Geschichte der Krankenpflege

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Die Geschichte der Krankenpflege steht generell in enger Verbindung mit der Entwicklung der Medizin in unserer Gesellschaft. Im Laufe der Zeit, zurückverfolgbar bis ins zweite Jahrtausend vor Christus, entwickelten die Disziplinen Medizin bzw. Heilkunde und Pflege sich zunächst undifferenziert auf einem gemeinsamen Weg; erst spät etablierte sich die Pflege als eigenständiger Bereich, heute inzwischen deutlich selbstorganisiert und auch als Studienfach an Hochschulen vertreten. Dem ging die Ausbildung des Berufs Arzt und seiner Fachdisziplinen voraus (ca. 17. bis 20. Jhdt.).

Die Geschichte der Pflege wird hier (anderer Artikel) berufsübergreifend als eine Geschichte der Professionalisierung der verschiedenen Pflegeberufe im deutschen Sprachraum betrachtet.

Krankenschwester 1943 in den USA

Wichtige Abschnitte der Pflegegeschichte[Bearbeiten]

  1. Vorchristliche Entwicklung von Pflege - Hippokrates und Galenos
  2. Entwicklung nach Christi Geburt
  3. Frühes Mittelalter
  4. Spätmittelalter
  5. Renaissance und Aufklärung
  6. 19. und 20. Jahrhundert
    1. Ende des 19. Jahrhunderts, Weiterentwicklung im 20. Jhd.
    2. Zeit des Nationalsozialismus
    3. Neuerungen der moderne Medizin verbessern auch Pflegemöglichkeiten


Vorchristliche Entwicklung von Pflege[Bearbeiten]

Schon in der Steinzeit wurden erkrankte oder verwundete Menschen von ihren Familienmitgliedern bzw. Stammesgenossen gepflegt. Was pflegerisch getan wurde, weiß man natürlich nicht, aber dass gepflegt wurde zeigen verheilte Knochenbrüche, die der Kranke ohne Hilfe nicht überlebt hätte. Selbst lebensgefährliche chirurgische Eingriffe wie Schädeltrepanationen haben Menschen überlebt, wie neu gebildeter Knochen an diesen Schädeln zeigt.

In Europa war die griechische Medizin sehr einflussreich: Ihre Lehren galten von ca. 500 v.Chr. bis ins 19.Jh. nach Christus als richtig. Einer der bekanntesten Ärzte ist Hippokrates von Kos, auf den sich viele Nachfolger beriefen. Die frühen griechischen Ärzte versuchten, die Theorien der damaligen Naturphilosophen auf die Medizin zu übertragen. Die Humoralpathologie oder "Vier-Säfte-Lehre" resultierte aus der Übertragung einer "Vier-Elemente-Lehre" der Naturphilosophie auf die Medizin. Jedem Element entsprach ein Saft = Körperflüssigkeit (Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle). Jeder Mensch hat ein für ihn spezifisches Säftegemisch. Sind alle Säfte im individuell richtigen Mass vorhanden, ist der Mensch gesund. Verschiebt sich das Mischungsverhältnis in irgendeiner Form, wird der Mensch krank. Aufgabe des Arztes war es, die Säfte wieder ins richtige Verhältnis zurück zu bringen. Dies konnte er durch Gabe von Medikamenten erreichen oder durch das Ableiten von überschüssigen Säften durch Methoden wie Aderlass, Schröpfen, Erbrechen oder Abführmassnahmen. Daneben war die Diätetik sehr wichtig, die aber die Lebensführung im weiteren Sinn umfasst, nicht nur die Ernährung. Bekannt sind die "sex res non naturales": die Dinge, die der Mensch selbst für seine Gesundheit tun muss:

    • AER: Licht und Luft
    • CIBUS ET POTUS: Speise und Trank
    • MOTUS ET QUIES: Arbeit und Ruhe
    • SOMNUS ET VIGILIA: Schlafen und Wachen
    • EXCRETA ET SECRETA: Ausscheidungen und Säfte
    • AFFECTUS ANIMI: Anregungen und Ausgeglichenheit des Gemüts

Diese "sex res non naturales" finden sich in den Aktivitätenlisten der bedürfnisorientierten Pflegemodelle (Henderson, Roper, Juchli, Krohwinkel) des 20.Jh. wieder.

