Ileostoma

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Ileostoma (Dünndarmausgang), Die Ileostomie (lat. Ileum = Dünndarm und griech. Stoma = Mund, Öffnung) ist die zweithäufigste Art der Stomaanlage. Unter einer Ileostomie versteht man die Ausleitung des Dünndarms an die Hautoberfläche.


Indikationen[Bearbeiten]

Nach vollständiger oder umfangreicher Entfernung des Dickdarms (totale/subtotale Kolektomie), nach Entfernung des Mastdarms (Rektum) und/oder des Afters (Anus) wird in der Bauchdecke eine künstliche Öffnung geschaffen, der gesunde Restdarm nach außen geführt und dort mit der Bauchdecke vernäht. Die Gründe liegen können in chronisch entzündlichen Darmerkrankungen des Dickdarms wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn liegen. Bei diesen Leiden kommt es zu einer hohen Häufigkeit von Durchfällen (bis zu 30-mal am Tag), die sich mit einer medikamentösen Behandlung häufig nicht stoppen lassen. Die körperliche und seelische Belastung der Betroffenen sowie vielfach auftretende Komplikationen machen die Anlage eines Ileostomas dann unumgänglich.

Weitere ursächliche Erkrankungen für das Notwendigwerden eines Ileostoma sind Divertikulitis, Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP), Erbkrankheiten wie das Lynch Syndrom, sowie Komplikationen im Rahmen abdominaler Eingriffe, Organfehlbildungen bei Neugeborenen oder Unfälle.

Welche Stomaarten gibt es beim Ileostoma?[Bearbeiten]

Grundsätzlich sind zwei Varianten der künstlichen Ausleitung beim Dünndarm möglich, die jeweils im rechten Unterbauch des Patienten angelegt werden:

Die endständige Ileostomie[Bearbeiten]

Endständig bezeichnet hier die Art und Weise, wie mit den beiden Darmenden nach der Operation verfahren wird. Im Gegensatz zu einer doppelläufigen Ileostomie wird der abführende, restliche, in Richtung Anus verlaufende, Darmschenkel blind verschlossen. Ausgeleitet wird lediglich der zuführende, orale Schenkel, aus Magen-/Mundrichtung kommend. Dieser Schenkel fördert den Stuhl. Wichtig ist eine prominente Anlage, d.h. mindestens 2-4 cm der Darmschleimhaut sollen über Hautniveau herausragen: Beim Ileostoma sind die Ausscheidungen dünnflüssig bis breiig und sehr aggressiv. Durch die prominente Stomaanlage soll gewährleistet werden, dass eine Stomaversorgung dicht bleibt und nicht von dünnen Stühlen unterwandert wird, was schwere Hautschäden zur Folge haben kann. Endständige Ileostomien sind meist als dauerhaftes Stoma angelegt.

Die doppelläufige Ileostomie[Bearbeiten]

Die doppelläufige Ileostomie dient meist der vorübegehenden Entlastung, z.B. bei Entzündungen im nachfolgenden Abschnitt oder zur Entlastung frisch angelegter Anastomosen. Sie werden bei nicht mehr bestehender Indikation oder Abheilen einer Darmnaht nach 6-12 Wochen wieder zurückverlegt. Nach der Eröffnung der Bauchdecke wird ein funktionsfähiger Bereich des Dünndarms als Schlinge herausgezogen. Um das Zurückgleiten des Darms in den Bauchraum zu verhindern, wird häufig ein so genannter Reiter z.B. in Form eines flachen Kunststoffstabes unter die Schlinge geschoben. Dieser wird weder mit der Haut, noch mit dem Stoma vernäht. Anschließend wird der Darm von oben eingeschnitten und nach außen umgestülpt, so dass zwei sichtbare Darmöffnungen entstehen. Der stuhlfördernde Darmabschnitt (aus Richtung Magen / Mund kommend) wird als zuführende Schlinge oder oraler Schenkel, der abführende Teil (in Richtung Anus verlaufend) als abführende Schlinge oder aboraler Schenkel bezeichnet. Im distalen (aboralen) Darmteil werden weiterhin Zellen und Schleim abgestoßen und über den Anus und das Stoma abgeführt. Die Ausleitung erfolgt ebenfalls im rechten Unterbauch.

Wenn der Heilungsprozess des erkrankten Darmabschnittes abgeschlossen ist oder die Darmnaht der vorangegangenen Operation verheilt ist, kann der Chirurg die beiden Darmenden aneinander fügen und in den Bauch zurückverlegen. Die normale Stuhlentleerung ist damit wiederhergestellt, was jedoch voraussetzt, dass der Schließmuskel voll funktionsfähig und trainiert ist.

