Kultursensible Pflege

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Kultursensible Pflege
Kultur (Gesamtheit des vom Menschen Geschaffenen und damit wesentliche Teile seiner Lebenswelt), sensibel (empfindlich auf geistiger Ebene). In diesem Zusammenhang zu verstehen als die Pflege von Menschen, die einen anderen kulturellen Hintergrund besitzen als der/die Pflegende unter Berücksichtigung der kulturellen Unterschiede.


Warum kultursensibel Pflegen?[Bearbeiten]

In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird in den nächsten Jahren der Anteil der Patienten und Bewohner, die aus anderen Kulturkreisen kommen, stark zunehmen. Dies begründet sich in der Alterstruktur. Der größte Teil der Mirganten kam zwischen Mitte der 50er und Anfang der 70er Jahre nach Deutschland, um den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen - zunächst war diese Maßnahme vorübergehend geplant, doch aus "Gastarbeitern" wurden Migranten.

Die Pflege dieser Menschen stellt für das Pflegepersonal eine große Herausforderung dar, da oftmals ein Unverständnis für die fremde Kultur vorliegt - und zwar beiderseits. Einen Patienten oder Bewohner unter Berücksichtigung seines kulturellen Hintergrundes zu pflegen, erfordet ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und Toleranz gegenüber dem Unbekannten oder dem Neuen. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor und zeigt der Pflegende kein Interesse an der Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse (kulturell, religiös oder spirituell bedingt) des Patienten oder Bewohners, entstehen schnell Missverständnisse, welche den Prozess der Genesung, die Pflege an sich oder den Aufenthalt nachhaltig behindern. Mirganten verstehen dies dann oftmals als Diskriminierung. Ein zentrales Thema ist hierbei (und auch generell) die Patientenorientierte Pflege. Fehlende Rücksichtnahme auf kulturelle und religiöse Unterschiede ist keine Frage mangelnder Integration, sondern Ausdruck einer Pflege, die sich vom Menschen und der Menschlichkeit entfernt.

Migrantenzahlen in Deutschland/Schweiz/Österreich[Bearbeiten]

Flag of Germany.svg
Deutschland[1][2]
Flag of Austria.svg
Österreich[3]
Flag of Switzerland.svg
Schweiz[4]
Gesamtbevölkerung 82,3 Mio 8,4 Mio 7,7 Mio
Anteil Ausländer 15,4 Mio 871.000 1,7 Mio.
Prozentual 12,7% 10,4% 21,7%
Stand 2007 2009 2009


Migranten in Deutschland kommen aus folgenden Ländern (die 20 häufigsten):[5]

Türkei • ehemaliges Jugoslawien • Italien • Polen • Griechenland • Serbien • Kroatien • Russische Föderation • Österreich • Bosnien-Herzegowina • Ukraine • Niederlande • Portugal • Spanien • Frankreich • Vereinigte Staaten • Vereinigtes Königreich • Vietnam • China • ...und viele weitere.

Religionen in Deutschland (Auswahl):[6]

Islam • Griechisch-Orthodox • Serbisch-Orthodox • Rumänisch-Orthodox • BuddhismusJudentum • Russisch-Orthodox • Zeugen Jehovas • Hinduismus • Jesiden • Mormonen • Sikhs • ...und natürlich viele weitere.


Wie wird kultursensibel gepflegt?[Bearbeiten]

Eine Anleitung kann nicht gegeben werden, hier ist die Eigenverantwortung, die soziale Kompetenz und die Toleranz des Pflegenden gefragt. Es ist sehr wichtig, zwischen Kultur, Religion und Nationalität zu unterscheiden. Nicht jeder in der Türkei Geborene ist automatisch ein Moslem. Nicht jeder Moslem lebt auch automatisch streng nach dem Koran. Oftmals verschwinden die Grenzen, gerade zwischen Religion und Kultur. In vielen Staaten hat die Religion einen so tiefreichenden Status, das z.B. in Malaysia zwei Rechtssysteme nebeneinander existieren. Viele der als religiös angesehenen Unterschiede stellen sich jedoch bei näherer Betrachtung als Traditionen, bzw. Gewohnheiten kultureller Natur heraus. Wobei sich dann die Frage stellt, warum Unterschiede zwischen Kultur, Religion, Tradition und Gewohnheit zu machen?


Am Anfang steht oftmals Unsicherheit auf beiden Seiten. Die zu Pflegenden kennen sich in der deutschen "Pflegewelt" nicht aus und haben keine oder nur wenig Kenntnisse über Abläufe und Leistungen. Die Sprache stellt häufig auch eine Barriere dar. Das Allerwichtigste, das vom Pflegepersonal angeboten werden kann (muss) ist die Beratung und die Gespräche mit den Angehörigen und dem Patienten/Bewohner selbst.


Ausserdem sollte das Pflegepersonal auf keinen Fall den Fehler machen, sich nur auf Angaben aus der Aufnahme zu verlassen. Meist steckt ja nur der gute Wille dahinter, aber nicht jeder Patient/Bewohner der als Konfession Katholisch angab, möchte auch Sonntags um 9:00 in die Kapelle zum Gottesdienst "geschleppt" werden.


Zusammenfassend ist zu sagen, dass ein Patient/Bewohner aus einem fremden Kulturkreis in der selben Art und Weise zu pflegen ist wie einer aus dem bekannten (eigenen). Seine Wünsche/Bedürfnisse werden in der Pflegeanamnese erfragt und gesammelt und auf Basis dieser Informationssammlung wird eine individuelle Pflegeplanung erstellt, die den Patienten/Bewohner, die Mitarbeiter der Pflege, die Therapeuten und die Ärzte zufriedenstellt. In der Pflege gilt der Pflegeprozess für alle Menschen!

siehe auch[Bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt Deutschland Definition des Begriffes Ausländer.
  2. Statistisches Bundesamt Deutschland Bevölkerung 2007 nach Migrationshintergrund und Bundesländern.
  3. Statistik Austria
  4. Bundesamt für Statistik, Schweiz PDF-Datei (Deutsch/Fränzösisch)
  5. Statista, ein Statistik-Portal.
  6. Religionen in Deutschland in der Wikipedia