Lagerung

Aus PflegeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mit Lagerung ist in der Pflege meistens eine Maßnahme gemeint, die einen Wechsel der Körperhaltung oder Position eines Patienten ermöglicht, der dies nicht mehr selbst ausführen kann. Seltener wird mit Lagerung die Ruhigstellung eines Körperteils (Retention) aus therapeutischen Gründen bezeichnet (beispielsweise bei einer Fraktur).

Lageveränderungen dienen nicht nur der Prävention verschiedener Komplikationen, sondern auch der Bequemlichkeit, da das Verharren in immer gleicher Haltung unphysiologisch ist. Unterschiedliche Lagerungsarten fördern unter anderem eigene Bewegungen beziehungsweise übernehmen sie passiv, können das Atmen erleichtern, den Muskeltonus regulieren, werden in der Ersten Hilfe bei Schockzeichen oder bei Bewusstlosigkeit durchgeführt und dienen diagnostischen und therapeutischen Zwecken.

Der Begriff Lagerung suggeriert zwar eine passive Perspektive, da Lagerung aber überwiegend bei bewegungseingeschränkten Patienten angewendet wird, ist der Begriff in diesen Fällen durchaus zutreffend: Beim immobilen Patienten wird ein Wechsel der Lage in der Regel mit Hilfe des Pflegepersonals und eventuellen Hilfsmitteln durchgeführt.
Bei Patienten mit zumindest teilweise vorhandener Eigenbewegung sind die Bezeichnungen "Bewegungsförderung", "Positionsunterstützung" oder "Anleitung zur Lageveränderung" geeigneter.

Lageveränderungen sind zumeist Teil der Grundversorgung, speziell der Prophylaxen.

Ziele[Bearbeiten]

Lagerungen in der Pflege haben zum Teil unterschiedliche, zum Teil einander ergänzende Aufgaben:

  • die Bequemlichkeit beim Ruhen zu fördern
  • Unterstützung, um eine optimale Körperhaltung zu gewährleisten
  • Unterstützung bei alltäglichen Bedürfnissen, wie Essen und Trinken: Aspirationsprophylaxe durch Oberkörperhochlagerung vermindert das Risiko des Verschluckens.
  • Schmerzen z. B. bei Frakturen zu lindern
  • die Dekubitusprophylaxe zu unterstützen
  • Feuchteabtransport zu gewährleisten und Wärmestaus zu vermeiden
  • Spastik zu vermindern oder zu vermeiden
  • physiologische Bewegung anzubahnen (bei komatösen Patienten)
  • Entstehung von Kontrakturen entgegen zu wirken Kontrakturenprophylaxe
  • Wahrnehmung fördern
  • Unterstützung der Atmung (Atemerleichterung), sowie zur Atelektasen- und Pneumonieprophylaxe: (der Brustkorb wird vom Gewicht des Schultergürtels entlastet, Sekretanschoppung wird vermieden, der Oberkörper wird gedehnt, so dass die Lungenareale belüftet werden, die Sekretentleerung wird erleichter)
  • In der Geburtshilfe spielt die richtige Lage der Gebärenden zur Beeinflussung der Kindslage eine wichtige Rolle.
  • Prophylaxe von Nervenschädigungen, z.B. dass bei der OP die Arme beim Auslagern in den Schultergelenken nicht überstreckt werden, da sonst die Gefahr einer Schädigung des Plexus brachialis besteht.
  • Förderung und Erhalt der Mobilität

Grundsätze[Bearbeiten]

