Gerontologie

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Als Gerontologie wird die "Wissenschaft vom Alter und Altern" bezeichnet (altern = alt werden).

Der Begriff leitet sich ab vom griech. geron = Greis und logos = Lehre. Das Gebiet ist so etwas wie die Psychologie für alte Menschen. Dazu gehören unbedingt:

  • Aufklärung, Informationsvermittlung; sowohl für die allgemeine Öffentlichkeit wie für Betroffene. Auch die damit befassten Berufsangehörigen und die Politiker aller Ebenen benötigen Informationen über die Lage alternder Personen (insbesondere bei Verengung der Wahrnehmung, z. B. bei AP-Personal in Pflegeheimen).
  • Forschung (Biolog. Grundlagen, Versorgungsforschung, Statistiken u. a.)
  • Prävention gegen Einschränkungen im Alter, z. B. von krankhaften Veränderungen (Gesundheit)
  • Förderung der Rehabilitation (des R.-gedankens)
  • Organisation der Versorgung, z. B. durch die Medizin und Pflege

Gerontologie ist auch Unterrichtsfach in der Altenpflegeausbildung (in verschiedenen Lernbereichen).


Definition[Bearbeiten]

Eine umfassende Definition von Paul B. und Margret M. Baltes (1992) lautet:

  • "Gerontologie beschäftigt sich mit Beschreibung, Erklärung und Modifikation von körperlichen, psychischen, sozialen, historischen und kulturellen Aspekten des Alterns und Alters, einschließlich der Analyse von altersrelevanten und alterskonstituierenden Umwelten und sozialen Institutionen."

Diese relativ junge Wissenschaft an internationalen und deutschen Universitäten besteht aus den unterschiedlichsten Disziplinen, ist also programmatisch interdisziplinär ausgerichtet. So bemüht sie sich um die Integration der wichtigsten Disziplinen, die sich mit dem Menschen beschäftigen (Psychologie, Medizin (Geriatrie & Gerontopsychiatrie), Soziologie usw.), gleichzeitig führte sie dazu, dass innerhalb dieser Einzeldisziplinen das Interesse auf den Alter(n)s-Aspekt gelenkt wurde. Dies führte u.a. zur Ausbildung neuer Subdisziplinen (Unter-Fachgebiete) innerhalb der einzelnen Wissenschaften, wie z.B. der Gerontopsychologie oder in der Biologie, die dann wiederum mit ihren Forschungsergebnissen die Gerontologie befruchten.

Ziele[Bearbeiten]

Ziel und Zweck ist die wissenschaftlich begründete Alternskunde. Die Alternsforschung ist ein interdisziplinärer Ansatz mit dem wissenschaftlichen Anspruch, die körperlichen, psychischen und sozialen Aspekte des Alters und des Alterns (Altwerdens) zu untersuchen. Ziel der gerontologischen Forschung ist zum einen die sorgfältige Beschreibung von Veränderungen mit zunehmendem Lebensalter, zum anderen die Erforschung der Ursachen und Bedingungen dieser Alternsprozesse.


Aufgaben der Gerontologie[Bearbeiten]

  • 1. Aufklärung, Information; sowohl für
    • allgemeine Öffentlichkeit
    • Betroffene Personen (Älterwerdende und Angehörige)
    • beruflich damit befasste Gruppen
    • als Politikfeld - eine Querschnittsaufgabe

Interventionsgerontologie[Bearbeiten]

Außerdem zielt die Gerontologie auf eine praktische Umsetzung ihrer Erkenntnisse im Alltag. Die moderne „Interventionsgerontologie" basiert auf der Erkenntnis, dass

  • Altern nicht immer Abbau bedeutet;
  • Altern nicht nur ein biologischer Prozeß, sondern auch Soziales Schicksal ist (der Lebenslauf) und stark von den Lebensbedingungen abhängt und
  • im Alter ein körperliches und psychisches Wohlbefinden angestrebt werden soll. Die Ziele sind daher,
  • dem Altersabbau durch lebenslanges Training von Körper, Geist und sozialen Kontakten vorzubeugen (Prävention, Prophylaxe);
  • bereits eingetretene Schäden zu beheben (Versorgung und Rehabilitation; Therapie siehe > Geriatrie) und
  • Hilfen im Umgang mit typischen Problemsituationen des Alters zu vermitteln insbesondere durch
  • Information einzelner Personen und der Öffentlichkeit
  • eine spezielle Ausbildung der Berufstätigen im Bereich Altenhilfe sinnvoll sind.
  • Vorgehen und Wirkung von Altenpflege gehören innerhalb der Systematik der Gerontologie in diesen Unterbereich.


Gerontologie und Politik[Bearbeiten]

Mit den Jahren ist das Alter selbst zum Politikum geworden. Roger Bacon schrieb im 13. Jahrhundert für Papst Innozenz IV. eine «Gesundheitslehre des Alters». Erst 1909 begründet dann wieder ein Mediziner (J. L. Nasher, USA) die "Geriatrie". Damit spezialisiert sich die Medizin auf die Erforschung der Krankheiten alternder und alter Menschen. Aber es geht nicht nur um Medizin. Ein halbes Jahrhundert später lädt ausgerechnet der jüngste Präsident der USA, John F. Kennedy, gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Dwight D . Eisenhower zu einer vielbeachteten Konferenz ein. "Jeder unserer alten Staatsbürger . . . hat das Recht, nützlich zu sein, das Recht, eine Beschäftigung auszuüben, das Recht, unabhängig zu leben, das Recht, mit Würde zu leben und zu sterben" (Charta von 1961).


