Judentum

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Das Judentum gehört neben Buddhismus, Christentum, Hinduismus und Islam zu den fünf Weltreligionen. Es ist die älteste monotheistische Religion (= nur ein einziger Gott wird als solcher anerkannt).

Wichtiges für den Umgang/Pflege[Bearbeiten]

Judentum/ Anamnese[Bearbeiten]

Das Judentum betont das Leben hier auf diese Erde sehr stark - es soll so geführt werden, wie Gott es in der Thora ( die als "Altes Testament" auch in der christlichen Bibel enthalten ist) vorgegeben hat. Viele Juden glauben an eine Auferstehung und ein Leben nach dem Tode. Während in Christentum die Liebe Gottes zu den Menschen im Mittelpunkt steht, betonen die Juden die Gerechtigkeit Gottes, des einen und einzigen Gottes. Juden glauben also nicht an den "lieben Gott", der ihnen ihre Fehler vergibt, wenn sie ihn nur darum bitten, sondern an den "Gott als Richter", der die Fehler des Menschen ("Sünden") mit diesen guten Taten verrechnet.

Die folgenden religiösen Vorschriften sind vor allem für streng orthodoxe Gläubige verbindlich. Es gibt viele praktizierende Juden, die die Regeln nicht wortwörtlich umsetzen oder nur zum Teil. Das Judentum kennt zwar keine unterschiedliche Konfessionen, jedoch sind die Unterschiede zwischen Orthodoxen und liberalen Juden enorm, weshalb die Frage nach den individuellen religiösen Bedürfnissen besonderes Gewicht gewinnt. Für Pflegende ist es sicher von Vorteil, die Vorschriften zu kennen, aber im Einzelfall ist eine Absprache über die Anwendung unumgänglich. Auch geht die Erhaltung der Gesundheit selbst bei Strenggläubigen vor. Angehörige oder die jeweilige Jüdische Gemeinde sind da gerne behilflich.

Für Juden ist es oft auch während eines Krankenhaus-/oder Altenheimaufenthaltes üblich, im Kreise ihrer Familie gepflegt zu werden und zu sterben. Bei orthodoxen Juden ist die Familie dazu verpflichtet, die Grundpflege und die Ernährung eine Kranken/ Pflegebedürftigen zu übernehmen.

Dem Juden sind täglich Gebete vorgeschrieben. Der Sabbat (Freitag- bis Samstagabend) ist heilig, jegliche Arbeit (auch Zubereitung von Speisen )sowie die Verwendung bestimmter Energien ist verboten, weshalb ein streng gläubiger Jude unter Umständen die Notrufglocke im Krankenhaus oder Altenheim nicht verwendet und gehäuft spontan nach ihm geschaut werden sollte. Dringende Medizinische Maßnahmen sind zulässig.

Einem (orthodoxen) Juden darf nie die Hoffnung auf Gesundung genommen werden. Passive Sterbehilfe ist verboten.

Waschen und Kleiden[Bearbeiten]

  • Frauen :
    • dürfen nicht von Männern gewaschen werden
    • dürfen nie ohne Kleidung liegen oder stehen
    • benötigen immer eine Kopfbedeckung, ersatzweise eine Perücke
    • müssen nach der Geburt und nach der Menstruation ein rituelles (Tauch-) Bad durchführen, die Mikwe (das entsprechende Wasserbecken ist häufig einer Synagoge angeschlossen).
  • Männer :
    • dürfen von beiden Geschlechtern gewaschen werden
    • dürfen nie ohne Kleidung liegen oder stehen
    • tragen immer eine Kopfbedeckung (Kippa), auch nachts oder bei dauerhafter Bettlägerigkeit
    • rasieren sich nie nass, sondern nur trocken
    • Bettlägerigen muss öfter das Händewaschen angeboten werden, mindestens vor jeder Mahlzeit und nach dem Aufstehen, da es eine rituelle Bedeutung hat. Während des Sabbats darf aktiv keine Körperpflege durchgeführt werden; Ausnahme: grobe Verschmutzung. Kranke dürfen zum Wohle ihrer Gesundheit von anderen gewaschen werden.

