Influenza

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Die Grippe (engl. "flu", lateinisch Influenza) ist eine hoch infektiöse Erkältungskrankheit. Dennoch verläuft etwa die Hälfte der Infektionen asymptomatisch oder als so genannte Erkältung.

Die "echte" Grippe ist durch folgende Symptome gekenzeichnet:

  • schlagartig einsetzendes Krankeitsgefühl (sudden onset),
  • Fieber,
  • Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen,
  • Rachen- und Kehlkopfentzündung,
  • unproduktiver Husten.

Als Komplikationen sind Bronchitits und Lungenentzündung gefürchtet. Bei Kindern können Erbrechen und Durchfall dazukommen. Bei älteren Menschen kann das Fieber fehlen. Die saisonale Grippe im Winterhalbjahr wird durch Influenza-Viren des Typs A ausgelöst (gehören zu den Orthomyxoviren) hervorgerufen. Diese werden durch Tröpfcheninfektion aerogen übertragen. Die Viren der Gruppe B können Myopathie (Rhabdomyolysis) Reye-Syndrom und Diarrhoe verursachen. Die Abgrenzung zur Lungenentzündung und Erkältung muss durch eine/n Arzt/Ärztin erfolgen. Für die so genannte Magen-Darm-Grippe mit Symptomen wie Magenschmerzen und Erbrechen ist ein anderes Virus verantwortlich. Diese Grippe hat mit der echten Influenza nichts zu tun!

Einerseits ist es tröstlich, dass die Grippe nur bei einem von fünf Infizierten einen schweren Verlauf mit hohem Fieber nimmt. Die Meisten spüren die Infektion nur als leichte Erkältung. Aber niemand kann das Fortschreiten vorhersagen. Also Vorsicht. Spätestens bei einem massiven Fieberanstieg ärztliche Hilfe holen. Ebenso ist bei Auftreten von Atemnot, die auf eine mögliche Lungenentzündung hinweist, sofort ärztliche Hilfe zu holen.

Prophylaxe[Bearbeiten]

Ein Mundschutz hilft nicht zu 100%, da die Virenpartikel kleiner sind als die Poren der Filtermedien.

Wichtig sind die Steigerung der körpereigenen Abwehr und die hygienische Händedesinfektion.

Den besten Schutz bringt eine Grippeschutzimpfung. Der Impfcocktail deckt die jährlich aktuell wahrscheinlichsten Virenstämme ab, darunter z. B. auch den Erreger der Sydney-Grippe. Da die Viren durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, hilft ansonsten lediglich, sich von anderen Menschen fernzuhalten.

Symptome[Bearbeiten]

  • plötzlicher Krankheitsbeginn
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper mit Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen, Augentränen
  • hohes Fieber bis 40 Grad Celsius
  • trockener Husten
  • trockene Kehle, Schleimhäute gereizt
  • angeschwollene Nasenschleimhaut (aber keine Rhinitis - Schnupfen)

Evtl.:

Komplikationen[Bearbeiten]

  • Lungen- oder Kieferhöhlenentzündung.
  • In wenigen Fällen kommt es zu einer Herzmuskelentzündung (Virale Myokarditis).
  • Betroffene sind so lange Ausscheider, wie Infektionssymptome wie Husten und gerötete Augen auftreten. Die Inkubationszeit, die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, ist bei der Grippe kurz: Sie beträgt nur ein bis zwei Tage.

Pflege bei Grippe[Bearbeiten]

  • Grundregeln der Infektionspflege einhalten
  • zunächst Gewichtskontrolle, um überschlägig Flüsssigkeitsverluste frühzeitig zu erkennen
  • Flüsssigkeit, soweit der Kreislauf das mitmacht.
  • engmaschige VZ-Kontrolle
  • engmaschige Temperaturkontrollen
  • Hilfestellung bzw. Übernahme der gesamten Grundkrankenpflege
  • Beobachtung von Schweißausscheidung - Krisezeichen
  • Prophylaxen durchführen (Dekubitus, Thrombose, Pneumonie, Intertrigo, Soor- und Parotitis)
  • genaue Dokumentation
  • vitaminreiche Kost anbieten
  • Bettruhe einhalten

Geschichte, große Seuchen[Bearbeiten]

Erst 1930 erkannte man, dass ein Virus die Influenza auslöst, davor war man lange Zeit der Ansicht, das Bakterium Haemophilus influenzae sei dafür verantwortlich.

Impfstoffe dagegen gibt es etwa seit 1950, die Gruppe der antiviralen Medikamente seit 1980.