Entwicklung der Alternsforschung zur differentiellen Gerontologie[Bearbeiten]

Geht man in der Entwicklung der Alternsforschung nur 50 Jahre zurück, so prägten in den USA damals Vergleichsstudien zwischen 60jährigen und 20jährigen das Bild. Aus diesen Untersuchungen las man einen generellen und zwangsläufigen Intelligenzabbau mit dem Alterwerden ab, wobei entstandene Defizite als dauerhafte und nicht behandelbare Einschränkungen galten. Dabei beachtete man nicht, dass die untersuchten Vergleichsgruppen nicht nur unterschiedlich alt waren, sondern auch ganz andere Erfahrungen, Wertorientierungen, Bildungswege und Lebensbedingungen hatten, die sich auf die Lösung von Lernaufgaben auswirkten.

Erst als man begriff, dass ein objektives Bild der Intelligenzentwicklung im Alternsverlauf nur entstehen kann, wenn ein Geburtsjahrgang über einen längeren Zeitraum beobachtet und altersunabhängige Einflussgrößen ausgesondert werden, differenzierten sich die Erkenntnisse zur Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit im Altersverlauf. Heute wissen wir, dass Intelligenzanteile, die es uns erlauben, sehr schnell und flexibel auf Anforderungen zu reagieren, oder die es ermöglichen, mehrere Arbeitsaufgaben nebeneinander zu bewältigen, durchaus im Verlauf des Alternsprozesses nachlassen. Aber ein solcher Abbau kann aufgefangen werden, weil andere Anteile unserer geistigen Leistungsfähigkeit, wie zum Beispiel die gewonnenen Erfahrungen oder häufig Geübtes, auftretende Verluste kompensieren. Entscheidend für einen solchen Ausgleich sind die Fähigkeiten, welche die Menschen im Laufe ihres Lebens erworben und trainiert haben. Bedeutsam ist ebenso die Bereitschaft, diese Kompetenzen durch lebenslanges Lernen zu erhalten. Aber nicht nur eigene Anstrengungen, sondern auch eine fördernde und unterstützende Umwelt beeinflussen den Entwicklungsprozess. Die Menschen, die heute älter sind, unterscheiden sich von den Generationen ihrer Eltern und Großeltern. Auch die Alten von morgen werden andere persönliche Voraussetzungen mitbringen und unter anderen Umweltbedingungen ihr Alter(n) erfahren.

In Deutschland gehören Hans Thomae, Bonn, und Ursula M. Lehr, Heidelberg, zu den BegründerInnen der modernen Gerontologie. Lehr nahm 1987 den ersten Lehrstuhl für Gerontologie in (damals noch West-)Deutschland an der Universität Heidelberg ein. Sie gehörft zu den BegründerInnen des Deutschen Zentrums für Alternsforschung(DZfA) in Heidelberg.

Typische Fragen der Alternsforschung[Bearbeiten]

Die Ergebnisse gerontologischer Forschung lassen noch viele Fragen offen. So machen uns die Forschungsergebnisse einerseits auf die Risiken des langen Lebens aufmerksam, andererseits verbieten sie uns, das höhere und hohe Lebensalter weiterhin in Krankheitsbegriffe oder Pauschalierungen zu fassen. eine Wissenschaft in diesem neuen Forschungsbereich ist von der Methodenwahl und der vielen betroffenen Disziplinen kompliziert. Der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse der Gerontologie stehen häufig noch immer Altersvorurteile, mangelndes Interesse, aber auch eine komplizierte Wissenschaftssprache im Wege.

Welche Kompetenzen und Ansprüche haben Menschen im Alter? Wie kann der dritte Lebensabschnitt sinnvoll gelebt werden? Wie verändert sich das Bild vom älteren und alten Menschen in der Gesellschaft? Welche Bedeutung haben Zärtlichkeit und Sexualität im Alter? Welche Maßnahmen sind bei Gewalt und Ausgrenzung gegen alte Menschen zu ergreifen? Wie können ältere Menschen möglichst lange selbständig leben? Wie verläuft der Wandel der Generationenbeziehungen? Wie sieht die soziale Sicherung im hohen Lebensalter aus? Wie kann man die Leistungsfähigkeit im Alter erhalten ? Wieviel und welche Medizin ist im Alter erforderlich? Wie sieht die gesellschaftliche und politische Partizipation älterer Menschen aus?

Als Teilgebiete der Gerontologie kann man auch nachlesen bei der: Rehabilitationsforschung, Altersbild, Alzheimerforschung, Demographie, Kognitionsforschung, Versorgungsforschung, Medizinisch-epidemiologische Forschung, Geriatrie, Kompetenz im Alter, Pflegeforschung, Pharmakologische Forschung, Technikforschung, Umweltforschung, Biologie/Genetik, Bildungsforschung.

