Qualitätsmanagement

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Qualitätsmanagement[Bearbeiten]

Qualitätsmanagement ersetzt nach DIN ISO den bisherigen Oberbegriff Qualitätssicherung und umfasst entsprechend alle Aspekte im Rahmen der Unternehmensführung, die im Zusammenhang stehen mit der von der obersten Leitungsebene formulierten, grundlegenden Einstellung sowie den Absichten, Zielsetzungen und Maßnahmen in Bezug auf die Errichtung und Verbesserung der von ihr erbrachten Qualität. Hierbei sind Aspekte der Wirtschaftlichkeit, der Gesetzgebung und der Umwelt sowie den Wünschen und Anforderungen der Kunden besonders zu beachten. Die Unternehmungsleitung trägt die nicht delegierbare Verantwortung für das Qualitätsmanagement und muss darüber hinaus auch aktiv für die konsequente Umsetzung auf allen Hierarchieebenen sorgen.

Grundsätzlich gilt es, Qualitätsmanagement nicht mit Qualitätssicherung zu verwechseln. Qualitätssicherung ist nur ein Teilprozess (wenn auch der bedeutendste) eines Qualitätsmanagementsystems.

Hierbei ist zu beachten, dass Qualität nicht verordnet oder befohlen werden kann ("So, ab jetzt machen wir Qualität."). Es muss vor allem vorgelebt werden. Von entscheidender Bedeutung sind:

  • Motivation
  • Qualifikation

der Mitarbeitenden.

Dies kann nur erreicht werden, wenn die Mitarbeiter in die Prozesse fortlaufend eingebunden werden und sich mit ihren Arbeitsprozessen identifizieren. Neben einer stetigen Information und Befähigung der Mitarbeiter müssen zunächst auch die strukturellen Rahmenbedingungen geschaffen sein, die es überhaupt erst ermöglichen, sich mit der Umsetzung von Qualitätsmanagement zu beschäftigen.

Qualitätssicherung[Bearbeiten]

Qualitätssicherung im Gesundheitswesen und in der Pflege umfasst alle Maßnahmen, die der Optimierung der Pflege bzw. der Versorgung der Patienten dienen (Pflegequalität). Dabei wird unterschieden zwischen "Strukturmerkmale", "Prozessmerkmale" und "Ergebnismerkmale der Pflegequalität." Analysiert werden die Rahmenbedingungen, die Abläufe, die Art und Weise wie die Dienstleistungen erbracht worden sind, sowie das "Ergebnis" bzw. neudeutsch das "Outcome", d. h. die Wirkung der Pflege auf die PatientInnen/KundInnen.

In einem qualitäts- und wettbewerbsorientierten Gesundheitswesen kommt insbesondere dem Patienten bzw. Heimbewohner eine Schlüsselrolle bei der Qualitätssicherung zu. Viele Pflegedienste legen deshalb Wert auf die Rückmeldung vom Kunden und bemühen sich daher um ein modernes und effektives Beschwerdemanagement.

Die PatientInnen und die Heimbewohner sind aber nur eine der Interessensgruppen beim Qualitätsmangement. Die Kranken- und Pflegekassen (in den Personen des MDK) werden als Verhandlungspartner und vor allem als Kontrolleure erlebt. Seit 1.1.2006 gibt es zudem Neuerungen bei den Qualitätsprüfungsrichtlinien. Mit einer schlichten Überprüfung der geleisteten Arbeit in Ihrer Einrichtung will sich der MDK in Zukunft nicht mehr zufrieden geben. Allerdings wissen alle Beteiligten um die Notwendigkeit qualitätssichernder Maßnahmen in der Pflege. Deshalb wird vor allem von den Pflegedienstleitungen und den verantwortlichen Pflegefachkräften erwartet, dass sie selbständig und eigenverantwortlich ihre Pflege planen und die Qualität evaluieren.

Ein wichtiger Schritt zu mehr Qualität war die Diskussion um Standardisierung von Pflegemaßnahmen, die in den 80/90er Jahren breiten Raum eingenommen hat. Dabei gab es den scheinbaren Gegensatz von "TraditionalistInnen", die individuelle Pflege aus einer Mischung von Fachwissen und Herz verteidigten gegenüber "TechnokratInnen", denen Regelungswut vorgeworfen wurde. Inzwischen ist die Bedeutung von Pflegestandards allgemein anerkannt und es geht zum Teil bereits um die Entwicklung von Nationalen Expertenstandards, also Standards auf Bundesebene oder von wissenschaftlich begründeter Pflege (EBN). Allerdings ohne irgend eine Rechtsverbindlichkeit. Sie fordern weiter individuelle Pflegeplanung ein, allerdings anhand standardisierter Mindestnormen. Hausintern kommt den Pflege- oder Organisationsstandards allerdings durchaus der Wert von Dienstanweisungen zu. Die Pflegedienstleitung muss sich auf die einheitliche Handhabung verlassen können.