Die Pandemien des 20. Jahrhunderts wurden nach ihren vermuteten Ursprungsgebieten benannt:

  • 1918–1920 – "Spanische Grippe" (Pandemie, zuerst in Spanien erwähnt, der Ursprung ist am wahrscheinlichsten Asien, aber definitiv nicht Spanien!). Verbreitet in Folge des 1. Weltkriegs. Geschätzte 20 -100 Mio. Tote weltweit!
  • 1957–1958 – "Asiatische Grippe" ca. 1 bis 1,5 Mio. Tote
  • 1968–1969 – "Hongkong-Grippe" ca. 0,75 bis 1 Mio. Tote

Gegenwärtig sterben jährlich weltweit etwa 200 Tsd. Menschen an Grippe oder deren Folgen, in der BRD in der Größenordnung 5 bis 10-Tausend Menschen.

Akute Erkrankungen an Schweinegrippe[Bearbeiten]

In Mexiko, Kalifornien und Texas gab es seit April 2009 etwa 86 Todesfälle und einige Tausend Erkrankungen an einem Sub-Virus der Schweinegrippe (Typ A/H1N1). Die meisten bestätigten Krankheitsfälle in den USA und Europa sind eher milde verlaufen. Dennoch sind auch in Europa ca. 160 Erkrankte an der neuen Variante verstorben (allein 80 in Groß-Britannien)

Aktuelle WHO-Informationen unter:

Die Übertragung erfolgt direkt von Mensch zu Mensch (Schmier- und Tröpfcheninfektion).

Als problematisch wird von den WHO-Experten der schwere Verlauf bei ansonsten gesunden jungen Erwachsenen in Mexiko und die großflächige Verbreitung angesehen. Dieser Virus-Subtyp sei früher nicht beobachtet worden. Ein entsprechender Impfstoff zur Prävention steht mittlerweile zur Verfügung.

Die Angaben zu den Fallzahlen sollten danach unterschieden werden, ob es sich um Verdachtsfälle oder um diagnostisch abgesicherte Fallzahlen handelt. Bei einer Pandemie wird es aber unter Umständen schwierig sein, bei allen Erkrankten oder Verstorbenen eindeutige Nachweise zu erhalten.

  • Die WHO hat den Warnstatus auf 5 angehoben (Mi, 29. April 2009).
  • Die WHO hat die nun Amerikagrippe genannte Grippeform offiziell als globale Seuche eingestuft. (Don, 11. Juni 2009)

Einen guten Überblick bietet die:

Pandemie-Verlauf in Amerika[Bearbeiten]

26. April 2009, Sonntag: Die Zahl der Erkrankten in Mexiko ohne exakten Erreger-Nachweis stieg am 26. April 2009 auf 1.600 Personen. In den USA wurden am 26. April 2009 folgende 20 Krankheitsfälle nach diesem Subtyp bestätigt: 8 in New York, 7 in Kalifornien, 2 in Texas, 2 in Kansas und 1 in Ohio.

Der Reiseveranstalter TUI wird wegen des Ausbruchs der Schweinegrippe in Mexiko bis einschließlich 4. Mai keine Reisen mehr nach Mexiko-Stadt anbieten. In Mexikos Hauptstadt-Region sind seit Freitag alle Schulen geschlossen, Großveranstaltungen sind verboten. Knapp unter 1000 deutsche Touristen verbringen als TUI-Kunden ihren Urlaub derzeit in Mexiko, fast alle auf der Halbinsel Yucatán.

Die Vereinigten Staaten riefen am Sonntag den Gesundheitsnotstand aus, wodurch zusätzliche Bundesmittel für Vorsorgemaßnahmen bereitgestellt werden können. Heimatschutzministerin Janet Napolitano kann nun im Bedarfsfall die staatlichen Lagerbestände an Antiviren-Medikamenten zur möglichen Verteilung abrufen. Dem folgte inzwischen der Bundesstaat Kalifornien.

Montag, 11. Mai: Die Schweinegrippe hat in Mexiko mindestens zehnmal so viele Menschen infiziert wie bislang gemeldet. Nach ersten Berechnungen könnten es bis Ende April bereits 23.000 gewesen sein, beschreibt ein internationales Team um Neil Ferguson vom Imperial College in London im US- Fachjournal «Science» den Unterschied zwischen den offiziellen und den wahrscheinlichen Zahlen. Offiziell sind es nämlich gerade etwas mehr als 2000 Fälle in Mexiko. Unterdessen breitet sich das Virus weltweit noch weiter aus. Die Zahl der betroffenen Länder stieg inzwischen auf mehr als 30.[1]

Bei den vorliegenden Ausbreitungszahlen nehmen die Forscher an: "Es ist ein Virus, das mit ziemlicher Sicherheit eine globale Epidemie auslösen wird", … "aber es ist nicht das Katastrophenszenario, das Menschen im Fall der Vogelgrippe befürchtet hatten." (Ferguson im Onlinedienst "Nature News"). Immer wieder weisen die verschiedensten Epidemiologen darauf hin, dass die Erkrankung in einer zweiten Welle, etwa im kommenden Winter, deutlich mehr Opfer fordern könnte als bisher.

