Expertenstandard Dekubitusprophylaxe
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Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe[1] ist der allererste Expertenstandard, der im Jahre 2000 für Deutschland vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt wurde.
Er wurde zunächst vorwiegend für die Pflege in Krankenhäusern gedacht und muss eventuell für andere Pflegebereiche angepasst werden. Behandelt wird die Dekubitusprophylaxe, also die Möglichkeiten, der Entstehung eines Dekubitus vorzubeugen, nicht dagegen die Pflege bei einem vorhandenen Dekubitus. Damit man einen solchen Standard in die Praxis implementieren (das heißt einführen) kann, ist die genaue Beschäftigung mit dem Inhalt, insbesondere der Kommentierung unerlässlich. Die Entscheidung, ob und wie ein Expertenstandard eingeführt bzw. umgesetzt wird, ist eine Aufgabe des Pflegemanagements. Eventuell sollte dafür fachlicher Rat eingeholt werden.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Überblick über die zusammengefassten Standardkriterien
| Struktur | Prozess | Ergebnis |
| Die Pflegefachkraft | Die Pflegefachkraft | |
| S1 -verfügt über aktuelles Wissen zur Dekubitusentstehung sowie Einschätzungskompetenz des Dekubitusrisikos. | P1 -beurteilt das Dekubitusrisiko aller Patienten/Betroffenen, bei denen die Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann, unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrages und danach in individuell festzulegenden Abständen sowie unverzüglich bei Veränderungen der Mobilität, der Aktivität und des Druckes u. a. mit Hilfe einer standardisierten Einschätzungsskala, z. B. nach Braden, Waterlow oder Norton. | E1 Eine aktuelle, systematische Einschätzung der Dekubitusgefährdung liegt vor. |
| S2 -beherrscht haut- und gewebeschonende Bewegungs-, Lagerungs- und Transfertechniken. | P2 -gewährleistet auf der Basis eines individuellen Bewegungsplanes sofortige Druckentlastung durch die regelmäßige Bewegung des Patienten/Betroffenen, z. B. 30° Lagerung, Mikrobewegung, reibungs- und scherkräftearmer Transfer und fördert soweit als möglich die Eigenbewegung des Patienten/Betroffenen. | E2 Ein individueller Bewegungsplan liegt vor. |
| S3a -verfügt über die Kompetenz, geeignete druckreduzierende Hilfsmittel auszuwählen. S3b Druckreduzierende Hilfsmittel (z. B. Weichlagerungskissen und -matratzen) sind sofort zugänglich, Spezialbetten (z.B. Wechseldruckmatratze) innerhalb von 12 h. | P3 -wendet die geeigneten druckreduzierenden Hilfsmittel an, wenn der Zustand des Patienten/Betroffenen eine ausreichende Bewegungsförderung bzw. Druckentlastung nicht zulässt. | E3 Der Patient/Betroffene befindet sich unverzüglich auf einer für ihn geeigneten druckreduzierenden Unterlage, druckreduzierende Hilfsmittel werden unverzüglich angewendet. |
| S4 -kennt neben Bewegungsförderung und Druckreduktion weitere geeignete Interventionen zur Dekubitusprophylaxe, die sich aus der Risikoeinschätzung ergeben. | P4 -leitet auf der Grundlage der Risikoeinschätzung für alle identifizierten Risikofaktoren weitere Interventionen ein, die beispielsweise die Erhaltung und Förderung der Gewebetoleranz betreffen. | E4 Die durchgeführten Interventionen zu den Risikofaktoren sind dokumentiert. |
| S5 -verfügt über Fähigkeiten, Informations- und Schulungsmaterial zur Anleitung und Beratung des Patienten/Betroffenen und seiner Angehörigen zur Förderung der Eigenbewegung des Patienten/Betroffenen und zur Druckreduktion. | P5 -erläutert die Dekubitusgefährdung und die Notwendigkeit von prophylaktischen Maßnahmen, plant diese individuell mit dem Patienten/Betroffenen und seinen Angehörigen. | E5 Der Patient/Betroffene und seine Angehörigen kennen die Ursachen der Dekubitusgefährdung sowie die geplanten Maßnahmen und wirken auf der Basis ihrer Möglichkeiten an deren Umsetzung mit. |
| S6 Die Einrichtung stellt sicher, dass alle an der Versorgung des Patienten/Betroffenen Beteiligten den Zusammenhang von Kontinuität der Intervention und Erfolg der Dekubitusprophylaxe kennen und gewährleistet die Informationsweitergabe über die Dekubitusgefährdung an externe Beteiligte. | P6 -informiert die an der Versorgung des dekubitusgefährdeten Patienten/Betroffenen Beteiligten über die Notwendigkeit der kontinuierlichen Fortführung der Interventionen (z. B. Personal in Arztpraxen, OP- und Röntgenabteilungen, oder Transportdiensten). | E6 Die Dekubitusgefährdung und die notwendigen Maßnahmen sind allen an der Versorgung des Patienten/Betroffenen Beteiligten bekannt. |
| S7 -verfügt über die Kompetenz, die Effektivität der prophylaktischen Maßnahmen zu beurteilen. | P7 -begutachtet den Hautzustand des gefährdeten Patienten/Betroffenen in individuell zu bestimmenden Zeitabständen. | E7 Der Patient/Betroffene hat keinen Dekubitus. |
[Bearbeiten] Nächste Schritte vor Ort
- Der Standard muss in die jeweilige Einrichtung implementiert (mit Inhalt gefüllt) werden.
