Orientierungshilfen

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Orientierungshilfen[Bearbeiten]

(persönlich, zeitlich, örtlich, situativ)

Orientierung am Körper durch die Sinnesorgane[Bearbeiten]

Menschen mit Demenz leiden oft zusätzlich an Einschränkungen ihrer Sinnesorgane, die ihre Situation noch verschlechtern. Eine Beeinträchtigung der Sehfähigkeit, des Gehörs, der Bewegungsfähigkeit, des Geruchssinns, des Geschmackssinns und/oder des Tastsinns führen zu Handlungen, die sie »orientierungslos« erscheinen lassen.

»Mangelhaftes Sehen und/oder Hören führt zu Missverständnissen mit der Umwelt. Es führt auch zu Täuschungen, die im Fachjargon "Illusion" genannt wird: Eine Sache, ein Wort, eine Person wird für etwas anderes gehalten, als es wirklich ist.« (DR. BECKER, J., 2001, Bd. 1,S.46) Die persönliche Orientierung wird durch den Einsatz von Sinneshilfen, wie der Brille und/oder dem Hörgerät unterstützt. Sie fördern die Kommunikationsfähigkeit der Menschen mit Demenz.

Orientierung am Körper durch basale Stimulation[Bearbeiten]

Eine Stimulation der eingeschränkten Sinnesfunktion mit starken Reizen führt oftmals zu einer gesteigerten Wahrnehmungsfähigkeit und letztendlich zu einer besseren Orientierung. Die von Prof. Andreas FRÖHLICH und Christel Bienstein entwickelte basale Stimulation will - je nach Orientierungsstörung - durch stimulierende Reize den Augensinn, den Geruchssinn, den Gehörsinn, den Geschmackssinn, den Gleichgewichtssinn und/oder den Tastsinn stimulieren. Zum Beispiel würde eine Stimulation des Geruchssinns mit Gerüchen aus der Kindheit emotionale Reaktionen und somit mehr geistige Wachheit hervorrufen.

Orientierung am Körper durch Kinästhetik[Bearbeiten]

Eine wichtige Orientierung der eigenen Person ist die Orientierung im/am eigenen Körper. Die Kinästhetik, die Lehre der Bewegungswahrnehmung, entwickelt von Dr. Frank HATCH und Dr. Lenny MAIETTA, will körperlich und geistig hilfsbedürftige Menschen in ihren natürlichen Bewegungsmustern unterstützen. Dazu werden ihre vorhandenen Bewegungsressourcen und Bewegungsmuster berücksichtigt. Die verbleibenden körperlichen Fähigkeiten werden somit unterstützt und gefördert. Ausstreichungen der Beuge- oder Streckmuskulatur bewirken mehr Orientierung im/am Körper und mehr Beweglichkeit des Menschen. Die »basale Stimulation« oder die »Kinästhetik« können in dreitägigen Grund- und Aufbaukursen erlernt werden und stellen neben anderen Demenzkonzepten eine wichtige Ergänzung für die Betreuung der Menschen mit Demenz dar.

Persönliche Orientierungshilfen[Bearbeiten]

Individuelle Ansprache[Bearbeiten]

Mit dem Namen erhalten wir unsere Identität. Oft begleiten uns verschiedene Namen durch einzelne Lebensphasen. Dies kann der Kosename, der Spitzname, der Hausname, der Mädchenname oder der aktuelle Nachname sein. Menschen mit Demenz können, je nach geistiger Erreichbarkeit, auf unterschiedliche Namen hören. Einige reagieren auf ein »Du« und den Vornamen, andere auf ein »Sie«. Auf welche entsprechende Anrede sie aktuell reagieren, sollte im Team und mit den Angehörigen besprochen und dokumentiert werden. Darüber hinaus sollen die Menschen mit Demenz in einer Art Gedächtnistraining auch wiederholt nach ihrem Vor- und Nachnamen gefragt und mit diesem angeredet werden, damit die Namen nicht gänzlich in Vergessenheit geraten.