Essen und trinken[Bearbeiten]

Das Judentum kennt überaus komplexe Vorschriften für rechtschaffene Ernährung, das "koschere" Essen:

    • essen und verbrauchen kein Blut
    • essen bestimmte Teile von Tieren nicht
    • Bestimmte Tiere, z.B. Schwein nicht zum Essen anbieten, erlaubt ist das Fleisch von Wiederkäuern mit gespaltenen Hufen, z.B. Rind, so wie manches Geflügel oder Fisch (keine Meeresfrüchte)
    • Das Tier muss auf vorgeschriebene weise geschlachtet werden (geschächtet)
    • Fleisch, das gebraten wird, muss vorher und naher gespült werden
    • Insekten, Würmer und Reptilien dürfen nicht gegessen werden
    • Eier und Milch eines verstorbenen Tieres dürfen nicht verzehrt werden
    • Käse, der nicht in Überwachung eines Rabbiners steht ist verboten
    • Fleisch- und Milchprodukte dürfen nicht zusammen zubereitet oder verzehrt werden, besonders Koch- und Essgeschirr ist für "fleischiges" und "milchiges" erforderlich
    • Fleisch und Fisch dürfen nicht zusammen gegessen werden
    • Wein und andere Getränke aus Trauben sind nur erlaubt, wenn sie mit einem Koscher Zertifikat versehen werden.
    • Fisch mit Fasern und Schuppen darf gegessen werden
    • Fleisch, das lebendigen Tieren entnommen wird, darf nicht gegessen werden
    • Zu bestimmten Feiertagen gibt es bestimmte Speisen, z.B. zum Passa Fest ungesäuertes Brot

Sich beschäftigen[Bearbeiten]

    • Besuch einer Synagoge organisieren
    • Jüdische Kulturvereine einladen
    • Mithilfe bei Organisieren von jüdischen Festen (Schawuot, Chanukka, Passa-Fest, Rosch- Haschana)

Ruhen und Schlafen[Bearbeiten]

    • Abendgebet berücksichtigen
    • Duftlampen mit entspr. Düften anbieten
    • Zimmer nach Wünschen und Bedürfnissen des jüdischen Bewohners gestalten (z.B. unbedingt Kreuz entfernen).
  • Religion ist für viele Menschen das Fundament ihrer Lebensgestaltung. Für Schwerkranke und Sterbende gewinnt häufig der Wunsch, Frieden mit seinem Schöpfer oder einer spirituellen Macht zu schließen, an Bedeutung. Manchmal ist das Bedürfnis sich mit Gott und den Menschen auszusöhnen, stärker als die Sorge vor Siechtum, Schmerz und Unannehmlichkeiten. Der Wunsch, eine religiöse Handlung zu vollziehen, ist wichtiger als gewaschen zu werden oder Medikamente einzunehmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kandel, I.; Ritter, M. (2005) Stationäre Sackgasse. in Altenpflege 09-2005, S.58-60
  • Kronenstein, C. (2005) Pflege von Shoa-Überlebenden in jüdisch-christlichen Einrichtungen der stationären Altenpflege. In Nightingale 02-2005
  • Schwerpunktartikelserie der Altenpflege 2004: Jüdische Altenpflege
    • B. Bloch, E. Weitzel-Polzer (2004) "Bewahrer der Tradition" in Altenpflege 01-2004, S.38-41
    • A. Kellersmann(2004) "zwischen Trauma und Aufbruch" in Altenpflege 01-2004, S.42-43
    • M. Müller-Erichsen (2004) Viele reden gar nicht mehr in Altenpflege 01-2004, S.44
    • L. Friedmann, E. Weitzel-Polzer (2004) Die Biografie als Ballast in Altenpflege 01-2004, S.45-47
  • Steppe, Hilde: "... den Kranken zum Troste und dem Judenthum zur Ehre ..." Zur Geschichte der jüdischen Krankenpflege in Deutschland. Frankfurt/ Main. 1997. ISBN 3-929106-36-1

Weblinks[Bearbeiten]

  • www.hagalil.com: unter dem Stichwort Kaschruth findet man die Speisegesetze genau aufgeführt]