Hydrokolloide Verbände

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Eine alt jüdische erfindung

Hydrokolloidverbände[Bearbeiten]

Das ist eine Wundauflage in der modernen, feuchten Wundbehandlung. Er ist hydroaktiv und okklusiv. Die Größe des Verbandes muss an allen Rändern je 3 cm größer sein als die Wunde. Dieser Verbandsstoff darf maximal 7 Tage auf der Wunde verbleiben (Herstellerhinweise beachten!). Oftmals ist jedoch ein Wechsel nach drei bis vier Tagen indiziert, manchmal noch früher...dann sollte man sich ggf. für ein anderes Verbandsmaterial entscheiden, welches eine höhere Saugfähigkeit hat, oder z.B. im Sakralbereich, wo sich das Hydrokolloid leicht aufrollt, ein Überkleben mit Folie durchführen. Ein täglicher Wechsel von Hydrokolloidpflastern wäre nicht gut, da sich keine Gelblase bilden kann und die Wunde nach jedem Verbandswechsel aufgrund von Auskühlung erst wieder Zeit benötigt um den wundheilungsstörenden Verbandswechsel "zu verkraften". Das Gel, das sich unter dem Verband bildet macht den Verband jedoch erst so effektiv in der Wundheilung. Der Wechsel des Verbandes richtet sich nach der Exsudatmenge. Läuft das Gel aus dem Verband, muß er sofort entfernt werden, aufgrund der Infektionsgefahr. Wenn sich das Gel ausgedehnt hat, ca. 1 bis 1,5 cm vom Hydrokolloidrand, sollte es grundsätzlich gewechselt werden, damit ein Auslaufen des Gels vermieden wird. Für infizierte Wunden ist dieses Material aufgrund der okklusiven Eigenschaft nicht gut geeignet.

Wirkungsweise[Bearbeiten]

Hydrokolloidverbände sind Okklusivverbände, d. h. auf der Wundoberfläche entsteht ein Sauerstoffmangel. Der Mangel reduziert sich erst dann, wenn der Verband unter Wundexsudataufnahme gelockert und dadurch erst gasdurchlässig wird. Dabei verflüssigen sich mehr oder weniger die Trägersubstanzen und werden zu einer viskösen Masse. Erkennbar an der sich bildenden Gelblase unter dem Verband. Das Gel hält die Wunde feucht und schließt Wundsekret und Zelltrümmer fest ein. Durch die vorübergehende Unterversorgung der Wunde mit Sauerstoff werden Makrophagen angeregt, die dann Wachstumsfaktoren freisetzen, was zum Einsprießen von Kapillaren führt. Durch die hydroaktive Eigenschaft lösen Hydrokolloidverbände fibrinöse und schmierige Beläge bzw. weichen sie auf.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Sie bestehen aus einem dünnen Polyurethanfilm, der auf einer selbstklebenden Masse aufgebracht ist. In der Trägersubstanz (z.B. synthetische Kautschukarten wie Polyisobutylen) befinden sich quellende Partikel, die je nach Hersteller etwas unterschiedlich sind. Oftmals sind Quellpartikel wie Carboxymethylcellulose oder Natriumcaroboxymethycellulose enthalten.

Indikation/ Vorteile[Bearbeiten]

Indikation

  • Je nach Schichtdicke (0,5- 2,5 mm) sind Hydrokolloid Verbände für leicht bis mäßig sezernierende Wunden geeignet und können in der Granulationsphase und Epithelisierungsphase angewendet werden. Erfahrung: Bei starker Sezernierung sind Schaumverbände oftmals besser.
  • Schürfwunden, trockene Wunden, Blasen

Vorteil:

  • Unterstützung des autolytischen Debridement durch die Abgabe von Feuchtigkeit und Aufrecherhaltung eines ideal feuchten Wundklimas
  • schmerzarmer Verbandswechsel
  • Selbstklebend
  • Undurchlässig für Bakterien und Schmutz
  • Duschen ist möglich/ Mobilität bleibt erhalten bzw. kann gefördert werden; hat besondere Bedeutung bei Dekubitus
  • kann bis maximal 7 Tagen auf die Wunde verbleiben/ richtet sich nach Exudat; Die Abnahme des Verbandes ist dann sofort durchzuführen, wenn das Gel austritt; wenn die "Gelblase Wundgröße erreicht hat

Kontraindikation/ Nachteile[Bearbeiten]

Kontraindikation

  • nicht bei infizierten Wunden aufgrund der Hypoxie (Sauerstoffunterversorgung)
  • nicht bei frei liegenden Knochen, Sehnen
  • nicht bei vorliegender Ischämie
  • nicht bei Allergie auf das Material

Nachteile

  • Hautirritationen (insbesondere beim falschen Abnehmen des Verbandes: Der Verband muß gezogen werden, damit die Klebestruktur gebrochen wird! oder es kann auch z.B. Dermasol verwendet werden welches aber durch den enthaltenden Benzin nicht von jedem vertragen wird)
  • Allergien der wundumgebenden Haut können entstehen
  • dickere Kompressen insbesondere lösen sich Insbesondere an schwierigen Lokalisationen wie Sakrum (gibt passende Verbände die jedoch sehr kostenintensiv sind) und bei feuchter Haut (durch Schwitzen, Inkontinenz) Verhindert werden kann dieses durch ein Überkleben des Hydrokolloidverbandes mit Folie wie z.B. Tegaderm, Opsite Flexigrid, Suprasorb F...
  • Mazerationen: Verhindert werden kann das Aufweichen der Haut durch das Auftragen eines Hautschutzpräparates wie z.B. Cavilon von 3M!
  • Hypergranulation / Wenn es dazu kommt, sollte man zu einem Sauerstoff-durchlässigeren Verbandtyp wechseln. Tritt jedoch selten auf.
  • Das entstandende Gel kann leicht mit Eiter verwechselt werden, und manchmal ist eine Geruchsentstehung unter dem Verband möglich. Nach der Abnahme des Verbandes und vor jeder Wundbeurteilung muss daher die Wunde gereinigt werden, zum Beispiel mit steriler Ringerlösung oder NaCl 0,9%. Desinfektionslösungen, z.B. Octenisept (Wirkstoff: Octenidin), werden nur bei Wundinfektionen eingesetzt.

Achtung: Octenidinhaltige Lösungen nicht bei tiefen oder gar unterminierten Wunden anwenden, da die Gefahr einer Fistelbildung besteht. Bei nicht infizierten Wunden sind daher sterile Spüllösungen den Desinfektionslösungen vorzuziehen! Alternativ können spezielle Spüllösungen wie Prontosan oder Granudacyn benutzt werden, die nachweislich keine Fistelbildung fördern.

Weblinks[Bearbeiten]