  • Je weicher die Lagerungsfläche (Matratze, Kissen), desto schlechter die Körperwahrnehmung (CAVE! Antidekubitusmatratzen bei spastischen Patienten verstärken die Spastik). Außerdem hemmen sie die Eigenbewegung. Wenn möglich, auf den Einsatz verzichten und Lagerungskissen verwenden, wenn der Patient noch über Bewegungsressourcen verfügt.
  • Eine Antidekubitusmatratze ersetzt nicht die regelmäßige Bewegungsförderung oder Lagerung des Patienten, die Entstehung von Dekubitus ist trotzdem möglich.
  • Druck erzeugt Gegendruck, also keine harten Gegenstände verwenden (Bettkiste, in die Hände gelegte Gegenstände o.ä.)
  • Mit provisorischen Hilfsmitteln wie zusammen gerollten Decken oder Kopfkissen durchgeführte Lagerungen sind nicht optimal, aber besser als ein Verzicht auf Lageveränderung.
  • Eine flache Rückenlage oder Lagerung im Langsitz vermeiden bzw. nur zu therapeutischen Zwecken kurzzeitig einsetzen (besser: Lagerung im Pilotensitz, z.B. für logopädische oder ergotherapeutische Therapie).
  • Lagerung bildet den Abschluss einer pflegerischen Intervention bei immobilen Patienten (damit Patient nicht durch Abwehrbewegung die Lage verändert)
  • Auch beatmete Patienten müssen gelagert werden.

Arten der Lagerung[Bearbeiten]

Prophylaktische Lagerungen[Bearbeiten]

  • Oberkörperhochlagerung in Winkeln von 30°, 60°, 90°, bei Herz- und Lungenerkrankungen sowie zum Essen und Trinken. Eine aufrechte Körperhaltung unterstützt bei der Nahrungsaufnahme den physiologischen Transportweg durch die Speiseröhre und ist Bestandteil der Aspirationspropylaxe.
  • Atemerleichternde Lagerung: Reitsitz, Kutschersitz, Sitzen mit aufgestützten Armen werden bei Asthmaanfall angewendet. Lagerungsdrainagen zur Erleichterung der Sekretentleerung verbessern die Belüftung beider Lungenflügel und sind Bestandteil der Prophylaxe von Atelektasen und Infektionen: Dehnlage, V-, A-, T-, I-Lagerung
  • Dekubitusprophylaxe: 30°-Lagerung, 5-Kissen-Weichlagerung, 135°-Lagerung, Lagerung nach Bienstein, Bauchlage. Der Lagewechsel sollte etwa alle 2-3 Stunden erfolgen. Die Zeitvorgabe dient hierbei der Orientierung und nicht als schematisches Maß. Der Schwerpunkt liegt auf den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen. Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe fordert, dass ein individueller Bewegungsplan erstellt wird. Unter anderem werden dort bewegungsfördernde Maßnahmen und Lageveränderungen (auch Mikrobewegungen und -lagerungen) dokumentiert.
  • Wechsel von Streck- und Beugestellung zur Kontrakturenprophylaxe

Herzbettlagerung[Bearbeiten]

Unterstützung der Atmung durch die Unterpolsterung der Arme, dadurch wird die Vorlast des rechten Herzens gesenkt und wirkt daneben durch Stützung des Körpers beruhigend. Diese Lagerung verschafft einen guten Überblick über Vorgänge in der Umgebung und bietet einen größeren Aktionsradius.

Diagnostik und Therapie[Bearbeiten]

  • Rückenlage, Flachlagerung: beispielsweise bei Versorgung von Patienten mit Wirbel- oder Beckenfrakturen
  • Bauchlage, zum Beispiel bei Bandscheibenoperationen, beim Adult Respiratory Distress Syndrome (ARDS, akutes Atemnotsyndrom) oder zur Kontrakturenkorrektur
  • Beintieflagerung ("Schiefe Ebene") bei arteriellen Durchblutungsstörungen und nach operativen Eingriffen im arteriellen System
  • Seitenlage bei thoraxchirurgischen Eingriffen
  • Steinschnittlage zur Durchführung diagnostischer und therapeutischer Verfahren oder Eingriffe
  • Lagerung auf dem Extensionstisch zur Versorgung von Frakturen.
  • Sitzende Position z. B. bei neurochirurgischen Eingriffen.
  • Hochlagerung z. B. der Beine im 20° Winkel wird durchgeführt, um den venösen Rückstrom zu steigern
  • bei Schädelhirntrauma wird der Kopf hoch gelagert.

Erste Hilfe[Bearbeiten]

In der Ersten Hilfe soll die Stabile Seitenlage der bewusstlosen Person einer Aspiration von Erbrochenem vorbeugen. Durch das Anziehen des unten liegenden Knies und die Abstützung des Oberkörpers mit dem Oberarm wird eine Bauchlage ebenso verhindert wie ein Zurückrollen des Körpers auf den Rücken. Der überstreckte Kopf wird unterhalb des Kiefers mit einer Hand gepolstert und stabilisiert.

