Laxantienabusus

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Der Laxantienabusus bezeichnet die Abhängigkeit von Abführmitteln, den sogenannten Laxantien. Eine Stuhlentleerung ohne Laxantien ist häufig aufgrund von Gewöhnung nicht mehr möglich.

Definition[Bearbeiten]

Abführmittel machen zwar nicht süchtig im umgangssprachlichen Sinne, da sie nicht zentral wirksam sind, dennoch werden sie oft missbräuchlich verwandt und machen dadurch psychisch abhängig. Der Missbrauch wird häufig mit dem chronischen Gebrauch von Abführmitteln gleichgestellt, dies ist aber nicht gerechtfertigt. Ein Abführmittelmissbrauch (Laxantienabusus) liegt nur dann vor, wenn sie trotz fehlender Indikation z.B. einer Obstipation eingenommen werden bzw. wenn sie bei bestehender Indikation wissentlich in Überdosierung eingesetzt werden. Im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln kann der Missbrauch jedoch sehr leicht anhand der resultierenden Diarrhoe (Durchfall) und der ggf. verschobenen Elektrolytwerte festgestellt werden.

Bewusster und unbewusster Missbrauch[Bearbeiten]

Bewusster Abführmittelmissbrauch muss von einem eher unabsichtlichen Fehlgebrauch unterschieden werden. Ein Fehlgebrauch basiert häufig auf mangelndem Verständnis der normalen Darmfunktion und der individuellen Stuhlgewohnheiten. Menschen mit vermeintlicher Obstipation haben oft ein gestörtes Verhältnis zu ihren Ausscheidungsfunktionen. Sie zeichnen sich meist durch besondere Reinlichkeit und Ordnungsliebe aus, was im Extremfall bis zur Zwanghaftigkeit gehen kann. Emotionen wie z.B. Aggressionen können mitunter schlecht herausgelassen werden. Nicht nur beim Stuhlgang, sondern auch im täglichen Leben halten sie oft fest und können schlecht loslassen. Bei diesem Personenkreis ist Aufklärung hilfreich und notwendig.

Bei einem eigentlichen Missbrauch von Abführmitteln ist der primäre Zweck nicht Behebung einer meist gar nicht vorhandenen Obstipation. Er wird daher im Allgemeinen nicht von psychisch gesunden obstipierten Personen betrieben. Ein Missbrauch ist häufig bei jüngeren Frauen festzustellen, die das Abführmittel als Mittel zur Gewichtsabnahme ansehen. Der permanente Flüssigkeitsverlust führt jedoch zu einen Kaliummangel, der den Darm im Gegenzug immer träger werden lässt. Ein weiteres Schlucken von Abführmitteln ist quasi vorprogrammiert. Auch bei Personen mit psychischen Problemen und Essstörungen, die sich als Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa manifestieren, greifen häufig zu Abführmitteln, um eine vermeintliche Gewichtsreduktion zu erzielen.

Psychische Gründe[Bearbeiten]

Schließlich gibt es noch eine Gruppe von psychisch gestörten Patienten, die mit Hilfe von Abführmitteln eine schwere chronische Diarrhoe erzeugen, um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erfahren. Diese nehmen über Jahre Krankenhauseinweisungen, aufwendige Diagnostiken und Operationen auf sich. In allen Fällen, die mit psychischen Problemen verbunden sind, erfolgt die Einnahme von Abführmitteln heimlich, es werden teilweise extreme Überdosen (bis zum 100fachen der Tagesdosierung) eingenommen und die Patienten sind gegenüber Aufklärung uneinsichtig. Sehr häufig werden auch andere Arzneimittel wie z.B. Mittel die eine Entwässerung (Diuretika) des Körpers bewirken, zusätzlich missbraucht. Generell können alle Abführmittel missbraucht werden. Der Personenkreis mit absichtlichem Missbrauch bevorzugt jedoch im Allgemeinen Darreichungsformen wie kleine Tabletten oder Tropfen, die diskret in großen Mengen eingenommen werden können.

