Oligophrenie

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Oligophrenie (Schwachsinn, Geistesschwäche, Intelligenzdefekt, geistige Behinderung) ist die ererbte, angeborene oder früh erworbene Minderung der allgemeinen geistigen Entwicklung.

Oligophren sind Menschen, deren geistige Entwicklung durch angeborene oder erworbene Störungen vorübergehend oder auf Dauer hinter der altersgemäßen Norm zurückgeblieben ist, so dass sie für ihre Lebensführung besonderer Hilfe bedürfen.

Die Diagnose[Bearbeiten]

Die Diagnose wird hauptsächlich durch genaue Prüfungen und Einschätzungen der geistigen Fähigkeiten eines Menschen gestellt. Dazu wird zum einen der [Intelligenzquotient] durch verschiedene Tests gemessen, zum anderen wird die soziale Anpassungsfähigkeit eingeschätzt (was sehr schwierig ist), um herauszufinden wo der Mensch zwischen den Polen „leichte Beeinträchtigung“ und „Unvermögen zu selbständiger Lebensführung“ steht.

Ursachen der Oligophrenie[Bearbeiten]

  1. genetische Veranlagung (z.B. Down-Syndrom, Phenylketonurie)
  2. organische oder erworbene Intelligenzbeeinträchtigungen (z.B. Perinatale Schädigungen wie Sauerstoffmangel während der Geburt, Rötelnembryopathie)
  3. soziokulturelle Umstände (z.B. Deprivation)

Verhaltenseigentümlichkeiten[Bearbeiten]

Je nach Ausprägung der Oligophrenie sind die folgenden Auffälligkeiten unterschiedlich stark ausgeprägt:

  • Das Denken ist weitschweifig und umständlich. Oligophrene können nicht abstrahieren, haben Einfallsarmut, sind stark in ihrer Welt verhaftet. Auf äußere Reize reagieren sie ungebremster als andere Menschen.
  • Die Sprache ist durch Artikulationsstörungen und Ausdrucksschwierigkeiten geprägt.
  • Die Willensfunktionen sind teilweise durch die geringe intellektuelle Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt. Aus der nur mäßigen Einsichtsfähigkeit in die Folgen des Handelns ergeben sich Konflikte mit der Umwelt. Missverständnisse in sozialen Situationen sind zahlreich und verstärken die Außenseiterrolle dieser Menschen.
  • Durch diese Auffälligkeiten können sie nicht vorausschauend planen oder Situationen beurteilen. Gewohnte Situationen können sie gut meistern, aber die Umstellung auf Neues bewältigen sie nur langsam. Daher sind sie oft überfordert.

Intelligenzverteilung für Menschen zwischen zehn und sechzig Jahren:

  • 2,20% der Menschen erreichen bei Tests nur einen Intelligenzquotienten von 62 und weniger (extrem niedrige Intelligenz);
  • 6,72% haben einen IQ von 63 – 78 (sehr niedrige Intelligenz);
  • 16,13% erreichen 79 – 90 (niedrige Intelligenz)
  • 50,00% liegen bei IQ 91 – 109 (durchschnittliche Intelligenz);
  • 16,13% erreichen 110 – 117 (hohe Intelligenz)
  • 6,72% schaffen sogar 118 – 126 (sehr hohe Intelligenz);
  • 2,20% der Menschen haben sogar > 127

(vgl. Normalverteilung in der Statistik)

Ausprägung der Oligophrenie nach IQ[Bearbeiten]

Ausprägung IQ Sprache Versorgung Bildung Arbeit Partnerschaft
Leichte Oligophrenie 69 - 50 Erwerb verzögert, im Alltag meist ausreichend meist unabhängig begrenzt, Probleme beim Lesen & Schreiben begrenzt anlernbar möglich
Mittelgradige Oligophrenie 49 - 35 Erwerb begrenzt oft Beaufsichtigung nötig sehr begrenzt, nur Grundlagen einfache Arbeiten bei guter Struktur kaum möglich
Schwere Oligophrenie 34 - 20 nur Ansätze, begrenzte Äußerungsmöglichkeiten Aufsicht und Anleitung nötig Einübung einfacher Gewohnheiten möglich nicht möglich nicht möglich
Hochgradige Oligophrenie < 20 nicht möglich dauernde Aufsicht und Pflege nötig nicht möglich nicht möglich nicht möglich

Pflege bei Oligophrenien[Bearbeiten]

Zur Krisenintervention werden oligophrene Menschen in einer Psychiatrie untergebracht. Bei längeren Aufenthalten ist auf soziotherapeutische Maßnahmen (Werktherapie, Familienpflege, betreutes Wohnen und Arbeiten) besonderer Wert zu legen, um vorhandene Fähigkeiten zu fördern.

In der Arbeit mit Oligophrenen steht nicht der medizinische, sondern der heilpädagogische Ansatz im Vordergrund. Eine Hauptaufgabe von Pflegekräften ist die Koordination der Förderungsmöglichkeiten. Wichtig ist hierbei, Unter- oder Überforderungen zu bemerken und zu vermeiden.

Bei Krisen und Unruhezuständen müssen bisweilen sedierende Substanzen verabreicht werden.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


Wikipedia-logo.png vgl. Wikipedia: "Intelligenz"