Gruppendynamik

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Der Begriff Gruppendynamik steht für: [1]

1. Muster, in denen Vorgänge und Abläufe in einer Gruppe von Menschen erfolgen,
2. eine Methode, die gruppendynamische Vorgänge beeinflusst und erfahrbar macht,
3. die wissenschaftliche Disziplin, die diese Muster und Methoden erforscht.

Die Eigenschaften und Fähigkeiten einer Gruppe sind verschieden von der Summe der Eigenschaften und Fähigkeiten der einzelnen Personen der Gruppe.

Als hauptsächliche Begründer der Gruppendynamik gelten Kurt Lewin (1890-1947), Begründer der Feldtheorie (in der Psychologie) und einer der Pioniere der Gestalttheorie beziehungsweise Gestaltpsychologie, der den Begriff erstmals 1939 in seinen Veröffentlichungen benutzte, sowie J. L. Moreno (1889-1974), der zur Entwicklung der Angewandten Gruppendynamik wesentlich beigetragen hat und der die Bezeichnung Gruppendynamik schon 1938 benutzte.

Dynamik der Gruppe[Bearbeiten]

Prozess

Der Prozess einer Gruppe umfasst die gesamte Entwicklung der Gruppe, die klassischen Phasen, die Verteilung der Rollen, die Bestimmung der Ziele und Aufgaben, die Bildung der Normen und Regeln, die Gestaltung der Kultur, die Verteilung von Macht, die Aufnahme neuer Mitglieder, der Umgang mit Dritten und anderen Gruppen. [bearbeiten] Phasen

Jede Gruppe entwickelt sich in Phasen, deren Abfolge immer ähnlich verläuft.

Siehe Hauptartikel Gruppenphasenmodell

Bennis beschreibt drei Phasen:

  • Dependenz – Abhängigkeit,
  • Konterdependenz – Gegenabhängigkeit/Trotz,
  • Interdependenz – reifes Miteinander.

Oder ausführlicher:

Dependenz 1. Dependenz - Flucht</br> Hier geht es um die Abwehr von Angst. Äußerlich scheint die Gruppe nach einem gemeinsamen Ziel zu suchen, man ordnet sich bereitwillig der Autorität der Trainer unter und versucht deren Erwartungen zu erfüllen. Erfahrene Teilnehmer beanspruchen Führungsaufgaben, werden aber von anderen immer wieder sabotiert.

2. Konterdependenz - Kampf</br> Hier geht es um die Macht. Die Macht der Trainer wird infrage gestellt, viel Diskussion über die Struktur, die Gruppe spaltet sich oft in zwei Teile, die einen versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen, die anderen widersetzen sich.

3. Lösung (Katharsis)</br> Inhalte und Themen werden zunehmend beachtet, Beziehungen werden geklärt und Erkenntnisse gewonnen, zwischen den Subgruppen bilden sich Kooperationen, die Gruppe einigt sich auf ein Ziel, Regeln werden aufgestellt.

Interdependenz</br> 4. Harmonie - Flucht</br> Die Gruppe flüchtet in Harmonie und Solidarität, die Gruppengeschichte wird idealisiert, intensive Arbeit aller am gemeinsam gewählten Programm, Einigkeit über Rollen und Aufgaben, Abgrenzung nach außen.

5. Entzauberung - Kampf</br> Konflikt zwischen persönlichen Wünschen und Gruppendruck, Infragestellung der Ziele und Regeln, Misstrauen untereinander, Spaltung in zwei Subgruppen, Machtkampf, viele Störungen.

6. Konsensbildung</br> Gruppe wird arbeitsfähig, Rollen werden geklärt, Normen und Regeln werden flexibel und konstruktiv eingesetzt, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und umgesetzt, Gruppenkultur bildet sich, Kontakt und Zusammenarbeit mit anderen Gruppen.

Rollen

In jeder Gruppe gibt es charakteristische Rollen. Raoul Schindler nannte sie:

  • Alpha (der Führer),
  • Beta (die Spezialisten),
  • Gamma (die Arbeiter),
  • Omega (der Sündenbock).

Diese Rollen sind immer besetzt. Wenn beispielsweise der Sündenbock ausgeschlossen wird, tritt ein anderes Gruppenmitglied an dessen Stelle. Dies gilt nicht für die Spezialisten (Beta). Diese Rolle muss in einer Gruppe nicht unbedingt besetzt sein.

