Intermediate Care/IMC

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Intermediate Care (Abkürzung: IMC, englisch, im Sinne von zwischenzeitlicher Versorgung, auch Wachstation) ist eine spezielle Station oder Versorgungseinheit im Krankenhaus, die sich organisatorisch und strukturell zwischen Intensivstation (High Care) und Normalstation (Low Care) befindet. Auf der IMC sollen die pflege- und überwachungspflichtigen Patienten behandelt und gepflegt werden, die keiner speziellen intensivmedizinischen Versorgung (wie Beatmungs- oder extrakorporale Therapien) bedürfen, aber für eine Verlegung auf die Normalstation noch nicht stabil genug sind und eine weitere intensive Überwachung benötigen.

Die Unterbringung eines Patienten auf der IMC ist eine rein ärztliche Entscheidung, die der verlegende Facharzt und übernehmende Facharzt, nach Absprache mit dem Pflegedienst der IMC, gemeinsam fällen und verantworten. Denn diese Patienten brauchen nicht nur Diagnostik und Therapie, sondern auch zunehmend mehr Pflege.

In den verschieden Kliniken in Deutschland wird dies sehr unterschiedlich umgesetzt, was auch dem Patienten-Pflegekraft-Schlüssel geschuldet ist.

Warum IMC?[Bearbeiten]

Der Ruf nach Intermediate-Care-Einrichtungen entspricht ursprünglich dem Wunsch vorwiegend privater Klinikbetreiber nach einer Entlastung der Normal- und Intensivstationen von pflege- und (nur) überwachungs bedürftigen Patienten. Ein weiterer Grund ist das Streben nach mehr Betreuungsqualität im Sinne einer hohen Patientenorientierung (Kundenorientierung).

Beschreibung[Bearbeiten]

IMC stellt manchmal eine komplette Station dar oder ist als Einheit Teil einer Station, das heißt, eine begrenzte Anzahl IMC-Betten befinden sich innerhalb einer Normal- oder Intensivstation. Es gibt daneben auch Aufwachräume, die um eine IMC-Einheit erweitert sind.

Eine IMC-Einrichtung lässt sich vor allem über den Leistungsumfang, die Überwachungsfunktionalitäten sowie die personelle Ausstattung beschreiben.

Leistungsumfang[Bearbeiten]

Der Leistungsumfang einer Intermediate Care Station wird von der Größe eines Krankenhauses, dessen Fachdisziplinen und nicht unerheblich vom Qualifikationsstand der Ärzte und Fachpflegekräfte (Fachkrankenpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie) bzw. Fachpflegekräfte des jeweiligen Fachgebietes, geprägt. Neben der Intensiv- und laborchemischen Überwachung sind auch die nichtinvasiven Beatmungsverfahren, die Nierenersatzverfahren (Dialyse) innerhalb der „Chronikerdialyse“ und auch die Gabe von Katecholaminen gängige Behandlungsmethoden. Nach den Empfehlungen von DGAI und BDA sollte auf einer Intermediate-Care-Station aber höchstens eine vasoaktive Substanz intravenös appliziert werden, und auch nichtinvasive Beatmungsverfahren werden der Intensivtherapie zugeordnet und damit auf der ICU verortet.[1]

Einige IMC-Stationen bieten ein volles intensivmedizinisches Spektrum außerhalb der invasiven Beatmungs- und extrakorporalen Verfahren. Diese Stationen sollten allerdings der Intensivmedizin zugeordnet sein und auch von dort koordiniert werden.

Personelle Ausstattung[Bearbeiten]

Auf der Intermediate Care-Station sollte ein Intensivmediziner die fachliche Aufsicht führen. Eine ständige Anwesenheit ist zwar nicht erforderlich, aber ein intensivmedizinisch geschulter Arzt sollte schnell verfügbar sein. Im pflegerischen Bereich sollte insbesondere die Leitung eine intensivmedizinische Weiterbildung haben und weitere Mitarbeiter über eine mindestens einjährige Berufserfahrung verfügen.

In der Regel versorgt pro Schicht eine Fachpflegekraft vier Patienten. Nicht pflegerische Tätigkeiten werden von Pflegeassistenten, Stationssekretär und vom Hol-und Bringedienst ausgeführt. Ein Stationssekretär, der der pflegerischen Stationsleitung unterstellt ist, organisiert in der Regel den normalen Stationsablauf und entlastet so die Gesundheits- und Krankenpfleger/innen bzw. Fachpflegekräfte für Intensivpflege von Laufwegen, administrativen und bürokratischen Aufgaben.

Die Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegenden ist komplementär und nicht hierarchisch. Unter der Voraussetzung der Sicherstellung einer ausreichenden Besetzung aller Schichten im Pflegedienst können auch die „übertragbaren ärztlichen Tätigkeiten“ in der Regel vom Pflegedienst übernommen werden. Dazu ist es nötig, dass das Pflegefachpersonal durch den Einsatz von Servicekräften und Pflegeassistenten von einfachen oder pflegefremden Tätigkeiten entlastet wird.

