Fieber

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Definition und Pathophysiologie

Fieber entsteht durch eine Sollwerterhöhung im thermoregulatorischen Zentrum des Hypothalamus. Diese Sollwertveränderung kann viele Ursachen haben, u.a. Bakterientoxine oder andere sog. Pyrogene = fieberauslösende Stoffe. Gibt das thermoregulatorische Zentrum einen höheren Sollwert vor, versucht der Körper diese Temperatur zu erreichen. Hierzu versucht der Körper einerseits selbst Wärme zu erzeugen, z.B. durch Muskelzittern, andererseits möglichst wenig Wärme abzugeben, z.B. durch die Herabsetzung der Hautdurchblutung. In dieser Phase ist es dem Betroffenen kalt, er sieht "schlecht" (blass) aus und möchte sich unter der Decke verkriechen. Hat der Organismus dann die erhöhte Temperatur nach den Sollwertangaben erreicht, hört das oben beschriebene Empfinden auf. Ist die Sollwerteinstellung erreicht oder ändert sie sich wieder in Richtung normale Körpertemperatur beginnen die gegensätzlichen Mechanismen: die Haut wird gut durchblutet (Gesichtsröte), der Betroffene fängt an zu schwitzen, ...

Fieber ist dementsprechend keine Krankheit, sondern ein Symptom dafür, dass der Körper höhere Sollwertvorgaben erreicht. 

Fieber wird als eine Erhöhung der Körperkern-Temperatur über 38° C definiert.

Fieber sollte nur unter folgenden Umständen gesenkt werden, da es den körpereigenen Abwehrmechanismus unterstützt:

  • ab einer Körpertemperatur von etwa 40 °C
  • lang anhaltende Temperaturen, die stark schwächen
  • bei Risikopatienten wie Kleinkindern oder Patienten mit Herzinsuffizienz

Seine Auswirkung auf den Stoffwechsel in einzelnen Organen, ist die erhöhte Belastung des Herzens bei vermehrter Arbeit und auf den Flüssigkeitsverlust des gesamten Körpers.


digitales Fieberthermometer

Feststellen der Körpertemperatur[Bearbeiten]

  1. Möglichst beim liegenden Patient
  2. Patient sollte eine halbe Stunde vorher liegen, Heizquellen entfernen
  3. Meßzeiten: morgens früh, ab 16.00 Uhr nachmittags, Abweichungen melden


Thermometerarten[Bearbeiten]

  1. Quecksilberthermometer
  2. Temperaturmeßsonde (Intensivbereich)
  3. Digitalthermometer
  4. Tympanothermometer (Ohrmessung)
  5. Widerstandsthermometer
  6. Bimetallthermometer
  7. elektronisches Thermometer

Messarten[Bearbeiten]

Axillar[Bearbeiten]

  • Norm: 36,5-37,4°C
  • Vorteil: leicht erreichbar, angenehm für Patient
  • Nachteil: Manipulierbar

Rektal[Bearbeiten]

  • Norm: 36,6-37,4 °C
  • Vorteil: genauer Wert, entspricht weitgehend der Körperkerntemperatur
  • Nachteil: unangenehm (Eingriff in die Intimsphäre), aufwendig, mögliche Keimverschleppung
  • Nicht anwenden bei Patienten nach rektaler OP

Sublingual (unter der Zunge)[Bearbeiten]

  • Norm: 36,4-37,2 °C
  • Vorteil: rel. angenehm, leicht erreichbar
  • Nachteil: manipulierbar, Infektionrisiko

otal (im Ohr)[Bearbeiten]

  • Messgenauigkeit: entspricht der Körperkerntempertur
  • sehr kurze Messdauer
  • Achtung Messfehler durch fehlerhafte Anwendung, Platzierung

Vaginal[Bearbeiten]

  • Ort: In der Scheide
  • Sehr Seltene Messmethode
  • Unangenehm, Eingriff in die Intimsphäre

Inguinal[Bearbeiten]

  • Ort: In der Leiste
  • Messdauer : c.a. 8-10 min. / Digital : c.a. 3min
  • Beachte: Leiste muss trocken sein, lange Messdauer, Bei starkem Schwitzen Messfehler, Ungenaue Messung liegt c.a. 0.5 °C

Abweichung von der Norm[Bearbeiten]

  • Subfebrile Temperatur: leicht erhöht, 37,5-38 °C
  • Leichtes Fieber: 38,1-38,5 °C
  • Mäßiges Fieber: 38,6-39 °C
  • Hohes Fieber: 39,1-39,9 °C
  • Sehr hohes Fieber: 40-42 °C
    • Tod durch Eiweißgerinnung (Denaturation)im Körper bei 42,6 °C

Hypothermieund Hyperthermieentsprechen zwar auch Änderungen der Körpertemperatur. Da diesen Änderungen jedoch keineSollwerterhöhung, sondern eine Wärmeregulationsstörung zu Grunde liegt, zählen sie nicht zu den Fieberarten.


