Hautpflege

Aus PflegeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Hautpflege bezeichnet man alle Maßnahmen, die der Erhaltung oder Wiederherstellung gesunder Haut dienen, damit die Haut ihren Zweck als Schutz- und Sinnesorgan, im weiteren Sinn auch als soziales Organ (Attraktivität, Kosmetik), optimal erfüllen kann.

Gesunde Haut[Bearbeiten]

Gesunde Haut schützt als äußere Begrenzung des Körpers (zusammen mit Schleimhaut und Hautanhangsgebilden) alle anderen Organe vor äußeren Einflüssen (pathogenen Keimen, Austrocknung, Temperatur, Strahlung, mechanischen Verletzungen). Die Hautpflege der Hände zählt zur Grundlage der Händehygiene, da nur gesunde, intakte Haut als Barriere gegen das Eindringen pathogener Keime dienen kann. Als Sinnesorgan (Tastsinn, Temperatur, Schmerz) trägt sie wesentlich zur Auseinandersetzung mit der Umwelt bei; außerdem ist sie ein Indikator für innere Prozesse.

Merkmale gesunder Haut: warm, weich und frei von Belägen, rosig bzw. entsprechend der Hautfarbe pigmentiert.

Maßnahmen zur Hautpflege[Bearbeiten]

Die Haut und ihre Funktionen können durch schädliche Auswirkungen innerer und äußerer Einflüsse beeinträchtigt werden. Maßnahmen zur Hautpflege unterstützen die normalen Hautfunktionen.

Zur Hautpflege gehören folgende Aspekte:

  • Versorgung der Hautzellen durch ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr (s. a. Exsikkose, Mangelernährung)
  • Reinigen von Verschmutzungen und Sekreten durch Waschen, Duschen, Baden oder mit Feuchttüchern
  • Schutz vor Krankheitserregern durch Schutzkleidung und Distanzierung ("non-touch"), Desinfektion nach Kontamination
  • Rückfettung trockener Haut, z.B. mit Cremes und Ölen
  • Erhalten eines physiologischen pH-Wertes von 5,5
  • Erhalten einer mäßig warmen Hauttemperatur durch Kleidung, Regulation der Umgebungstemperatur, künstliche Kühlung/Wärmequellen direkt am Körper (kalte/warme Umschläge, Wärmflasche etc.). Eine behagliche Hauttemperatur liegt bei ca. 33 °C, die Schmerzschwelle liegt bei unter 17 °C bzw. über 44 °C.
  • Schutz vor Hautreizung, mechanischen Verletzungen und Strahlung (UV, Radioaktivität, Röntgen etc.) durch Kleidung, besondere Schutzkleidung, Vermeidungs- und Fluchtverhalten (s. a. Schutzreflex)
  • Behandlung von Hautkrankheiten und Wunden durch lokal oder systemisch anzuwendende Arzneimittel

Auch Hautkontakte über Berührung und Behandlungen wie Einreibung, Massage etc. zählen zur Hautpflege.

Im Zusammenhang mit Hautpflege sind aber in manchen Einrichtungen immer noch unreflektierte Pflegerituale zu beobachten, beispielsweise das pauschale Auftragen von Körperlotion nach der Ganzkörperwaschung bei jedem Pflegebedürftigen. Wenn auch noch für alle standardmäßig die gleichen Produkte verwendet werden, kann von individueller Pflege keine Rede mehr sein. In der Pflegeplanung wird festgelegt, welche Maßnahmen und Hautpflegemittel im Einzelfall überhaupt nötig oder gewünscht sind.

Hautpflegemittel[Bearbeiten]

Bei Hautpflegemitteln im engeren Sinn handelt es sich um Mittel zur allgemeinen Körperpflege:

  • zur Reinigung (Seife, seifenfreie Waschlotionen oder Syndets) und
  • zur Rückfettung der Haut (Cremes, Öle, Wasser-Öl-Emulsionen).

Zur Behandlung von Verletzungen oder Erkrankungen der Haut (s. a. Dermatologie) kommen bei der Hautpflege Medikamente und Hilfsmittel zum Einsatz:

Entscheidungshilfen zur Produktauswahl[Bearbeiten]

Bei der Anwendung von Hautpflegemitteln bei der allgemeinen Körperpflege sind individuelle Gewohnheiten zu berücksichtigen (unter Beachtung der Verträglichkeit des jeweiligen Produktes). Ist das gewünschte Produkt allerdings ungeeignet (z.B. eine zu wässrige Lotion bei sehr trockener Haut), sollte eine Alternative angeboten werden.
Der Preis allein bietet keinen Hinweis auf die Qualität des Produktes, oft sind preisgünstige Cremes und Lotionen besser geeignet als teure (Hinweise dazu z.B. in den Testberichten von Öko-Test Jahrbuch Kosmetik).

Viele herkömmliche Hautpflegeprodukte enthalten Schadstoffe wie Formaldehydabspalter (unter den Inhaltsstoffen deklariert als z.B. Imidazolidinyl-Urea) oder PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Schadstoffe machen. Nach einer Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind 30 % (von insgesamt 60.000) untersuchten Pflege- und Kosmetikprodukten hormonell wirksam.[1] Zur Verbraucherinformation stellt der BUND eine kostenfreie App (ToxFox) für Smartphones zur Verfügung, mit der der Barcode des Produktes gescannt werden kann. So erhält der Verbraucher Auskunft über etwaige hormonell wirksame Inhaltsstoffe. Alternativ kann auf der entsprechenden Seite im Internet die Strichcode-Nummer des Produktes für den gleichen Zweck eingegeben werden (siehe Weblink unten).

