Florence Nightingale

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Florence Nightingale
∗ 12. Mai 1820 in Florenz
† 13. August 1910 in London

Florence Nightingale gilt als eine Pionierin der modernen Krankenpflege. Sie hat sowohl selbst praktisch gepflegt, im Ausland pflegerische Praxis beobachtet, die Ausbildung in England professionalisiert als auch Beiträge zur Verwissenschaftlichung der Pflege und Forschung zur Krankenhaushygiene geleistet.

Leben[Bearbeiten]

Als Tochter einer wohlhabenden Familie sah Florence Nightingale bereits früh ihre Lebensaufgabe in der Pflege kranker Menschen. "Schwester" aller Kranken und Leidenden zu sein sei eine der schönsten, aber auch schwersten Lebensaufgaben, der sich eine Frau stellen kann. Als "Lady with the lamp" (Dame mit der Lampe) wird sie immer wieder dargestellt und ist der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, da sie am Ende ihrer Arbeittage auch zu später Stunde die Verletzten besuchte. Am 4. Oktober 1854 brach Florence Nightingale zusammen mit einem Teil der 38 weiteren Krankenschwestern und zum Teil Ordensschwestern nach Skutari (Türkei, asiatischer Teil von Istanbul) auf, um den englischen Verwundeten im Krimkrieg Beistand zu leisten. Im September 1853 beziehungsweise März 1854 hatten das Osmanische Reich und das verbündete England und Frankreich, Russland den Krieg erklärt. Der Hauptkampf ging um Sewastopol, das auch erobert wurde: Im Pariser Frieden von 1856 verzichtete Russland auf seine Kriegsflotte im Schwarzen Meer (bis 1871) und trat Teile seiner bessarabischen Besitztümer ab. Der Preis dafür waren schreckliche Gemetzel und grausame Schicksale der verwundeten und verstümmelten Soldaten.

Das englische und türkische Sanitätswesen war völlig rückständig und auf solche Schlachten mit Zehntausenden von Soldaten und Tausenden von schweren Geschützen nicht vorbereitet. Während auf französischer und russischer Seite bereits Krankenschwestern im Einsatz waren, fehlten den Engländern Ärzte und Pflegekräfte und sanitätstechnische Einrichtungen. Nach einem aufsehenerregenden Bericht über die schreckliche Lage an der Front in der Londoner "Times" schlug der britische Kriegsminister Sidney Herbert vor, Florence Nightingale solle die Pflege beim Heer organisieren. Durch ihre Ausbildung bei den Barmherzigen Schwestern in Paris und in der Diakonissenanstalt Kaiserswerth (bei Düsseldorf) war sie für diese Aufgabe gut vorbereitet. In Kaiserswerth wurde sie mit den Grundlagen der Krankenpflege vertraut. Der evangelische Pfarrer Theodor Fliedner (1800-1864) hatte im Oktober 1836 hier ein Krankenhaus und ein Diakonissenmutterhaus gegründet, mit dem Ziel, den armen Kranken humanitäre Hilfe zu leisten. Diese Einrichtung wurde Vorbild für die diakonische Anstalten in Deutschland und im Ausland.

Die Zustände, welche Florence Nightingale und ihre Krankenpflegerinnen in Scutari vorfand, waren Katastrophal. Vorallem die hygienischen Zustände waren so schwerwiegend schlecht, dass viele der dort verwundeten Soldaten weniger an ihren Verletzungen, sondern an Infektionen und Krankheiten starben. Die schlecht organisierte Bürokratie sorgte dafür, dass es an sauberen Wasser, Verbandsmaterial, Betten, Wäsche, Lebensmitteln und Sanitären anlagen mangelte. Erst durch eine Spendenaktion der Londoner Times standen Nightingale ausreichend Mittel zur Verfügung. Sie ließ neue Krankenflügel renovieren, sorgte dafür dass jede Krankenstation beheizt wurde, beseitigte hygienische Missstände, ließ eine Wäscherrei errichten und organisierte eine ausgewogende Nahrungsversorgung der Patienten.

In den folgenden Monaten vervollständigte Florence Nightingale die ausgewählte Gruppe durch weitere Krankenschwestern und Helferinnen, die freiwillig gekommen waren, so dass ihr bis Kriegsende 125 Pflegekräfte unterstanden. Die Pflege der verwundeten Soldaten erfolgte unter primitivsten Bedingungen und wurde durch eine Choleraepidemie infolge mangelhafter hygienischer Einrichtungen erschwert. Gleichwohl war der organisatorische Erfolg der Schwestern überwältigend. Zuweilen verköstigten sie bis zu 4000 Männer, und innerhalb von drei Monaten versorgten die Schwestern etwa 10.000 Soldaten mit Kleidung und Gebrauchsgütern.

Autorin[Bearbeiten]

Nach ihrer Rückkehr veröffentlichte Florence Nightingale ihre Erfahrungen in den "Notes of Hospital" und fasste ihre pflegerischen Grundsätze in den "Notes on nursing" zusammen, die 1859 und 1860 veröffentlicht wurden. Aus Mitteln einer Geldsammlung konnte sie am Sankt-Thomas-Hospital in London am 15. Juni 1860 die "Nightingale Training School for Nurses" eröffnen - die erste Schwesternschule in England, in der die Ausbildung zur Krankenschwester unter ärztlicher Anleitung und nach damals modernen wissenschaftlichen Maßstäben erfolgte.

Resonanz, späte Ehrungen[Bearbeiten]

Knapp fünf Jahre später - am 22. August 1864 - wurde auf Initiative des schweizerischen Philantropen Henry Dunant (1828-1910) das Rote Kreuz gegründet, das seitdem stark zur Verbesserung des Loses der verwundeten Soldaten in den Kriegen beigetragen hat. Florence Nightingale hat hieran ihren maßgeblichen Anteil.

Im Jahre 1907 wurde Florence Nightingale der britische Verdienstorden verliehen. Sie starb drei Jahre später am 13. August 1910 im Alter von 90 Jahren in London.

Jeweils an ihrem Geburtstag wird ihr zu Ehren der Internationale Tag der Pflege begangen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Florence Nightingale: Florence Nightingale to Her Nurses 160 Seiten Verlag Kessinger Pub Co, 2005. (Englisch) ISBN 1-4179-5161-3
  • Florence Nightingale’s Anmerkungen zur Krankenpflege: Was Krankenpflege ist und was Krankenpflege nicht ist, übersetzt und herausgegeben von Dr. Adolph Wiesner und Friedrich Eiche, Müller, New York 1860 (Digitalisat)
  • Florence Nightingale. Kaiserswerth und die britische Legende. Zum 150jährigen Jubiläum der Erstveröffentlichung von Florence Nightingales Bericht über die Diakonissenanstalt Kaiserswerth und ihrer Ausbildung in Kaiserswerth. Düsseldorf, 2001
  • Edward Cook: Life of Florence Nightingale. London: Macmillan & Co. 1913, 2-bändig. (erste Biografie, engl.)
  • Lynn McDonald: Edition of Nightingale's works, ab 2002
  • Brigitte Troeger: Florence Nightingale: Der Engel der Verlassenen, Brunnen, Gießen 2010, ISBN 978-3-7655-1738-9

Weblinks[Bearbeiten]