Heilkundeübertragungsrichtlinie

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Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossene Richtlinie über die Festlegung ärztlicher Tätigkeiten zur Übertragung auf Berufsangehörige der Alten- und Krankenpflege zur selbständigen Ausübung von Heilkunde im Rahmen von Modellvorhaben nach § 63 Abs. 3c SGB V vom 20. Oktober 2011 legt im einzelnen fest, welche heilkundlichen Tätigkeiten im Rahmen von Modellvorhaben auf Gesundheits- und Krankenpfleger und auf Altenpfleger übertragen werden dürfen, um von diesen selbständig und eigenverantwortlich ausgeübt zu werden. Sie regelt ferner, welche besondere Qualifikation eine Pflegekraft jeweils haben muss, damit ihr eine bestimmte heilkundliche Tätigkeit übertragen werden darf. Die Richtlinie ist am 22. März 2012 in Kraft getreten.

Beispiele für eine solche selbständige Ausübung von Heilkunde sind etwa spezifische Infusionstherapien oder eine Wund- oder Schmerztherapie durch Kranken- und Altenpfleger.

Das Modellvorhaben[Bearbeiten]

Durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz wurde 2008 den Krankenkassen in § 63 Abs. 1 SGB V die Möglichkeit eingeräumt, im Rahmen von Modellvorhaben die Übertragung von Tätigkeiten, die bisher von Ärzten durchgeführt wurden, auf Pflegefachkräfte zu erproben. Die selbstständige und eigenverantwortliche Ausübung von Heilkunde durch die Gesundheits- und Krankenpflege-, die Kinderkrankenpflege- und die Altenpflegeberufe unterscheidet sich von der Substitution und Delegation. Bei welchen ärztlichen Tätigkeiten eine Übertragung von Heilkunde auf die Angehörigen der Kranken- und Altenpflegeberufe im Rahmen von Modellvorhaben erfolgen kann, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der Richtlinie nach § 63 Abs. 3c SGB V festgelegt.

Die Diagnose und deren Überprüfung sowie die Indikationsstellung für bisher ausschließlich ärztliche Behandlungsmaßnahmen sollen in ärztlicher Verantwortung bleiben. Die auf dieser Grundlage durchzuführenden Behandlungsmaßnahmen sollen in dem Modellvorhaben aber unter Verantwortung von ergänzend qualifizierten Angehörigen der Pflegeberufe erfolgen[1].

"Die Richtlinie wird einerseits als Konkurrenz zu den Ärzten und andererseits als Lösungsweg zur Bekämpfung des Ärztemangels betrachtet und spaltet dementsprechend die Gemüter." [2]

Gesetzliche Grundlage[Bearbeiten]

Die Gesetzliche Grundlage ist der vom Gesetzgeber 2008 verabschiedete § 63 Abs. 3c SGB V. Medizinische Fachangestellte sind in diese Richtlinie nicht integriert.

Die Schwerpunkte[Bearbeiten]

„Innerhalb der Heilkundeübertragungsrichtlinie, übernehmen Pflegekräfte im Rahmen von definierten Behandlungsstandards und der entsprechenden Leitlinien Aufgaben, die in hohem Maße eigenverantwortliches Entscheiden und Handeln erfordern.“ [3] Vorgesehen ist laut einer Vorschlagsliste die Übernahme folgender Tätigkeiten durch Pflegefachkräfte:

  1. Neun Infusionstherapien,
  2. fünf Wundtherapien und Regelungen zur Verordnung von Medizinprodukten und Pflegehilfsmitteln,
  3. die Anus praeter -Versorgung ,
  4. der Wechsel von Trachealkanülen und das Tracheostomamanagement ,
  5. das Anlegen von Magensonden und transurethalen Blasenkathetern,
  6. Aufgaben innerhalb der Ernährung,
  7. Schmerz- und Case-Management.
  8. und die die psychosoziale Betreuung. .“ [4]
  9. Pflegekräfte sollen auch eigenständig Heil- und Hilfsmittel verordnen und Patienten überweisen dürfen. Dazu soll es eigene Vordrucke geben, um Verwechslungen mit Rezepten und Überweisungsformularen auszuschließen. [5]

Der Deutsche Pflegerat[Bearbeiten]

Der Deutsche Pflegerat legt Wert auf die Feststellung, dass sich die Diskussion um die Neuverteilung von Aufgaben an den Interessen und Erwartungen der Bürger zu orientieren habe. [6]

Beispiel Intensivpflege und Anästhesie[Bearbeiten]

Fachpflegekräfte für Intensivpflege und Anästhesie, die durch eine anspruchsvolle Weiterbildung zur Teamarbeit in den Fachgebieten Intensivmedizin und Anästhesie ausgebildet und befähigt wurden, kennen diese Verfahrensweisen schon lange. Damit dürfte auch klar sein, dass sich die Ausbildunginhalte in der Gesundheits- und Krankenpfleger/in ändern müssen.

Links zum Begriff Teamwork in Medizin und Pflege[Bearbeiten]

  1. "Die Rede ist von selbstständiger Ausübung von Heilkunde". Hier die online Version aus HEILBERUFE: [1]
  2. Auf "Intensiv" leben Ärzte und Pflegekräfte schon zusammen Ärzte und Pflegekräfte leben auf unterschiedlichen Planeten, lautet eine oft wiederholte These. Sind es vielleicht nur ihre Funktionäre? Das wurde beim Hauptstadtkongress laut nachgefragt. Der ganze Artikel: [2]
  3. DocCeck: Heilkundeübertragungsrichtlinie: [3]
  4. Wegweisende Modelle zur Weiterentwicklung der Pflege im Krankenhaus
  5. Der gemeinsame Bundesausschuss - Übertragungsrichtlinie: [4]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses von 20. Oktober 2011
  2. RAin Habermehl: Substitution ärztlicher Leistungen- Die Lösung für den Ärztemangel? Medizinrecht – Klinikrecht – Apothekenrecht, 5.11.2011
  3. HEILBERUFE, Richtlinie beraten. Heft 4/2011, 9
  4. HEILBERUFE, Richtlinie beraten. Heft 4/2011, 9
  5. http://www.medizinrecht-blog.de/2011/04/05/substitution-arztlicher-leistungen-die-losung-fur-den-arztemangel/
  6. HEILBERUFE, Richtlinie beraten. Heft 4/2011, 9