Mundpflege

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Mundpflegetablett

Mundpflege ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Pflege, da der Mundraum den Eingangsbereich unseres Verdauungssystems darstellt. Wenn der Mund und die Schleimhäute nicht gepflegt sind, fühlt man sich nicht wohl. Mundpflege beugt Krankheiten vor und kann üblen Mundgeruch verhindern.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Indikation

Die Mundpflege sollte mindestens 3 mal täglich durchgeführt werden, besonders bei Menschen die oral nichts zu sich nehmen dürfen. Die Mundpflege wird übernommen wenn

  • der Bewohner / Patient nicht in der Lage ist die Spüllösung auszuspucken (Aspirationsgefahr)
  • Erkrankungen der Mundhöhle vorliegen, die einer speziellen Pflege bedürfen.
  • das Bewusstsein des Bewohners getrübt ist.
  • der Bewohner / Patient körperlich oder geistig stark eingeschränkt ist.
  • der Bewohner / Patient schwer krank oder pflegebedürftig ist oder im Sterben liegt.

[Bearbeiten] Grundsätze der Mundpflege

Grundsätzlich gilt:

  • Der Zustand der Mundhöhle muss vor und nach der Maßnahme überprüft werden.
  • Die Mundpflege ist behutsam durchzuführen, vor allem am harten Gaumen, um keinen Brechreiz zu provozieren.
  • Natürliche Lösungen, sind medizinischen Lösungen vorzuziehen ( geringere Nebenwirkungen, schmecken besser). Kamillentee ist für die Mundpflege nur bedingt geeignet. Wenn Kamillentee länger als 3 Minuten zieht, bildet er Gerbsäure und diese kann die Mundschleimhäute angreifen.
  • Nur die benötigte Lösungsmenge eingießen. Verschließbare Döschen sind aus hygienischen Gründen vorzuziehen und diese mit dem Namen der Lösung und den Datum des Einfüllens zu versehen.
  • Die Mundpflege mit Parotitisprophylaxe kombinieren.
  • Trotz Mundpflege mit Tupfer und Klemme müssen die Zähne gebürstet werden. Zahncreme wird mit dem Tupfer entfernt.

[Bearbeiten] Durchführung

[Bearbeiten] Vorbereitung

Patienten über die Maßnahme informieren, wenn möglich den Oberkörper hoch lagern und den Kopf leicht nach vorn neigen, um Aspiration zu vermeiden. Kleidung durch ein Handtuch schützen.

[Bearbeiten] Material

  • Die Mundpflege sollte mit Malventee (bei Bedarf auch mit anderem Tee oder Mineralwasser) durchgeführt werden.
  • Honig ist bei Patienten oft beliebt, da er gut schmeckt,außerdem hat er aber auch den Vorteil (?), dass er minimal entzündungshemmend wirkt.Dies wird jedoch aufgehoben durch den karieserzeugenden Effekt, Honig sollte NICHT verwendet werden!!
  • Grundsätzlich sollte man bei der Mundpflege auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten des Patienten Rücksicht nehmen. Verweigert ein Patient ständig die Mundpflege, ist es manchmal hilfreich die früheren Gewohnheiten des Patienten zu kennen. War er z.B ein starker Kaffeetrinker, kann die Mundpflege durchaus auch mit dünnem Kaffee durchgeführt werden.
    • Fettstifte wie z.B. Labello sind ungeeignet, da sie die Lippen nur noch mehr austrocknen.
  • Zur Verbesserung des Geschmacks kann man auch ein Stück Banane in eine Kompresse einwickeln und diese dann etwas Befeuchten und dem Patienten in den Mund geben. Der Patient kann nun auf die Banane beißen und hat den Geschmack im Mund. VORSICHT: Die Kompresse muss von außen festgehalten werden, dass der Patient dies nicht schlucken kann!!
  • Holzspatel
  • Kompresse
  • Taschenlampe und Spatel
  • Schutzhandschuhe
  • Mundpflegeset
  • Lösung entsprechend des Zustandes der Mundhöhle
  • Ggf. angeordnete Therapeutika,
  • Salbe zur Lippenpflege
  • Abwurf

