Essstörung
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[Bearbeiten] Definition
Als Esstörung bezeichnet man Störungen des Essverhaltens (s. a. Verhaltensauffälligkeit). Betroffene beschäftigen sich gedanklich stark mit dem Thema Nahrungsaufnahme; sie erfolgt nicht mehr zur Deckung des Energiebedarfs aus Hunger, sondern weicht unter psychischem Druck extrem von der Stillung physiologischer Bedürfnisse ab. In den westlichen Industrienationen gehören die Essstörungen zu den verbreitetsten psychischen Störungen. Je nach Hintergrund und Ausprägung kann eine Essstörung als Sucht, Zwangs- oder Wahnerkrankung bezeichnet werden.
Ein Merkmal der Essstörungen ist, dass die Betroffenen ihr Essverhalten entweder als normal oder erstrebenswert erachten (Orthorexie, Anorexie) oder aber versuchen, ihr in ihren Augen unnormales Verhalten vor anderen zu verstecken (Bulimie, latente Esssucht, Binge Eating, Night Eating). Die Betroffenen der Anorexie, Orthorexie und Bulimie leiden normalerweise unter einem verzerrten Selbstbild und sind der Meinung, dass sie erst mit Erreichen eines (unerreichbaren) Ziels ein erfülltes Leben führen können; oft halten sie sich für zu dick, auch wenn ihr Spiegelbild objektiv betrachtet einen schlanken oder dünnen Menschen zeigt. Die Bulimiker, Binge Eater, Night Eater und Betroffenen der latenten Essucht erleben ihre Krankheit als Kontrollverlust, für den sie sich schämen und verantwortlich machen. Solange sie normalgewichtig sind, sehen sie sich ebenfalls dicker als sie wirklich sind. Allen Essgestörten gemein ist, dass sie sich über ihr Gewicht definieren und davon abhängig glücklich oder eben unglücklich sind, ihr Selbstwertgefühl ist sehr niedrig.
Es kommt immer wieder vor, dass sich die Form der Essstörung bei Betroffenen verlagert, z. B. von Bulimie zu Binge eating, von Anorexie zu latenter Esssucht oder andere Varianten.
[Bearbeiten] Ursachen
[Bearbeiten] Soziale Entstehungsmechanismen
Familiäre Strukturen wie betonte Rollenverteilung, Rivalitätskonflikte, Isolation der Familie bilden den Boden für eine gestörte Selbstwahrnehmung. Gesellschaftlicher Schlankheitswahn und Leistungsdruck, insbesondere in peer-groups bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, spielen eine untergeordnete Rolle, tun aber bei grundlegender Unsicherheit ein übriges. Ideale und Macht gewinnen eine besondere Bedeutung; über das Essverhalten scheint der/die Betroffene nicht nur das eigene Gewicht, sondern auch Selbstwert, Erfolgserlebnisse sowie Zuwendung für sich und andere zu kontrollieren.
70% aller Frauen und 64% aller Männer halten sich für übergewichtig. 80% der Frauen aus den Industrienationen essen sich aus Angst um die Figur nie wirklich satt. 90% mach(t)en aktuell Schlankheitsdiäten. Auch der größte Teil befragter Mädchen hält sich für zu dick. Diese Aussage machten selbst 13,2% der objektiv Untergewichtigen, und 8,3% von diesen gaben an eine Diät zu machen.
[Bearbeiten] psychische Ursachen
Die oben beschriebenen soziokulturelle Einflüsse können an sich bereits psychisch bedingte Esstörungen verursachen. es gibt jedoch auch psychiatrische Krankheitsbilder, die sekundär das Essverhalten verändern und bei starker gedanklicher Beschäftigung mit dem Thema ebenso die Kriterien für eine Essstörung erfüllen:
- Wahn, allen voran der Vergiftungswahn, aber auch religiöser, Beeinflussungs- oder Armutswahn etc.
- Depression, Manie, degenerative Erkrankungen (Alzheimer, Arteriosklerose...) können zu Appetitlosigkeit führen
[Bearbeiten] körperliche Ursachen
Neben sozialen Faktoren können auch körperliche Ursachen das Essverhalten grundlegend verändern:
- strukturelle Veränderungen des Verdauungstraktes (Fehlbildungen, Tumoren, Narben...), Schluckstörungen, künstliche Ernährung
- Nebenwirkungen von Medikamenten, sonstige Stoffwechselstörungen
[Bearbeiten] Formen
- Anorexie ("Magersucht") - Betroffene reduzieren die Nahrungsaufnahme auf ein Minimum oder stellen sie ganz ein. Risiken: Mangel-/Unterernährung, Tod durch Verhungern.
- latente Esssucht - Es wird weit mehr Nahrung aufgenommen als benötigt. Der Überschuss wird in Fettreserven eingelagert. Risiken: Adipositas und damit einhergehende Risiken
- Bulimie: - kennzeichnend ist das Erbrechen nach dem Essen und der Missbrauch von Laxantien. Betroffene essen oft "normal", häufig ist aber eine Mischform von Reduktionskost/"Nulldiät" und Fressanfällen. Risiken: Neben Mangelernährung Stoffwechselstörungen, Erkrankungen des Verdauungstraktes (bes. Darm, Ösophagus, Zähne)
- Binge Eating - unkontrollierte anfallartige Fressorgien bei ansonsten normalem Essverhalten, ohne künstliches Erbrechen oder Abführen. Risiken: Adipositas und damit einhergehende Risiken
- Night eating - ähnlich wie Binge eating, allerdings finden die Fressanfälle nachts statt, meistens wacht man mit Heißhunger zwischen den Tiefschlafphasen auf. Zum Teil körperliche Ursachen. Risiken: Adipositas und damit einhergehende Risiken
- Orthorexie: zwanghafte Konzentration auf "gesundes" Essen, eigene Maßstäbe bestimmen die Diät - z.B. manche Vegetarier/Veganer, sehr sportliche und körperbewusste Menschen