Symptome[Bearbeiten]

Trotz extremen Missbrauchs dauert es manchmal oft Jahre, bis auffällige Krankheitszustände erreicht werden. Durch die extreme Überdosierung von Abführmitteln ausgelösten Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten kann durch die normale Nahrungs oder Flüssigkeitsaufnahme nicht ausreichend begegnet werden. Es kann zur Hypokaliämie, einem sekundären Hyperaldosteronismus mit der Folge einer "Gewöhnung", daher einer Abnahme des abführenden Effektes durch eine hormonelle Gegenregulation kommen. Die Folge ist ein noch trägerer Darm und eine weitere Dosiserhöhung, die zu Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen führen können.

Diagnostik[Bearbeiten]

Menschen, die Abführmittelmissbrauch betreiben, haben häufig Probleme damit, ihr "Problem" dem Arzt verständlich darzulegen. Aber genau da liegt auch das Problem, mit dem der Arzt häufig konfrontiert wird. Er sieht zuerst nur die offensichtlichen Symptome, die wahren Hintergründe für den Missbrauch kommen erst Stück für Stück zum Vorschein.

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Behandlung[Bearbeiten]

Vom Abführmittelmissbrauch wieder zu einer natürlichen und geregelten Verdauung zu gelangen ist schwierig, aber gelingt bei konsequenter und geduldiger Anwendung der Therapieempfehlungen des Arztes oder Therapeuten häufig. Die Behandlung des Abführmittelmissbrauchs geht in erster Linie dahin, die natürliche Verdauung und Ausscheidung ohne Abführmittel zu bewältigen. Dazu kommen unterschiedliche Therapieschritte zum Tragen, angefangen von der Ernährungsumstellung, über Bewegungstherapie, physikalische Therapie bis zur Entwöhnung bei Abführmittelabhängigkeit. Gleichzeitig erfolgt auch eine ...

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Physisch[Bearbeiten]

Ernährungstherapie
Bewegungstherapie
Da jegliche Form der körperlichen Bewegung auch die Darmtätigkeit begünstigt, insbesondere Wandern, Laufen, Spielsportarten, Gymnastik und hier besonders Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur, sollte der Patient seine sportlichen Aktivitäten dahingehend ausbauen. Eine isometrische Bauchpresse zur Stärkung der Bauchmuskulatur z.B. Bauch 10 Sekunden lang kräftig einziehen und langsam entspannen, das Ganze fünfmal wiederholen. Diese Übung soll 3-mal täglich durchgeführt werden. Eine Darmmassage im rechten Unterbauch beginnend, feste, kreisende, massierende Bewegungen im Uhrzeigersinn über den gesamten Bauch ausführen, morgens vor dem Aufstehen 5 Minuten lang begünstigen den Erfolg und regen zusätzlich den Darm an. Auch eine Bindegewebsmassage von erfahrenen Therapeuten 2- bis 3-mal wöchentlich für etwa 2-3 Wochen lang durchgeführt, haben ebenfalls eine günstige Wirkung.
Physikalische Therapie
Bei einer "schlaffen" Verstopfung können Kniegüsse zur Darmanregung nützlich sein, auch kalte Fuß- und Halbbäder, kalte Reibe-Sitzbäder (16-20' C, 2-3 Min.), 3-mal täglich kalte Bauchwaschungen, 3 Minuten lang bringen eine Besserung der Symtome. Bei "krampfartiger" Verstopfung können zur Krampflösung intensive Wärmeanwendungen wie ansteigende Sitzbäder, 1- bis 2-mal täglich, 20-30 Minuten lang, heiße Auflagen (z.B. Wärmflasche mit feuchtem Tuch umwickelt auf den linken Unterbauch) hilfreich sein.
Entwöhnung von Abführmitteln
Die Entwöhnung von der Abführmittelabhängigkeit basiert in erster Linie darauf, von stimulierenden Abführmitteln auf osmotisch wirkende Abführmittel umzusteigen. Dazu wird mit Magnesiumsulfat (Bittersalz) in hoher Dosis 2 EL auf 1/2 l Wasser begonnen, bei normalem oder dünnem Stuhl wird die Dosis reduziert bzw. bei nicht ausreichendem Erfolg ggf. zusätzlich Lactulose-Sirup 1-3 EL tägl. nach dem Frühstück gegeben. Die individuelle Dosis ist so zu wählen, dass täglich einmal weicher Stuhlgang stattfindet. Wenn sich der Stuhl normalisiert, dann beginnt man langsam mit dem Ausschleichen der Abführmittel, das über mehrere Monate dauern kann.
In besonderen Fällen kann zusätzlich ein mechanisch wirkendes Abführmittel wie Leicicarbon® Zäpfchen oder ein Klistier gegeben werden. Die natürlichste Variante sind die CO2 Zäpfchen, die im Enddarm feinperliges Kohlendioxid entwickeln, vergleichbar mit den Gasperlen in einem frisch eingeschenkten Glas Mineralwasser. Durch diese Gasentwicklung dehnt sich der Darm aus und der Stuhlreflex wird nach 15 - 30 Minuten ausgelöst. Das Kohlendioxid muntert also nur einen Reflex auf, der von Natur aus vorhanden ist, denn auch während der Verdauung entsteht das Kohlendioxid.

