er entscheidet dann, ob er sich dazu auch in der Lage fühlt. Ansonsten darf jederzeit Besuch kommen, auch (Dauer)Übernachtungen sind möglich.
Bewohner wie auch Angehörige dürfen jeden Raum des stationären Hospizes nutzen (Ausnahme: die Zimmer der anderen Bewohner und das Dienstzimmer), auch die Wohnküche ist allen jederzeit zugänglich, um z.B. die Lieblingsspeisen zuzubereiten. Alltagsgeplauder, das dort beim gemeinsamen Essen beginnt, entwickelt sich zum Teil zu intensiven, tiefgründigen Gesprächen. In der Küche lernen sich manche Angehörige kennen, die sich dann gezielt wieder verabreden, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Das Personal trägt keine einheitliche spezielle Dienstkleidung, sondern "Zivil". Diese Kleidung wird aber wie Dienstkleidung gehandhabt und muss bei mindestens 60° C waschbar sein. Auch das Schuhwerk muss den Vorschriften der Berufsgenossenschaft entsprechen. Wie auch in der Klinik üblich, zieht sich das Personal vor und nach dem Dienst um.

Versorgung des Verstorbenen[Bearbeiten]

Der Verstorbene wird, wie auch in der Klinik üblich, versorgt und zurechtgelegt. evtl. nach Wunsch oder Notwendigkeit umgekleidet. Nur eine dünne Decke wird übergelegt, das Gesicht und ein Teil des Oberkörpers bleiben frei. Ein Windlicht wird auf den aufgeräumten Nachtschrank gestellt, neben Blumen und Karten oder anderen Gegenständen, die dem Verstorbenen wichtig waren. Angehörige haben die Möglichkeit zur weiteren Ausgestaltung (manche streuen Blütenblätter auf das Bett, Kinder legen selbstgemalte Bilder hin). Aus dem Zimmer werden Hilfsmittel und Pflegeartikel entfernt, vor der Tür wird ein großes Windlicht entzündet, so daß alle sehen können - die sehen wollen - daß jemand gestorben ist. Der Verstorbene bleibt auf dem Zimmer, bis zu 36 Stunden vergehen dabei bis zur Überführung durch den Bestatter, was üblich und ohne Sondergenehmigung erlaubt ist. Ein längeres Verbleiben des Leichnams im Haus erfordert die Genehmigung des Ordnungsamtes.

Es kommt oft vor, daß Angehörige lange Zeit oder manchmal auch noch die Nacht bei dem Verstorbenen verbringen. In dieser Zeit werden sie "mitversorgt" in Bezug auf Getränke, Essen und Gespräche. Auch Mitarbeiter (und manchmal sogar Bewohner, die den Verstorbenen kennengelernt hatten) nutzen diese Zeit für eine persönliche Verabschiedung. Bei der Abholung des Verstorbenen ist ein Mitarbeiter zugegen und begleitet ihn bis an den Ausgang. Das "Sterbebett" wird ordentlich hinterlassen und eine Blume auf die Bettdecke gelegt, als Symbol für den Verstorbenen.

Der Nachlass des Verstorbenen wird anschließend von den Angehörigen aus dem Zimmer geräumt, wenn sie es selbst tun mögen und die Zeit dazu haben. Die weitere Reinigung und Desinfektion übernehmen die hauptamtlichen Mitarbeiter entsprechend den hygienischen Vorgaben. Zum Abschluss wird im Zimmer echter Weihrauch in Form von Räucherstäbchen entzündet. Damit werden zum einen noch vorhandene Gerüche beseitigt, zum anderen ist es ein Ritual, das einen Abschluss markiert und den Raum – symbolisch – für die Aufnahme eines neuen Bewohners öffnet.

Weitere Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Verabschiedung: Einmal im Monat treffen sich die Mitarbeiter, um den Verstorbenen der vergangenen vier Wochen zu gedenken. Es wird eine Art Andacht gehalten und die Namen werden verlesen, dabei werden Erinnerungen an den Verstorbenen und seine Zeit im Haus ausgetauscht. Das kann durchaus auch mal komisch sein, erschütternd, ärgerlich oder anrührend. Für jeden Verstorbenen wird eine Kerze entzündet, damit ist er dann endgültig "entlassen".
  • Es gibt ein Gedenkbuch, in dem für jeden Bewohner eine Doppelseite reserviert ist. Diese kann von den Angehörigen gestaltet werden, z.B. mit Fotos aus "guten Tagen". Hier steht der Name des Verstorbenen, auch wenn es keinen Grabstein gibt (wie bei einer anonymen Bestattung). Einige Angehörige kommen noch Jahre später am Todestag ins Haus und legen eine Blume auf die entsprechende Seite, da sie sonst keinen Ort haben, wo sie trauern können.
  • Angehörigennachmittag: Mitarbeiter organisieren einmal im Monat ein Treffen für die Angehörigen, die ca. sechs Wochen zuvor einen Trauerfall im stationären Hospiz erlebten. Dies dient dem nochmaligen Austausch über die gemeinsam erlebte Zeit, hier ist Raum für Trauer, aber auch für Kritik.
  • Gedenkgottesdienst, einmal pro Halbjahr gemeinsam mit dem Ambulanten Hospizdienst, alle betroffenen Angehörigen sind dazu eingeladen
  • Fortbildungsveranstaltungen für (Krankenpflege)Schulen, Seniorengruppen, Interessierte aus anderen Berufsgruppen, etc.
  • diverse öffentliche Veranstaltungen und Feiern im und um das stationäre Hospiz
  • Informationsstände und Spendensammlungen (denn 10% seiner Kosten muss das stationäre Hospiz selbst aufbringen)
  • Palliative Beratung persönlich oder telefonisch, rund um die Uhr und 7 Tage in der Woche

