Nachtwache

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Die Nachtwache ist ein aktiver Dienst während der Nacht.

Dabei hat der Arbeitnehmer üblicherweise mehr als die Hälfte der Schichtzeit Arbeitsleistungen zu erbringen, etwa Patienten und Pflegebedürftige zu versorgen, die auch während der Nacht Pflegebedarf haben, Patienten zu kontrollieren und zu überwachen oder bei einem Notfall schnell einzugreifen.

Als Nachtwache wird auch eine Tätigkeit während der Nacht bezeichnet, die hauptsächlich in der kontinuierlichen Überwachung eines oder mehrerer Patienten besteht, bei der aber außer der ständigen aktiven Überwachungsleistung keine weitere Arbeit in erheblichem Umfang anfällt. Es handelt sich hierbei um eine so genannte Arbeitsbereitschaft.

Keine Nachtwache im eigentlichen Sinn ist die Nachtbereitschaft. Hierbei muss sich der Arbeitnehmer nur für einen Bedarfsfall bereit halten. Es fällt zwar auch Arbeit an, erfahrungsgemäß überwiegt aber die Zeit ohne Arbeitsleistung. Soweit und solange kein Arbeitsbedarf besteht, darf der Arbeitnehmer - im Unterschied zur Nachtwache - auch schlafen.

Die Nachtwache ist besonders unter dem Aspekt der Gesundheitsschutzes der Nachtarbeitnehmer und unter dem Aspekt der Pflegequalität bei Nacht zu betrachten.

Nachtwachenarten[Bearbeiten]

  • Hauptnachtwache
  • Stationswache
  • Beiwache
  • Sitzwache
  • Intensivstationswache - Wachstation
  • Bereitschaftsdienst (Anwesenheit; Rufbereitschaft)
  • Nachtwache in der Ausbildung (Ausbildungszweck)

Anforderung[Bearbeiten]

  • persönliche Umstellung (Tag-Nacht-Rhythmus)
  • fachliche Kompetenz
  • Verantwortungsbewußtsein (Gewissenhaftigkeit)
  • sachgerechtes Handeln in Notfallsituationen (Kenntnisse)
  • Ruhe, Besonnenheit
  • Taschenlampe, Kleidung, leises Schuhwerk

Vorbereitungen zum Nachtdienst[Bearbeiten]

  • frische Luft
  • objektive Patientenübergabe (beurlaubt? Verlegt? Besuch da?)
  • „Wer hat Dienst ?!“ : Arzt, Hauptnachtwache, Pausenablösung
  • Notfallwagen überprüft
  • aktuelle Änderungen (intern) im Stationsablauf

Aufgaben der Nachtwache[Bearbeiten]

  • Übernahme vom Spätdienst (In der Übergabe muß die Möglichkeit zum Nachfragen zu den genannten Inforamtionen bestehen)
  • 1. Runde:
    • Sich den Patienten vorstellen
    • evtl. Anweisungen an OP-Patient geben
    • Medikationsvergabe (im Bedarfsrahmen)
    • Lagerungen durchführen
    • Vitalzeichenkontrolle
    • auf Flüssigkeitszufuhr achten
    • Aufrechterhaltung des trockenen, sauberen Hautmilieus; Schleimhautpflege
    • Ausscheidungen gewährleisten
    • auf Bewußtseinslage und Schlafstörungen achten
  • regelmäßige Kontrollen (zB 1:00 3:00 5:00)
  • evt. Aufnahme von Notfällen
  • stationärer Notfall
    • Information an Intensivstation
    • Information der Hauptnachtwache
    • Evt. Seitenstation informieren
    • Notfallmaßnahmen ergreifen
  • Dokumentation/Kurvenpflege
  • Übergabe an den Frühdienst

Vorbereitung des Patienten zur Nacht[Bearbeiten]

