MRSA-Sanierung

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Bei der MRSA-Sanierung (MRSA = methicillinresistenter Staphylokokkus aureus, Sanierung vom lateinischen sanus = wohlauf, gesund, heil) handelt es sich um Maßnahmen, die notwendig sind, um MRSA oder ORSA genannte Bakterien zu eliminieren. Diese Erreger sind unter chronisch Erkrankten sehr verbreitet und verantwortlich für bestimmte nosokomiale Infektionen.

Die Methode zur Eliminierung (Ausschaltung) dieser Bakterien, die mit bisher üblichen Maßnahmen nicht zu bekämpfen sind, muss sorgfältig durchgeführt werden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Inzwischen sind mutierte Formen von MRSA-Erregern (so genannte cMRSA-Erreger) bekannt, die nicht mehr nur noch in Krankenhäusern, Pflegeheimen u.a. vorkommen, sondern gerade auch in Schulen, Schwimmbädern, Turnhallen, Diskotheken usw. Das heißt, ein erfolgreiches Screening in einem Krankenhaus o. Ä. muss künftig auch jüngere Zielgruppen berücksichtigen.

Vorbemerkungen[Bearbeiten]

In Krankenhäusern wird die Sanierung eines Patienten, bei dem ein MRSA (auch: MRE, ORSA) nachgewiesen wurde, durch die zuständige Hygienefachkraft in die Wege geleitet. Dies stellt eine Dienstanweisung dar und es kann arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, wird diese Dienstanweisung nicht befolgt. Die folgenden Sanierungshinweise können sich von Einrichtung zu Einrichtung unterscheiden, im Zweifelsfall gilt der interne Hygieneplan.

Isolation[Bearbeiten]

Zur Verhinderung der Keimverbreitung in einem sensiblen Bereich, wie z. B. einem Krankenhaus, ist es nötig, den betreffenden Patienten von Nicht-Keimträgern zu isolieren, wenn das Bakterium in den Atemwegen und/oder auf der Haut nachgewiesen wurde. Befindet sich der Erreger in einer Wunde, so ist eine Isolierung nicht notwendig, wenn der Verband die Wunde gut abdeckt und die hygienischen Grundregeln beim Verbandwechsel eingehalten werden.

Grundsätze der Sanierung[Bearbeiten]

Es gilt, die Keimanzahl des betreffenden Keimes so stark zu verringern, dass sie als unbedenklich gilt. Des Weiteren ist eine Rekontaminierung des Patienten zu vermeiden. Dies setzt streng festgelegte Arbeitsabläufe voraus.

Geeignete Desinfektionsmittel bzw. Präparate[Bearbeiten]

Im Handel sind diverse Mittel zur MRSA-Sanierung erhältlich. Einige Firmen bieten auch "Kits" (Prontoderm MRSA Kit) für die Sanierung im häuslichen Bereich an, in denen alle nötigen Substanzen/Präparate sowie eine (mehr oder weniger) ausführliche Benutzungsanleitung in einer Box zusammengefasst sind.

Die Sanierungsmittel umfassen folgende Bereiche:

  • Sanierungsprodukte (z. B. Prontoderm, ProntOral)
  • Desinfizierende Seifen (z. B. Octenisan®, Bedbath antibacterial®)
  • Schleimhautdesinfektionsmittel (z. B. Octenisept®, Octenidol®)
  • Flächendesinfektionsmittel (z. B. UltrasolF 0,5%®, Isopropanol 70%)
  • lokal anzuwendende Antibiotika (z. B. Mupirocin-Nasensalbe, Handelsname: Turixin®).

Bei allen Mitteln ist die vom Hersteller vorgegebene Einwirkzeit unbedingt zu beachten!