Daneben gibt es noch weitere Rollen, die bestimmte Funktionen im Gruppenprozess erfüllen. Bekannt sind: der "Klassenkasper", der "Intrigant", der "Mitläufer", der "Beliebte". Solche Rollen werden im Gruppenprozess einzelnen Mitgliedern zugewiesen, sie haben erst in zweiter Linie auch mit den Persönlichkeitseigenschaften der Rollenträger zu tun.

Das Gruppendynamische Training[Bearbeiten]

Ein Gruppendynamisches Training bietet Raum, das Wirken des eigenen und fremden Verhaltens auf das Gruppengeschehen zu beobachten und neues Verhalten auszuprobieren.

Settings

Plenum

Im Plenum kommen alle Teilnehmer und die Trainer zusammen. Das Gruppendynamische Training beginnt und endet im Plenum. Dies ist der Ort an dem allgemeine Informationen mitgeteilt werden, Gruppen für weitere Arbeitsphasen eingeteilt werden, Ergebnisse von Arbeitsgruppen präsentiert werden und gegebenenfalls werden durch die Trainer Theorieinputs gegeben oder sonstige Interventionen gemacht. [bearbeiten] T(rainings)-Gruppe

Das Kernelement des Gruppendynamischen Trainings ist die T-Gruppe. In der T-Gruppe arbeiten 7 – 15 Teilnehmer mit 1 – 2 Trainern für die gesamte Dauer des Trainings zusammen. Die Aufgabe der Gruppe besteht daher darin, sich selbst zu erforschen. Dabei wird von den Trainern nur Ort und Zeit vorgegeben, nicht jedoch ein genauer Arbeitsplan. Die Gruppe ist daher darauf angewiesen den Lernprozess selbst zu gestalten, was besonders in der Anfangsphase für alle Beteiligte sehr verunsichernd ist. In der Regel arbeiten 2 – 6 T-Gruppen parallel.

Tandem

Beim Tandem beobachtet eine T-Gruppe eine andere. Am Ende der Arbeitsphase gibt die beobachtende Gruppe an die beobachtete Gruppe ein Feedback, das unkommentiert stehen bleibt. Danach wechseln die Gruppen.

Als Tandem bezeichnet man auch ein Trainerpaar. Gruppen werden meist von zwei Trainern geleitet. Dadurch können Aufgaben aufgeteilt werden (einer beobachtet, der andere interveniert), erwünschtes Verhalten vorgelebt werden (Kommunikation, Wertschätzung, Umgang mit Konflikt). Meist arbeiten ein Mann und eine Frau im Tandem zusammen, damit geschlechtsspezifisches ausgewogen ist.

Untergruppen

Für bestimmte Aufgaben werden Untergruppen gebildet. Diese können entweder das ganze Training überstehen, z. B. als aus Teilnehmern aus den verschiedenen T-Gruppen zusammengesetzt, die sich über die unterschiedlichen Verläufe der T-Gruppen austauschen, oder als Arbeitsgruppe innerhalb der T-Gruppe.

Triade

Während der gesamten Trainingsdauer treffen sich abends Dreiergruppen (Triade) zur Reflexion der Erfahrungen während des Tages und im Training. Ziel ist es, Erfahrungen zu verarbeiten, Erkenntnisse zu gewinnen und diese auf die persönliche Lebenssituation zu übertragen. Durch die Dreieckssituation ergibt sich gleichzeitig eine zusätzliche Lernsituation: das Dreieck ist ein Grundmuster für Beziehungen, von jedem erlebt durch das Dreieck Vater-Mutter-Kind. Triaden bleiben immer in derselben Zusammensetzung.

Arbeitsprinzipien

Niedrigstrukturiertheit und initiale Verunsicherung

Die Trainer geben wenig Struktur in Form von Arbeitsanweisungen o. Ä. vor. Das führt besonders in der Anfangsphase zu großer Verunsicherung. Nach Kurt Lewin ist jedoch gerade diese Verunsicherung notwendig, um Lernmöglichkeiten zu ermöglichen. Alte Verhaltenweisen sollen aufgetaut werden (Unfreeze), damit neue Verhaltensweisen ausprobiert werden können. Gleichzeitig wird durch das Erleben des Mangels an Vorgaben die Funktion eben dieser spürbar.

Das Hier-und-jetzt-Prinzip

In der Gruppe soll vorrangig auf Ereignisse Bezug genommen werden, die gerade passieren, so dass sie für alle gleichermaßen Bedeutung gewinnen können und eine gemeinsame Kommunikation darüber erleichtert wird. Ereignisse, die außerhalb der Gruppe, z. B. in der Vergangenheit eines Teilnehmers liegen, sollen nur insofern zum Thema werden, als dass sie helfen das aktuelle Gruppengeschehen besser zu verstehen.

