Scriptanalyse

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Die Scriptanalyse ist ein wesentliches Element der Transaktionsanalyse.

  • Der Mensch braucht Streicheleinheiten (Strokes), um zu überleben.
  • Diese beeinflussen die Entwicklung des Lebenskonzepts (Script).

Scriptanalyse[Bearbeiten]

Definition: Fortlaufender Lebensplan, der auf Entscheidungen basiert, die in den unterschiedlichsten Entwicklungsstufen in der Reaktion auf äußere (elterliche Einflüsse/Lebensumstände) und innere Begebenheiten getroffen wurden. (Erskine)

Strokes[Bearbeiten]

In der Transaktionsanalyse wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch zum Überleben „Streicheleinheiten“ (sog. strokes) braucht. Gemeint ist damit nicht nur körperliche Zuwendung, sondern auch seelische - in welcher Form auch immer. Kinder machen die Erfahrung, dass sie nur „bedingt“ gestreichelt werden. (Beispiel: Ein Säugling wird zunächst ohne Dazutun gestreichelt, später erwarten die Angehörigen von ihm ein Lächeln, Sprechen und ansteigende Leistungen, die sie dazu bewegen, ihn zu streicheln.) Strokes sind wesentlich an der Entwicklung des Lebenskonzeptes (Scripts) eines Menschen beteiligt.

  • Beispiel:
Ein Junge reagiert auf ein aggressives Kind sehr ängstlich.
Sein Vater erwartet jedoch ebenfalls Aggressionen von seinem Jungen („Mensch, wehr´ dich doch, hau ihm eine rein!“).
Der Junge erfährt für sein ängstliches Verhalten eine Zurückweisung. Er beschließt in Zukunft aggressiv zu sein, um seine strokes zu bekommen, auch wenn er sich dann Schmerzen einhandelt.
Aggressivität ist ab jetzt sein Ersatzgefühl für Angst. Seine Angst lebt er nicht aus - sie bleibt unerledigt.
Der Junge versucht sich einen Reim daraus zu machen und zieht seine Schlussfolgerungen über sich und die Welt.
Diese Gedanken bilden seine Scriptüberzeugungen.

Dieses Beispiel zeigt, dass die elterlichen Botschaften wichtig sind für die Ausbildung des individuellen Scripts. Dabei werden sog. Bann-Botschaften und Antreiber unterschieden.

Antreiber[Bearbeiten]

Antreiber sind interne in der Kindheit gelernte Anweisungen, die wir - ohne rechte Bewusstheit - uns selbst geben, wenn wir unter Stress kommen bzw. wenn wir uns in unserem Selbstbewusstsein "angeknabbert" fühlen. Antreiber versprechen Erfolg und Selbstbestätigung, erfüllen diese Versprechen aber nicht wirklich. Dies insbesondere nicht, weil sie kein Maß kennen, keinen Standard dafür, wann etwas gut genug ist. Andersherum gesagt: jemand ist nicht im Antreiber, wenn er klare Vorstellungen über ein Ziel hat und wenn er sich autonom für eine Verhaltensweise entschieden hat. Antreiber werden von Autoritätspersonen verbal und durch ein Modell vermittelt. Dies geschieht durchweg im guten Glauben, dass man "so" gut durchs Leben kommt.

Antreiber sind z.B.:

  • „Sei perfekt.“
    • Interner Glaube: "Ich müsste eigentlich alles noch besser machen, ich bin nicht gut genug"
  • „Beeil dich“
    • Interner Glaube: "Ich müsste eigentlich viel fixer sein, ich werde nie fertig werden."
  • „Sei stark"
    • Interner Glaube: "Niemand darf merken, daß ich schwach, empfindlich, ratlos bin."
  • "Sei gefällig, mach´s allen recht"
    • Interner Glaube: "Ich muss immer alle zufriedenstellen, sonst bin ich wertlos."
  • "Streng dich an"
    • Interner Glaube: "Ich muss mich wenigstens bemühen, auch wenn ich es nicht schaffe."

Bann-Botschaften sind z.B.:

  • „Sei kein Kind.“
  • „Benimm dich nicht so.“
  • „Stell dich nicht so an.“
  • „Lass das.“
  • „Hör auf zu heulen.“

Bann-Botschaften stammen in der Regel aus dem Kind-Ich der Eltern und werden von dem Kind verinnerlicht (siehe Theorie der Ich-Zustände). Dann fühlt es sich existentiell nicht akzeptiert - nicht o.k., wie es in der Literatur heißt.

O.k.-Positionen[Bearbeiten]

Es wird angenommen, dass es 4 OK-Positionen gibt:
(+) (-) Ich bin ok, du bist nicht ok
(-) (+) ich bin nicht ok, du bist ok,
(-) (-) ich bin nicht ok, du bist nicht ok,
(+) (+) ich bin ok, du bist ok.

Wenn wir im Script sind, handeln wir nicht autonom. Wir gehen insbesondere dann ins Script, wenn wir eine Situation als belastend und bedrängend empfinden und wenn diese Situation stresshaltigen Kindheitssituationen ähnelt. Unbewusster, allerdings therapeutisch aufklärbarer Zweck des Übergangs in das Script ist die Reproduktion alter Gefühle, für die wir immer wieder belohnt und gestreichelt wurden. Dabei braucht es sich allerdings nicht um positive Strokes handeln. Für manche Menschen kann auch die Strafe, d.h. negatives Streicheln, die einzige Form der Zuwendung gewesen sein.

Für Berne (Eric Berne (Geburtsname Eric Lennard Bernstein, * 10. Mai 1910 in Montréal; † 15. Juli 1970) ist ausgemacht, dass nur ein kleiner Teil der Menschen ohne Script ist, dass der größte Teil sich unter massivem elterlichen Einfluss für ein Script „entschieden“ hat. Wenn nämlich die ursprünglichen Erwartungen und Bedürfnisse des Kindes nach Schutz und Pflege enttäuscht werden, dann entsteht ein Script. Diese Enttäuschungen erlebt das Kind wie eine fremde Macht, die sich gegen seine Entfaltung und sein Wachstum stemmt. Das Kind ist also gezwungen, von seinen ursprünglichen Rechten abzulassen und seine Erwartungen und Wünsche den Gegebenheiten anzupassen.

Bearbeitungsangebot[Bearbeiten]

  • Welche Bann-Botschaften & Antreiber habt ihr in eurer Kindheit erfahren?
  • Welche ok-Positionen kennt ihr an euch?
  • Was tut ihr, um erwünschte Strokes zu bekommen?
  • Kennt ihr Situationen, in denen ihr nicht autonom, sondern gemäß eures Scripts gehandelt habt?

Siehe auch[Bearbeiten]