Euthanasie im Nationalsozialismus 1939-45

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Das Wort Euthanasie im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland zwischen 1939-45 ist ein Tarnbegriff zur Verschleierung einer großen Mordaktion an Kranken und Behinderten in allen Altersgruppen. Die Nazis verwendeten dafür auch den Ausdruck Gnadentod. Dieser vieltausendfachen Ermordung lagen rassistische Gedanken zugrunde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher Überblick

Zwischen 1939 und 1941 wurden durch Ärzte und Pflegepersonen in Hadamar, Grafeneck und vier weiteren Anstalten insgesamt mindestens 70 273 Menschen ermordet. Zahlen der einzelnen Orte siehe unten. Ihre Tötung (Massenmord) war in vielen Details ein Anfang der Ermordung von einer ungeheuer großen Zahl jüdischer Deutschen, Russen und Polen und vieler anderer Verfolgter des deutschen Machtstrebens zwischen 1942 und 1945.

Historisch lässt sich das Verbrechen in fünf Abschnitten betrachten.

  • a) Erfassung und Selektion der Opfer.
  • b) Transporte in die als Zwischenlager fungierende Anstalten, um den weiteren Verbleib der kranken zu verschleiern.
  • c) Transport in die Tötungsanstalten und
  • d) fabrikmäßige Ermordung, Leichenbeseitigung und Falschbeurkundung der Todesursachen.
  • e) Fortsetzung der Morde mit weiteren Transporten (bei Schritt b)

Nachdem durch gehäufte Todesmeldungen und Zeugenberichte im Umfeld der Krankenheilanstalten quasi „öffentlich“ der Zweck der Transporte bekannt wurde, gab es vereinzelt Proteste. Diesen und dem inzwischen von den Nazis erreichte Haupterfolg wird die Einstellung der Massentransporte 1941 zugeschrieben. Es folgten in den Jahren danach

Die Reaktion der Öffentlichkeit nach 1945 war viele Jahre geprägt von einem „gemeinsamen Schweigen“ aller. Die Opfer hatten keinen Mund. Einerseits Scham über das Verbrechen - andrerseits Wissen, dass eine Verteidigung der Taten als richtig öffentlich gegen die Verurteilung der Nazi-Ideologie verstoßen würde. In vielen Einzelgesprächen wurde deshalb zwar generell dieser Massenmord abgelehnt aber gleichzeitig argumentiert, dass es in vielen Einzelfällen Mitleidstötungen an lebensunwertem Leben gegeben habe.

Die Veröffentlichungen des jungen Arztes A. Mitscherlich (1947) über die Nürnberger Ärzteprozesse und von Alice Ricciardi-von Platen-Hallermund (1948) blieben insoweit über zwanzig Jahre fast folgenlos.


Erst im Rahmen der 68er Jugendrevolte und der damit entstandenen Psychiatrie-Kritik kam es nach vielen Jahren zu ersten breiten Veröffentlichung über die Taten und immer noch im Arztberuf tätigen Täter(innen) (z.B. Steppe, Weisbrod-Frei). Es vergingen, nach schnell unter den Schweigeteppich gekehrten lokalen Skandalen, noch 1o Jahre bis mit den sehr gut dokumentierten Büchern von Ernst Klee nach 1985 das Thema in der deutschen Öffentlichkeit angekommen war – zumindest in der Fachöffentlichkeit wurde nichts mehr abgestritten oder beschönigt. Nur wenige der Täter lebten noch. Die meisten Gräber und damaligen Gebäude waren eingeebnet bzw. umgebaut.

Allerdings regte sich auch erstmals wieder eine Debatte um das Recht zur Tötung von bei Geburt schwerst kranken Säuglingen und von kranken Menschen, die sich ärztlichen Beistand zur medikamentösen Beendigung einer schweren Krankheit wünschten. Aus dieser Diskussion entstand in Deutschland als berechtigte Antwort die Palliativ-Medizin- / Hospizbewegung.

Eine Rolle spielte dabei auch eine Vereinigung, die sich aus Kritik an der „Kriminalisierung“ der Sterbehilfe „Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V“ nennt, und die ein freies Verfügungsrecht des Menschen über sein Leben proklamiert und auf die gesetzliche Neuregelung einer straffreien Sterbehilfe dringt.

Wo, wie viele Tote ?

Mord durch Ärzte und Pflegepersonen

(Alle Zahlen nach Hilgemann, 1986.)

