Pflegeüberleitung

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Die Pflegeüberleitung (auch Entlassungsplanung, Überleitungsmanagement oder Case Management) will erreichen, dass Patienten, die pflegebedürftig sind, nach der Verlegung aus der Klinik, dem Pflegeheim oder der ambulanten Pflege weiter gut versorgt sind. Insbesondere nach der Entlassung aus dem Krankenhaus soll damit eine erneute Aufnahme vermieden werden, die sonst wegen unzureichender pflegerischer und medizinischer Versorgung kurzfristig wieder notwendig werden würde (Drehtür-Effekt).

Effekte der Verweildauer-Verkürzung[Bearbeiten]

Effekte der Verweildauer-Verkürzung der Krankenhäuser für ambulante Dienste / stationäre Pflegeeinrichtungen

  • Ambulante Pflegedienste und Pflegeheime werden mehr Patienten früher und in behandlungsintensiverem Zustand übernehmen müssen. Damit wird die Nachfrage nach häuslicher Krankenpflege (Vermeidungs-und Sicherstellungspflege) bzgl. Fallzahl, Intensität (Frequenz) und Qualität steigen.
  • Auch die Nachfrage nach SGB XI-Leistungen wird steigen – insbesondere dort, wo (früh-)rehabilitative Leistungen durchs DRG-Netz fallen (DRGs in der Geriatrie). Damit werden die Anforderungen von Patienten /behandelnden Ärzten / Krankenhäusern an Pflegeinstitutionen hinsichtlich Servicegrad, Abnahmebereitschaft und Qualität / Qualifikation deutlich erhöht.

Ziele eines interdisziplinären Überleitungsmanagements[Bearbeiten]

  • Schließung der Versorgungskette zur Steigerung der Versorgungsqualität und zur Kostensenkung auf der Basis einer Ist-Analyse; Konzeption eines poststationären Versorgungsplans
  • Die individuellen Lebensumstände des Patienten rechtzeitig in die Pflegeplanung einbeziehen, insbesondere die medizinischen, pflegerischen und sozialen Bedingungen.

Organisatorisch:

  • Optimierung des Informationsflusses zwischen niedergelassenen und stationär behandelnden Ärzten.
  • Erstellung eines Überleitungsformulars und von Richtlinien zur Verwendung (Organisationsstandard).
  • Optimierung des Informationsflusses zwischen stationär und ambulant versorgenden Berufsgruppen (interdisziplinär).

In der Schweiz sind die entsprechenden Dienste mit dem Begriff Spitex (für: aus dem Spital heraus) verknüpft.

Fernziele[Bearbeiten]

  • Sicherung einer angemessenen pflegerischen Weiterversorgung der Patienten durch einen gemeinsamen Wundversorgungs-Standard.
  • Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Versorgung mit Verbänden und Hilfsmitteln durch Kooperationsvereinbarungen mit ambulanten und stationären Einrichtungen und den Krankenkassen.
  • Heilerfolg der Wundbehandlung durch vorausschauende, interdisziplinär abgestimmte Planung der Versorgung nach dem Krankenhausaufenthalt zu sichern.

Kompetenzen für Überleitung[Bearbeiten]

Sach-und Systemkompetenz:

  • Handlungswissen
  • Organisationswissen
  • Arbeitsfeldspezifisches Wissen wie z.B. Praxis im ambulanten Bereich und in der Organisation von ambulanter Betreuung
  • Kenntnis und Sicherheit im Umgang mit den Strukturen im ambulanten Bereich (z. B. Rechtslage, Kenntnisse über Heil-und Pflegehilfsmittel,
  • Kenntnisse über das Sozialversicherungssystem).
  • Praxis im stationären Bereich -Erfahrungen im Umgang mit der Krankenhaushierarchie und -kultur führen zu Akzeptanz beim Krankenhauspersonal.


Selbstkompetenz:

  • Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein
  • Reflexionskompetenz


Methoden-und Verfahrenskompetenz:

  • ein anerkanntes allgemeines Diplom für Gesundheits- und Krankenpflege vorzugsweise eine Weiterbildung im Bereich Case Management oder andere einschlägige Weiterbildungsnachweise
  • Netzwerk
  • Evaluationstechniken
  • Gesprächsführung und Beratungskompetenz
  • EDV-Kenntnisse (Word, Excel)


Soziale Kompetenzen:

  • Fähigkeit zur multiprofessionellen und organisationsübergreifenden Zusammenarbeit (Umgang mit unterschiedlichen Organisations-und Berufskulturen)
  • Selbstorganisation (selbstständiges Arbeiten, Entscheidungsfähigkeit, Prioritäten setzen können)
  • Fähigkeit zur Gestaltung und Durchführung von VerhandlungsprozessenZuhören (Bedürfnisse der Patienten)
  • Empathie
  • Umgang mit Widerständen und Widersprüchen (Konflikt- und Mediationsfähigkeit)
  • Verbindlichkeiten herstellen (Commitment, Vertrauen und Verläßlichkeit)

Maßnahmen[Bearbeiten]

  • Die Beschaffung von notwendigen oder sinnvollen Hilfsmitteln wie Pflegebett, Rollstuhl, Rollator, geeignetes Telefon/Hausnotruf und Badelifter (auch Klärung, welche Kosten von Krankenkasse oder Pflegeversicherung getragen werden könnnen)
  • Hausbesuche mit umfassender Beratung (z. B. durch die Sozialstation, durch den Sozialen Dienst bei finanziellen Fragen) - insbesondere bei hochaltrigen Angehörigen
  • Erfassung von Möglichkeiten zur Wohnraumanpassung (Treppen, Lift, Beleuchtung, Küche)
  • Antrag auf Pflegeeinstufung bei der Pflegekasse
  • Evtl. für Angehörige fachkundige Anleitung zur Pflege (individuelle Schulungen)
  • Kontaktaufnahme und Informationsweitergabe mit dem / an den gewählten Pflegedienst, Pflegeheim
  • Informationen über Pflegekurse, Angehörigengruppen, Selbsthilfegruppen

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anneliese Böning u. a.: Praxisleitfaden für die stationäre Altenpflege. Checklisten - Formblätter - Textbausteine. Loseblattwerk. AOK-Verlag GmbH, Remagen 2009. Umfang ca. 1000 Seiten, 1 CD-ROM. ISBN 978-3-553-38300-4
  • Kimberley Dash, Nancy C. Zarle, Lydia O'Donnell: Entlassungsplanung und Pflegeüberleitung. Urban & Fischer Verlag, 2002. ISBN 3-437-26330-7
  • Susanne Lusiardi: Überleitungsmanagement : Wege zur Umsetzung in die Praxis. Urban und Vogel, München, 2004. ISBN 3-89935-207-6
  • K.Schönlau, W. Kunstmann, C. Plenter, M. Sieger: Versorgungskontinuität - die Perspektive von Pflegeüberleitungskräften
  • Margot Sieger, Wilfried Kunstmann: Versorgungskontinuität durch Pflegeüberleitung. Mabuse, Frankfurt a M. 2003. ISBN 3-935964-29-3

Weblinks[Bearbeiten]


Wikipedia-logo.png vgl. Wikipedia: "Spitex"