Links dazu (Mexiko, USA), bzw. weltweit[Bearbeiten]

Pandemie-Verlauf in Europa[Bearbeiten]

  • 27. April 2009, Montag: Die Schweinegrippe ist in Europa angekommen. Das Virus wurde in Spanien bei einem erkrankten jungen Mann festgestellt, teilte die Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez am Montag in Madrid mit. Der Mann sei kürzlich aus Mexiko nach Hause zurückgekommen. Es gebe 20 weitere Menschen in Spanien, bei denen ebenfalls eine Infektion dieser Art vermutet werde.
  • 29. April 2009, Mittwoch: Diagnostisch bestätigte Erkrankungen gab es bereits in folgenden weiteren Ländern: Deutschland (3), Großbritannien (2). Bisher handelt es sich bei den Erkrankten um Personen, die selbst aus Mexiko aktuell eingereist waren.
  • 30. Oktober 2009, BRD: nach einer dpa-Meldung gab es drei weitere Tote an einem Tag. Damit gibt es bisher sechs Todesopfer der Infektionskrankheit, bzw. Todesfälle, bei denen diese Grippeform vorlag. Im Saarland starb ein fünfjähriger Junge an den Folgen der Schweinegrippe und einer bakteriellen Lungenentzündung, im Universitätsklinikum Bonn eine 48-jährige Frau und im Augsburger Zentralklinikum ein 16-Jähriger aus Günzburg . „Die 48-Jährige aus dem Rhein-Sieg-Kreis hatte keine bekannten Vorerkrankungen, die den schweren Krankheitsverlauf erklären würden“, hieß es und der Ansteckungsweg sei bisher noch unklar. Am 23. Oktober war ein 65 Jahre alter Mann in der Universitätsklinik Mannheim der dritte Todesfall in der BRD. Bislang seien knapp 30.000 Infektionsfälle seit Ausbruch der sogenannten Neuen Grippe im April erfasst worden.[2] In Europa starben nach Zahlen des EU-Seuchenkontrollzentrums ECDC bislang rund 250 Menschen an der Schweinegrippe, mehr als die Hälfte davon in Großbritannien. Weltweit wurden rund 6000 Todesfälle gemeldet, davon ca. 1000 in den USA.

Links dazu (Europa)[Bearbeiten]

  • Die Schweinegrippe ist in Europa angekommen. Zitat: "Das Virus vom Typ H1N1 wurde in Spanien bei einem jungen Mann identifiziert, teilte Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez am Montag in Madrid mit. Es handele sich um einen Studenten, der kürzlich aus Mexiko heimgekehrt sei. Er spreche bisher gut auf die Medikamente an und befinde sich nicht in Lebensgefahr. Das Gleiche gelte für 20 weitere Menschen in Spanien, bei denen ebenfalls eine Infektion vermutet werde." (spiegel.de, 27. April 2009)
  • WHO ruft zweithöchste Alarmstufe aus. (spiegel.de, 29. April 2009, Mittw)
  • European Centre of Disease Prevention and Control (ECDC, gegr. 2005, übersetzbar mit … Seuchenvorsorge und -überwachung. Stockholm, Schweden)

Wirkungsweise der Medikamente[Bearbeiten]

Amantadine ist ein bereits älteres Medikamente. Es verhindert, dass sich ein Grippevirus, wenn es in eine menschliche Zelle eingedrungen ist, seiner Hülle entledigt. So kann sich der Erreger aber nicht weiter vermehren. Amantadine ist in vielen Ländern rezeptfrei erhältlich, der falsche Gebrauch des Mittels hat viele Grippeviren allerdings schon resistent werden lassen.

Andere rezeptpflichtige Medikamente sind Oseltamivir (entspr. Tamiflu) und Zanamivir (entspr. Relenza). Beide stoppen das Virus, bevor es eine menschliche Zelle infiziert. Relenza ist ein Pulver zum Inhalieren und wird deshalb nicht so akzeptiert wie die Tamiflukapseln zum Schlucken.

Alle Grippemedikamente müssen entweder prophylaktisch, also vor der Infektion, genommen werden; dann kommt es in der Regel gar nicht erst zu einer Infektion. Oder die PatientInnen bekommen sie innerhalb der ersten 48 Stunden nach den ersten Symptomen. Der Verlauf der Erkrankung ist dann deutlich milder.

Am 26. Oktober 2009 begannen in Deutschland Schutzimpfungen gegen den Erreger.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Aktuelles beim Robert Koch Institut[Bearbeiten]

Andere[Bearbeiten]

Einzelnachweise Zitatnachweise, Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Forscher befürchten eine zehn Mal höhere Zahl von Infektionen. spiegel.de/wissenschaft 12. Mai 2009
    Fergusons u.a.: Artikel in "Science"
  2. Epidemiologischer Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (PDF-Datei)