Hinduismus

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DurbarSquare Patan - Nepal

Der Hinduismus zählt mit über 800 Millionen Gläubigen neben Buddhismus, Christentum, Islam und Judentum zu den fünf Weltreligionen.

Da im Krankenhaus heutzutage Patienten mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit betreut werden, ist es sicher hilfreich, wenn Pflegekräfte zumindest die Grundzüge und Grundaussagen der Weltreligionen kennen.

Entstehung[Bearbeiten]

Opfer-Ritual

Richtungen[Bearbeiten]

Die Hauptrichtungen des Hinduismus sind der Vishnuismus und der Shivaismus. Der Hinduismus ist insgesamt sehr heterogen und in verschiedene Richtungen und Untergruppierungen aufgespalten. Brahma, Vishnu und Shiva sind jedoch in den meisten Richtungen verehrte Hauptgottheiten. Götter, Menschen und Tiere durchwandern die Yuga genannten Weltzeitalter, nach hinduistischer Glaubensvorstellung, in einem durch ewige Wiederkehr gekennzeichneten Kreislauf. Während der Durchläufe wird je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft. Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung von Handlungen beeinflusst nach hinduistischer Vorstellung zukünftige Wiedergeburten (Reinkarnation) oder die Erlösung (moksha), das Aufgehen der Einzelseele (Atman) in der "Weltseele" (Brahman).

Vishnuismus[Bearbeiten]

Nach Vorstellung dieser Strömung kommt der Gott Vishnu in 10 Inkarnationen (Avatare) auf die Erde. Die 10. noch ausstehende Inkarnation kommt in einer Art Jüngstem Gericht als Kalki um das Ende der Zeiten einzuleuten (Kali-Yuga).

Shivaismus[Bearbeiten]

Zum Shivaismus oder Shaivismus zählen jene Richtungen des Hinduismus, in denen Shiva die zentrale Rolle als höchste Gottheit und Allwesen zukommt, der alle anderen Götter überragt und diese so wie das gesamte Universum aus sich hervorgehen lässt. Der Shivaismus ist eine Form der Religion, bei der Gott als gleichzeitig immanent und transzendent gedacht wird.

Brahmanismus[Bearbeiten]

Brahma ist der Name eines Hauptgottes im Hinduismus. Die weiteren Hauptgötter sind Vishnu (Bewahrung) und Shiva (Zerstörung). In dieser Trias stellt Brahma das Prinzip der Schöpfung dar. Der Brahmanismus, welcher ihm besondere Verehrung zu teil werden lässt, hat gegenüber den weiteren Hauptströmungen des Hinduismus (Vishnuismus, Shivaismus) heute stark an Bedeutung verloren. Auf Darstellungen ist Brahma meist mit 4 Gesichtern und Armen, sowie mit Gebetskranz und Veden (älteste indische Literatursammlung) zu sehen. Brahmanas sind den Veden beigegebene Erläuterungen, die auf ca. 800 vor Chr. datiert werden. Brahmanen sind Mitglieder der obersten hinduistischen Priester - Kaste und gelten in den alten Schriften als unverletzlich. Heute üben sie auch andere Berufe aus.

Weitere wichtige Gottheiten sind z.B. Devi (Shaktismus, Shakti), Durga, Ganga, Ganesha, Hanuman (populär als Affengott), Kali (Göttin des Todes), Krishna (eine Inkarnation Vishnus), Indra, Maya und Rama.

Wichtige Schriften des Hinduismus: Die vier Veden (heilige Schriften: Rigveda, Samaveda, Yajurveda, Atharvaveda), Brahmanas, Upanishaden, Bhagavad Gita.

Festvorbereitungen

Umgang mit Hindus in der Pflege/Besonderheiten[Bearbeiten]

Je nach Richtung und Tradition können Hindus im Krankenhaus/in der Pflege sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben. Das klassische Rollenverständnis sehr traditionell orientierter Hindus kann zu Problemen im Umgang mit weiblichen Pflegepersonal führen. Je nach Tradition kann die Möglichkeit erwünscht sein, Mantra-Rezitationen, Gebete, Meditation, Gesang etc. durchzuführen. Da Kühe als heilig gelten, wird unter Umständen der Genuss von Rindfleisch abgelehnt.

Soziale Struktur/Kastensystem[Bearbeiten]

  • Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hat für indische Hindus trotz Streichung des Kastensystems aus der Verfassung, weiterhin große soziale Relevanz.
  • bei traditionell orientierten Hindus ist ein althergebrachtes Rollenverständnis meist noch selbstverständlich. Der Vater bildet das uneingeschränkte Oberhaupt der Familie, Frauen müssen sich unterordnen. Ledige Frauen stehen in der sozialen Hierachie noch bedeutend tiefer. Den Söhnen wird besondere Wertschätzung entgegengebracht, sie werden den Töchtern gegenüber bevorzugt.
  • Mittlerweile haben sich jedoch auch Reformen durchgesetzt und es kam zu vielen Modernisierungen. So kommt es heute z.B. so gut wie nicht mehr vor, dass sich die Ehefrau beim Tod des Mannes mitverbrennen läßt. Auch die Heirat über Kastengrenzen hinweg ist teilweise üblich geworden. Traditionell teilt sich das Leben streng gläubiger Hindus in 4 Abschnitte: Zeit der Enthaltsamkeit bis zum 25. Lebensjahr. Danach Familiengründung und dann die Aufzucht der Kinder bis in das Erwachsenenalter. Im 4. und letzten Abschnitt Entsagung soll die Befreiung angestrebt werden. Diese Idealvorstellung ist heute so gut wie nicht mehr anzutreffen. Der Lebensweg des Hindus wird durch mehrere Initiationsriten gegliedert.
Hindu-Bestattung - Nepal

Hinduismus und Sterben[Bearbeiten]

  • je nach Kaste unterschiedliche Riten der Bestattung. Leiche wird gewaschen und in Tuch gehüllt (für Frauen rotes Tuch). Mit den Füßen voran, wird der Leichnam abtransportiert.
  • traditionell ist die Brandbestattung, die rituelle Verbrennung des Leichnams
  • traditionell nehmen nur Männer an der Bestattung teil. Alle Anwesenden tragen im Gegensatz zu anderen Religionen weiße Kleidung. Der Sohn oder ein anderer männlicher enger Verwandter vollrichtet die Bestattungsrituale.

siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Scholz, Werner, Schnellkurs Hinduismus, Dumont Literatur und Kunst Verlag, ISBN 3-8321-5332-2 Für den Einstieg in das Thema
  • Berzin, Alexander. Zwischen Freiheit und Unterwerfung:Chancen und Gefahren spiritueller Lehrer-Schüler-Beziehungen. Theseus 2002

Weblinks[Bearbeiten]