Samplingverfahren der qualitativen Forschung

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In der qualitativen Forschung spielt statistische Repräsentativität in der Regel keine Rolle. Anstelle dessen steht die Forderung nach inhaltlicher Repräsentativität, die über eine angemessene Zusammenstellung der Stichprobe erfüllt werden soll (Lit.: Lamnek 2005, S. 193)


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Überlegungen zum Sampling


[Bearbeiten] Repräsentativität

statistisch (vgl. quantitative Forschung):

inhaltlich (vgl. qualitative Forschung)

[Bearbeiten] Kennzeichen


[Bearbeiten] Angemessenheit

Die Methodik der Stichprobendefinition wird auf das Ziel der Studie abgestimmt. Durch die Stichprobe sollten so viele Informationen vorliegen, dass eine Beschreibung des Phänomens möglich ist und man sagen kann, dass weitere Daten keine neuen Erkenntnisse bringen (Datensättigung)

==> umfangreiches Bild schaffen

[Bearbeiten] Adäquatheit

Die Auswahlstrategie liefert relevante Informationen und Daten. Da die Stichprobengröße recht klein ist, sollten die gewählten Informanten einen hohen Grad an Nützlichkeit aufweisen. Aufgrund der kleinen Stichprobe muss die Datenerhebung effizient und effektiv sein => daher keine Randomisierung

Alle Kriterien der qualitativen Stichprobenauswahl müssen eingehalten werden, damit die Güte nicht gefährdet wird.

==> gezielt Personen wählen, die wertvolle Informationen liefern (den Kern treffen)

[Bearbeiten] Kriterien bei der Auswahl

Variablen:

Strategie:

=> maximale Variation anstreben


[Bearbeiten] Verfahren

[Bearbeiten] qualitative Stichprobenpläne

Das Erstellen eines Stichprobenplans wird auch selektives Sampling genannt. Vor dem Feldzugang werden relevante Merkmale und -kombinationen definiert.

Es gibt 3 Festelgungen:

  1. relevante Merkmale für die Fallauswahl (z.B. "Beruf")
  2. Merkmalsausprägung (z.B. "Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensiv")
  3. Samplegröße ("ich möchte 2 hiervon, 3 davon")


Vorteile:


Nachteile:

[Bearbeiten] theoretisches Samplen

Das Sample wird aufgrund theoretischer Konzepte und Überlegungen gezielt ausgewählt, die sich während der Forschung ergeben. Das theoretische Sampling ist ein Verfahren des kontinuierlichen Vergleichs bei der Entwicklung einer Grounded Theory, bei welchem Beispiele von Ereignissen, Handlungen, Fällen (etc) herangezogen werden, um Konzepte bzw Kategorien zu definieren bzw. gegeneinander abzugrenzen.


Strategien:

  1. Homogenes Sample (Minimierung):
    • suche nach gleichen Fällen um das Phänomen zu bestätigen
    • setzt sich aus Individuen zusammen, die derselben Struktur angehören oder ähnliche Charakeristika aufweisen.
    • Auswahl von Regelfällen
  2. Heterogenes Sample (Maximierung):
    • suche nach abweichenden (kontrastierenden) Fällen
    • dient der Bestätigung der Hypothese/Theorie
    • heterogene Sample werden auch nach ihrer maximalen Variation bezeichnet, da bei ihrer Auswahl in unterschiedlichen Umfeldern und nach Individuen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen gesucht wird
    • Auswahl von Extrem- und Einzelfällen


Kriterien:

  1. flexible Selektion
  2. sequenzielle Auswahl von Stichproben-Zellen
  3. Steuerung der Auswahl durch theoretische Entwicklung der Studie, die nach und nach spezifiziert wird
  4. kontinuierliche Auswahl, bis keine neuen relevanten Daten mehr auftreten
  5. suche nach abweichenden Fällen (Gegenbeispiele)

[Bearbeiten] Suche nach Gegenbeispielen

Die Suche nach Gegenbeispielen kann als eigeneständige Methode, aber auch als Strategie des theoretischen Samplings gesehen werden.

Fallkontrastierung anhand von Gegenbeispielen. Man versucht eine Hypothese anhand von Gegenbeispielen zu widerlegen. Die Hypothese wird solange überarbeitet, bis kein Gegenbeispiel mehr gefunden wird (vgl. Falsifikation).

  1. zunächst ungefähre Definition des Problems oder Phänomens. Dies setzt voraus, dass man Vorinformationen bezüglich des Problems/Phänomens hat.
  2. Aufstellen einer (vorläufigen) Hypothese, welche das Phänomen zu erklären versucht. Diese Hypothese muss noch sehr breit gefasst sein, und einen hohen Grad an Falsifizierbarkeit aufweist, um mit dem empirischen Datenmaterial den Konflikt bearbeiten zu können (z.B. "Alle Schwäne sind weiß").
  3. suche nach entscheidenen Fällen, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie einen Gegenevidenz zur Ausgangssituation darstellen. Entschiedene Fälle sind ungewöhnliche, nicht dem Durchschnitt entsprechende (abweichende) Fälle.
  4. wenn man ein Gegenbeispiel entdeckt hat, muss man die Hypothese umformulieren (präzisieren) (z.B. "99% der Schwäne sind weiß")
  5. dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis keine Gegenbeispiele gefunden werden können (wie bei der Datensättigung muss auch hier ein "künstlicher Schnitt" gesetzt werden, da man wohl immer Gegenbeispiele finden wird => "Ausnahmen bestätigen die Regel")
  6. der Prozess kann jederzeit wieder aufgenommen werden (in der selben oder in weiteren Studien)

Das Ziel dieser Strategie ist nicht eine Hypothese zu bewähren oder verwerfen, sondern den Prozess der Hypothesenentwicklung voranzubringen.

[Bearbeiten] Gelegenheitsstichprobe

Wird auch "volunteer sample" genannt. "Man nimmt was kommt"


Vorteile:


Nachteile:


[Bearbeiten] Schneeballprinzip

Das Schneeballprinzip kann als alternative Sampling-Methode gesehen werden.

Man bittet einen Informanten (Probanden) weitere Informanten zu nennen, die weitere Informationen zum Thema geben können. Diese nehmen an der Studie teil und generieren wieder neue Informanten. Das Schneeballsystem führt zu geklumpten Stichproben.


Vorteile:


Nachteile:

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] siehe auch

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