Allgemeine Vorbereitungen[Bearbeiten]

Neben der Einhaltung der Isolierungsvorgaben ist es zu Beginn einer Sanierung unabdinglich, das Patientenzimmer entsprechend vorzubereiten. Das bedeutet, dass alle Pflegeutensilien (Inkontinenzhosen, Verbandmaterial, Bettwäsche ...) nicht mehr im Zimmer gelagert werden dürfen. Idealerweise stellt man einen Pflegewagen oder Ähnliches mit den regelmäßig verwendeten Artikeln vor die Zimmertür. Des Weiteren wird die Schmutzwäsche des Patienten in einen verschließbaren Plastikbeutel gegeben.

Vorbereitung der Pflegekraft[Bearbeiten]

Die sanierende Pflegekraft muss sich zu Beginn der Sanierungsmaßnahme über die Möglichkeiten einer Rekontaminierung bewusst sein und diese "Fehlerquellen" von vornherein ausschließen.

Vor Betreten des Patientenzimmers sind folgende Maßnahmen nötig:

Vor Beginn der Sanierung am Patienten müssen unbedingt die geforderten Abstriche durchgeführt werden, um einen Erfolg der Sanierungsmaßnahmen des Vortages zu überprüfen. Überschuhe sind nicht notwendig, diese können durch einen "Luftpumpeneffekt" eher nachteilig sein!

Anleiten des Patienten zur Selbstwäsche[Bearbeiten]

Man klärt den Patienten darüber auf, was eine Rekontamination (über den Keim an sich wurde der Patient hoffentlich schon aufgeklärt!) ist und wie er sie verhindern kann. Dies schließt den Umgang mit den Sanierungspräparaten und der eigenen Schmutzwäsche ein. Am praktikabelsten ist es, wenn der Patient selbständig duschen kann. Der Ablauf kann folgendermaßen aussehen: Der Patient duscht seinen Körper zunächst mit Wasser ab und stellt dann das Wasser ab. Das Desinfektionsmittel wird auf die Haare gegeben und einmassiert, dann wird die Ganzkörperwäsche durchgeführt. Das Desinfektionsmittel wird mit einem neuen, feuchten Waschlappen in folgender Reihenfolge aufgetragen: Stirn, Gesicht, Ohren, Hals, Oberkörper, obere Extremitäten, Achselhöhlen, Rücken und Anal-/Genitalbereich. Danach erfolgt ein Waschlappenwechsel und es folgen die Leisten und die unteren Extremitäten. Zur Reinigung der Fingernägel wird das Desinfektionsmittel auf eine Nagelbürste gegeben. Der Patient duscht sich nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit gründlich ab, das Abtrocknen erfolgt mit frischen Handtüchern. Zum Haarekämmen wird im Idealfall ein Einwegkamm verwendet. Das Föhnen der Haare stellt keine Gefahr dar. Nach dem Duschen zieht der Patient frische Wäsche an und die "alte" wird in einen verschließbaren Plastikbeutel gegeben.

Ganzkörperwäsche im Bett[Bearbeiten]

Abgesehen von den üblichen hygienischen Maßnahmen gelten hier einige zusätzliche Hinweise, die eine Rekontamination verhindern sollen. Die Pflegekraft macht sich genaue Gedanken über die Durchführung einer Ganzkörperwäsche im Bett, da hier noch der Wechsel der Bettwäsche hinzukommt und eine "Fehlerquelle" darstellt. Die Reihenfolge der Waschung erfolgt genauso wie oben erwähnt. Der Bettwäschewechsel wird während der Ganzkörperwäsche durchgeführt; hier ist peinlichst genau darauf zu achten, dass bei der Lagerung des Patienten auf die Seiten nur die gewaschene Körperseite auf die frische Bettwäsche kommt, bzw. nur die ungewaschene Körperseite auf die "alte" Bettwäsche. Der Bettwäschewechsel wird also "in Hälften" durchgeführt. Ist die alte Bettwäsche abgezogen, findet jeweils eine Wischdesinfektion der Matratze statt. Die Pflegekraft wechselt hiernach die Handschuhe und bezieht die desinfizierte Hälfte des Bettes neu. Nun wird der Patient auf seine andere Körperhälfte gelagert und die andere Hälfte des Bettes wird bezogen (und natürlich vorher desinfiziert!). Nach der Beendigung der Ganzkörperwäsche erhält der Patient wiederum frische Wäsche und die alte wird in einen verschließbaren Plastikbeutel gegeben.