Entwicklung nach Christi Geburt[Bearbeiten]

Nach Christi Geburt und Wirken entwickelt sich eine neue Auffassung: die Nächstenliebe. Von den Jüngern und deren Nachfolgern, die die ersten christlichen Gemeinschaften etablieren, wird die gegenseitige Fürsorge als christlicher Wert propagiert. Die Entwicklung des Christentums in Europa wird entscheidend sein für die Entwicklung menschlicher Werte u. die Pflege als solche, die später im christlichen Kontext eine besondere Rolle einnehmen wird.


Frühes Mittelalter[Bearbeiten]

Mit dem Niedergang des römischen Reiches geht nicht nur eine Kultur zugrunde, sondern auch technische Errungenschaften, wie z.B. die römische Badekultur, das Abwassersystem usw. Mönche und Nonnen wahren das Wissen in den Klosterbibliotheken. Den Kranken stehen sie v.a. durch Gebete bei, geben die Sakramente, nehmen sie in den Klöstern auf und versorgen sie mit Essen. Krankheit ist Strafe. "Christus Medicus" ist der wahre Erlöser, der die Menschen ein besseres Leben im Jenseits erhoffen lässt.

Im Hochmittelalter kommt neue Hoffnung auf. Seit dem 11. Jahrhundert werden zahlreiche Universitäten gegründet. So entwickelt sich auch die Medizin (langsam) weiter. Universitätssprache ist Latein. Die Säftelehre wird noch immer gelehrt. Aderlässe, Klistiere und andere undifferenzierte Methoden sind weiter sehr verbreitet.

Spätmittelalter[Bearbeiten]

Bis heute bekannt ist Paracelsus, der im Spätmittelalter wirkte. Er begründete eine neue Heilkunde, die auch die Chemie einbezog. Im Spätmittelalter treten durch die Städteentwicklung und mangelnde Hygiene häufige Epidemien auf, bekanntestes Beispiel: die Pest.

Auch 'Chirurgen' versorgen die Kranken, da die mittelalterlichen "Ärzte" dieses blutige Handwerk als unter ihrer Würde ansehen

Renaissance und Aufklärung[Bearbeiten]

In dieser Zeit werden erste wissenschaftliche Entdeckungen gemacht, bspw. der Blutkreislauf durch William Harvey. Die Anatomie entwickelt sich weiter, erste Sektionen finden statt, beispielsweise durch Leonardo Da Vinci, den Universalgelehrten, der Leichen stielt und sie in seinem Atelier präpariert. Dogmen wie die Säftelehre bilden jedoch weiterhin die Grundlage medizinischen Handelns. Erst Vesalius begründet die Lehre von der Beobachtung des Körpers - Anatomie und Funktion soll von jedem beobachtet werden können. Erst im 19. Jahrhundert kann man jedoch wirklich von Fortschritten sprechen. In der Aufklärung wird jedoch die Grundlage für die modernen Wissenschaften gebildet: Wissenschaftler publizieren und führen Debatten.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts, Weiterentwicklung im 20. Jhd.[Bearbeiten]

Das 19. Jhd. ist von zahlreichen Entdeckungen, z.B. der Vererbungslehre, Pasteurisierung, verschiedener Krankheitserreger und Therapien oder der ersten Narkose geprägt. Krankenhäuser (Hospitäler), in denen Ärzte, Pflegende und Studenten arbeiten, entwickeln sich ständig weiter. Von Bildern aus dieser Zeit kennt man die großen Krankensäle. Die Krankenpflege, deren Wiege in Europa mehr oder weniger die christlichen Orden waren, verfügt im 18. Jhd. noch nicht über einen bestimmten Ausbildungsinhalt. Die erste Pflegeschule, die man mit einer heutigen vergleichen könnte, gründet 1836 Theodor Fliedner in Kaiserswerth. Später wird Florence Nightingale sich dort für einige Monate unterrichten lassen. Im Kaiserswerther Mutterhaus werden Pflegerinnen von Ärzten unterrichtet und erhalten so eine Ausbildung.