- Welche (Assessment-)Instrumente sind vorhanden?
- Was muß für alle kopiert werden?
- Wozu gibt es die nächsten drei Fortbildungs-Veranstaltungen?
- Der nächste Schritt besteht in der Anpassung derer Punkte, die noch teilweise ein Defizit aufweisen.
- Der nächste Schritt wäre dann die gelegentliche Erfolgskontrolle.
[Bearbeiten] Fußnoten
- ↑ Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, Entwicklung – Konsentierung – Implementierung (Februar 2004), 2. Auflage mit aktualisierter Literaturstudie (1999-2002); Hrsg.: Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), ISBN: 3-00-009033-9, 137 Seiten, Preis: 17,- € (inkl. MwSt. und Versand) Bezugsadresse: DNQP Fachhochschule Osnabrück, Postfach 19 40, 49009 Osnabrück, Fax (0541) 9 69 - 29 71, e-mail dnqp@fh-osnabrueck.de
[Bearbeiten] siehe auch:
[Bearbeiten] Literatur
- Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) "Expertenstandard Dekubitusprophylaxe", ISBN 3-00-009033-9, 137 Seiten, Preis: 17,- € (inkl. Versand)
- kda-Zeitschrift Pro Alter 1 / 2002 Schwerpunkt "Expertenstandard Dekubitusprophylaxe" - Inhalte:
- Kopiervorlage des NES.
- Dauerproblem in der Pflege? „Viele Druckgeschwüre bleiben unbehandelt“ Neue Studie aus Hannover zeigt erschreckende Ergebnisse
- ProAlter-Experten-Interview: „Große Mängel bei der Leichenschau“
- Erster Nationaler Expertenstandard in der Pflege: Endlich Schluss mit Mythen und Ritualen bei der Dekubitusprophylaxe
- Dekubitus-Gefahr – Was ist zu tun?
- BMG fördert weitere Expertenstandards
- MDK-Prüfungen: Pflegedefizite bei Dekubitusprophylaxe und -therapie
- Wege aus dem Dekubitus-Dilemma: Von der statistischen Erfassung bis zur Task-Force
- Pflege heute: Marc Strunz, vom Dilemme her; 8-19
- C. Bienstein (Hrsg.), G. Schröder (Hrsg.), M. Braun (Hrsg.), K.-D. Neander (Hrsg.): "Dekubitus – Die Herausforderung für Pflegende." Thieme-Verlag, 1997 ISBN 3-13-101951-4
- Heike Lubatsch: Dekubitusmanagement auf der Basis des Nationalen Expertenstandards. Ein Qualität entwickelndes Pflegemanagement. Schlütersche, 2004. 240 Seiten. ISBN 3899931211
- U. Reus, H. Huber, U. Heine. 2005: Pflegebegutachtung und Dekubitus. Eine Datenerhebung aus der Pflegebegutachtung des Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe (MDK WL) in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie Volume 38, Number 3 S: 210 – 217.
- Markus Stitz, Friederike Störkel, Dietmar Stolecki: Dekubitusprophylaxe in der Praxis. Anpassung eines hausinternen Standards an den Expertenstandard. In: Die Schwester/Der Pfleger 44:: 08/2005 S.
- Marcel Faißt (2010): Der Pflege-TÜV: Was stationäre Pflegeeinrichtungen über die MDK-Noten wissen müssen, ISBN 9783839185865 (Leitfaden zur MDK-Qualitätsprüfung und zur Umsetzung der Pflegetransparenz-Kriterien des MDK mit Praxisempfehlungen, Checklisten, Rechenmethode zur Pflegenote, etc.)
[Bearbeiten] Weblinks
- http://www.dnqp.de/ExpertenstandardDekubitusprophylaxe.pdf <--- Quelle als PDF-Datei
- Zur Häufigkeit des Auftretens von D. siehe Dekubitus - unter Prävalenz
- KDA - Kuratorium Deutsche Altershilfe – Pressemitteilung - Kampagne der Aktion gegen Gewalt in der Pflege: Wir retten unsere Haut! Kampf gegen Druckgeschwüre - ein Dekubitus ist ein vermeidbares SchicksalBerlin (AGP), 18. Juli 2002 hier
- Vorbeugen und frühzeitiges Erkennen von Wundliegen - Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende des Medizinisches Wissensnetzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke.
- Unter Pflegemanagement-konkret.de finden Führungskräfte in der Pflege sowie Qualitätsbeauftragte viele Informationen rund um das Pflegemanagement. Es gibt eine Reihe von kostenlosen Downloads (z. B. Checklisten zur Umsetzung der Expertenstandards, Dokumentationsformulare, etc.) und viele praktische und aktuelle Tipps für die Arbeit.