Feedback

Da es im Gruppendynamischen Training um das gemeinsame Verstehen des Gruppengeschehens geht, ist es notwendig das eigene Erleben den anderen mitzuteilen. Diese Mitteilung wird Feedback genannt.

Gruppendynamische Intervention[Bearbeiten]

Die Trainer reagieren auf bestimmte Prozesse in der Gruppe durch eine "gruppendynamische Intervention". Dies kann ein Theorie-Input, eine Situationsbeschreibung oder -Analyse, ein Feed-Back, eine Aufgabe oder Anweisung, eine Frage, eine Übung sein. Nach der Intervention ist die Gruppe wieder sich selbst überlassen und muss selbst entscheiden, welche Erkenntnisse sie aus der Intervention ziehen und wie sie diese für den weiteren Prozess der Gruppenarbeit umsetzen will.

Gruppendynamische Übungen[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren wurde in gruppendynamischen Trainings eine Reihe von Übungen entwickelt, mit denen typische Gruppen-Situationen geschaffen, bewusst gemacht oder geübt wurden. Bekannte Übungen sind:

Vergleich mit Organisationslaboratorium[Bearbeiten]

Eine dem Gruppendynamischen Training sehr ähnliche Seminarform ist das Organisationslaboratorium. Dabei entfällt die Struktur der T-Gruppen. Aus dem Plenum heraus müssen sich die Teilnehmer selbst organisieren, also gegebenenfalls auch Arbeitsgruppen selbst bilden. Der Fokus liegt hier auf der Beobachtung von Organisationsprozessen.

Gruppendynamische Forschung[Bearbeiten]

Gruppendynamische Forschung bedient sich insbesondere der teilnehmenden Beobachtung in gruppendynamischen Laboratorien und im Organisationslaboratorium. Die Erkenntnisse durchdringen weite Bereiche der Sozialwissenschaften (Schulpädagogik, Gruppenpädagogik, Jugendarbeit, Gruppenpsychotherapie, Führung und Management, Teamarbeit, Projektarbeit, Politik, etc).

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Organisationsentwicklung
  • Sozialpsychologie
  • Gruppenprozess, Soziale Gruppe
  • Gruppenzwang

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • König & Schattenhofer 2006, S. 12f

Literatur[Bearbeiten]

Klassiker
  • L.B. Bradford, J.R. Gibb & K.D. Benne: Gruppen-Training. Stuttgart 1972 (en: 1966), ISBN 3-12-901410-1
  • Klaus Antons: Praxis der Gruppendynamik, 1974, ISBN 3-8017-0077-1
  • J. Luft: Einführung in die Gruppendynamik. Stuttgart 1971, ISBN 3-12-905420-0
  • Tobias Brocher: Gruppendynamik in der Erwachsenenbildung, 1967
aktuell
  • Eberhard Stahl: Dynamik in Gruppen. Handbuch der Gruppenleitung Weinheim - Basel - Berlin 2002. ISBN 3-621-27515-0
  • Peter Heintel (Hrsg.): betrifft: TEAM. Dynamische Prozesse in Gruppen. Opladen 2006. ISBN 3-531-15112-6
  • Karl G. Kasenbacher: Gruppen und Systeme. Eine Anleitung zum systemtheoretischen Verständnis der gruppendynamischen Trainingsgruppe. Opladen 2003. ISBN 3-8100-3815-6
  • Oliver König/Karl Schattenhofer: Einführung in die Gruppendynamik. Heidelberg 2006. ISBN 3-89670-518-0
  • Lothar Gassmann: Fühlen statt zu denken. Geheime Gehirnwäsche durch Gruppendynamik, Uhldingen 1991. ISBN 3-922816-03-7
Fachzeitschriften
  • Gruppendynamik, Klett-Cotta
  • Gruppendynamik und Organisationsberatung, VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, Vandenhoek & Ruprecht

Weblinks[Bearbeiten]

  • Österreichische Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsberatung (ÖGGO)
  • Sektion Gruppendynamik im Deutschen Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik (DAGG)
  • Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (ÖAGG)

Quellenangabe ?[Bearbeiten]

Bei einem Text, der offensichtlich aus einem Wiki stammt, sollte es nicht schwer fallen, die Quelle zu nennen. Oder?