Pflege ist zu dieser Zeit keine angesehene Berufsgruppe. Die Frauen werden ausgebeutet, arbeiten oft weit über 10 Stunden am Tag und haben keine gesonderten Rechte. Die erste Berufsorganisation für Pflegende gründet erst 1903 Agnes Karll (Berufsorganisation für Krankenpflegerinnen, später entsteht daraus der DBfK) und später gemeinsam mit den USA und England den ICN.


Florence Nightingale eröffnet die erste Krankenpflegeschule in London, 1860. Dort erhalten die Pflegerinnen eine einjährige Ausbildung (in Kaiserswerth waren es 3 Monate).


Henry Dunant gründete das Rote Kreuz im Jahr 1864 aufgrund den Erfahrungen in der Schlacht von Solferino. Er erhielt, nachdem sein Name fast verschwunden war, im hohen Alter noch den ersten Friedensnobelpreis für sein Lebenswerk.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus sind Pflegende integriert in die Methoden des Regimes, Morde und Experimente an Menschen (z.B. Zwillinge, Homosexuelle, psychisch Kranke) werden durchgeführt. Begriffe wie "lebensunwürdiges Leben" (Euthanasie) werden gebildet, behinderte Menschen werden getötet unter dem Vorwand, ihnen ein qualvolles Leben zu ersparen. Spezielle Einrichtungen werden dazu gebildet. Hier wirken auch Pflegende mit. Wie eigentlich alle Berufsgruppen im 3. Reich werden auch die Schwestern organisiert. Die NS-Schwesternschaft soll die Elite der deutschen Schwestern bündeln ("Braune Schwestern"). Weiterhin gab es z.B. den "Reichsbund freier Schwestern und Pflegerinnen" ("Blaue Schwestern") - dieser wurde später mit den "Braunen Schwestern" zusammengelegt, um die Ziele des Regimes mit einem einheitlichen Bund besser durchsetzen zu können. Nach dem Niedergang des 3. Reiches kam es zu einer völligen Neuorganisation der Schwesternverbände. Die Entnazifizierung soll im besetzten Deutschland nachhaltig durchgeführt werden.

Moderne Medizin im 20. Jhd.[Bearbeiten]

Nach dem II. Weltkrieg besteht ein besonderer Bedarf an Pflegern. Verschiedene Verbände werden gegründet bzw. neuorganisiert. 1957 wird das Krankenpflegegesetz erlassen, in dem die 2-jährige Ausbildungsdauer festgelegt wird, bald erkennt man jedoch, dass diese Zeit nicht ausreicht und der Beschluss wird überarbeitet. 1959 kommt die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung von zustande. 1985 werden die Ausbildungsrichtlinien an die Vorgaben der EG (Europäische Gemeinschaft) angepasst. Das KrPflG wird 1993 nochmals überarbeitet. 2004 wird die geschützte Berufsbezeichnung von "Krankenschwester-/pfleger" zu "Gesundheits- und Krankenpfleger/in" umgewandelt. Prävention und Gesundheitserhaltung sollen deutlicher betont werden. Eine wichtige Errungenschaft des 20. Jahrhunderts ist die Entwicklung von Pflegeeliten, Pflegestudiengängen und die Steigerung der Selbständigkeit von Pflegenden, die sich nicht mehr nur als ärztliche Assistenten sehen. Dies wird v.a. von Bedeutung sein in der erfolgreichen Verwendung des DRG-System.

siehe auch[Bearbeiten]

Geschichte der Altenpflege - Geschichte der Pflege - Rufaida Al-Aslamiya - "Schwester" als Berufsbezeichnung


Literaturtipp: Streiter, Georg: Die wirtschaftliche und soziale Lage der beruflichen Krankenpflege in Deutschland: 2. verb. u. erg. Aufl.: Jena: G. Fischer: 1924: XI, 212 S. 8


Quellen[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

Bücher:

  • Bischoff Claudia: Frauen in der Krankenpflege. Zur Entwicklung von Frauenrolle und Frauenberufstätigkeit im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt/Main. 1994.
  • Dätwyler B, Lädrach U: Professionalisierung der Krankenpflege. Zur Entwicklung der Berufskrankenpflege in der Schweiz. Basel. 1987.
  • C E Gedike: Handbuch der Krankenwartung. (Charite-Heilanstalt, Berlin, 1854, 3. Aufl.). Faksimile ISBN 3-88210-042-7.
  • Katscher Liselotte: Geschichte der Krankenpflege. Berlin. 1989.
  • Kruse Anna-Paula: Krankenpflegeausbildung seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Stuttgart/ Berlin/ Köln. 1995.
  • Panke-Kochinke Birgit: Die Geschichte der Krankenpflege (1679-2000). Ein Quellenbuch. Frankfurt/ Main 2001.
  • Steppe, Hilde, Hrsg: Krankenpflege im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main. 1996(8. A.).
  • Steppe, Hilde: "... den Kranken zum Troste und dem Judenthum zur Ehre ..." Zur Geschichte der jüdischen Krankenpflege in Deutschland. Frankfurt/ Main. 1997.
  • Wittneben Karin: Die Entwicklung der beruflichen und wissenschaftlichen Pflegeausbildung in den USA von 1872 – 1990. In: Mischo-Kelling Maria, Wittneben Karin. Pflegebildung und Pflegetheorien. München, Wien, Baltimore. 1995, S. 9 - 33.


Weitere ausführliche und ergänzbare Angaben zu den oben genannten Zeitabschnitten in der



Beiträge in Zeitschriften:

  • Boggatz Thomas. Gesundheitserziehung und Tuberkulosebekämpfung um 1900. in: Pflege 6/ 2003, S. 331 - 336.
  • Borker S, Wiemes R, Horn-Stracke H: Ordensfrauen und Krankenpflege in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Eine historische Forschung. in: Pflege 6/ 1999, S. 335 - 340.
  • Diehl Margit: Frauengestalten in der Krankenpflege des Mittelalters. in: Deutsche Krankenpflegezeitschrift 7/ 1992, S. 486 - 491.
  • Ewert Stefanie, Keßler Sybille, Seidl Norbert: "Ich war von jeher mit Leib und Seele gerne Pflegerin". in: Pflege 2/ 2000, S. 99 - 102.
  • Franke-Handrich Brigitte: Die weisen Frauen - gelebte Vorbilder für eine emanzipatorische Krankenpflege. in: Pflegezeitschrift 12/ 1998, S. 2 - 8.
  • Graber-Dünow Michael: Verdrängte Geschichte. Jüdische Altenheime im Nationalsozialismus. in: Dr. med. Mabuse 110/ 1997, S. 17 ff
  • Hadamitzky Gisbert: "... sich nach obszönen Sachen geradezu drängen..." Der Gemeindearbeiterverband und das freie weibliche Pflegepersonal bis 1914. in: Pflegegeschichte online. 1/ 1999, S. 2 - 8.
  • Klindt Kai Martin: "Geschlecht" und "soziale Schichtung" als Kategorien der Pflegegeschichte: Männliche Pflegekräfte in der Verberuflichung der deutschen Krankenpflege um 1900. In: Pflege 1/ 1998, S. 35 - 42.
  • Ponto Elisabeth: Die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands. In: Die Schwester/Der Pfleger: 8/2000 bis 8/2001.
  • Schriegel Helma: Entstehung und Entwicklung des Kinderkrankenpflegeberufes. in: Deutsche Krankenpflegezeitschrift 9/ 1983. S. 522 - 526.
  • Steppe, Hilde: Die historische Entwicklung eines beruflichen Selbstverständnisses in der Krankenpflege zwischen Beruf und Berufung. in: Deutsche Krankenpflegezeitschrift. Beilage Dokumentation Aus-Fortbildung. 5/1990, S. 2 -7.
  • van den Bussche, Hendrik: Schwesternmangel, Abhilfestrategien und Kompetenzgerangel in der Krankenpflege während der NS-Zeit. Das Beispiel des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf. In: Die Schwester/Der Pfleger. 9/1990, S. 774 - 777.
  • Wiedemann Bernhard: Entnazifizierung der deutschen Krankenpflege nach 1945: Die Vergangenheit wurde nur mühsam bewältigt. in: Pflegezeitschrift 3/ 1999, S. 201 - 204.

Weblinks[Bearbeiten]