Forderungen der Fachgesellschaften[Bearbeiten]

Laut der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) von 1984 gilt üblicherweise ein Pflegeschlüssel von 1:4 bis 1:6, d.h. eine Pflegekraft versorgt 4 bis 6 Patienten pro Schicht. [2][3]

Die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V. forderte 2010 einen Personalschlüssel für die IMC von 1:3 (Personal:Patient), d.h. eine Pflegekraft versorgt 3 Patienten pro Schicht.
Zur Personalqualifikation äußerte sie sich wie folgt: "Die pflegerische Leitung und die Praxisanleitung müssen den Fachpflegestandard erfüllen. Pro Schicht muss eine Pflegefachkraft mit Fachpflegestandard ständig anwesend sein. Die weiteren Pflegefachkräfte müssen die Qualifikation als Gesundheits- und Krankenpfleger/Gesundheits-Kinderkrankenpfleger besitzen, 40% davon mit Zusatzqualifikation IMC."[4]

Räumliche und apparative Ausstattung[Bearbeiten]

Für eine IMC sind nichtinvasive und invasive Überwachungsverfahren typisch. Dazu zählt beispielsweise nichtinvasives Monitoring wie die Detektion von Arrhythmien, Hypoventilation, Hypoxie sowie Blutdrucküberwachung, aber auch invasive Messungen des zentralen Venendruckes sowie des arteriellen Druckes. Daher wird hier eine besondere apparative Ausstattung an den Bettplätzen benötigt, die so auf einer Normalstation nicht ausreichend vorhanden ist:

  • Geräte und Instrumente für das Monitoring
  • zentrale Wandanschlüsse für Sauerstoff, Pressluft und Vakuum
  • eine ausreichende Anzahl von Steckdosen
  • eine Spezialsteckdose für den Anschluss energieträchtiger Geräte (Röntgengerät, Bildwandler usw.)
  • eine Nachtbeleuchtung zur nächtlichen Observation der Patienten
  • eine (festinstallierte oder mobile) OP-Leuchte für kleine Eingriffe am Patienten
  • ausreichende Arbeitsflächen und große Waschbecken mit Hebelarmaturen

Daneben ist ein eigener Sanitärbereich pro Zimmer sinnvoll.

Für die Versorgung von Isolierpatienten sollte ein Schleusensystem (innerhalb eines benötigten Umfanges) zur Verfügung stehen.

Vor- und Nachteile des Prinzips IMC[Bearbeiten]

  • Der Aufenthalt auf einer IMC-Station ist kostengünstiger als eine vorsorgliche Unterbringung auf der Intensivstation (Intensive Care Unit, ICU). Außerdem werden so keine Beatmungsplätze durch nicht beatmungspflichtige Patienten auf der ICU belegt, so dass der Nutzungsgrad der ICU verbessert wird. Eine allgemeine Kosteneffektivität ließ sich jedoch nicht nachweisen.[5][6]
  • Die Patienten profitieren im Vergleich zur Normalstation von einer verbesserten Betreuungssituation, die durch einen höheren Personalschlüssel und Fachpflegekräfte erreicht wird.
  • Wiederaufnahmen auf der ICU werden reduziert.
  • Normalstationen werden von intensivpflege- und überwachungsbedürftigen Patienten entlastet (Flusssystem), was sich in dem Fall aber auch auf die dortige Stellenbesetzung auswirken kann. Außerdem erhöht sich die Arbeitsdichte auf der ICU, da dort nur noch die aufwändig zu versorgende Patienten verbleiben und es keine Mischung mehr mit weniger pflegeintensiven Patienten gibt.
  • Beim Integrationsmodell (Zusammenlegung der Bereiche ICU und IMC) führt ein wechselnder Krankheitsverlauf eines Patienten nicht zu ständigen Verlegungen. Damit würden beispielsweise einige Verlegungsberichte entfallen, die sonst einen erheblichen Arbeitsaufwand verursachen. Bei Mitarbeitern, die in regelmäßigen Abständen den Einsatzbereich wechseln, kann sich die Motivation und Arbeitszufriedenheit verbessern.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Intermediate Care: Entwicklung, Definition, Ausstattung, Organisation und mögliche Lösungen. 5. Auflage 2011, S. 339
  2. Myers LP, Schroeder SA, Chapmann SA et al.: What's so special about special Care? Inquire 1984;21:113
  3. Fineberg HV, Scadden D, Goldmann L: Care of Patients with low probability of acute myocardial infarction: Cost effectiveness of alternatives to coronary unit admission. N Engl JMed 1984;310:1301
  4. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e. V.
  5. Keenan SP, Massel D, Inman KJ, Sibbald WJ: A systematic review of the Cost Effectiveness Of Noncardiac Transitional Care Units. Chest 1998; 113:172-177
  6. Edwards RE, Stockwell MA: The provision of high depend ency beds does not substitute for inadequate intensive care provision. Abstract, Intensive Care Med 1996; 22:302
  7. [Vincent JL, Burchardi H: Do we need intermediate care units? Intensive Care Med (1999]; 25:1345-1349

Siehe auch[Bearbeiten]