Ida Jean Orlando

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Biografie[Bearbeiten]

  • 12.08.1926 Ida Jean Orlando wurde geboren
  • 1947 Abschluss der Krankenpflegeausbildung am New York Medical College mit Diplom
  • 1951: Abschluss des Studiums in öffentlicher Gesundheitspflege an der St. Johns University in Brooklyn, New York, mit dem Bachelor of Arts
  • 1954: Abschluss des Studienfaches „Beratung in Fragen der geistigen Gesundheit“ mit dem Mastergrad am Teacher`s College der Columbia

University in New York[Bearbeiten]

  • Arbeit in unterschiedlichen Bereichen: Entbindungsstation, Innere Medizin, Chirurgie;
  • Außerdem arbeitete sie als Supervisorin, Lehrerin und als Pflegedienstleitung in einem Allgemeinkrankenhaus.
  • 1955-1958: Assistenzprofessorin für geistige Gesundheit und psychiatrische Pflege an der Yale University in Conneticut.
  • Forschungsprojekt mit dem Ziel der Integration von wichtigen Aspekten der psychiatrischen Pflege in ein allgemeines Pflegecurriculum
    • Analyse von 2000 Interaktionen zwischen Patienten und Pflegepersonal
  • 1958-1961: Professorin und Direktorin des Graduiertenseminars für psychische Gesundheit und psychiatrische Pflege an der Yale University School of Nursing
  • 1961: Erstes Buch „Die dynamische Schwester-Patient-Beziehung“ erscheint mit Ergebnissen des Forschungsprojektes
  • Umsetzung ihres theoretischen Modells in die Ausbildung der Yale University School of Nursing
  • 1961: Heirat mit Robert Pelletier und Umzug nach Boston
  • 1962-1972: Beraterin für klinische Krankenpflege am Mc Lean Hospital, einem privaten psychiatrischen Krankenhaus in Belmont, Massachusetts
  • 1972: Ihr zweites Buch „Regeln und Lehre des Krankenpflegeprozesses – eine bewertende Studie“ erscheint, dessen Inhalt aus weiteren Forschungsergebnissen besteht. Es beinhaltet auch weitere Analysen der Beziehungsstruktur zwischen Patient und Pflegepersonal.
  • Als Beraterin von Krankenpflegeschulen, Gesundheitsämtern und von Studierenden tätig, sie hielt Vorträge und organisierte Workshops in den USA und Kanada.
  • 1990 erschien eine Neuauflage ihres ersten Buches. Orlando hat neue Begriffsdefinitionen hinzugefügt, um zum besseren Verständnis beizutragen.
  • Zuletzt arbeitete sie als Direktorin der Abteilung für Pflegeausbildung und Pflegeforschung im Departement of Nursing des Metropolitan State Hospitals in Waltham, Massachusetts.
  • 28.11.2007 Ida Jean Pelletier (geb. Orlando) gestorben.

Entstehung der Theorie[Bearbeiten]

  • Pflege erhält in den 50ern den Graduiertenstatus
  • Psychiatrische Pflege wird in den Lehrplan aufgenommen
  • Beides eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Theorie Orlandos
  • Unzufriedenheit Orlandos, da Patientenbedürfnisse zu kurz kommen
    • Entwicklung erster Ideen
  • Konzepte für die Theorie stammen aus der Pflegepraxis
    • keine Quellenangaben oder Literaturhinweise in ihren Büchern
    • Analyse von 2000 Pflegekraft-Patienten-Interaktionen
  • Beeinflussung Orlandos durch Hildegard Peplau und diese durch Harry Stack Sullivan
    • Züge beider werden in Orlandos Theorie vermutet
  • Enge Zusammenarbeit mit Ernestine Wiedenbach und gegenseitige Beeinflussung
  • Theorie gilt als einzigartig und hat einen hohen Stellenwert für die Pflege
  • In anderen Theorien Bedürfnisse, Hilflosigkeit und Umwelt wichtig
  • Orlandos eigenes Konzept beruht auf der bewusst, automatisch, professionellgeordnete, lebendige und offene Pflegekraft-Patient-Beziehung


Die Theorie[Bearbeiten]

MENSCHENBILD GESUNDHEIT Umwelt Person Pflege
Wesen mit Bedürfnissen das sich weiterentwickelt und durch verbales und nonverbales Verhalten charakterisiert ist geistige und körperliche Gesundheit wird als unmittelbare Situation beschrieben in der sich Patienten u. PK befinden Patienten: Person die sich in medizinische Behandlung begibt Schnittstelle Medizin/pflege
Gefühl von Angemessenheit O. geht nicht näher darauf ein kann infolge nicht kontrollieren was mit ihr passiert Aufgabe ist von Patienten bestimmt
braucht Hilfe der PK ermittelt Hilfebedarf
ist für Individuen verantwortlich
Erfüllt Anweisungen des Arztes für Patienten (nicht umgekehrt)

