Palliativmedizin

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Palliativmedizin setzt im Gegensatz zur heilenden (curativen) Medizin auf lindernde (palliative) Maßnahmen bei unheilbaren Krankheiten. Dabei steht meist die Symptomkontrolle (u.a. von Schmerz) im Vordergrund. Die Palliativmedizin bedeutet einen Paradigmenwechsel: Nicht mehr der "Kampf gegen Krankheit", sondern die "Verbesserung der Lebensqualität" ist das Ziel. Das Konzept der Palliation wurde ursprünglich von der Hospizbewegung entwickelt und wird international mit dem Begriff Palliative Care belegt. Somit ist die Palliativmedizin ein Teilgebiet von Palliative Care.

Definition der WHO[Bearbeiten]

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation ist Palliativmedizin “die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer progredienten, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung von Schmerzen, anderen Krankheitsbeschwerden, psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen höchste Priorität besitzt”.

Studienorte[Bearbeiten]

Inzwischen gibt es an sechs Universitäten in Deutschland einen Lehrstuhl für Palliativmedizin: Aachen, Bonn, Göttingen, Köln und München; in Witten/Herdecke befindet sich der erste Lehrstuhl für Pädiatrische Palliativmedizin. Vor allem die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) setzt sich dafür ein, dass das allgemeine Medizinstudium dahingehend erweitert wird, die Behandlungssituation Sterbender zu verbessern.

Studieninhalte[Bearbeiten]

Hierzu zählen beispielsweise eine angemessene Schmerzbehandlung und palliative Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien, die die Lebensqualität verbessern, aber einen fortgeschrittenen metastasierenden Krebsbefall nicht heilen können. Es geht aber auch um Linderung von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Luftnot oder Verdauungsstörungen. Realisiert wird das Konzept in erster Linie in ambulanten und stationären Hospizen sowie den Palliativstationen. Insbesondere in der Hospizarbeit werden auch die Angehörigen miteinbezogen.

Kostenübernahme durch Krankenversicherung[Bearbeiten]

Erstmals haben Kostenträger im Gesundheitswesen mit einer Universitätsklinik (Uni Heidelberg) bei der integrierten palliativmedizinischen Versorgung von krebskranken Patienten eine Kostenvereinbarung abgeschlossen. Mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) und der Technikerkrankenkasse (TK) gibt es seit dem 1. Dezember 2005 - erstmals bundesweit - einen Vertrag über einen "Ärztlichen Konsiliardienst Ambulante Palliativmedizin". Ärzte des Zentrums für Schmerztherapie und Palliativmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg betreuen gemeinsam mit niedergelassenen Kollegen die Patienten in ihrer häuslichen Umgebung und stehen dafür rund um die Uhr zur Verfügung.

Wünschenswert ist es, dass das Prinzip der Palliation auch in Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten und auf Allgemeinstationen der Krankenhäuser Eingang findet. Zu hoffen ist, dass die Umsetzung des neu ins V. Sozialgesetzbuch eingeführten § 37 b hier neue Impulse setzt.

Pflege[Bearbeiten]

Für Pflegekräfte gibt es die Möglichkeit der Weiterbildung:

Literatur[Bearbeiten]

  • Interview mit dem Palliativmediziner Gian Domenico Borasio: Diffuse Angst. In: ZEIT online vom 2. Juli 2008 (Stiftungslehrstuhl für Palliativmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität, München)
  • S. Kränzle, U. Schmid, C. Seeger: PalliativeCare. Springer, 2009, 3. Aufl. Inhalt ISBN 978-3-642-01324-9
  • Rudi Novotny: Begleiterin des Todes. Patrizia Caracciolo betreut als Palliativmedizinerin kranke Kinder, die vielleicht bald sterben werden. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wie schafft man das?] In: ZEIT Campus 06/2007
  • Jochen Steuer: Palliative Care in Pflegeheimen. Wissen und Handeln für Altenpflegekräfte. Schlüter, 2008, 180 Seiten. ISBN 978-3-89993-208-9
  • Johann-Christoph Student, Annedore Napiwotzky: Palliative Care wahrnehmen – verstehen – schützen. Buch und DVD, Thieme, Stuttgart 2007; Reihe Pflegepraxis (ISBN: 9783131429414)
  • Katrin Zeug: Schreie aus Kajüte 5. In: DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10 (Lehrstuhl Palliativmedizin für Kinder)
  • M. Sprecht-Tomann, D. Tropper: Hilfreiche Gespräche und heilsame Berührungen im Pflegealltag", 3. Aufl., Springer 2007. Inhalt ISBN 978-3-540-46773-1

Film[Bearbeiten]

  • Ulrike Grote: Was wenn der Tod uns scheidet? (Rezension in faz vom 29. Mai 2009; Darstellerin u. a. Monica Bleibtreu als demente Marie Dunkel)

Weblinks[Bearbeiten]


Wikipedia-logo.png vgl. Wikipedia: "Palliation"



Siehe auch[Bearbeiten]