Mobilisation

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Der Begriff Mobilisation oder Mobilisierung (lateinisch mobilis = beweglich, movere = bewegen) bezeichnet in Pflege und Physiotherapie Maßnahmen zur Bewegungsförderung und passive Bewegungsübungen. Mit mobilisierenden Maßnahmen wird die Bewegungsfähigkeit (Mobilität) eines Patienten oder eines seiner Körperteile (zum Beispiel das Kniegelenk) aktviert. Besonders immobile oder bettlägerige Patienten sollen durch Mobilisation ihre Selbstständigkeit weitgehend erhalten oder wiedergewinnen. Darüberhinaus wirkt sich Bewegung und Mobilität positiv auf mehrere Bereiche des täglichen Lebens aus und dient der Prävention verschiedener Pflegeprobleme; beispielsweise lassen sich durch zügige Mobilisation (Frühmobilisation) nach einer Operation die Risiken für verschiedene Komplikationen verringern.

Bestimmung der vorhandenen Mobilität[Bearbeiten]

Art und Umfang von Mobilisationsmaßnahmen richten sich nach den beobachtbaren Bewegungsfähigkeiten (beispielsweise Gleichgewichtsfähigkeit, Gangsicherheit oder -störungen, Muskeltonus, Schonhaltung, Kontrakturen) und Ressourcen des Patienten, aber auch nach dessen Alter, Konstitution, Sturzneigung, Schmerzen und Erkrankung(en) sowie behandlungsbedingten Einschränkungen. Die Motivation und die psychische Grundstimmung spielen eine nicht unwesentliche Rolle, denn ein organisch gesunder Mensch kann beispielsweise durch eine schwere Depression in seiner Mobilität stark beeinträchtigt sein.

Bewegungsmangel[Bearbeiten]

Bewegungsmangel tritt vor allem postoperativ, bei starken Schmerzen in Muskulatur, Knochen oder Gelenken, bei Schwäche, Wahrnehmungs-/Bewusstseinsstörungen oder im hohen Alter auf. Die Folgen sind vielfältig und können sehr kostenintensiv werden, zum Beispiel Dekubitus, Pneumonie, Thrombose. Auch Pflegeprobleme wie beispielsweise Obstipation und Schlafstörungen werden durch Mangel an Bewegung verstärkt.

Prinzipien der Mobilisation[Bearbeiten]

  • Mobilisationsmaßnahmen werden in den Tagesablauf und in verschiedene andere Pflegehandlungen integriert.
  • Der Patient wird vorher über Sinn und Zweck der Maßnahmen informiert.
  • Vor Mobilisationen wie einem Transfer oder Gehübungen wird für eine sichere Umgebung gesorgt (zum Beispiel Stolperfallen wie Kabel oder Rollstuhlfußrasten entfernen, Anti-Rutschmatte bereitlegen).
  • Einzelne Schritte der Mobilisation beziehungsweise Anleitungen werden rechtzeitig und klar formuliert, damit sich der Patient darauf einstellen und seine eigenen Kräfte gezielt einsetzen kann.
  • Rückenschonend und möglichst nach kinästhetischer Methodik arbeiten.
  • Die Art der Mobilisation sollte möglichst detailliert dokumentiert werden, damit übernehmende Pflegende die Abfolge nachvollziehen können und den Patienten nicht durch Anwendung einer völlig anderen Methode verunsichern.

Maßnahmen im Krankenhaus[Bearbeiten]

Je nach vorhandenen Fähigkeiten wird zuerst die Beweglichkeit einzelner Gelenkgruppen erhöht und Muskelaufbau betrieben (durch passives Durchbewegen und/oder aktive Bewegungsübungen wie isometrische Übungen und Expander). Danach wird häufig zuerst auf die Bettkante oder in den Sessel mobilisiert. Hierdurch soll der Kreislauf nach längerer Bettlägerigkeit an die neue Situation gewöhnt werden. Erste Gehversuche erfolgen in Begleitung und evtl. unter Zuhilfenahme von Gehstützen, eines Handstocks, eines Gehwagens oder eines Delta-Gehrades. Die Mobilisation erfolgt häufig in Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten. Übungen im Bewegungsbad sind ebenfalls sinnvoll.

Rehabilitationskliniken unterhalten im Patientengarten oftmals einen speziellen Übungsparcours mit verschiedenen Gehwegsoberflächen, um Patienten an den Alltag zu gewöhnen. Fortgeschrittene Patienten üben in Begleitung das Treppensteigen. Bei betagten Patienten sind die Ressourcen zu beachten. Es macht z.B. wenig Sinn, einem alten Menschen, der im häuslichen Umfeld keine Treppen vorfindet und auch seit Jahren keine Stufen mehr gestiegen ist, nach einer Krankheit in diese Richtung mobilisieren zu wollen.

Mobilisierung in der Intensivpflege[Bearbeiten]

In der Intensivpflege gelten für die Mobilisation Schwerkranker besondere Kriterien, die streng eingehalten werden müssen, um den Patienten nicht zu gefährden.[1] Je nachdem, wie stabil der Zustand des Patienten ist, müssen bestimmte Maßnahmen ganz unterbleiben, sind nur eingeschränkt durchzuführen oder müssen bei negativen Auswirkungen sofort abgebrochen werden.

Bewegungsfördernde Maßnahmen im Pflegeheim[Bearbeiten]

Für die stationäre Langzeitpflege Hochaltriger wurden inzwischen über 200 Konzepte zur Bewegungsförderung entwickelt, von denen die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) aber nur 19 als praxisrelevant eingestuft hat.[2] Die ausgewählten Bewegungsförderungsprogramme sind auf der entsprechenden Datenbank des ZQP beschrieben und können dort eingesehen werden.

Pflegeplanung[Bearbeiten]

Gerade anfangs sollten die Ziele realitätsnah formuliert werden, um den Patienten nicht zu entmutigen. Beispiele
Nahziel: "Hr. X kann ca. 1 Minute lang frei stehen."
Fernziel: "... kann aus dem Liegen oder Sitzen aufstehen und kurze Wege mit Rollator bewältigen (z. B. zur Toilette und zurück)".

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Heuwinkel-Otter, A. Nümann-Dulke, N. Matscheko (Hrsg.): Menschen pflegen. Der Praxisbegleiter für Pflegeprofis; basierend auf Pflegediagnosen. Springer Verlag, Berlin 2009; S. 393-408 ISBN 978-3-540-79320-5
  • W. Steigele: Bewegung, Mobilisation und Lagerungen in der Pflege. Praxistipps für Bewegungsübungen und Positionswechsel. SpringerWienNewYork, Wien 2012 ISBN 978-3-7091-0745-4

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Toleranzkriterien zur Frühmobilisierung kritisch Kranker auf www.fruehmobilisierung.de; abgerufen am 30. Januar 2014
  2. Abschlussbericht Gesundheitsförderung und Prävention durch bewegungsfördernde Interventionen in der stationären Langzeitversorgung. ZQP, Berlin 2013, S. 3; abgerufen am 26. März 2014