  • Mund- und Zahnpflege anbieten
  • Waschschüssel anbieten, Begleitung in den Nassbereich
  • Mineralwasser verteilen
  • Wäschewechsel, Bett richten, Patient lagern
  • Toilettengang anbieten, Urinbeutel entleeren
  • Abendmedikation aplicieren (oral, infusionell)
  • auf Anordnung (z.B. Kardiologie)
  • auf Wunsch TV abstellen, Vorhänge zuziehen, evt. Fenster (ab)schließen.
  • Licht löschen, dimmen,
  • „Gute Nacht“ wünschen.
  • siehe auch: Abendtoilette
  • "leppen" nicht vergessen,denke an den Leistungsauftrag/ausweis
  • Patient über den Ablauf der Nacht informieren

Gesetze zur Nachtschicht[Bearbeiten]

Zum Schutze von Arbeitnehmern ist die Nachartbeit im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) reglementiert. Nach § 2 des ArbZG ist Nachtzeit die Zeit zwischen 23 und 6 Uhr. In Tarifverträgen kann die Nachtzeit anders definiert sein. Nachtarbeit ist nach dem ArbZG jede Arbeit, die mehr als zwei Stunden der Nachtzeit umfasst.

Nachtarbeitnehmer sind nach dem ArbZG Arbeitnehmer, die: 1. auf Grund ihrer Arbeitszeitgestaltung normalerweise Nachtarbeit in Wechselschicht zu leisten haben oder 2. Nachtarbeit an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr leisten.“ [1]

Über das Arbeitszeitgesetz hinaus sind für das Gesundheitswesen folgende Gesetze für die Nachtarbeit von Bedeutung:

  • Gesetz zum Schutze der erwerbstätigen Mutter (Mutterschutzgesetz), MuSchG
  • Gesetz zum Schutz der arbeitenden Jugend (Jugendarbeitsschutzgesetz), JArbSchG

Auswirkungen von Nachtschicht auf Krankenpfleger/innen[Bearbeiten]

Sowohl der Tagesrhythmus als auch der Schlaf-Wach-Rhythmus unterliegen einem endogenen Steuerungsprozess. Beim Menschen treten tagesrhythmische Schwankungen der Organfunktionen auf, also eine Periodik der Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen, der Körpertemperatur sowie der Gehirnaktivität. Diese Funktionsänderungen, die zirkadianen Rhythmen, werden endogen gesteuert. Unter natürlichen Lebensumständen werden sie durch äußere Zeitgeber dem Tagesrhythmus angeglichen. Diese Synchronisation erfolgt durch soziale Faktoren, insbesondere durch eine Aktivitäts- und eine Hell-Dunkel-Periodik.[1]

Einer Übersichtsarbeit zufolge stellt Nachtarbeit eine Grundbelastung dar, die von individuellen Faktoren beeinflusst wird.[2] Häufige Beschwerden sind: Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, innere Unruhe und ein Schlafdefizit mit vorzeitiger Ermüdbarkeit. Die Belastung durch Nachtarbeit wird in Zusammenhang gebracht mit u.a. Magenschleimhautentzündung, Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüren und koronare Herzkrankheiten. Die Lebensweise des Schichtarbeiters steht im zeitlichen Widerspruch zu den Gewohnheiten der Gesellschaft. Die Teilnahme an gesellschaftlichen Leben, sportlichen Betätigungen, die Mitarbeit in gesellschaftlichen Gremien, die Möglichkeit der beruflichen Weiterbildung, Ausübung von Hobbys oder der Kontakt mit Freuden werden erschwert. Des Weiteren sind Schichtarbeiter besonders in der Nacht von Arbeitsunfällen betroffen. Die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitsunfalls ist drei mal höher als am Tag.[3]