  • Hyperhidrosis: unphysiologisch starke Schweißbildung
  • Hypohidrosis: eine abnorm verminderte oder vollständig ausbleibende Schweißsekretion


siehe auch Messung der Körpertemperatur

Fieberursachen[Bearbeiten]

  • Abakterielles Fieber:
  • Bakterielles Fieber:
  • Cerebrales Fieber:
    • durch eine Störung des Wärmeregulationszentrums im Zwischenhirn
    • Temperatur steigt » immer Wärmebildung aber keine Abgabe, z. Bsp.: Schädel-Hirn-Trauma, Tumore, schwere Hirninfarkte, Wasserkopf, Blutungen im Gehirn

  • Durstfieber: (nach Definition des Fiebers, ist Durstfieber kein echtes Fieber, da keine Soll-Wert-Verschiebung vorliegt)
    • Flüssigkeitsverlust, dadurch ist kein Schwitzen möglich,
    • z.B. bei Kindern

  • Toxisches Fieber:
    • durch artfremdes Eiweiß gebildet von malignen Tumoren.
    • Bei einem Eindringen körperfremder Eiweiße erhöht der Körper die Temperatur. Dieses kann etwa bei Bluttransfusionen oder Impfungen eintreten.

  • Wärmestau: (nach Definition des Fiebers, ist Wärmestau kein echtes Fieber, da keine Soll-Wert-Verschiebung vorliegt)
    • wenn die Außentemperatur und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch sind,kann der Körper keine Wärme abgeben
    • dadurch Hitzefieber

Fieberverlauf[Bearbeiten]

  1. Stadium incrementi (Fieberanstieg)
  2. Stadium Fastigium (Fieberhöhe)

  3. Stadium decrementi (Fieberabfall)
    • lytisch = normal
    • kritisch = kleiner, kalter, klebriger Schweiß

lysis= langsamer Fieberabfall crisis= schneller Fieberabfall

kontinuierliches Fieber[Bearbeiten]

kontinuierliches Fieber

  • Tagesdifferenz von weniger als 1 °C
  • Gleichbleibend hohes Fieber
  • Bei Pneumonien, Typhus abdominalis, bakterielle Darmerkrankungen, Masern, Dengue-Fieber, Leptospirose

remittierendes Fieber[Bearbeiten]

remittierendes Fieber

  • Tagesdifferenz 1-1,5 °C
  • Immer im Fieberbereich
  • Nachlassendes Fieber
  • Oft bakterielles Fieber


intermittierendes Fieber (zeitweilig aussetzend)[Bearbeiten]

intermittierendes Fieber

  • Fieber mit fieberfreien Intervallen innerhalb eines oder mehrerer Tage
  • Sehr stark schwankendes Fieber, häufig mit normalen Temperaturen morgens und Fieberspitzen abends, mit schnellen Fieberanstiegen mit Schüttelfrost. z.B. bei eitrigen Infektionen, (Sepsis)

Biphasisches Fieber (Dromedartyp)[Bearbeiten]

  • Temperaturerhöhung in zwei Phasen = zweizipfelige Fieberkurve
  • Bei Viruserkrankungen, z.B. Poliomyelitis(Kinderlähmung),Meningokokkensepsis, Hepatitis, Masern, etc.
  • Ca. 7 Tage

undulierendes Fieber[Bearbeiten]

undulierendes Fieber

  • Mittelmeer- oder Malta-Fieber ausgelöst durch Brucellosen (Bakterienart)
  • Wellenförmig im Abstand von etwa einer Woche

rekurrierendes Fieber[Bearbeiten]

rekurrierendes Fieber

  • Rückfallfieber
  • Fieberfreie Zeiten über einen langen Zeitraum
  • Z.B. bei Malaria

Schüttelfrost[Bearbeiten]

siehe: Schüttelfrost

Aspekte bei der Pflege eines Fiebernden[Bearbeiten]

Je nach Ursache -bzw. bei Verdacht einer infektiösen Ursache- sind Maßnahmen zur Vermeidung der Infektionsübertragung auf andere erforderlich.

Subjektive Begleiterscheinungen[Bearbeiten]

(Empfindungen des Patienten)

Anfangsstadium

  • Allgemeines Krankheitsgefühl (Glieder und Muskelschmerzen)
  • Lichtempfindlichkeit
  • Müdigkeit, Leistungsabfall, Schwäche
  • Muskelschmerzen,
  • Appetitlosigkeit
  • Durst
  • Abwechselndes Hitze-Kältegefühl

Später

  • Kopfschmerzen
  • Lichtscheu (keine Erklärung)

Objektive Begleiterscheinungen[Bearbeiten]

(Messbar, sehbar)

Anfangstadium

  • Erhöhung der Temperatur
  • Erhöhung der Atemfrequenz, oberflächliche Atmung
  • Pulsanstieg (10 Schläge/min/°C, Ausnahme: Typhus abdominalis: Bradykardie)
  • Frösteln bis Schüttelfrost
  • Trockene, heiße Haut
  • Glänzende Augen (= feuchte Augen ► Kapillare im Auge verkleinern sich ► Wasser wird aus semipermeablen Membran gepresst)
  • Haut: blass, kalt
  • Verwirrtheitszustände
  • Wärmeproduktion durch Muskelkontraktion
  • Verminderte Speichelproduktion durch Flüssigkeitsverlust

