Fussek, Schober – Im Netz der Pflegemafia (2008)

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Claus Fussek und Gottlob Schober haben 2008 ihr Buch Im Netz der Pflegemafia. Wie mit menschenunwürdiger Pflege Geschäfte gemacht werden. veröffentlicht. Damit bringt Fussek sein über Jahre angesammeltes Archiv der Missstände an die Öffentlichkeit. Die Autoren wollen das schwer durchschaubare "Millionengeschäft Altenpflege" in Deutschland durchleuchten. Denn zunächst ist es kaum zu verstehen, warum einige der Beteiligten die kaum bestreitbaren Missstände in Pflegeheimen gar nicht verändern wollen.

Die Methode der Beweisführung[Bearbeiten]

Das Buch schildert reale Zustände in verschiedenen ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen anhand von Fallbeispielen. Aufgrund der Vielzahl der Beispiele wird deutlich, dass die Grenze vom Einzelfall zum systematischen Missstand sehr oft und schon seit langem überschritten ist. Das Buch ist mit einem Stichwortverzeichnis und einem Personenregister ausgestattet. Das Stichwortverzeichnis erlaubt die Einbeziehung des Buchs in die Grundausbildung von Pflegepersonal, da hier viele vermeidbare Pflegefehler beschrieben werden. Auch künftigen Leitungskräfte ist das Buch zu empfehlen. Überlastungsanzeige, pflegeerleichternde Maßnahmen und Personalkosten bleiben danach kein Fremdwort. Das Personenregister ermöglicht es, nach den Namen und Äußerungen Verantwortlicher in der Politk nachzuschlagen. Nach der Lektüre gilt der Satz, dass diese Politiker ja von irgend jemand gewählt worden sein müssen − und in der Demokratie gehören auch die Leser dieses Buches zum Wahlvolk. Hinter diesem Satz steckt die Zukunftshoffnung der Autoren.

Buchinhalt[Bearbeiten]

Aus dem Inhaltsverzeichnis:

1. Dauerbrenner Pflegenotstand

Artgerechte Pflege - artgerechte Haltung: Ein Besuch im Pflegeheim für alte Tiere. Das Horrorkabinett: Erfahrungen im Heimalltag. Festgebunden - Ruhig gestellt. Die Heimleiter. Die Kontrolleure. Pflegenotstand im Krankenhaus.

2. Die Pflegelobby

Die Geburtsstunde der Pflegeversicherung. Wer ist die Pflegelobby? Was 2004 eine Pflegereform hätte werden sollen. Lobbyarbeit im Namen Gottes. Der Grundsatz des Sozialversicherungsrechtes Prävention vor Rehabilitation - Rehabilitation vor Pflege“. Warum dürfen die Prüfberichte des Medizinischen Dienstes nicht veröffentlicht werden?

3. Die Profiteure der Pflegeversicherung

Wie Ärzte pflegebedürftige Menschen unnötig ins Krankenhaus schicken. Leben in tristen Alten-Ghettos? Wie bei Kassen und alten Menschen abkassiert wird

3. Das Versagen der Justiz

Ein Arzt verzweifelt am System. Der Fall Gertrud Frank

5. Auswege aus der Pflegemisere?

Vision Pflegeroboter. Die Pflegestammtische. Es geht auch anders

6. Ein realsatirisches Fazit

von [[w:Dieter Hildebrandt|Dieter Hildebrandt] (* 1927, ein bekannter deutscher Kabarettist im Ruhestand)

7. Die zehn zusammenfassenden Thesen/Forderungen…

…der beiden Autoren enden mit einem Satz eines anderen Schriftstellers, Jean Molière: wir sind […] verantwortlich auch für das, was wir nicht tun.

Zitate[Bearbeiten]

Zitate aus dem Buch:

  • Altenpflegemesse 2007 in Nürnberg: „So sind inzwischen Windeln erhältlich, die ein Fassungsvermögen von unglaublichen 3,8 Litern haben. Wir fragen uns, wer sich das ausgedacht hat. Wie lange müssen Menschen in solchen Windeln liegen, damit sich dieses Produkt für potenzielle Käufer rechnet?“
  • „[…] oder man bildet Arbeitsgruppen und veranstaltet Anhörungen wie beim "Runden Tisch Pflege". Damit wird wenigstens der Anschein erweckt, als wäre man aktiv geworden. In diesen Gremien treffen sich dann die Vertreter der Kassen, Wissenschaftler, Experten, Vertreter der Pflegeverbände. 'Man kennt sich, man duzt sich, man diskutiert, und am Ende kommen nur unverbindliche Erklärungen, Empfehlungen und Verlautbarungen heraus […]“
  • „[…] das ist ein Irrsinn unseres Pflegeversicherungsgesetzes“
  • „Würden wir dieses Immer-wieder-Antworten auf sich wiederholende Fragen, dieses Sicherheit-Geben, diese Begleitung - würden wir diese Betreuungsarbeit weglassen, dann hätten wir ganz schnell bettlägerige Pflegefälle.“

Titelangaben[Bearbeiten]

Claus Fussek, Gottlob Schober: Im Netz der Pflegemafia. Wie mit menschenunwürdiger Pflege Geschäfte gemacht werden. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh, 2008. 399 Seiten. ISBN 3-570-01009-0

Rezensionen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brigitte Heinisch: Satt und sauber? Eine Altenpflegerin kämpft gegen den Pflegenotstand. Rowohlt Tb. 224 S. ISBN 3-499-62338-2 (Zuschauerpreis bei Brisant als "Heldin des Alltags" - MDR, 4. Oktober 2007)
  • Christoph Lixenfeld: Niemand muss ins Heim. Econ, 2008. 284 Seiten. ISBN 3-430-30034-7 (Lixenfeld beschreibt auch alternative Formen, die bereits gut funktionieren (Wohn- bzw. Hausgemeinschaften) und beschäftigt sich mit den strukturellen Bedingungen in der Altenhilfe (Sozialverbände, Große Wohlfahrtsverbände, Marktgesetze, Renditen) – Seite zum Buch

Weblinks[Bearbeiten]



Wikipedia-logo.png vgl. Wikipedia: "Pflegeskandal"



Siehe auch[Bearbeiten]