Ganz wichtig…[Bearbeiten]

Im stationären Hospiz darf gelacht werden (auch laut). Es geht hier in erster Linie um das Leben, dass aus einem Patienten wieder der Mensch wird mit all seinen Stärken und Schwächen. Auch die, die ihn begleiten, sind in erster Linie Menschen - und dann Profis.

Ein paar Zahlen[Bearbeiten]

Im Beispiel-Hospiz wurden 2008 149 Menschen begleitet, vom denen 143 im stationären Hospiz verstarben. Vier Schwerkranke stabilisierten sich so, dass sie nach Hause entlassen wurden bzw. weiterhin im Hospiz verblieben. Zwei Sterbende wurden auf eigenen Wunsch bzw. der Angehörigen in ein Krankenhaus verlegt und starben dort nach einem bzw. zwei Tagen.

Das Durchschnittsalter betrug 69 Jahre; der jüngste Patient war 37, der älteste 99 Jahre alt.

Die durchschnittliche Verweildauer betrug ca. 17 Tage, die Schwankungsbreite lag dabei zwischen 2 Stunden und 130 Tagen Aufenthalt.

Es mussten aufgrund gesetzlicher Bestimmung Betäubungsmittel im Wert von rund 13 500 € zur Vernichtung zurück in die Apotheken gegeben werden (bei der Berechnung wurde der jeweils günstigste Preis zugrunde gelegt). Der DHPV erwirkte inzwischen eine Sonderregelung für stationäre Hospize zu, die es den Einrichtungen erlauben, einen Notfallvorrat an Betäubungsmitteln vorhalten zu dürfen.[6] Die Patientenversorgung kann dadurch nicht nur schneller und effizienter durchgeführt werden, es erspart zusätzlich den Krankenkassen (und damit den Beitragszahlern) unnötige Kosten.Davon ausgenommen sind aber unter anderen immer noch die relativ teuren Fentanylpflaster, da sie nicht als Notfallmedikament gelten.

Literatur[Bearbeiten]

Fachliteratur[Bearbeiten]

  • J.-C. Student, A. Mühlum, U. Student: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care. Ernst Reinhardt UTB, München 2007
  • J.-C. Student, A. Napiwotzky: Palliative Care - wahrnehmen – verstehen – schützen. Buch und DVD, Thieme, Stuttgart 2007 ISBN 978-3-13-142941-4

Erfahrungsberichte[Bearbeiten]

  • Stefan Dreßke: Sterben im Hospiz - Der Alltag in einer alternativen Pflegeeinrichtung. Campus-Verlag 2005
  • Dörte Schipper: Den Tagen mehr Leben geben. Bastei Lübbe Verlag ISBN 978-3-7857-2385-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Heimaufsicht
  2. Beschluss zur Änderung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) mit Wirkung zum 1. Oktober 2013, abgerufen am 22. November 2013
  3. Formulare Ärztliche Bescheinigung zur Feststellung der Notwendigkeit vollstationärer Hospizversorgung und Antrag auf vollstationäre Hospiz- und Pflegeleistungen
  4. Bericht über die gemeinsame Sitzung des Vorstandes des DHPV (Deutscher Hospiz- und PalliativVerband) mit den LAGs (Landesarbeitsgemeinschaften) und den Üos (überörtliche Organisationen) des Hospizwesens am 6./7. Februar 2009 in Wuppertal auf: www.igsl.de, abgerufen am 20. April 2012
  5. § 7 Abs. 6 der Rahmenvereinbarung nach § 39a Abs. 1 Satz 4 SGB V über Art und Umfang sowie Sicherung der Qualität der stationären Hospizversorgung vom 13.03.1998, i. d. F. vom 14.04.2010
  6. www.dhpv.de Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften

Siehe auch[Bearbeiten]