Später

  • Rötung
  • Trockene belegte Zunge durch Flüssigkeitsverlust
  • Durst, Appetitlosigkeit
  • Unruhe, Schlaflosigkeit
  • großperliger, warmer Schweiß
  • Verringerte Urinausscheidung= Oligurie
  • Obstipation
  • Bedarf an Sauerstoff ist nicht gedeckt wegen erhöhten Stoffwechsel

Körperpflege und Wäschewechsel: nicht mit zu starkem Druck waschen, erzeugt weitere Wärme. Lippenpflege – Austrocknung vorbeugen. Nur leichte Bettdecke und Bettwäsche oft wechseln.

Feucht kühle Wadenwickel[Bearbeiten]

  • nur auf ärztl. Anordnung
  • bei Temperaturen ab 39° C
  • normales Leitungswasser (lauwarm!!!)
  • Temp. Sollte max. 1-1,5° C sinken
  • Wadenwickel sollen nicht um die Gelenke gelegt werden

Material[Bearbeiten]

  • Schüssel mit Wasser (Wassertemperatur sollte ca. 2 °C unter der Fiebertemperatur liegen - Achtung Literatur in guten Händen 10 Grad - allerdings führt eine zu kalte Temperatur zur Krise)
  • Stecklaken mit Nässeschutz (Gummi/Folie)
  • 2 Handtücher

Indikationen:

  • Fieber > 39 °C
  • Unruhe
  • Schlafstörungen (dann nur einmal anlegen, nicht erneuern)

Kontraindikationen

  • Kalte Hände und Füße
  • Frösteln
  • Schüttelfrost
  • Zentralisation des Kreislaufs

Prophylaxen[Bearbeiten]

Obstipationsprophylaxe[Bearbeiten]

  • Vermehrtes Schwitzen =>Flüssigkeitsmangel

Patient ausreichend Flüssigkeit anbieten Protein- und vitaminreiche Kost anbieten

  • Aufgrund eingeschränkter Mobilität

Dekubitusprophylaxe[Bearbeiten]

  • Feuchtes Hautmilieu – für trockene Haut sorgen (waschen, abtrockenen, trockene Kleidung, Bettwäsche wechseln)
  • Immobilität – Patient lagern, zum selbständigen Drehen anleiten

Pneumonieprophylaxe[Bearbeiten]

  • Immobilität – Patient vor Zugluft schützen
  • Oberflächliches Atmen – Oberkörperhochlagerung,
  • Intercostalräume erweitern,
  • Rücken abklopfen ( Wird nicht mehr gemacht! )
  • Hilfestellung beim Abhusten

Soor-und Parotitisprophylaxe[Bearbeiten]

  • Trockener Mund, belegte Zunge – Kautätigkeit anregen,
  • Patient zu Trinken anbieten,
  • Mundpflege anbieten

Thromboseprophylaxe[Bearbeiten]

  • Flüßigkeitsmangel – Patient zu trinken anbieten
  • Aktive und passive Bewegungsübungen
  • Beine wickeln oder MTS anziehen
  • Fußaktivstütze
  • Frühmobilisation

Kontrollen/Beobachtung[Bearbeiten]

  • Vitalzeichenkontrolle d.h ( Blutdruck, Puls, Temperatur )
  • Ein-und Ausfuhr,
  • Hautfärbung/Turgor,
  • Bewußtseinskontrolle,
  • Atmungskontrolle,
  • Fieberverlauf
  • Schmerzen ( Lokalisation der Schmerzen )

Krankenzimmer[Bearbeiten]

Leicht abgedunkelt, durchlüftet( keine Zugluft), 16°-18 °C Zimmertemperatur, Ruhe, Fenster geschlossen

Ernährung[Bearbeiten]

  • 2-3l pro Tag Flüssigkeit (salzreiches Mineralwasser – Elektrolytausgleich),
  • salzhaltige Nahrung,
  • Haferschleim,
  • Früchte,
  • Pudding,
  • mehrere kleine Mahlzeiten,
  • kohlenhydratreich,
  • Wunschkost
  • Hochkalorisch

fiebersenkende Maßnahmen[Bearbeiten]

  • Lindenblütentee,
  • Stechpalmentee,
  • Holunderbeersaft,
  • Physikaltherapie (Eisblase, Wadenwickel), Medikamente (Antipyretika)
  • Leichte Decke und Bekleidung, Raumtemperatur auf 17-19 Grad, Zimmer Lüften und Zugluft vermeiden.
  • Fiebersenkende Körperwaschungen durchführen.Wassertemperatur 10 Grad unter der Körpertemperatur des Patienten Als zusatz ein Liter Pfefferminztee auf 4 liter wasser vedünnt.
  • Kirschsaft
  • Wadenwickel

siehe auch[Bearbeiten]