Pflegefehler

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Ein Pflegefehler ist ein vorsätzlicher oder fahrlässiger Verstoß gegen die pflegerische Sorgfaltspflicht im Rahmen professioneller Pflege. Der Verstoß kann sich auf die fehlerhafte Durchführung einer pflegerischen Maßnahme wie auch auf das Unterlassen einer notwendigen Maßnahme beziehen. Fehlerhaft bedeutet dabei: nicht dem aktuellen Kenntnisstand von Wissenschaft und Technik entsprechend oder mangelhaft in Bezug auf Sorgfalt, Fachkenntnis und Geschicklichkeit.

Ein Pflegefehler kann zu einer Schädigung (psychische Belastung, Körperverletzung, Tod) der gepflegten Person führen. Während (medizinische) Behandlungsfehler meistens akute Folgen haben, verursachen Pflegefehler häufig langfristige Beeinträchtigungen, z. B. Dekubitus (Wundliegen) oder Exsikkose (Austrocknen). Jedoch ist nicht jede Schädigung unbedingt durch einen Pflegefehler verursacht, was durch eine sorgfältig ausgeführte Pflegedokumentation nachgewiesen werden kann.

Schlüsselbegriffe[Bearbeiten]

Nach den Definitionen des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. werden fünf Schlüsselbegriffe unterschieden:

  • Unerwünschtes Ereignis
  • Vermeidbares unerwünschtes Ereignis
  • Kritisches Ereignis
  • Fehler
  • Beinahe-Schaden

Ein Fehler wird definiert als „eine Handlung oder ein Unterlassen, bei dem eine Abweichung vom Plan, ein falscher Plan oder kein Plan vorliegt. Ob daraus ein Schaden entsteht, ist für die Definition des Fehlers irrelevant.“[1]

Als Pflegefehler gilt das vorsätzliche oder fahrlässige Missachten aktueller pflegerischer - und bis zu einem gewissen Grad auch medizinischer - Erkenntnisse, wie sie unter anderen von den nationalen Expertenstandards vorgesehen sind.

Beispiele für Pflegefehler[Bearbeiten]

Die aufgeführten Beispiele können als Pflegefehler gelten; es sei denn, die entsprechende Pflegedokumentation begründet das fehlerhafte Verhalten, z. B. mit Hinweisen auf geäußerte Wünsche der gepflegten Person oder auf eine Patientenverfügung.

  • Die Pflegekraft informiert nicht rechtzeitig einen Arzt, obwohl es die Situation erkennbar dringend erfordert.
  • Sie versäumt das Entfernen von Stolperfallen im Sinne der Sturzprophylaxe.
  • Medizinprodukte werden unsachgemäß angewendet oder Geräte falsch bedient.
  • Durch das Nichteinhalten von Hygienevorschriften wird eine Infektionsgefährdung in Kauf genommen.

Auch eine versäumte Remonstration gilt als Pflegefehler.

Haftung[Bearbeiten]

Führt der Pflegefehler zu einer Körperverletzung bei der zu pflegenden Person, so droht der Pflegeperson, dass sie für den Pflegefehler haften muss. Dazu muss nachgewiesen werden, dass der Pflegefehler die Ursache für die Körperverletzung ist. Außerdem muss die Pflegeperson die Körperverletzung schuldhaft, also vorsätzlich oder fahrlässig verursacht haben.

Zur Haftung für den Pflegefehler können daneben auch die Personen oder Stellen herangezogen werden, die für die Auswahl und Beaufsichtigung der Pflegeperson (z. B. Personalführung, Pflegedienstleitung, Stationsleitung) oder für die Organisation der Umstände, unter denen die Pflege durchgeführt wird (Träger der Pflegeeinrichtung, Leitende Person der Einrichtung oder der Abteilung), verantwortlich waren, wenn ihnen ein so genanntes Organisationsverschulden vorgeworfen werden kann.

Die Haftung kann durch strafrechtliche, zivilrechtliche oder öffentlich-rechtliche Normen begründet sein. Je nach dem können Haftungsfolgen Geld- oder Freiheitsstrafe, Schadensersatz und Schmerzensgeld oder der Entzug oder die Beschränkung der Erlaubnis zur Ausübung des Pflegeberufs oder des Betreibens einer Pflegeeinrichtung sein.

Das Landgericht München I verurteilte zum Beispiel die Stadt München als Träger eines Krankenhauses zur Zahlung eines Schmerzensgelds in Höhe von 15.000 € an eine fast siebzigjährige Patientin[2]. Diese hatte wegen nicht fachgerechter Pflege zwei Druckgeschwüre am Steißbein und ein Druckgeschwüre im Bereich der Kniekehle erlitten. Wegen der Druckgeschwüre musste sich die Patientin weiteren Operationen unterziehen. Ein vom Gericht bestellter Sachverständiger hatte festgestellt, dass die Patientin in dem Krankenhaus nicht nach dem pflegerisch-medizinischen Standard versorgt, nämlich regelmäßig und in Abständen von weniger als drei Stunden umgelagert worden war.

Pflegedokumentation[Bearbeiten]

Wurden die vor und während des Eintritt eines Schadens durchgeführten Pflegehandlungen nicht ausreichend dokumentiert, so müssen die Verantwortlichen im Zivilprozess, um die Haftung abzuwenden, darlegen und beweisen, dass die Pflege nicht fehlerhaft oder der Pflegefehler nicht ursächlich für den Schaden oder der Schaden subjektiv nicht vorhersehbar oder nicht vermeidbar war (Beweislastumkehr).

Risiken im Krankenhaus[Bearbeiten]

Eine Auswertung von zahlreichen Studien ergab, dass pro Jahr im Krankenhausbereich mit 5-10% unerwünschten Ereignissen, 2-4% Schäden, 1% Behandlungsfehlern und 0,1% Todesfällen, die auf Fehler zurückgehen, zu rechnen ist. Bei jährlich 17 Millionen Krankenhauspatienten entspricht dies 850.000 bis 1,7 Mio unerwünschten Ereignissen, 340.000 Schäden (vermeidbare unerwünschte Ereignisse), 170.000 Behandlungsfehlern (mangelnde Sorgfalt) und 17.000 auf vermeidbare unerwünschte Ereignisse zurückzuführende Todesfälle. Der gesamte ambulante Bereich ist darin nicht enthalten. (Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, "Kooperation und Verantwortung", BMG 2007)

Film[Bearbeiten]

Dieser Film zeigt die drastischen Zustände in einer großen deutschen Klinik: Stationsalltag und Pflege im Laufschritt, Krankenhausaufenthalt als Risiko für die Patienten. Bei hoher Belastung dürfen den Pflegekräften keine Fehler unterlaufen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Judith Borgwart, Kai Kolpatzik (Hrsg.):Aus Fehlern Lernen - Fehlermanagement in Gesundheitsberufen. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2010 ISBN 978-3-642-12622-2

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aus Fehlern lernen. auf www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de, abgerufen am 23. April 2012
  2. Aktenzeichen 9 O 10239/04 auf: www.justiz.bayern.de