Weitere Todesanstalten

(überwiegend durch Nahrungsentzug):

Hinzu müssen die Ermordeten (Individueller Mord nach Gutachterverfahren) in den ”Kinderfachabteilungen” gezählt werden wie:

Hinzu müssen weiter diejenigen Toten aus Konzentrationslagern gezählt werden, die nach dem August 1941 bis 1943 zum Massenmord in die Todesanstalten transportiert wurden (insbesondere die so genannte 1. Aktion „14f13“ 4/41- 4/43). z.B. aus Ausschwitz 7/41 575 Ermordete. Denn die Mörder waren dort ja eindeutig Mediziner und Pflegepersonal.

Weiter wurden durch medizinische “Versuche” Hunderte (evtl. Tausende) KZ-Häftlinge ermordet. Ihr Schicksal war die moralische Abwertung des Menschen zum Versuchskaninchen.

Ablauf der Massenmord-Aktion “ T 4 ”

Aktion "T 4" ist der Deckname der Euthanasie-Massenmorde im Nazistaat nach der Berliner Anschrift Tiergartenstr. 4, auch absichtich verschleiernd von den Tätern "Aktion Gnadentod" genannt)

  1. Anstalt, Heim: Bürokratische Registrierung in Listen und Karteikarten, Selektion unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsunfähigkeit durch Gutachter (Mediziner außerhalb der Anstalten).
  2. Transport in Zwischenlager. Dies soll den Endpunkt des Transports verschleiern und als Puffer bei Überfüllung des Vernichtungslagers dienen.
  3. Vernichtungsanstalt: Spritze, Gift, Gas, Unterernährung, Kälte, Mißhandlung/“Hinrichtung“.
  4. Beseitigung der Leichname meist durch Verbrennen. Bürokratische Abwicklung in separaten Standesämtern zur serienweisen Erstellung falscher Todesurkunden.

Dabei waren immer Menschen beteiligt. Als Mitwisser, als Befehlsausführende, als Nachrichtenübermittler, als bewußt zustimmende Täter (-innen). Leider waren einige Täter auch von Beruf Pflegekräfte.

Von Berlin aus benutzten die Täter verschiedene Scheinfirmen, um die einzelen der oben genannten vier Schritte auch noch bürokratisch ohne Geldverlust abzuwickeln. Es gab die Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten (RAG), die die Fragebögen an alle Heil- und Pflegeanstalten im Deutschen Reich versandte und dann von drei Ärzten (Gutachtern) über Mord oder Leben von jedem der erfassten Patienten entscheidenließ. Die „Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege“ mietete und richtete die sechs Tötungsanstalten ein, sie kaufte das Giftgas, stellte das Personal für Massenmord und Einäscherung ein. Dazu gehörte auch immer ein falsches Standesamt. Die „Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft mbH“ stellte die Transportlisten zusammen und schickte die grauen Busse auf die letzte Reise (Um den Weg in die Gaskammern der "Heilanstalten" zu verwischen, führten die Transporte meist über regionale Zwischenstationen, wie oben im Beispiel über das Psych. Landeskrankenhaus Wiesloch). Die vierte Tarnfirma hieß „Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten“. Sie rechnete den Mord mit den Kostenträgern wie Landkreisen und Sozialämtern ab. Auch den Versand der Urnen mußte oft noch von den Angehörigen extra bezahlt werden.

Grundlagentext zur Geschichte

Für Leserinnen, -er, die noch keine oder nur wenige Kenntnisse über die Nazi-Zeit haben, findet sich hier ein Grundlagentext:

THAMER Hans-Ulrich (2003) Das Dritte Reich im Zweiten Weltkrieg. Informationen zur politischen Bildung (Heft 266 und 251) der Bundeszentrale für politischen Bildung. Kann als Grundlagentext zur Geschichte verwendet werden. Gibt viele weiterführende Hinweise. online und als Heft aus der Reihe "Informationen zur politischen Bildung“; das Sie unter folgender Adresse bestellen können(Nur Versandkosten): Franzis print & media GmbH, Postfach 15 07 40, 80045 München, Fax: 089/ 5117-292 E-Mail: infoservice@franzis-online.de Link:

Links zur Bundeszentrale für politischen Bildung: www.bpb.de

Siehe auch

Literatur

Weblinks


Euthanasie-Links

Links zu Euthanasie-Gedenkstätten

Siehe auch: Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, Aktion T4, Kinder-Euthanasie


Weblinks

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