Traditionelle Qualitätssicherungsmaßnahmen[Bearbeiten]

Die traditionelle Qualitätssicherungsmaßnahmen waren ursprünglich von Routinen geprägt, die sich auch heute noch teilweise in der Praxis wiederfinden lassen. Verantwortlich dafür war seit alters her die Pflegedienstleitung. Instrumente wie die

… werden selbstverständlich auch heute noch eingesetzt. Jedoch ist deren Hintergrund und deren Rahmenbedingungen heute meist eindeutiger definiert. Informationsaustausch und Qualifizierung finden in der Regel systematischer und zielgerichteter statt als noch vor einigen Jahren.

Etwa seit 1980 sind hinzugekommen:

(z. T. bereits auf nationaler Ebene Rahmenrichtlinien wie die NES) und auch Instrumente wie

  • Pflegevisite durch Pflegedienstleitung oder Mitglieder eines Qualitätszirkels
  • Fallbesprechung
  • Die Qualitätssicherung (als Verfahren) / Qualitätsbeauftragten (Personen, Stabstellen in der Einrichtung)

Externe Qualitätssicherung[Bearbeiten]

  • Festlegung der Qualitätskriterien durch nicht der Berufsgruppe zugehörigen
  • Qualitätssicherung durch Personen, die nicht in der Einheit (KH, Station) beschäftigt sind
  • Einbindung der Fortbildung und der Praxisberatung

Interne Qualitätssicherung[Bearbeiten]

  • Sicherung der Qualität und Definition durch die Berufsangehörigen selber (vgl. "Qualität nach Maß")
  • Sicherung der Qualität durch Mitarbeiter der Einheit (Eigene Def.)

Zentrale Organisation der Qualitätsprüfung[Bearbeiten]

  • QS wird zentral (von einer Person und/oder einer speziell dafür geschaffenen Abteilung betrieben)
Vorteile Nachteile
Internationaler, nationaler, regionaler, institutioneller Konsens Zeitaufwendig
Wissenschaftliche Grundlagen Kostspielig
Strukturiertes Vorgehen Zielgruppe wird nicht eingebunden
Professionelle/breite Grundlage. Global
Expertenansatz Nicht an Kultur und Sprache angepasst
Uniform Kann als bedrohend empfunden werden
Einfluss auf berufliche Aus-, Fort-, Weiterbildung Möglicher Missbrauch durch andere Parteien

Dezentral organisierte Qualitätsprüfung[Bearbeiten]

  • QS durch speziell ausgesuchte Mitarbeiter der betreffenden Abteilung
Vorteile Nachteile
Konsens auf Stations- Institutionsniveau Zeitaufwendig
Größere Akzeptanz fraglich ob genügend Expertise vorhanden
Zielgruppe wird mit eingebunden (Ownership) wissenschaftliche Grundlagen?
ist der Kultur und Sprache angepasst Durchschnitt als Norm
Keine Vergleichbarkeit mit anderen Abteilungen

siehe auch: Dezentrale Qualitätsentwicklung

Qualitätsmerkmale[Bearbeiten]

Qualitätsmerkmale können z. T. subjektiver Natur oder objektiv sein. Letztere sind meist quantifizierbar.

  • Reanimation - eine professionelle Notfallversorgung, als Zusammenarbeit aller Profis in einer Überlebenskette, muss als Standard für ÄrztInnen und Pflegende festgelegt und als Qualitätskriterium betrachtet werden (3 Min. Grenze).

Qualitätsbericht[Bearbeiten]

Qualitätsberichte werden von Krankenhäusern erstmals in 2005 für das Berichtsjahr 2004 vorgelegt (§ 137 Sozialgesetzbuch V). Sie werden alle zwei Jahre neu aufgelegt. Jeder Interessierte kann unter www.g-qb.de bei ca. 2.000 Krankenhäusern nachlesen

Dargestellt wird das Leistungsspektrum der Krankenhäuser, eine direkte Beurteilung der Behandlungs- und Versorgungsqualität ist für den Leser zur Zeit nicht möglich. Dies kann sich in den nächsten Jahren durch die zusätzliche Veröffentlichung von z.B. Komplikationsraten ändern.

Neben dem Bereich der stationären Krankenhausversorgung werden auch stationäre, teilstationäre und ambulante Pflegeleistungserbringer Qualitätsprüfen unterzogen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen prüft die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität von Einrichtungen anhand so genannter Qualitätsprüfrichtlinien (QPR). Diese Berichte werden derzeit (Nov. 07) allerdings noch nicht veröffentlicht.