Namen schreiben oder unterschreiben lassen[Bearbeiten]

Eine persönliche Orientierung bedeutet nicht nur regelmäßig den eigenen Namen zu hören, sondern ihn auch zu schreiben. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig.

Anekdoten[Bearbeiten]

Geschichten über sich erzählen lassen: Menschen erhalten eine Rückmeldung ihrer Identität, wer sie sind und wer sie waren, indem sie Geschichten über sich und aus ihrem Leben erzählen.

Spiegel[Bearbeiten]

Menschen mit Demenz sollten viele Gelegenheiten besitzen, sich in einem (Ganzkörper-)Spiegel zu sehen.

  • Wie viele Ganzkörperspiegel befinden sich im Wohnbereich bzw. zuhause?
  • Gehfähige und Rollstuhlfahrerlinnen können sich darin sehen.
  • Die Spiegel sind in einer Höhe angebracht, dass sich die Menschen mit Demenz darin sehen können.
  • Bettlägerige Menschen mit Demenz haben die Möglichkeit, sich in einem Spiegel zu betrachten.
  • Im Nachtkästchen befindet sich ein Handspiegel.

Zeitliche Orientierungshilfen[Bearbeiten]

Wanduhren, Armbanduhren[Bearbeiten]

Eine zeitliche Orientierung erfolgt hauptsächlich über Uhren und Kalender. Diese sollten Menschen mit Demenz in ihren Räumen zur Verfügung stehen. Im Alten- und Pflegeheim werden Uhren in verschiedenen Höhen angebracht, damit sie von kleinen und großen Menschen gleichermaßen gesehen werden können. Im privaten Wohnbereich werden die Uhren in Augenhöhe des Menschen mit Demenz angebracht.

  • Beispiel:
    • Eine alte Dame bekam von ihrer Tochter eine neue Küchenuhr, da die alte Uhr nicht mehr richtig funktionierte. Die Dame hängte die neue Uhr neben der alten Uhr auf. Das Beispiel zeigt, dass nicht nur genau gehende Uhren wichtig sind, sondern dass auch die gewohnten Gegenstände zur Orientierung beitragen. Die gewohnte Armbanduhr soll so lange wie möglich weiter getragen werden. Es ist für ein Training der zeitlichen Orientierung unterstützend, die Menschen mit Demenz des Öfteren nach der Uhrzeit zu fragen.
  • Es befinden sich ausreichend Uhren im Umfeld der Menschen mit Demenz.
  • Die Uhren sind in einer Höhe angebracht, dass sie von dem Menschen mit Demenz gesehen werden können.
  • Wenn sich verschiedene Uhren im Umfeld des Menschen befinden, gehen die Uhren alle richtig.
  • Bettlägerige Menschen mit Demenz können vom Bett aus auf eine Uhr sehen.
  • Bettlägerige Menschen mit Demenz können auch bei Umlagerungen auf eine Uhr sehen.

Große Kalender und Tischkalender[Bearbeiten]

Tage, Wochen und Monate werden über große Kalender kenntlich gemacht. Dabei ist es wichtig, keine farbigen Kalender zu wählen, da Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen Schwarz-Weiß-Töne besser erkennen und unterscheiden können als farbige.

  • Es gibt im Wohnumfeld große Kalender, die den aktuellen Tag, den Monat und das Jahr anzeigen.

Sprüche und Bauernregeln[Bearbeiten]

Sprüche oder Bauernregeln, auf große Plakate geschrieben, machen den aktuellen Monat oder die Jahreszeit deutlich.

Jahreszeitliche Veränderungen[Bearbeiten]

Diese spiegeln Besuche in der Natur, zu Abendandachten, sonntäglichen Kirchgängen, Maiandachten, Adventsmessen oder einfach nur die »normalen« Essenszeiten mit ihren Gerüchen wider.

örtliche Orientierungshilfen[Bearbeiten]

Tafeln mit dem Ort, der Straße, der Hausnummer[Bearbeiten]

Menschen mit Demenz vergessen manchmal, an welchem Ort sie sich befinden. Große Hinweisschilder oder Fotos in Schwarz-Weiß (zur besseren Wahrnehmung) von dem Ort, der Straße und der Hausnummer ihres Aufenthaltsortes könnten Abhilfe schaffen.