Mundpflege[Bearbeiten]

Die Prothese wird mit einer Einwegzahnbürste gereinigt und dann in ein Schleimhautdesinfektionsmittel eingelegt. Dann wird eine Mundspülung mit einer desinfizierenden Spüllösung durchgeführt (je nach Hygieneplan 2 bis 3x täglich) oder Mundpflege mit getränkten Tupfern. Nach Abschluss der Mundpflege müssen folgende Gegenstände desinfiziert werden:

  • Zahnputzbecher
  • Prothesendose
  • die Flasche mit der Desinfektionslösung.
  • Die Einmalzahnbürste wird nicht desinfiziert, sondern entsorgt.

Aufbereitung des Bettes[Bearbeiten]

Die Bettwäsche wird abgezogen und sofort entsorgt. Darauf achten, dass das abgezogene Kopfkissen und die Bettdecke nicht auf kontaminierten Flächen abgelegt werden. Das Bett wird nun wischdesinfiziert (Matratze und Gestell). Kopfkissen sowie Bettdecke können weiterverwendet werden und frisch bezogen werden, wenn diese nicht sichtbar verschmutzt sind. Die Matratze ist nach der Desinfektion dekontaminiert. Das frische Bettlaken aufziehen, ein neues Stecklaken, wenn nötig, einspannen.

Desinfektion von patientennahen Gegenständen[Bearbeiten]

Nach der Sanierung des Patienten und der Aufbereitung des Bettes müssen noch sämtliche patientennahe Gegenstände desinfiziert werden. Hierzu gehören: Hörgeräte, Brillen, Schmuck, Thermometer, Rasierapparat, Kopfhörer, Fön, TV-Fernbedienung, Gehhilfen, (Haus-)Schuhe, Wecker. Die komplette Aufbereitung des Nachtschrankes gehört ebenso dazu wie auch die Wischdesinfektion von Tisch, Stühlen (Sitzflächen und Griffe), Telefon, Triangel-Patientenaufrichter, Seitenschutzteilen, Handläufen, Griffen, Lichtschaltern und Klingel.

Ende der Sanierung[Bearbeiten]

Diese Maßnahmen führen im Normalfall dazu, dass der Patient nach ca. 3 bis 6 Tagen MRSA-negativ ist. Die Isolationsmaßnahmen werden jedoch erst aufgehoben, wenn dies auch gesichert ist. Hierzu werden frühestens am ersten Tag nach Ende der Sanierung Kontrollabstriche abgenommen. Folgende Abstriche werden benötigt: Nase, Rachen, Achseln, Stirn-Haar-Grenze. Es können auch noch (nach nachgewiesener Besiedlung) folgende Abstriche gefordert sein: Wunden, bestimmte Hautbereiche und/oder eine Urinkultur. Die letzte (also dritte) Serie kann auch in Absprache mit der Hygienefachkraft als PCR-Schnelltest laufen. Wenn drei negative Befunde der Abstriche vorliegen, darf die Isolationsmaßnahme aufgehoben werden.

Putzen hilft: Weniger MRSA durch Reinigungsprogramm[Bearbeiten]

"Die Bedeutung der Hygiene zur Infektionsprophylaxe kann kaum unterschätzt werden. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Brigham and Women's Hospital in Boston. In einer früheren Studie hatte die Gruppe um Susan Huang festgestellt, dass das Risiko einer Infektion mit methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) oder Vancomycin-resistenten Enterococci (VRE)-Infektion um 40 Prozent steigt, wenn zuvor ein Patient mit diesen Keimen im gleichen Zimmer gelegen hatte."[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert aus: [1] www.aerzteblatt.de vom 30. März 2011