Besonderheiten des Ileostomas[Bearbeiten]

  • Hautschäden durch aggressives Dünndarmsekret
  • Es werden ständig flüssige bis breiige Stühle gefördert
  • starker Flüssigkeitsverlust über das Stoma erfordert erhöhte Trinkmenge
  • Permanent auf Störung des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushaltes achten.
  • ggf. Substitution der fettlöslichen Vitamine A, D, E, K, und B12
  • ggf. Gabe von Eletrolytpräperaten
  • Der erste Stuhlgang sollte am 1. postopertiven Tag erfolgen.
  • Der Austreifbeutel muß regelmäßig entleert werden, der erste Beutelwechsel erfolgt am 2.-3. postoperativen Tag.
  • Irrigieren ist nicht möglich

Ernährung bei Ileostoma[Bearbeiten]

Für Ileostomieträger gibt es keine spezielle Diät und grundsätzlich finden die Ernährungshinweise für Stomaträger allgemein hier Anwendung.

Jedoch gibt es Einiges speziell bei einem Ileostoma zu beachten: Da Betroffene mit einem Ileostoma dünnflüssigere Ausscheidungen haben, wird hier viel Flüssigkeit über das Stoma ansich ausgeschieden. Weiterhin ist die Resorption von Flüssigkeiten ohne Dickdarm eingeschränkt. Der Flüssigkeitsverlust muss durch eine Erhöhung der Trinkmenge ausgeglichen werden. Eine mangelhafte Flüssigkeitsaufnahme bedingt ein erhöhtes Risiko für Nieren- und Gallensteine, sowie für ein prärenales Nierenversagen. Mit dem flüssigen Stuhl werden zudem die Mineralien Natrium und Kalium ausgeschwemmt, was bei der Ernährung berücksichtigt werden sollte.

Je nach verbliebener Länge des Dünndarmrestes kann es zu einer gestörten Aufnahme verschiedener Vitamine und Mineralstoffe und gegebenenfalls zu einem Kurzdarmsyndrom kommen. Grundsätzlich gilt, je mehr Dünndarm entfernt wurde, desto größer sind die Auswirkungen. Fehlen nur die letzten 20 cm des Dünndarms können das Vitamin B12 und die Gallensäuren nicht mehr resorbiert werden, was die häufigste Komplikation darstellt. Der Vitamin B12-Status muss bei entsprechender Einkürzung des Dünndarms zwingend regelmäßig untersucht und der Vitamin B12-Haushalt unter Umgehung des Darms (parenteral) ausgeglichen werden. Die fehlende Resorption der Gallensäuren kann zu einem großen Teil durch eine Mehrleistung der Leber ausgeglichen werden. Schafft die Leber den Ausgleich nicht, kommt es zu Problemen bei der Verdauung von Fetten und zur Ausscheidung von Fettstühlen.

Auch Medikamente werden oft nicht mehr vollständig vom verbleibenden Darm aufgenommen und müssen möglicherweise parenteral zugeführt werden. Dies ist u.a. zu beachten für Frauen, die mit oral eingenommenen Hormonpräperaten (Pille) verhüten. Diese werden meist einfach wieder ausgeschieden und bieten keinen Schutz. Somit sollte auf andere Verhütungsmethoden zurückgegriffen werden.

Ein nicht besorgniserregender Aspekt des Ileostomas ist die Tatsache, dass einige Speisen in ihrer Originalfarbe ausgeschieden werden. Wer Blutrot im Beutel sieht, sollte zunächst überlegen, ob er beispielsweise Rote Bete zu sich nahm oder einen Energydrink in der Farbe trank.

Sport und Freizeit[Bearbeiten]

Mit einem Ileostoma kann man fast uneingeschränkt aktiv sein, sobald der körperliche Allgemeinzustand dies zuläßt. Sport, Schwimmen und Saunieren ist nach wie vor möglich, wobei die Stomaversorgung am Körper verbleibt.

Zu verzichten ist auf Sportarten, bei den das Ileostoma z.B. durch Stöße, Schläge o.ä. grundsätzlich gefährdet wäre wie z.B. bei Kampfsportarten. Weiterhin ist von Betätigungen, bei denen ein enormer Pressdruck z.B. beim Gewichtheben entsteht, abzusehen, um die Bildung von Hernien (Bruch) nicht zu fördern. Zum Schutz des Stomas und zur Stabilisierung der Bauchdecke gibt es spezielle Stomagürtel.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

[1] [2]

  1. Ratgeber-Darmkrebs.de Stomaarten, Ileostoma, Ernährung bei Stoma
  2. Wikipedia Enterostoma


siehe auch

Weblinks[Bearbeiten]

Ratgeber-Darmkrebs.de Informationsportal Darmkrebs und Stoma für Stomaträger und Pflegepersonal mit Stomapflege

Wikipedia