Gerontologie als Studium[Bearbeiten]

In Deutschland existieren im Moment diverse Angebote zur Hochschulausbildung im Bereich der Gerontologie:

  • Der berufsbegleitende Masterstudiengang Görlitz an der Hochschule Zittau/Görlitz ist als Zugangsberechtigung für den höheren Dienst bundesweit anerkannt und berechtigt zur Promotion [3]
    • Der Masterstudiengang Soziale Gerontologie wurde bis 30. September 2020 durch die AHPGS re-akkreditiert.


Gerontologie als Unterrichtsfach[Bearbeiten]

Gerontologie gibt es als Schwerpunkt / Unterrichtsfach in der Altenpflegeausbildung. Seit 2002 heißen die früheren "Schulfächer" Schwerpunkte. Gerontologie wird im jeweiligen "Lernfeld" mit anderen (alten) Fächern inhaltlich zusammengefasst und handlungsorientiert unterrichtet. Das Lernfeld kann von verschiedenen Personen sukzessive unterrichtet werden.

Idealerweise ergänzen sich die Themen der neben einander oder nach einander unterrichteten Schwerpunkte(Fächer). Dazu dienst der Stoffverteilungsplan. Ein Stoffverteilungsplan gilt pro Lernfeld jeweils für eines der drei Ausbildungsjahre. Nicht alle Lernfelder werden in jedem Ausbildungsjahr unterrichtet.

Gerontolgie erscheint vor allem in den Lernbereichen 2 und 4.


Siehe auch:[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

  • Baltes, Paul B; Baltes, Margret M. (1992) Gerontologie: Begriff, Herausforderung und Brennpunkte, in: Baltes, Paul; Mittelstraß, Jürgen (Hrsg.). Zukunft des Alterns und gesellschaftliche Entwicklung, Forschungsbericht 5, Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Berlin, New York,
  • Baltes Paul, MAYER Karl Ulrich (Hrsg. 1996) Die Berliner Altersstudie, Berlin (BASE)
  • BEAUVOIR Simone De (1970, dt. 1972, 1977 2.A., 19823.A.) Das Alter. Original La Vieillesse 1970 ed gallimard, paris; dt. rowohlt, Reinbek-Hamburg, Rowohlt Sachbuch 1280.
  • BRANDT, DENNEBAUM, RÜCKERT(Hrsg. 1987) Stationäre Altenhilfe. problemfelder, rahmenbedingungen, perspektiven. lambertus, freiburg, damaliger preis 22.- DM; 244 seiten, ISBN 3-7841-0330-8
  • Bundesregierung 2001 Alter und Gesellschaft. Dritter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. [5]
  • DETTE Ursula (1990 2.A) Ein langer Abschied. Verlag Die Feder, Wetzlar. ISBN 3-9802234-0-X (Ein Verlauf der Alzheimer Krankheit in literarischer und menschlicher Darstellung.)
  • Kruse Andreas, Martin M. (Hrsg. 2004), Enzyklopädie der Gerontologie: Bern: Huber.ISBN 3-456-83108-0 . Rezension Ströbel in socialnet
  • Leopoldina: Gewonnene Jahre. Empfehlungen der Akademiengruppe Altern in Deutschland. Nova Acta Leopoldina N. F. BD. 107, NR. 371 (2009), Altern in Deutschland Band 9, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2009, 80 Seiten, ISBN 978-3-8047-2550-8
  • KISKER KP, LAUTER H u. a.(Hrsg. ) Psychiatrie der Gegenwart, Bd. 8:
  • LEHR Ursula (1972, 1987 6.A) Psychologie des Alterns. Quelle und Meyer, Heidelberg.
  • IMHOF Arthur E (1988) Die Lebenszeit. Vom aufgeschobenen Tod und von der Kunst des Lebens, München
  • Lehr, Ursula (1987): Zur Situation der älter werdenden Frau . Bestandsaufnahme und Perspektiven bis zum Jahr 2000. beck, münchen. 3 406 322226 3
  • Luczak Hania: Alt werden in Japan. Die Abkehr vom Egoismus. Japan: Die Insel der glücklichen Alten. In: GEO Magazin 12/05.
  • SCHENK Herrad (Hrsg., 1985) So nah und doch so fern. Die Geschichte mit den Eltern. RoRoRo 5670, Reinbeck, Hamburg.
  • Ursula Staudinger, Heinz Häfner (Hrsg.): Was ist Alter(n)? Springer Verlag, Heidelberg 2008. 248 Seiten. ISBN 3-540-76710-X
  • TEWS Hans Peter (1971) Soziologie des Alterns. Heidelberger TB.
  • THOMAE HANS (1983) Alternsstile und Alternsformen. Ein Beitrag zur differntiellen Gerontologie. Huber, Bern, Stuttgart.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Damit es hier übersichtlich bleibt, hier die ausführliche Fassung der Weblinks zur Gerontologie.

Deutschsprachige Länder[Bearbeiten]

international[Bearbeiten]