Die Literaturübersicht berichtet, dass Müdigkeit und Erschöpfung, aufgrund von Nachtarbeit zu einer verlangsamte Reaktionszeit, also einem verlangsamten Denken sowie Handeln, zu falschem Handeln bzw. Antworten und zu verminderter Gedächtnisleistung führen kann. Erschöpfung und Leistungsabfall stehen in einem Zusammenhang. Es bleibt offen, ob Nachtarbeit sich per se negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirkt und die Pflegequalität beeinflusst.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) führt Nacht- und Schichtarbeit seit dem 5. Dezember 2007 in der offiziellen Liste wahrscheinlich krebserregender Agenzien („probably carcinogenic to humans“).[4]

Instrument zur Einschätzung Pflegequalität bei Nacht[Bearbeiten]

Ein ausreichend langer, ungestörter und somit erholsamer Schlaf ist für Krankenhauspatienten ebenso wichtig, wie die Sicherheit ihrer Gesundheit und ihres Lebens bei Nacht. Verschiedene Gründe sprechen dafür, die pflegerische Qualität einzuschätzen. Unter anderem die Zufriedenheit der Krankenpfleger/innen mit ihrer geleisteten Arbeit sowie die Zufriedenheit und Gesundheit der Patienten. Ein Instrument zur Einschätzung der Qualität in der Pflege bei Nacht ist das Night Nursing Care Instrument (NNCI). Es wurde im Herbst 1998 im Rahmen einer Studie in einem Krankenhaus im Süden Schwedens getestet. Die Pflege bei Nacht sollte aus Perspektive des Krankenpflegepersonals und der Patienten eingeschätzt und miteinander verglichen werden. Ein Ergebnis der Studie war, dass über 80% der Patienten mit der Qualität der ihnen zugekommenen Pflege zufrieden waren, hier insbesondere mit den geplanten und ungeplanten Verabreichungen von Schlaf- oder Schmerzmitteln. Des Weiteren stellte sich heraus, dass Pfleger ihre Arbeit zum Teil besser bewerteten als ihre Patienten. Beispielsweise waren von den 178 Pflegern 84% überzeugt, ihre Patienten über die geplanten Prozeduren in der Nacht ausreichend informiert zu haben. Im Gegensatz dazu fühlten sich nur 38% der 356 Patienten wohlinformiert. Zusammenfassend wurde festgestellt, dass Pfleger die Bedürfnisse ihrer Patienten erkennen müssen, um ihre Pflegequalität aus Perspektive der Patienten zu verbessern. Somit ist die Entwicklung neuer oder Weiterentwicklung bestehender Instrumente zur Einschätzung der Pflegequalität bei Nacht, sowie die Schulung des Pflegepersonals in der Anwendung der Instrumente notwendig. [3]


Pflegequalität während Nachtschichten[Bearbeiten]

In einer amerikanischen Studie wurde erforscht, ob es durch einen Kurzschlaf während der Nachtschicht zu einer Besserung der kognitiven und psychischen Arbeitsleistung, der Fahrtüchtigkeit und der subjektiven Gefühlslage kommt. Dazu wurden zwei gemischte Gruppen aus Medizinern und Krankenpfleger/innen gebildet. Beide Gruppen wurden über drei Tage und Nächte beobachtet. Sie unterzogen sich in dieser Zeit verschiedenen Tests. Eine der beiden Gruppen durfte während ihrer Nachtschicht eine 40-minütige Schlafpause einlegen. 19 der 21 Teilnehmer hatten einen leichten, oberflächlichen Schlaf, der im Durchschnitt 24 Minuten betrug. In dieser Gruppe kam es in den täglichen Reaktionstests zu schnelleren Reaktionen und weniger Verfehlungen, als in der Kontrollgruppe. Beide Gruppen zeigten eine eingeschränkte Fahrtüchtigkeit im Simulator. Sie verließen die Spur oder fuhren in den Gegenverkehr. 8% aller Fahrten wären tödlich geendet. Nach drei Nachtschichten veränderte sich das Bild. Die Teilnehmer der Gruppe, die während der Nachtschicht nicht schlafen durften, wurden ab diesem Zeitpunkt unaufmerksamer, sie schlossen die Augen öfter und länger. Vor und nach den Nachtschichten wurde eine Venenverweilkanüle in einem Simulator gelegt. Während die Gruppe ohne Schlaf vor der Nachtschicht schneller arbeitete, waren die Teilnehmer, die geschlafen hatten nach der Nachtschicht 20 Sekunden schneller. Aus den Selbsteinschätzungen war zu entnehmen, dass sich die Teilnehmer, die schlafen durften, subjektiv weniger erschöpft und schläfrig fühlten. In dem subjektive Gefühl von Verspannungen, Verwirrtheit, depressiver oder ärgerlicher Verstimmung war kein Unterschied in den beiden Gruppen erkennbar. In den Gedächtnistests gab es bis vier Uhr nachts keine Unterschiede, danach zeigte die Gruppe, die nicht geschlafen hatte, bessere Ergebnisse.[5]


