Nähe

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Nähe und Distanz sind grundlegende Begriffe bei der Kommunikation in der Pflege. Wer das Leiden anderer sieht, kann davon sehr ergriffen werden-[1]

Räumliche Nähe bzw. Distanz-Zonen[Bearbeiten]

Zunächst wird oft unterschieden zwischen der tatsächlichen Entfernung von zwei Personen, die von beiden Seiten akzeptiert wird / werden darf.

Öffentlicher Raum, privater Raum, Armeslänge, Intimbereich - es gelten jeweils gesellschaftliche Normen des Erlaubten bzw. des Tabus. Pflegekräfte überschreiten diese Grenzen. Es sind quasi "Einbrüche" in ihre Sphären.


Mit der Unterscheidung ist gemeint . . .

  • Intimer Raum(näher als 50 cm wichtig für Selbstbestimmung – sonst Gefühl der Schutzlosigkeit)
  • Persönlicher Raum (ca. 1 m Umkreis – Eine Annäherung sollte das Einverständnis der betreffenden Person voraussetzen – Sicherheitsgefühl kann verletzt werden / Geborgenheit)
  • Sozialer Raum (ein wechselseitiges Beeinflussen der Handlungen ist möglich aber die Kontakte sind formell, durch Konventionen geprägt)
  • Öffentlicher Raum (etwa Gehen entlang einer Straße, Anwesenheit auf einem Sportplatz, im Theater; aber auch Beobachtetwerden durch Fernsehkameras).


Für die Formen der Wahrnehmung durch Sinnesorgane gibt es Entsprechungen zu diesen Entfernungsbegriffen: Hautkontakt – Greifweite – ein Steinwurf entfernt, Geruch, Blick-Kontakt – Gesichtsfeld, Hörweite, Kontaktlosigkeit. Die entsprechenden Signale (Auslöser von Wahrnehmung) heißen: Berührung, Ausdünstung/Parfum, Makeup/Kleidung, Lautstärke

Emotionale Nähe bzw. Distanz[Bearbeiten]

Damit wird Sympathie und Antipathie, die sich oft bereits aus dem ersten Eindruck herleiten, benannt. Gradmesser dafür ist / kann sein die Bereitschaft zu instrumenteller Unterstützung.

Soziale Nähe bzw. Distanz[Bearbeiten]

Zugehörigkeit zur gleichen oder anderen gesellschaftlichen Untergruppe. Beispielsweise als Bauer, Adelsangehöriger im Mittelalter, Bankadel usw.

Theorien[Bearbeiten]

Zu beachten Arbeiten von Claudia Bischoff und Hilde Steppe.

Silvia Käppeli sieht einen Wandel in der Motivation zur Pflege, der einer Entfernung in der Motivation darstellen soll: vom Beweggrund der christlichen Liebe hin zu einem seit etwa 1960 verbreiteten säkularisierten humanistischen Ethos ohne Glaubensbindung.

Siehe auch:[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sabrina Duppel: Nähe und Distanz als gesellschaftliche Grundlegung in der ambulanten Pflege. Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover. 2005. 99 Seiten. ISBN 3-89993-143-2 (Eine Diplomarbeit. socialnet-Rezension von Klaus R. Schroeter)
  • Svenja Sachweh: Noch ein Löffelchen?. Effektive Kommunikation in der Altenpflege. Huber Verlag, 2005 - 285 Seiten - ISBN 3-456-83588-4 (Babysprache als untauglicher Versuch, Nähe zu gewinnen)

Quellen[Bearbeiten]

  1. Thiemes Pflege 11. Auflage, Seite 591, Abschnitt 19.3.3