Pflegephänomen

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Für den Begriff Pflegephänomen gibt es bisher keine allgemein anerkannte Definition. Er wird zum Teil synonym für die Begriffe Pflegediagnosen oder Pflegeproblem verwendet. Kennzeichnend ist die „Wahrnehmbarkeit des Phänomens, die es Pflegenden ermöglicht, auf diese Wahrnehmung zu reagieren und Handlungen abzuleiten und zu initiieren.“[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verschiedene Definitionen

In der 2. Auflage des Pflegelehrbuches Pflege heute von 2001 wird ein Pflegephänomen als „Veränderung in der Befindlichkeit oder bestimmtes Verhaltensmuster“ beschrieben, welches „mit anderen Erscheinungen in einer Wechselbeziehung“ steht und „über deren Interpretation ein Pflegeproblem erkannt wird.“[2]

Für das Projekt Nursing data (Schweiz 2002) ist ein Pflegephänomen „ein Aspekt der Gesundheit von einer oder mehreren Personen, der als Grund für Pflegeinterventionen betrachtet wird.“[3]

Nach der Klassifikationsstruktur der ICNP ist ein Pflegephänomen „eine Art eines Faktors, der den Gesundheitszustand beeinflusst, mit den spezifischen Merkmalen: ein für die pflegerische Praxis relevanter Aspekt der Gesundheit“ (ICNP, 2003).

Pflegephänomene nach Menche et al. (2004) sind „wahrnehmbare Reaktionen des Menschen auf seinen Gesundheitszustand“, beispielsweise Macht, Aggression, Gewalt, Schlafstörungen, Immobilität, Inkontinenz, Störungen der Kommunikation, Erschöpfung, Schuld, Compliance, Krisenbewältigung (Coping), Verlust und Trauer.[4]

[Bearbeiten] Pflege und Phänomene

Die Befindlichkeit ist ein allgemeines Phänomen. Im Umgang mit alten oder pflegebedürftigen Menschen können Pflegende konkrete Phänomene beobachten, wie Angst, Hoffnung, Trauer, Verlust, Ungewissheit oder Schmerz. Diese Pflegephänomene drücken die individuelle Reaktion des Menschen auf die Erfahrung mit dem veränderten Gesundheitszustand aus.

Beispiel Angst: Ein Phänomen, das jeder aus eigener Erfahrung kennt. Die Ausdrucksformen können unterschiedlich sein. Ein Mensch, der auf einen Befund einer möglicherweise lebensbedrohlichen Erkrankung wartet, hat vermutlich Angst. Vielleicht ist der eine Patient ruhig, in sich gekehrt, zieht sich zurück, spricht kaum mit jemandem, der andere wird möglicherweise mit aufgerissenen Augen und hochgezogenen Schultern ständig umher laufen und immer wieder fragen, ob sein Befund inzwischen da ist. Auch ein Kind drückt seine Angst durch verschiedene Signale aus; abhängig vom Alter des Kindes kann beobachtet werden, dass es weint, schreit, aggressiv wird oder sich still zurückzieht. Angst kann sich also in einer Vielzahl von Signalen und Symptomen äußern. Jeder erlebt Angst auf seine eigene Art, die geprägt ist vom individuellen Erleben.

Phänomene können deshalb Grundlage pflegerischen Handelns sein. Pflegende begeben ich auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage, was der Patient erlebt und wie er dieses Erleben interpretiert.

[Bearbeiten] Pflegephänomene nach ICNP

Das internationale Klassifikationssystem ICNP bezieht sich nicht auf ein bestimmtes Pflegemodell und ist nicht an Krankheiten orientiert. Es dient der Identifizierung pflegerelevanter Phänomene und spiegelt gleichzeitig pflegerisches Wissen.

Die zentrale Achse eines Pflegephänomens ist der Fokus der pflegerischen Praxis, der sich auf Mensch und Umwelt richtet. Unter dem Oberbegriff Mensch findet sich das Individuum (die Einzelperson) und die Gruppe. Beim Individuum wird erneut unterteilt in Person und Funktion, die ihrerseits weiter unterteilt werden.

Die einzelnen Pflegephänomene betreffen

Beispiel Pflegephänomen Atmung: Pflegende informieren das Individuum über eine eventuelle Erkrankung, vertiefen die vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten und leiten zur Selbstfürsorge an. Bei Defiziten in der Selbstpflege wird praktische Hilfestellung zur Verbesserung der Atemsituation geleistet. Im Hinblick auf die Gruppe wird der Einfluss von Familie und anderen Bezugspersonen auf die Atemsituation eingeschätzt und bewertet (z.B. Rauchen). Umgekehrt wird der Einfluss der Atemsituation auf Kommunikation, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Aktivitäten betrachtet.

Diese pflegerischen Themen werden anhand von acht verschiedenen Achsen beschrieben: Fokus (Beispiel:Dyspnoe), Beurteilung (leicht oder stark ausgeprägt), Häufigkeit (selten, oft oder kontinuierlich), Dauer (akut, chronisch), Topologie (rechts, links, oben, unten, außen, innen oder ohne nähere Bezeichnung), Körperstelle (Brustkorb), Wahrscheinlichkeit (hohes Risiko für Einschränkung der Aktivität), Träger (Individuum, Familie).

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Christian Ley, Roland Kietzmann: Entwicklung eines didaktischen Ansatzes - Exemplarische Fallstudienkritik. GRIN Verlag GmbH, München 2006, S. 6
  2. Pflege heute. 2. Auflage, 2001, S. 37
  3. www.isesuisse.ch/nursingdata 2002, abgerufen am 15. Mai 2012
  4. Lektorat Pflege 2004, S. 50
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