Gesetze[Bearbeiten]

  • SGB V
    • § 135ff Ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem ist zu etablieren (§135 §135a)
    • § 137ff Beteiligung an einrichtungsübergreifenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung (§137 §137b §137c §137d §137f §137g)
    • -> Verbesserung von Ergebnisqualität
    • einrichtungsintern QM einführen und weiterentwickeln

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bücher:

  • Besselmann Klaus, Sowinski Christine, u. a. (KDA, Hrsg., 1997): Qualitätshandbuch Wohnen im Heim - Wege zu einem selbstbestimmten und selbständigen Leben im Heim - Ein Handbuch zur internen Qualitätsentwicklung in den AEDL-Bereichen. Köln, Kuratorium deutsche Altershilfe.
  • Fröse Sonja: Was Qualitätsbeauftrage in der Pflege wissen müssen. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover. 2008 - 1. Auflage
  • Sandra Herrgesell, Andrea Runde-Belling: Qualitätsmanagement aktiv unterstützen. (Grundlagen der Pflege Heft 17) – Werkstattbuch, Elsevier,Urban&FischerVerlag, 2008. ISBN 978-3-934750-22-7. 45 S.
  • MDS (2005): Grundsatzstellungnahme: Pflegeprozess und Dokumentation. Handlungsempfehlungen zur Professionalisierung und Qualitätssicherung in der Pflege. Selbstverlag Medizinischer Dienste der Spitzenverbände der Krankenkassen e. V. (MDS). Essen. AutorInnen: Uwe Brucker, Gerdi Ziegler. 72 S. Download bei MDS möglich (ca. 800 kB, PDF).
  • Carola Reiner (Hrsg.): Qualitätsmanagement in der Hauswirtschaft. Raabe Verlag, Stuttgart
  • Schmidt, Simone (2010) Das QM-Handbuch. Qualitätsmanagement für die ambulante Pflege. Springer Verlag, Berlin Heidelberg. Bei Socialnet Rezensionen Schwill ISBN 978-3-642-12645-1
  • Sowinski Christine, Falk Juliane, u. a. (1995): Theoriegeleitetes Arbeiten in Ausbildung und Praxis. Ein Baustein zur Qualitätssicherung in der Altenpflege.
  • Barbara E. Wagemann: Qualitätshandbücher nach DIN EN ISO 9001 für stationäre Altenpflegeeinrichtungen. Handbücher bis zur Zertifizierung. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover. 2005 - 2. Auflage. ISBN 3-89993-145-9. Rezension von Sven Lind in: socialnet.de
  • Marcel Faißt (2010): Der Pflege-TÜV: Was stationäre Pflegeeinrichtungen über die MDK-Noten wissen müssen, ISBN 978-3-8391-8586-5 (Leitfaden zur Umsetzung der Pflegetransparenz-Kriterien des MDK mit Praxisempfehlungen, Checklisten, Rechenmethode zur Pflegenote, etc.)

Artikel:

  • Berliner Memorandum 2000
    • Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen e.V. (vertr. durch. Gerhard Igl): Berliner Memorandum der Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen e.V. 2000.
    • Anlass: Pflegequalität wird unter dem Blickwinkel der bekannt gewordenen Pflegeskandale diskutiert; mit ursächlich für das Tätigwerden der gesetzesvorbereitenden Instanzen.
    • Enthält Forderungen zu: Management - vom Selbstkostendeckungsprinzip zur Leistungsorientierung. Professionen - Qualifizierung des mittleren Managements und Fachkraftpräsenz. Profil der Aufgaben des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung. Notwendige Weiterentwicklungen vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen. Klarstellung der Rollen und der Kooperationsweisen der Beteiligten.
  • Hoffmann, Klie T: Qualitätsmanagement in Einrichtungen der Langzeitpflege, „thema 146“, Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln 1999.
  • Igl G, Kühnert S, Naegele G (Hrsg.): SGB XI als Herausforderung für die Kommunen, Dortmunder Beiträge zur angewandten Gerontologie, Band 4, Hannover 1995, S. 251 ff.
  • Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) e.V. (Hrsg., 1995): Altwerden 2000 - Selbstverantwortung und Gemeinschaft. Ein Memorandum zur Altenhilfe und Altenarbeit in Deutschland. Frankfurt am Main. AutorInnen: Holz Gerda (Redaktion), Haag Gerhard, Hedtke-Becker Astrid
  • Worch A, Gräske J, Dierich K, Wolf-Ostermann K (2011): Wissensbasierte Qualitätsindikatoren zur Verbesserung gesundheitsbezogener Zielgrößen für Menschen mit Demenz in ambulant betreuten Wohngemeinschaften. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation. 84(2): 139 – 153.
  • Josat, S. (2005) "Qualitätskriterien in der stationären Altenhilfe", in: Pflege 3/2005, S.169-175

Buchrezensionen

Weblinks[Bearbeiten]