Psychisch[Bearbeiten]

Aufklärung
Ein besonderes Augenmerk ist den Patienten zu widmen, die einen Fehlgebrauch von Abführmitteln betreiben, da ihnen eine mangelndes Verständnis der normalen Darmfunktion und den individuellen Stuhlgewohnheiten fehlt. Hier stellt die Aufklärung über den normalen Ablauf der Verdauung einen wichtigen Punkt dar. Die Patienten müssen lernen, nicht unbedingt täglich zu "müssen" und mehr auf ihren Darm zu hören. Die Aufklärung richtet sich vor allem auch an jüngere Frauen, die das Abführmittel als Mittel zur Gewichtsabnahme ansehen. Ihnen muss aufgezeigt werden, dass zwar kurzzeitig das Gewicht durch die Abführmittel abnimmt, der Effekt aber auf den Flüssigkeitsverlust basiert, den der Körper natürlich wieder auszugleichen versucht. Wenn dann immer weiter diese Abführmittel zugeführt werden, dann kann es zu bedenklichem Mineralstoff- und Flüssigkeitsverlust im Körper kommen.
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Essstörungen
Unterschiedlich ausgeprägte Formen der Essstörungen kommen häufig bei Personen mit psychischen Problemen vor, die sich als Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa manifestieren können und schwere körperliche Schäden hinterlassen kann.

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Umstellung der Lebensgewohnheiten
Die Entwöhnung von Abführmitteln beinhaltet auch eine grundsätzliche Änderung der Lebensgewohnheiten. So ist es auch wichtig, sich vom Zwang der täglichen Stuhlentleerung befreien, denn zweimal pro Woche kann auch normal sein. Eine Normalisierung der Lebensrhythmen, dazu gehören ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus mit Aktivitäts- und Ruhephasen zu möglichst gleichen Tageszeiten sowie die Einnahme der Mahlzeiten zu den gleichen Zeiten ist zwingend anzuraten. Dazu wird jeden Morgen zur gleichen Zeit z.B. nach dem Frühstück die Toilette aufgesucht, um eine Stuhlentleerung versuchen, bei vergeblichem Versuch sollte man nicht länger als 5 Minuten verweilen. Wenn Stuhlentleerungsdrang spontan auftritt, sollte er nicht unterdrückt werden, weil man etwas "Wichtigeres" zu tun hat. Auch eventuell vorhandene Konflikte sollen gelöst werden, um mit anderen und mit sich selbst ins Reine zu kommen. Vorhandene Stressbelastungen, soweit möglich, sind zu vermeiden und Gegenpole zum Stress schaffen, z.B. durch Entspannungsübungen, Meditation Yoga, Autogenes Training.
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Hilfe durch Selbsthilfegruppen
Hilfestellung nach einer Therapie oder Hilfe nach dem Eingeständnis der eigenen Medikamentensucht bzw. Abführmittelsucht bieten Selbsthilfegruppen. In Deutschland können solche Patienten auf die Kraft von etwa 8.000 Selbsthilfegruppen bauen. Im Vordergrund der Gruppenarbeit stehen das offene, auf wechselseitigem Vertrauensverhältnis beruhendes Gespräch und der Erfahrungsaustausch zwischen Abhängigen und Ex-Abhängigen. Ziel der Zusammenkünfte ist das Wegkommen von der Sucht! Den Zugang zu einer Selbsthilfegruppe vermitteln häufig die Suchtkliniken im Rahmen der Nachsorgevorbereitung, die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V., das Blaue Kreuz in der Evangelischen Kirche, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Suchtberatungsstellen der Gesundheitsämter der Städte und Komunen oder aber der Arzt des Vertrauens.

Siehe auch:[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


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