Pflegephilosophie

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Die Artikulation von Philosophien ist im Zusammenhang mit der Entwicklung von Leitbildern, Curricula und Managementprozessen mehr und mehr zum Standard geworden. Sie werden als Philosophien der Pflege angesehen, welche die Basis des weiteren Vorgehens darstellen sollen.

Fraglicher Begriff[Bearbeiten]

Wenn Pflegende eine solche Philosophie für ihre Schule oder Einrichtung schreiben, unterscheiden diese sich (meist) grundlegend von solchen der Wissenschaftsdisziplin Philosophie.

Dies führt dazu, dass (studierte) Philosophen diese Pflegephilosophien gar nicht als solche erkennen bzw. sich wundern, dass diese Texte als "Philosophien" bezeichnet werden. Daher ist die Bezeichnung "Pflegephilosophie" als eher ungeschickt einzuschätzen (Lit.: Uys 1994) .

Kennzeichen der Philosophie[Bearbeiten]

Die Philosophie ist eine totalitär orientierte Wissenschaftsdisziplin mit Fokus auf Strukturen und Beziehungen des "Seins". Obwohl man die Philosophie in mehrere Bereiche unterteilen kann, deckt sie für gewöhnlich 4 Hauptthemen ab:

  1. Kosmologie: diese bezieht sich auf die strukurellen Analysen des Kosmos bzw. auf die Untersuchung der Fundamente, Strukturen und Modalitäten der Realität.
  2. Anthropologie: diese untersucht die "Natur der Menschlichkeit" in Hinblick auf deren Ursprung und Ausrichtungen (Kosmologie und Anthropologie sind in der Philosophie die zwei Seiten der selben Medaille)
  3. Ethik und Moral: dieser Aspekt wird für gewöhnlich angesehen als die Untersuchung dessen, was "seien sollte", und was nicht. Hieraus erwachsen Fragen zu Pflichten, Prinzipien, Normen und Werten.
  4. Philosophie der Wissenschaft: beschäftigt sich mit der "Natur der Wissenschaft" und wie diese in den Wissenschaften umgesetzt werden sollte. Dies beinhaltet Aspekte von Logik und epistemologische Themen (Erkenntnisstheorien).

Folgen für Pflege und Pflegewissenschaft[Bearbeiten]

Jede Wissenschaft startet ihr Dasein mit der Definition ihres Untersuchungsgebiets, dessen Grenzen und des Standpunkts zwischen anderen Wissenschaftsdiziplinen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Philosophie. Keine Wissenschaft kann sich aus ihrem eigenen Standpunkt (bzw. ihrer Blickrichtung) heraus definieren. Wegen ihres begrenzten Standpunkts braucht jede Wissenschaftsdiziplin Hilfestellungen bei der Beschreibung ihres Fachgebiets unter totalitären Gesichtspunkten.

Das Problem der Philosophie ist, dass sie den pflegebedürftigen Menschen als solchen nicht behandelt. Die Pflegewissenschaft als junge Disziplin kann ohne Erkenntnisse anderer Wissenschaften nicht existieren. Insofern kann man sagen, dass beide Disziplinen sich ergänzen und einander inspirieren sollten.Martin Schnell plädiert daher (Lit.: Schnell 2002) für einen Dialog zwischen den beiden Disziplinen.

Philosophie der Pflege[Bearbeiten]

Eine Pflegephilosophie muss folgende Punkte beinhalten:

  • eine Beschreibung, was Pflege überhaupt ist, und welche Beziehungen sie zu benachtbarten Wissenschaften (z.B. Medizin, Psychologie und Soziologie) hat.
  • eine Beschreibung ihrer Kosmologie und Anthropologie. Diese sollten nicht aus "Vermutungen" oder (naiven) "Glaubensrichtungen" heraus entwickelt werden, sondern sich auf Argumente aktueller philosophischer Aussagen stützen.

Was sind die "Philosophien" aus der Praxis?[Bearbeiten]

Es scheint klar zu sein, dass die in der Praxis formulierten "Pflegephilosophien" keine echten Philosophien sind.

Aber was sind sie dann ?

Mann kann diese Texte einteilen als:

  1. Lebens- und Weltanschauungen
  2. Aufgabenstatements

Lebens- und Weltanschauungen[Bearbeiten]

Der Begriff "Lebens- und Weltanschauungen" wurde erstmals von Dilthey (1927) geprägt (Lit.: ebenda) .

Lebens- und Weltanschauungen beschreiben eine Lebensperspektive, die als "Ideologie" bzw. "Wertesystem" bezeichnet werden kann. Sie beinhalten Aussagen zu der Welt, menschlichem Leben, der Bedeutung des Leidens, Werten der Bildung, sozialer Moral und der Stellung der Familie und Gott.

Im Gegensatz zur Philosophie sind Lebens- und Weltanschauungen vorwissenschaftlich.

  • sie fungieren als Orientierungshilfe des gesellschaftlichen Lebens, und können somit als "Landkarte oder Kompass des Lebens" verglichen werden.
  • sie sind weder theoretischer noch systematischer Natur, sondern beruhen auf "Überzeugungen"
  • sie entstehen in den Köpfen einer Person oder Gruppe durch Erfahrungen des Lebens.

Viele der derzeitigen (großen) Pflegetheorien sind daher eher Lebens- und Weltanschauungen.

Aufgabenstatements[Bearbeiten]

Ein Aufgabenstatement (mission-statement) ist eine relativ beständige Aussage über die Angebote und Aufgaben einer Einrichtung oder Institution (u.a. zur Abgrenzung von ähnlichen anderen Einrichtungen) und beschreibt vor allem ihre "Daseinsberechtigung".

Da Aufgabenstatements originär aus der Wirtschaft kommen, beinhalten sie Aussagen über die Kunden, angebotene Produkte und Dienstleistungen, den Markt, die verwendeten Technologien, Profitorientierungen und das Image (Corporate Design) der Einrichtung.

Diese Statements beruhen meist (im Gesgensatz zu Lebens- und Weltanschauungen) auf Marktforschungsergebnissen und/oder Situationsanalysen.

In Deutschland werden solche Statements oft als Leitbilder von Pflegeeinrichtungen verwendet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bücher:

Zeitschriften:

  • Uys, L.R. (1994): "Writing a philosophy of nursing?", in: Journal of Advanced Nursing 1994:20, 239-244
  • Dilthey, W. (1927): "Der Aufbau der Geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften", deGruyter, Berlin

Weblinks[Bearbeiten]

  • Pflegephilosophie[1] / Pflegephilosophie.com ist ein Blog nicht nur zur Phänomenologie der Pflege. Jeder Pflegende, egal welcher Tätigkeit und jeder Philosophierende kann sich hier mit seinen Erfahrungen rund um seiner Berufung und seines Alltages belesen, schmunzeln und natürlich auch äußern.

Podcast verfügbar

Podcast verfügbar!
Zu diesem Thema können Sie sich die Podcast-Sendung "Martin Schnell (2005): "Bedeutung der Philosophie und Ethik für die Pflege"" (mp3) anhören.