Hippokratischer Eid

Aus PflegeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Eid des Hippokrates ist heute nur noch von medizingeschichtlicher Bedeutung. Er ist rechtlich nicht verbindlich und wird in seiner klassischen Form von Ärzten nicht mehr geleistet. Einige Elemente des Eides sind auch heute noch Bestandteil ärztlicher Ethik, wie das Gebot, Kranken nicht zu schaden, die Schweigepflicht, das Verbot sexueller Handlungen an Patienten, etc. Andere Aussagen entsprechen dagegen nicht mehr den heutigen Gegebenheiten und Gesetzen (Verbot, Blasensteine zu operieren; Verbot des Schwangerschaftsabbruches).

Als Alternative zum hippokratischen Eid wurde 1948 die Genfer Deklaration durch den Weltärztebund verabschiedet.

Übersetzung des hippokratischen Eides[Bearbeiten]

(In Klammern: Verweise innerhalb dieses Lexikons)

Ausgrabung auf Kós

Ich schwöre bei Apollon dem Arzt und bei Asklepios, Hygieia und Panakeia sowie unter Anrufung aller Götter und Göttinnen als Zeugen, daß ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil diesen Eid und diesen Vertrag erfüllen werde:

Denjenigen, der mich diese Kunst gelehrt hat, werde ich meinen Eltern gleichstellen und das Leben mit ihm teilen; falls es nötig ist, werde ich ihn mitversorgen. Seine männlichen Nachkommen werde ich wie meine Brüder achten und sie ohne Honorar und ohne Vertrag diese Kunst lehren, wenn sie sie erlernen wollen. Mit Unterricht, Vorlesungen und allen übrigen Aspekten der Ausbildung werde ich meine eigenen Söhne, die Söhne meines Lehrers und diejenigen Schüler versorgen, die nach ärztlichem Brauch den Vertrag unterschrieben und den Eid abgelegt haben, aber sonst niemanden.

Die diätetischen Maßnahmen werde ich nach Kräften und gemäß meinem Urteil zum Nutzen der Kranken einsetzen, Schädigung und Unrecht aber ausschließen.

Ich werde niemandem, nicht einmal auf ausdrückliches Verlangen, ein tödliches Medikament geben, und ich werde auch keinen entsprechenden Rat erteilen; ebenso werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel aushändigen. (Ein Euthanasie-Verbot)

Lauter und gewissenhaft werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.

Auf keinen Fall werde ich Blasensteinkranke operieren, sondern ich werde hier den Handwerkschirurgen Platz machen, die darin erfahren sind.

In wieviele Häuser ich auch kommen werde, zum Nutzen der Kranken will ich eintreten und mich von jedem vorsätzlichen Unrecht und jeder anderen Sittenlosigkeit fernhalten, auch von sexuellen Handlungen mit Frauen und Männern, sowohl Freien als auch Sklaven.

Über alles, was ich während oder außerhalb der Behandlung im Leben der Menschen sehe oder höre und das man nicht nach draußen tragen darf, werde ich schweigen und es geheimhalten. (Schweigepflicht)

Wenn ich diesen meinen Eid erfülle und ihn nicht antaste, so möge ich mein Leben und meine Kunst genießen, gerühmt bei allen Menschen für alle Zeiten; wenn ich ihn aber übertrete und meineidig werde, dann soll das Gegenteil davon geschehen.

Genfer Deklaration des Weltärztebundes[Bearbeiten]

Die Genfer Deklaration (auch Genfer Gelöbnis genannt) wurde unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, an denen auch Mediziner beteiligt waren, verfasst. Sie wurde als eine zeitgemäße Version des hippokratischen Eides im September 1948 auf der 2. Generalversammlung des Weltärztebundes in Genf (Schweiz) verabschiedet und seitdem mehrfach überarbeitet.[1]

Wortlaut der Genfer Deklaration[Bearbeiten]

Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand: Ich gelobe feierlich mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;

Ich werde meinen Lehrern die Achtung und Dankbarkeit erweisen, die ihnen gebührt;

Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben;

Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein; Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren;

Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten;

Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein;

Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung;

Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden;

Dies alles verspreche ich feierlich, frei und auf meine Ehre.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Fuchs, Thomas Gerst: Medizinethik in der Berufsordnung. Auf: www.bundesaerztekammer.de, abgerufen am 16. Mai 2012
  2. www.bundesaerztekammer.de, abgerufen am 16. Mai 2012