In vielen Einrichtungen (und auch von manchen pflegenden Angehörigen) werden pauschal Babypflegeprodukte angewendet. Abgesehen davon, dass auch diese Hautpflegemittel nicht unbedingt qualitativ hochwertig sind, ist der Einsatz dieser Mittel bei jugendlichen und erwachsenen Pflegebedürftigen unangemessen.

Mittel zur Hautreinigung[Bearbeiten]

Schon klares Wasser allein hat eine reinigende Wirkung. Werden dem Wasser waschaktive Substanzen (Tenside) zugesetzt, erhöht sich der Reinigungseffekt und die keimreduzierende Wirkung. Abhängig vom pH-Wert der verwendeten Tenside wird dabei aber auch der Säureschutzmantel der Haut mehr oder weniger angegriffen. Dabei wirken sich alkalischen Seifen besonders negativ aus, während synthetische Tenside (Syndets) diese Schutzschicht der Haut eher schonen. Auf Zusatzstoffe (Farb- und Duftstoffe) im Reinigungsprodukt kann in der Regel verzichtet werden, da das Produkt ohnehin nicht auf der Haut verbleiben soll und wieder abgewaschen wird.

Ausnahmen:

  • Der dünne Fettfilm eines Ölbades wird nicht entfernt; er trocknet an und macht das nachträgliche Eincremen überflüssig.
  • Zusätze mit ätherischen Ölen wie Lavendel, Rosmarin oder Melisse.
  • Bei nicht orientierten Menschen kann der Duft des gewohnten Pflegemittels Sicherheit vermitteln.

Zu heißes Wasser und langes Baden strapaziert die Haut ebenso, da die Haut davon aufquillt und so für Schadstoffe durchlässiger wird. Daher ist kurzes Duschen bei mäßiger Temperatur eher zu empfehlen. Liegen keine besonderen Verunreinigungen vor, muss auch nicht jeden Tag geduscht oder eine Ganzkörperwaschung vorgenommen werden.

Zinkpaste oder Schmierölverschmutzung kann nicht mit Wasser und Seife abgewaschen werden, sondern wird mit einem möglichst pflanzlichen Öl (Sonnenblumen-, Mandelöl) und einem weichen Tuch vorsichtig ohne Reiben entfernt.

Mittel zur Rückfettung[Bearbeiten]

Normale, gesunde Haut muss nach Waschung oder kurzem Duschen nicht rückgefettet werden, da sie diese Funktion selbst übernimmt. Je mehr normale Haut gecremt wird, desto eher verliert sie diese Fähigkeit. Nur trockene oder schuppige Haut braucht spezielle Pflege in Form von Lotionen oder Cremes, die hochwertige Öle pflanzlichen Ursprungs und möglichst wenige, gut verträgliche Zusatzstoffe enthalten. Beispielsweise ist für Produkte, die mindestens 5% Dexpanthenol enthalten, eine positive Wirkung auf die Epithelisierung der Haut nachgewiesen.

Weniger geeignet sind Pflegemittel, die billige Erdölprodukte enthalten (deklariert als Paraffin, Mineral Oil, Cera microcristallina, Microcrystalline Wax, Ceresin), wie Melkfett, Pferdebalsam und auch diverse Markenkosmetika. Darin befinden sich häufig aromatische Kohlenwasserstoffe (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, kurz MOAH), die als potentiell krebserregend gelten. Insbesondere Lippenpflegestifte sollten auf diese Inhaltsstoffe hin überprüft werden, da hierbei MOAH über den Mund direkt in den Körper gelangt.[2] Dagegen sind silikonhaltige Präparate besonders zum Schutz vor Feuchtigkeit geeignet.

Kosmetische Aspekte[Bearbeiten]

Das Aussehen der Haut, ihr Geruch und ihre Textur machen einen großen Teil unseres Erscheinungsbildes aus. Da es als attraktiv gilt, möglichst jugendlich und gesund zu erscheinen, gibt es auch viele kosmetische Produkte, die vermeintliche "Schönheitsfehler" oberflächlich korrigieren sollen:

  • Mit dekorativer Kosmetik ("Schminke") werden u.a. farbliche Hautveränderungen kaschiert und Gesichtspartien betont, um z.B. dem gängigen Schönheitsideal (Kindchenschema) zu entsprechen. Bei bestimmten Hautkrankheiten oder -erscheinungen (z.B. Akne, Feuermale, Couperose) trägt die Abdeckung (Camouflage) der entsprechenden Stellen zum Wohlbefinden bei.
  • Duftstoffe in den meisten Pflegemitteln dienen in erster Linie dem Kaufanreiz, überdecken körpereigene Gerüche aber kaum, der Duft verflüchtigt sich meist nach kürzester Zeit. Außerdem können Duftstoffe Allergien auslösen.
  • Eine gängige Marketingstrategie in der Kosmetikindustrie ist die Pseudo-Behandlung vermeintlicher Schönheitsfehler wie Falten, Cellulite etc.

Literatur[Bearbeiten]

  • S. Philbert-Hasucha: Probleme mit der Haut. In: Pflegekompendium. Wirkstoffe. Materialien. Techniken. Springer, Heidelberg 2006 ISBN 3-540-25604-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BUND-Studie: Hormonell wirksame Stoffe in Kosmetika 2013, abgerufen am 8. August 2013
  2. Mineralöle in Kosmetika: Kritische Stoffe in Cremes, Lippen­pfle­gepro­dukten und Vaseline. auf www.test.de, abgerufen am 10. November 2015