Die Schocklagerung ist eine Kopftieflagerung durch Schrägstellen des Bettes (ca. 15°) oder Hochhalten der Beine; bei Kreislaufversagen oder hypovolämischem Schock

Sonstige[Bearbeiten]

  • Nestchenlagerung zur Wahrnehmungsförderung bei Bewusstseinseinschränkung, Wahrnehmungstörungen und zur Beruhigung bei psychosomatischen Störungen.
  • Lagerung nach dem Bobath-Konzept zur Regulierung des Muskeltonus, zur Förderung der Wahrnehmung und der normalen Bewegung
  • Rückenlage mit Knierolle zur Entspannung der Bauchmuskeln

Lagerungshilfen[Bearbeiten]

Zweck, Bequemlichkeit, Hygiene, Prioritäten und eventuelle unerwünschte Wirkungen sind die Kriterien bei der Auswahl des geeigneten Hilfsmittels.

  • Emulsions- oder Gelkissen
  • Sandsack
  • Ulmer Lagerungsset (Polystyrol-Schaumstoffkugeln)
  • Kinästhetik Lagerungsset nach Esther Klein-Tarolli (Bewegtes Lagern)
  • Mikrofaserkissen mit Füllung aus Polystyrolkugeln und Halbvakuum
  • Lagerungskissen: Hirse-, Spreu-, Roßhaarkissen, Knierolle, Schaumstoffkeil, Stillkissen
  • zusammengelegte, weiche Bettlaken; Handtücher, Waschlappen
  • Gleit- oder Rutschmatten

Im stationären Bereich ist die Anwendung von Fellen, Fellkappen für Ellenbogen und Fersen, Fersenringen, Wasserkissen oder mit Wasser gefüllten Handschuhen nicht erlaubt. Im häuslichen Bereich dagegen bestehen manche Patienten oder ihre Angehörigen auf den Einsatz dieser überwiegend zweifelhaften Hilfsmittel (Ausnahme: spezielle medizinische Schaffelle).[1] In solch einem Fall sollte sich die Pflegekraft schriftlich absichern, dass sie dies nur auf ausdrücklichen Wunsch und nach eingehender Beratung durchführt.

Information und Dokumentation[Bearbeiten]

  • Vor jeder Lagerung muss der Patient informiert werden.
  • Ein für jeden Patienten individueller Bewegungsplan wird erstellt. Bei der Bewegungsplanung werden andere pflegerische Tätigkeiten oder Therapiemaßnahmen berücksichtigt, z.B. Essens-, Besuchs- und Schlafzeiten.
  • Jede Durchführung einer Lagerung oder Bewegung wird dokumentiert, auch Mikrolagerung.
  • Der Plan mit zeitlichen Angaben ist ein Bestandteil der Pflegedokumentation.
  • Bewegungspläne müssen in kurzen Abständen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Lagerungstherapie zur Prophylaxe oder Therapie von pulmonalen Funktionsstörungen: [1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Wagner, Positionierung: Lagerungen und Positionswechsel, Elsevier 2012
  • Lektorat Pflege und Nicole Menche: Pflege Heute. Elsevier, Urban & Fischer, 3. Auflage 2004
  • Mechthild Seel: Pflege des Menschen. Brigitte Kunz Verlag, 3. Auflage 1998

Medien[Bearbeiten]

DVD Video Bewegtes Lagern, Verlag Zimmermann ISBN 978-3-928568-41-8

Weblinks[Bearbeiten]

[3]Fortbildungen zum Thema Positionsunterstützung, Uwe Wagner, Fachbuchautor

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): "Drei Studien liefern Hinweise darauf, dass medizinische Schaffelle aus Australien, die als Matratzenauflagen eingesetzt werden, ebenfalls das Risiko für ein Druckgeschwür mindern können. Für andere Felle fanden sich keine aussagekräftigen Studien." auf www.gesundheitsinformation.de, abgerufen am 7. August 2013