Der Fokus richtet sich auf das Paradigma PERSON und PFLEGE: daraus ergibt sich der Pflegeprozess


PATIENTENVERHALTEN REAKTION DER PFLEGEKRAFT Hilfsbedarf

Wahrnehmung

Besserung Denken
Fühlen


AKTION DER PFLEGEKRAFT
Mechanischer Pflegeprozess
individuell abgestimmter Pflegeprozess



PATIENTENVERHALTEN[Bearbeiten]

  • Hilfsbedarf (ursprüngliche Bezeichnung: Bedürfnis)

Patienten benötigt Hilfe bei:[Bearbeiten]

  • Physischen Einschränkungen
  • Negativem Erleben der Umgebung
  • Mangelnder Möglichkeit der Bedürfnisäußerung
  • Bei Erfüllung
    • Verringerung von Stress, Steigerung von Wohlbefinden, Linderung der Not des Patienten, **Verringerung der Hilfsbedürftigkeit
  • Besserung (hilfreiches Ereignis)

Steigerung seelischer und körperlicher Gesundheit, Wohlbefinden[Bearbeiten]

Zwei Äußerungsformen:

  1. Nonverbales Verhalten:
  • Motorische Aktivität (z.B. laufen, essen)
  • Physiologische Reaktion (z.B. Wasserlassen, Blässe)
  • Akustisches Verhalten Laute (z.B. lachen, weinen, seufzen)
  1. verbales Verhalten
  • Sprachliche Äußerungen (z.B. Beschwerden, Bitten, Fragen)

REAKTION DER PFLEGEKRAFT[Bearbeiten]

  • Wahrnehmung (in Bezug auf das Patientenverhalten)
  • Gedanken (erst dann korrekt, wenn Rückversicherung mit dem Patienten)
  • Gefühle (Äußerung bzw. Abgleichung mit dem Patienten wichtig, sonst kein Nutzen)
  • Handlung

Jede Reaktion ist subjektiv, deshalb ist der Austausch mit dem Patienten wichtig.

AKTION DER PFLEGEKRAFT[Bearbeiten]

Automatische Reaktion (verdeckt)- mechanischer Pflegeprozess[Bearbeiten]

Umfasst keine Wahrnehmung, Gedanken, Gefühle; Eignet sich wenig, um Hilfsbedarf zu erkennen und zu befriedigen; Übergeht die problembezogenen Wahrnehmungen und Gedanken des Patienten ; Patienten wird nicht miteinbezogen; Patienten wird nicht gefragt, ob er Pflegehandlungen möchte;

Vorschriftsmäßig-professionelle Reaktion (bewusst)- individuell abgestimmter PP[Bearbeiten]

Geordnete Handlungen werden ausgelöst durch die Kenntnis der Patienten-bedürfnisse (Validation durch Patienten-reaktion). Begleitung durch Reflexionsprozess Verstehen des Patienten-verhaltens wird fortlaufend versucht. Nimmt das Verhalten und seine Bedeutung wahr, Handlungen entsprechen dem speziellen Bedürfnis des Patienten Pflegekraft teilt diese Wahrnehmung mit, erforscht und validiert deren Bedeutung gemeinsam mit dem Patienten (Falschinterpretationen werden verhindert).

Vorraussetzungen für den Prozess[Bearbeiten]

  • Verbalisierung der Pflegekraft muss mit Reaktion (Ausübung) übereinstimmen (in einem oder in allen Faktoren)
  • Nonverbale Handlung der Pflegekraft muss verbalisiert werden muss mit der unmittelbaren Reaktion übereinstimmen (in einem oder in allen Faktoren)
  • Gegenstand der Aussage der Pflegekraft auf den Patienten individuell zugeschnitten
  • Über ausgeübte Handlung Patienten befragenBestätigung oder  Korrektur} = Validation


3. Die Interaktionsmuster[Bearbeiten]

Einfache Annahmen[Bearbeiten]

  • Definitionen der einzelnen Begriffe ihrer Theorie können als einfache Annahmen gelten
  • Weitere einfache Annahmen:
  • Hinweis zum Patienten Verhalten
  • Annahmen auf Reaktion der Pflegekraft: „ Die Pflegekraft hält keinen ihrer Reaktionen für korrekt, hilfreich oder angemessen, bis sie dessen Gültigkeit nicht gemeinsam mit dem Patienten verifizieren konnte.“(ORLANDO)
  • Nicht geklärte Reaktionen können sich in Interaktion drängen
  • Rückmeldung des Patienten


Verknüpfende Annahmen[Bearbeiten]

Verbinden einzelner Begriffe und deren Dimensionen:

