Halbstandardisiertes Interview

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Das halbstandardisierte Interview gehört zu der Kategorie der Leitfadeninterviews.

Eine spezifische Weiterentwicklung des Leitfaden-Interviews bieten die Vorschläge zur Rekonstruktion subjektiver Theorien von Scheele und Groeben (1988). Der Interviewpartner verfügt über einen komplexen Wissensbestand zum Thema der Untersuchung (subjektive Theorie). Dieser Wissensbestand enthält explizit-verfügbare Annahmen, die der Interviewpartner spontan auf offene Fragen äußern kann und implizite Annahmen, für deren Artikulation er durch methodische Hilfen unterstützt werden sollte (verschiedene Fragetypen). Damit werden subjektive Theorien des Befragten über den Untersuchungsgegenstand rekonstruiert, z.B. subjektive Vertrauenstheorien, die Berater in ihrem Beratungshandeln mit Klienten verwenden. Ergänzt wird das eigentliche Interview in einem zweiten Termin durch die Anwendung der „Struktur-Lege-Technik“.

Leitfaden[Bearbeiten]

Im Interview werden die Inhalte der subjektiven Theorie rekonstruiert. Der Leitfaden wird nach thematischen Bereichen konstruiert, die jeweils von einer offenen Frage eingeleitet und mit einer Konfrontationsfrage beendet werden. Hinzukommen theoriegeleitete, hypothesengerichtete Fragen, die an der wissenschaftlichen Literatur zum Thema orientiert sind.

Die Struktur-Lege-Technik (SLT)[Bearbeiten]

An einem zweiten Termin, maximal ein bis zwei Wochen nach dem Interview, wird die SLT angewendet. Nach der Transkription und einer groben Inhaltsanalyse des Interviews werden dem Interviewpartner seine wesentlichen Aussagen auf kleinen Kärtchen erneut vorgelegt (inhaltliche Prüfung und Strukturierung der übrig gebliebenen Konzepte mittels der SLT-Regeln, in einer wissenschaftlichen Theorien ähnlichen Form). Graphische Darstellungen der subjektiven Theorien als Ergebnis des Strukturierungsprozesses

Vorteile:

  • die verschiedenen Fragetypen ermöglichen einen expliziten Umgang mit den in die Interviewsituation eingebrachten Vor-Annahmen im Verhältnis zu den Anteilen des Interviewten
  • die unterschiedlichen Fragetypen erscheinen als verschiedene Ansätze um implizites Wissen explizit zu machen
  • die Struktur-Lege-Technik bietet ein Modell für die Strukturierung der Inhalte, die Struktur wird in der Erhebungssituation mit dem Interviewpartner entwickelt und dies lässt sie zu einem Teil der Daten werden

Einordnung in den Forschungsprozess[Bearbeiten]

Theoretischer Hintergrund ist hier die Rekonstruktion subjektiver Sichtweisen, es bleibt Spielraum für die inhaltliche Ausgestaltung der subjektiven Theorie

Grenzen der Methode[Bearbeiten]

  • Anspruchsvolle Vorgaben der Methode (Fragetypen, SLT-Regeln)
  • nicht geeignet für Fragestellungen, die sich auf (z.B. biographische) Verläufe oder auf unbewusste Anteile des Handelns richten

Auswertung[Bearbeiten]

Zur Auswertung der so erhobenen Daten werden keine expliziten Vorschläge gemacht (Flick 2004).

siehe auch[Bearbeiten]