[Bearbeiten] Procedere

  • Handschuhe anziehen
  • Mundhöhle inspizieren, Zustand der Mundschleimhaut, der Zunge, der Zähne und der Lippen.
  • Zuerst die Zähne putzen.
  • Systematische Reinigung
  • Die Peanklemme muss rundum vom Tupfer umgeben sein (Verletzungsgefahr). Bei Patienten mit Lysetherapie keine Klemmen o.ä. benutzen: Blutungsgefahr!
  • Der Tupfer wird in die Lösung getaucht (nicht tropfend).
  • Die Mundhöhle systematisch erst oben, dann unten, oder erst rechts, dann links gereinigt.
  • Wischrichtung von hinten nach vorn.
  • Bei jedem Wischen einen neuen Tupfer verwenden.
  • Zum Schluss verordnetes Therapeutikum auftragen.
  • Abschließende Inspektion
    • Bestehen noch Beläge und wie sieht die Haut darunter aus?
    • Sind noch Speisereste vorhanden?
    • Ist das Therapeutikum an die gewünschten Stellen gekommen?
    • Kam es zu Blutungen?

[Bearbeiten] Mundpflege in der Intensivpflege

Im Bereich der Intensivmedizin/ Intensivpflege bekommt die Mundpflege einen besonderen Stellenwert. Gerade bei oral intubierten Patienten hat sie die Funktion der Infektprophylaxe, da diese Patienten aufgrund von Sedierung und medikamentöser Therapie zum einen zu einer verminderten Speichelproduktion neigen und die physiologischen Selbstreinungsprozesse (z.B.der Abrieb von Zellen durch Kauen) nicht stattfinden kann. So kann sich schon nach wenigen Stunden beim oral intubierten Patient ein borkiger Belag auf der Zunge bilden, der als Ansammlung von Zellen einen guten Nährboden für pathogene Prozesse bilden kann.

[Bearbeiten] Pflege der Zahnprothese

  • Die Prothese wird nur zur Reinigung entfernt.
  • Sorgfältiger Umgang mit der Prothese (zerbrechlich, teuer)
  • Die Zahnprothese nach jeder Mahlzeit reinigen.
  • Speisereste entfernen.
  • Wenn möglich sollte der Bewohner selber die Zahnprothese rausnehmen, reinigen und wieder einsetzen.
  • Am Waschbecken eine geeignete Haltung einnehmen, die dem Bewohner das entfernen der Prothese erleichtert. Unterstützung beim Vorlehnen des Oberkörpers.
  • Im Bett Oberkörperhochlagerung.
  • Vor dem Wiedereinsetzen der Prothese den Mund spülen und ggf. die Kieferbögen mit einer weichen Zahnbürste abbürsten (Speisereste und Haftcreme werden dadurch entfernt).


[Bearbeiten] Vollständige Übernahme

  • Entfernen und Reinigen der Zahnprothese
  • Der Daumen schiebt die Oberlippe etwas nach oben, um die Kante der Prothese greifen zu können.
  • Entfernen der Prothese. Der Zeigefinger dient als Widerlager und verhindert ein Herunterfallen der Prothese.
  • Reinigung der Prothese über dem stehenden Wasserspiegel.
  • Einsetzen der Oberkieferprothese, die linke Hand zieht den Unterkiefer sanft nach unten.
  • Bei einem kleinen Mund sollte erst eine Seite der Prothese in den Mund geschoben und der Mundwinkel leicht damit gedehnt werden, dann die andere Seite in den Mund Schieben
  • Leicht seitliches Einführen erleichtert die Platzierung der Unterkieferprothese.

[Bearbeiten] Spezielle Pflegemaßnahmen

  • Aphten sind schmerzhaft gerötete Hautdefekte der Mundschleimhaut. Nach Absprache mit dem Arzt sollte ein Schmerzmittel angewendet werden und die Mundpflege intensiv aber einfühlsam durchgeführt werden.
  • Soor ist ein weißer Belag im Mundraum, der sich nicht wegwischen läßt. Nach Absprache mit dem Arzt wird für diese Pilzinfektion (Candida albicans)(Hefepilz) ein Anti-Mykotikum angewendet.
  • Rhagaden sind aufgerissene Spalten der Mundwinkel, die am besten mit Bepanthen zu behandeln sind.
  • Herpes sind schmerzhafte Bläschen auf den Lippen, die als Virusinfektion nach Absprache mit dem Arzt mit Virusstatika behandelt werden sollten.
Vorsicht: Infektionsgefahr.

[Bearbeiten] Ziele der Mundpflege

  • Feuchte, saubere Schleimhaut
  • Belagfreie Zähne
  • Aufrechterhaltung der physiologischen Mundflora
  • Reduktion der bakteriellen Aktivitäten
  • Förderung des Wohlbefindens
  • Verbesserung des Geschmacks im Mund

[Bearbeiten] siehe auch

Persönliche Werkzeuge