Bei einer Untersuchung auf einer Neugeborenen Intensivstation wurde die Sterblichkeitsrate für Babys, die zwischen der 24. und 32. Woche geboren wurden, ermittelt. Für die Neugeborenen bestand ein 60% höheres Risiko zu sterben, wenn sie bei Nacht zur Welt kamen im Gegensatz zu jenen, die bei Tag geboren wurden. Die Wissenschaftler vermuten drei mögliche Gründe dafür:

1. Die Neugeborenen der Nacht waren möglicherweise kranker, als die am Tag geborenen.
2. Die zu Hilfe gerufenen Mediziner waren am Tag leichter greifbar als in der Nacht.
3. Das medizinische Personal war weniger belastbar durch die Anstrengung der Nachtschicht.[6]

Zusammenfassend kann festgestellt werden: Während einer Nachtschicht, aber besonders bei mehreren aufeinanderfolgenden Nachtschichten, ist mit dem Abfall der Leistungsbereitschaft, der Produktivität, der Konzentration, der Aufmerksamkeit und auch des Befindens zu rechnen. Weil Krankenpfleger/innen gegen den biologischen Rhythmus arbeiten, ist das Risiko die Patientensicherheit zu gefährden erhöht

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur:[Bearbeiten]

[1] Bundesministerium für Justiz: http://bundesrecht.juris.de/arbzg/__2.html, Zugriff am 11.11.07.

[2] Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. (DGAUM): http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/arbeitsmedizin1.htm, Zugriff am 10.11.07.

[3] Oléni M, Johansson P, Fridlund B. (2004): Nursing care at night: an evaluation using the Night Nursing Care Instrument. J Adv Nurs. 2004 Jul;47(1):25-32.

Zitate, Quellenangaben dazu[Bearbeiten]

  1. Muecke S (2005): Effects of rotating night shifts: literature review. J Adv Nurs. 2005 May;50(4):433-9.
  2. Muecke S (2005): Effects of rotating night shifts: literature review. J Adv Nurs. 2005 May;50(4):433-9.
  3. Muecke S (2005): Effects of rotating night shifts: literature review. J Adv Nurs. 2005 May;50(4):433-9.
  4. *International Agency for Research on Cancer (Ed.): IARC Monographs Programme finds cancer hazards associated with shiftwork, painting and firefighting. In: IARC Press Release 180(2007-12-05).(engl.)
    *Nachtarbeit als krebsfördernd eingestuft. Spiegelartikel vom 30. November 2007
  5. Smith-Coggins R et al. (2006): Improving alertness and performance in emergency department physicians and nurses: the use of planned naps. Ann Emerg Med. 2006 Nov;48(5):596-604, 604.e1-3.
  6. Lee SK et al. (2003): Higher mortality rates among inborn infants admitted to neonatal intensive care units at night. J Pediatr. 2003 Nov;143.

Weblinks[Bearbeiten]