Methoden und Modelle zur Begleitung von Menschen mit Demenz

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Die Betreuung von Menschen mit Demenz fällt pflegenden Angehörigen und professionell Pflegenden oft sehr schwer. Die Betreuenden sind rund um die Uhr gefordert. Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Umgangskonzepte entwickelt, die Anregungen für die betreuenden Personen enthalten. Manche Konzepte eignen sich eher für den häuslichen beziehungsweise familiären Bereich, manche wurden explizit für den stationären Pflegebereich entwickelt.

In der "Grundsatzstellungnahme zur Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen" des MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen e.V.) von 2009 werden im 8. Kapitel 19 methodische und konzeptionelle Ansätze in der Pflege und Betreuung benannt, die in der Praxis zur Anwendung kommen und zur Sicherstellung einer bedürfnis- und bedarfsorientierten Pflege demenziell erkrankter Menschen beitragen (siehe Literatur).

Realitäts-Orientierungs-Training[Bearbeiten]

Als erstes Konzept wurde 1966 das Realitäts-Orientierungs-Training (ROT) entwickelt. Es appelliert an die noch vorhandenen Fähigkeiten und versucht, die Orientierung und Alltagskompetenzen der Erkrankten möglichst lange zu erhalten, überfordert aber mit seinem korrigierenden Ansatz insbesondere diejenigen mit fortgeschrittener Demenz.

Validation[Bearbeiten]

Das momentan bekannteste Konzept zum Umgang mit Menschen mit Demenz ist die Validation nach Naomi Feil und die daraus entwickelte Integrative Validation nach Nicole Richard. Diese Methoden beruhen auf Erkennen und "Wert-schätzen" der Gefühle des betroffenen Menschen.

Psychobiografisches Pflegemodell[Bearbeiten]

Stark an der Persönlichkeit und der Vergangenheit jedes einzelnen Betroffenen orientiert sich auch das psychobiografische Pflegemodell nach Erwin Böhm.

Mäeutische Pflege- und Betreuungsmodell[Bearbeiten]

Die umfassendste und aktuellste Pflegetheorie bei dementiellen Erkrankungsbildern, beruhend auf dem Konzept der Mäeutik in der Pflege und der integrierten Erlebensorientierten Pflege von Dr. Cora van der Kooij.

Dementia Care Mapping[Bearbeiten]

Das Dementia Care Mapping (DCM) beruht auf dem in England an der Universität Bradford von Tom Kitwood und der Bradford Dementia Group entwickelten Personenzentrierten Ansatz (auch Personenzentrierten Pflege" oder "Positiven Personenarbeit" nach Tom Kitwood). Das DCM stellt dabei eigentlich nur das Instrument zur Evaluation der Personenzentrierten Pflege (person-centred care - PCC) dar. Die Positive Personenarbeit am dementen Menschen ist einer der wichtigsten Bausteine im PCC-Konzept.

Selbsterhaltungstherapie[Bearbeiten]

Romero & Eder entwickelten 1992 die Selbst-Erhaltungs-Therapie (SET), die gezielt an der Aufrechterhaltung der personalen Identität (Selbst-Wissen) bei Demenzkranken arbeitet, um ihn so seine noch vorhandenen Ressourcen voll ausschöpfen zu lassen. Die SET beruht auf dem systematischen und sich wiederholendem Üben von biografischem und anderem selbstbezogenen Wissen.[1]

Milieutherapie[Bearbeiten]

Milieutherapie ist ein Begriff aus der Psychiatrie und Sozialpsychologie, der auf den Psychiater und Psychoanalytiker Wilfred Bion zurück geht. Sie ist ein gemeinsamer therapeutischer Prozess im Rahmen einer temporären Lebensgemeinschaft. Milieutherapie gestaltet die Institution als eine sogenannte "künstliche" Familie und nutzt diese auch therapeutisch. Je nach Patient wird das Milieu eher strukturierend, ausgleichend, animierend, reflektierend oder betreuend gestaltet. Eine typische Organisationsform in einer Suchtklinik ist: ein Sozialarbeiter als Leiter des Teams, zwei weitere Sozialarbeiter, ein Psychologe, ein Arzt, ein Lehrer, ein Koch und ein für das Haus Verantwortlicher. Gemeinsam mit den Bewohnern bilden sie einen Rahmen mit schützenden Grenzen: Hausregeln der Gruppen, ein strukturierter Tages- und Wochenablauf, die Teilnahme an bestimmten Gruppenaktivitäten und die Übernahme von häuslichen Diensten. Betreuer und Bewohner sind gleichermaßen eingebunden.

Therapeutisches Milieu[Bearbeiten]

Das Therapeutische Milieu wurde von Fritz Redl im klinisch-psychiatrischen Bereich entwickelt und 1953 auf der Kinderstation im psychiatrischen Krankenhaus Bethesda umgesetzt. Grundlage war Redels pädagogisch-therapeutisches Konzept, das er 1946 im "Pioneer House", einem kleinen Erziehungsheim in einem Elendsviertel von Detroit, einführte.

Basale Stimulation und Musiktherapie[Bearbeiten]

Besonders bei weiter fortgeschrittener Erkrankung bieten sich die Basale Stimulation und Musiktherapie an, die auch den bereits oft bettlägerigen und / oder kaum noch an der Außenwelt interessierten Menschen erreichen können. Snoezeln galt früher auch als Umgangskonzept, doch hat sich erwiesen, dass dementiell beeinträchtigte Menschen sich im Allgemeinen nicht mehr auf diese Methode einlassen können und sie ablehnen.

Der therapeutische Tischbesuch (TTB)[Bearbeiten]

Der therapeutische Tischbesuch (TTB) ist eine Methode zur wertschätzenden Kurzzeitaktivierung von Hochbetagten und Menschen mit Demenz, die 1990 von Bernd Kiefer entwickelt und in den letzten Jahren zusammen mit Bettina Rudert ständig weiterentwickelt wurde. Unter TTB wird das systematische und zeitlich kurz begrenzte Aufsuchen der pflegebedürftigen Menschen an ihrem Sitzplatz unter Einbeziehung kommunikationsanregender Medien verstanden. Obwohl sich die therapeutische Zuwendung des TTB teilweise nur auf ein bis zwei Minuten beschränkt, führt sie zu einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität und Kommunikationsfähigkeit, bei einer gleichzeitigen Minderung von Unruhe und Regression.

Zehn-Minuten-Aktivierung[Bearbeiten]

Die Methode der Zehn-Minuten-Aktivierung wurde Anfang der 90er Jahre von Ute Schmidt-Hackenberg entwickelt. Die "zehn Minuten" stellen ein Zeitmaß dar, das den begrenzten Konzentrationsspielraum von Menschen mit Demenz berücksichtigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Corry Bosch: Vertrautheit - Studie zur Lebenswelt dementierender alter Menschen. 1996, Ullstein Medical, ISBN 3-86126-646-6
  • Ingrid Berghoff: Förderpflege mit Dementen. Das Selbst-Erhaltungs-Therapie-Konzept (SET). 1999, ISBN 3-86126-668-7
  • Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen e.V. (Hrsg.): Grundsatzstellungnahme. Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen. MDS, Essen 2009, erhältlich unter www.kiefer-rudert-mind.de und über die Homepage des MDS

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Selbsterhaltungstherapie.doc / Soziotherapie, Seite 1, abgerufen am 25. April 2013