  • Verknüpfung Patienten Verhalten (Hilfsbedarf) und Reaktion Pflegekraft (Wahrnehmung): Annahme: bis zum Beweis des Gegenteils ist Patienten Verhalten als Signal der Verzweiflung und des Hilfsbedarfs anzusehen
  • Was eine Pflegekraft sagt oder tut, ist zwangsläufig ein Ergebnis ihrer Reaktion auf die vorgefundene Situation“ (ORLANDO)
  • Handlungsprozeß: Wahrnehmung => Gedanken => Gefühle => Handlung
  • Aktion Pflege und Patienten Verhalten: oberstes Ziel für Pflege ist Hilfe für den Patienten, und elementar für diese Hilfe ist die Zustimmung in beiderlei Richtung
  • Hilfsbedarf erfüllt oder nicht erkennbar an Patienten Verhalten; keine Besserung => neuer Aktionsprozeß durch Pflege

4. Evaluierung/ Wertung der Theorie[Bearbeiten]

Die Evaluation basiert auf den Ergebnissen der Analyse und auf Veröffentlichungen anderer Autoren.

1.Signifikanz[Bearbeiten]

Da Orlando selbst keine anderen Wissenschaftlichen Disziplinen benutzt hat, gilt ihre Theorie als eine eigenständige Pflegetheorie: die Theorie des „individuell abgestimmten Pflegeprozess“. Sie wurde aus der Pflegepraxis geboren!

Orlando ist es dadurch gelungen, 2 Dinge zu verbessern:

  1. Die Beziehung zwischen Patienten und PP
  2. Die Professionalisierung der Pflegekräfte

Vor allem durch letzteres wird eine ganz klare Abgrenzung zur Medizin geschaffen und so die Pflege Individualisiert.

2.Innere Kohärenz[Bearbeiten]

Die Theorie ist in sich stimmig, weil sie Orlandos philosophischen Überzeugungen entspricht und widerspiegelt. Sie geht davon aus, dass ein Patienten mit Ablehnung und Verunsicherung auf eine PP reagiert, wenn eine negative Erfahrung vorausgegangen ist. Genau deshalb ist es von immenser Wichtigkeit, den Patienten in die Pflegehandlung zu integrieren und in verbaler Form zu erfragen, welche Hilfe er benötigt.

3.Knappheit[Bearbeiten]

Orlando benutzt in ihren Erklärungen knappe Formulierungen. Die komplexen Zusammenhänge, werden im Detail an praxisbezogenen Beispielen erklärt. Durch die Wiederholungen, an aber unterschiedlichen Beispielen, soll dann ein besseres Verständnis entstehen (besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung – Denken - Fühlen).

4.Überprüfbarkeit[Bearbeiten]

Orlando hat eigens eine Forschungsmethode entwickelt, dessen Ziel es war, die Wirkung des individuell abgestimmten Pflegeprozess auf das Verhalten der Patienten und der PP zu bestimmen. Sie hat Patienten , PP und Mitarbeiter in einer Studie beobachtet, Mitschriften gemacht, Gespräche auf Band aufgenommen und ausgewertet. Sie kam zu der Erkenntnis, dass Patienten , die Vertrauen zur PP aufbauen, Wünsche, Beschwerden usw. häufiger äußern als andere. Sie ist ebenfalls zu der Überzeugung gekommen, dass PP in der Form von Kommunikation geschult werden sollten. Geschulte PP wenden so das Verfahren häufiger und sicherer an.

In der Feldforschung wurde Reaktion der PP, die Aktion der PP und das Patientenverhalten in Verbindung gesetzt, um die Reaktionen einzuschätzen.

Ergebnis:

  • Die Handlungen sind ineffektiv, wenn die Wahrnehmung der PP nicht hinterfragt wurde durch die Rückmeldung des Patienten
  • Bespricht die PP sich mit dem Patienten = Erfolgsversprechende Behandlung

5.Empirische Absicherung[Bearbeiten]

Orlando entwickelte erstmals in den frühen 60. einen Forschungsbericht über den „individuell abgestimmten Pflegeprozess“. Diesen hat sie dann weiterentwickelt, nach eigenen Aussagen, und publiziert. Diese Publikation wurde von einer Psychiatrischen Einrichtung gefördert, in der ihre Feldforschung durchgeführt wurde. So ließ sich, anhand der verbalen und nonverbalen Reaktionen, nachweisen, dass der Pflegeprozess zu einem positiven Ergebnis beitragen kann

Literaturverzeichnis[Bearbeiten]

  • Fawcett, Jaqueline: Spezifische Theorien der Pflege im Überblick, Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen 1999
  • Meleis, Afaf Ibrahim: Pflegetheorie. Gegenstand, Entwicklung und Perspektiven des theoretischen Denkens in der Pflege, Verlag Hans Huber, Bern,Göttingen 1999
  • Orlando, Ida Jean: Die Lebendige Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten, Verlag Hans Huber, Bern 1996
  • Steppe, Hilde: Pflegemodelle in der Praxis, 6. Folge, Ida Jean Pellerier (geb. Orlando), *Die dynamische Beziehung zwischen Patient und Pflegeperson, in: Die Schwester/ Der Pfleger 30. Jahrgang 4/91