Krankheitsgewinn

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Unter Krankheitsgewinn versteht man Vorteile, die jemand bewusst oder auch unbewusst aus seiner Krankheit zieht.

Es ist im Allgemeinen davon auszugehen, dass ein kranker Mensch Rücksicht und Mitgefühl von seiner Umgebung bekommt. Laut Sigmund Freud ergibt sich hieraus die Möglichkeit zum Krankheitsgewinn für den Kranken. Man unterscheidet hierbei zwischen dem primären und dem sekundären Krankheitsgewinn.

Primärer Krankheitsgewinn[Bearbeiten]

Der primäre Krankheitsgewinn besteht darin, durch die Krankheit noch unangenehmeren Anforderungen als der Krankheit selbst aus dem Weg gehen zu können (berufliche und soziale Verpflichtungen, Prüfungen, Stress verursachende Einzelsituationen, Versorgung). Eine Flucht in Krankheit verspricht also einen direkten Vorteil durch Entlastung.

Sekundärer Krankheitsgewinn[Bearbeiten]

Der sekundäre Krankheitsgewinn kann viel mehr als Lernerfolg bzw. Ergebnis einer Entwicklung während einer Krankheit verstanden werden. Analytisch gesehen kommt es zu einer Regression, das heißt, der Patient fällt in ein unselbständiges, kindliches Verhalten und Empfinden zurück, mitsamt den entsprechenden Bedürfnissen. Vom Lernprozess her stellt sich der Patient auf seine Krankheit ein. Das bedeutet, dass er nach einer Weile seine Gesundheit "aus den Augen verloren hat" und umdenkt, um mit der Krankheitssituation umzugehen, auch im Sinne der Vorteile, die er daraus ziehen kann. Der Patient lernt, dass es von Vorteil ist, krank zu sein. Er "lässt sich hängen", fordert materielle und personelle Zuwendung, Fürsorge, Entlastung und Rücksicht ein und erfährt, dass er all diese Dinge aufgrund seiner Erkrankung aufs Einfachste bekommt. Die große Gefahr dabei ist für ihn (und seine Umgebung), dass er es in Kauf nimmt, entgegen reeller Chancen krank zu bleiben, um diese Vorteile weiter zu genießen. Daher ist Krankheitsgewinn immer entgegenzusteuern.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Es erfordert eine hohe fachliche Aufmerksamkeit und in Einzelfällen einfach Fingerspitzengefühl, um zu unterscheiden, ob jemand auf den Krankheitsgewinn aus ist oder ob es ihm wirklich entsprechend schlecht geht. Besonders schwierig ist diese Unterscheidung bei der Beurteilung nicht messbarer Symptome (Missempfindungen wie Schmerz, psychische Störungen) und bei nachweislicher schwerer Krankheit oder Behinderung, mit deren Leidensdruck jeder Patient individuell umgeht.

Umgang[Bearbeiten]

Es ist im Einzelfall zu entscheiden, ob das Bedürfnis eines Patienten nach Zuwendung und Entlastung angemessen ist oder nicht. Tatsächliche Krankheitssymptome müssen ermittelt und behandelt werden: Nicht unbedingt nach den ausdrücklichen Wünschen des Patienten - an Stelle von Medikamenten, Hilfsmitteln oder gar chirurgischen Eingriffen kann auch Beratung zu Ernährung, Selbstpflege, Be- und Entlastung angebracht sein. Vor allem, wenn es um persönliche Zuwendung geht, muss auch die Belastbarkeit der jeweiligen Kontaktperson den geäußerten Bedürfnissen des Patienten u. U. eine Grenze setzen.

In Extremsituationen (aktuelles psychisches Trauma, akute schwere Erkrankung, drohende oder gerade eingetretene körperliche Behinderung, Sterbende) ist weniger "strenger" Umgang mit eventuellem Krankheitsgewinn geboten.

Siehe auch[Bearbeiten]