Toilettenbeschriftung[Bearbeiten]

Eine wichtige örtliche Orientierungshilfe stellen die Beschriftungen der Toiletten dar. Sie sollten mit der üblichen und bekannten Bezeichnung ausgeschildert werden.

  • Der Weg zur Toilette ist beschildert.
  • Die Toilette ist beschildert.
  • Die Beschilderungen sind in Augenhöhe der Menschen mit Demenz.
  • Piktogramme bei Bewohner mit nachlassender Lesefähigkeit (z.B. 00, oder Herz).

Beschriftung der Zimmertür[Bearbeiten]

Damit die Zimmer, in denen sich die Menschen mit Demenz am häufigsten aufhalten, von ihnen als solche erkannt und gefunden werden, können sie mit individuellen persönlichen Schildern oder Utensilien gestaltet werden. Dies kann ein Bild aus der Jugendzeit oder zum Beispiel ein beliebter Schal sein. Es gilt, dies über Gespräche und Beobachtungen herauszufinden und immer wieder, je nach geistiger Erreichbarkeit, zu aktualisieren.

  • Es wird ein Schild, ein Plakat, ein Bild oder eine Tafel mit dem Ort, der Straße und der Hausnummer des aktuellen Aufenthaltsortes in dem Wohnraum des Menschen mit Demenz angebracht.
  • Die Wohnräume sind mit dem Namen der Menschen mit Demenz gekennzeichnet.
  • Es gibt alternativ zum Namen auch andere Symbole, Utensilien der Menschen mit Demenz zur Kennzeichnung des Aufenthaltsraumes.

Einrichtung der Wohnräume nach persönlichem Geschmack und Milieu[Bearbeiten]

Alte Möbelstücke, abgewetzte Sessel oder andere liebgewordene Dekorationen, die für uns nicht als orientierungsgebend erkennbar sind, können zuhause und auch im Pflegeheim, Sicherheit und Orientierung geben.

Situative Orientierungshilfen[Bearbeiten]

Situativ orientiert sein heißt, sich in verschiedenen Situationen mit Menschen oder anderen Dingen zurechtzufinden. Eine situative Orientierungshilfe kann der Essensgeruch, welcher zur Mittagszeit durch das Haus strömt, sein. Auch ein jahreszeitliches Fest oder ein Gespräch, dem die Menschen mit Demenz folgen können, kann eine Hilfe sein.

  • Der wichtigste Aufenthaltsraum des Menschen mit Demenz ist mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen seiner Zeit oder seines Geschmacks ausgestattet.

Beachtung der Adaptionszeit[Bearbeiten]

Bei Gesprächen sowie bei Handlungen die von Menschen mit Demenz verlangt werden, soll die Anpassungszeit (Zeit vom Setzen eines Reizes bis zur Reaktion = Reaktionszeit) berücksichtigt werden.

  • Die Adaptionszeit wird in der Interaktion von Menschen mit Demenz beachtet.

Seh- und Hörhilfen[Bearbeiten]

Durch die altersbedingten getrübten Augenlinsen sehen manche der alten Menschen alles durch eine Art Schleier. Ein Mensch mit Demenz, der dies nicht mehr zuordnen kann, ist umso mehr auf helle Lichtquellen und den Einsatz von Sehhilfen angewiesen. Hörgerät und Brille sind wichtige Orientierungshilfen, die regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft und bereits vor der morgendlichen Toilette den Menschen mit Demenz zu reichen sind.

  • Menschen mit Demenz erhalten beispielsweise bereits vor der morgendlichen Toilette ihre Seh- und Hörhilfen, um Situationen besser erfassen zu können.
  • Die Zahnprothesen sitzen richtig und sind vollständig vorhanden, damit der Betroffene in verschiedenen Situationen verbal reagieren kann.
  • Es sind ausreichende Lichtquellen im Wohnumfeld des Menschen mit Demenz vorhanden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Veränderte Orientierung